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Glaubensansichten

Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen (Bild Quelle) “Wahrlich, ich sage: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen;” (Lehre und Bündnisse 58:27). Lehre und Bündnisse 58:24–25 Hier fordert der Herr Edward Partridge und seine Berater auf, Missouri als ihren feste

4. Juni 2025, 09:14am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Wahrlich, ich sage: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen;” (Lehre und Bündnisse 58:27). 

Lehre und Bündnisse 58:24–25 

Hier fordert der Herr Edward Partridge und seine Berater auf, Missouri als ihren festen Wohnsitz anzunehmen und ihre Familien dorthin zu bringen – in enger Absprache miteinander und mit dem Herrn. 

Casey Paul Griffiths beschreibt, wie schwer dieser Schritt für Edward war: Er war ein erfolgreicher Hutmacher in Ohio und hatte seine Heimat nur mit dem Gedanken verlassen, bald zurückzukehren. Doch er akzeptierte den Ruf Gottes, alles hinter sich zu lassen. Seine Frau Lydia musste später mit den fünf kleinen Töchtern allein nach Missouri reisen – eine große Herausforderung. Trotz aller Schwierigkeiten beklagte sie sich nie, sondern freute sich, „um des Evangeliums willen“ leiden zu dürfen. 

Lehre und Bündnisse 58:26–29 

Hier betont Gott, dass er uns nicht zu allem befehlen möchte. Wer nur handelt, wenn er ausdrücklich dazu aufgefordert wird, ist ein „träge[r] und nicht ein weiser Diener“ und empfängt keinen Lohn. Stattdessen sollen wir mit Eifer aus eigenem Antrieb Gutes tun, denn die Macht dazu ist in uns gelegt. Rechtschaffenes Handeln aus freiem Willen wird von Gott immer belohnt. 

Casey Paul Griffiths erklärt, dass es hier um die göttliche Gabe der Entscheidungsfreiheit geht – ein zentrales Thema schon im Buch Mose (Mose 4) und D&C 29. Der Herr möchte, dass wir lernen, aus freier Wahl das Gute zu tun, nicht nur auf Befehl. Selbst der Widerstand des Teufels gehört zum Plan Gottes, weil ohne Gegensätze keine wahre Entscheidungsfreiheit möglich wäre. In Zion, wo die Heiligen ein neues Leben aufbauen sollten, war es besonders wichtig, dass sie Verantwortung übernehmen und mit Eigeninitiative handeln – nicht aus Zwang, sondern aus Glauben und innerem Antrieb. 

Lehre und Bündnisse 58:30–33 

Hier wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass mit Entscheidungsfreiheit auch Verantwortung einhergeht. Der Herr macht klar: Er kann den nicht als schuldlos ansehen, der seine Gebote ignoriert. Wenn Menschen seine Gebote missachten, erhalten sie die versprochenen Segnungen nicht – nicht, weil Gott seine Verheißungen bricht, sondern weil sie die Bedingungen nicht erfüllt haben. Dennoch neigen manche dazu, daran zu zweifeln, dass es wirklich das Werk des Herrn ist, wenn die Verheißungen ausbleiben. Ihnen wird „weh“ gesagt, denn sie verlieren den Lohn, der von oben kommt. 

Casey Paul Griffiths hebt hervor, dass der Herr hier die moralische Entscheidungsfreiheit (nicht „freie“ Entscheidungsfreiheit im weltlichen Sinn) betont. Diese beinhaltet nicht nur die Fähigkeit zu wählen, sondern auch die Pflicht, richtig zu handeln. Wir sind „moralische Agenten“ – nicht unabhängig, sondern mit dem Auftrag, für das Gute einzustehen. In der Präexistenz haben wir uns freiwillig dem Plan Gottes verpflichtet. Deshalb tragen wir auf Erden Verantwortung für unsere Handlungen. Wie ein Spieler, der an ein Team gebunden ist, können wir unsere Entscheidungsfreiheit nicht unabhängig vom Bund mit Gott ausüben, ohne Konsequenzen zu tragen. 

Lehre und Bündnisse 58:34–39 

Der Herr gibt hier konkrete Anweisungen zur zeitlichen Ordnung in Zion. Besonders Martin Harris wird hervorgehoben: Er soll der Kirche ein Vorbild im Gesetz der Weihung sein, indem er seine finanziellen Mittel dem Bischof übergibt. Diese Handlung soll beispielhaft für alle sein, die in Zion ein Erbteil empfangen wollen. Das Weihungsgesetz sieht vor, dass persönliche Mittel dem Werk des Herrn zur Verfügung gestellt werden, damit zentrale Einrichtungen wie das Vorratshaus und eine Druckerei errichtet werden können – beides wichtige Strukturen für die sich aufbauende Gesellschaft Zions. Zugleich wird Martin ermahnt, sich von seiner Schwäche – dem Trachten nach dem Lob der Welt – abzuwenden und umzukehren. 

Casey Paul Griffiths hebt hervor, dass Martin Harris trotz späterer Spannungen in der Kirchengeschichte ein Mann war, der große Opfer brachte. Neben seiner Schlüsselrolle bei der Veröffentlichung des Buches Mormon war er der erste, der vom Herrn namentlich aufgefordert wurde, sein Vermögen zu weihen – als Beispiel für die gesamte Kirche. Er tat dies freiwillig und gläubig, weil er wusste, dass die Worte des Propheten göttlich waren. Orson Pratt lobte diesen Gehorsam später öffentlich als Ausdruck von echtem Zeugnis. 

Lehre und Bündnisse 58:40–43 

Hier spricht der Herr zu William W. Phelps, einem der beauftragten Führer für Zion in Missouri. Obwohl er zu einem bedeutenden Werk berufen wurde, mahnt ihn der Herr zur Umkehr, weil er zu sehr danach strebt, sich selbst hervorzuheben, und nicht genügend Sanftmut besitzt. Diese Haltung steht im Widerspruch zu den Eigenschaften, die geistige Führer im Reich Gottes auszeichnen sollen. 

Doch der Herr gibt auch Hoffnung und eine klare Verheißung: Wer aufrichtig umkehrt, dem wird vollständig vergeben, und Gott denkt nicht mehr an die begangenen Sünden. Die Kriterien echter Umkehr werden in Vers 43 einfach, aber kraftvoll zusammengefasst: Sünden bekennen und von ihnen lassen. Das bedeutet nicht nur, eine Verfehlung zuzugeben, sondern auch eine tiefe Herzensänderung, die dazu führt, dass man den Wunsch verliert, dieselbe Sünde erneut zu begehen

Casey Paul Griffiths betont in seinem Kommentar, dass Phelps‘ Fehler nicht darin lag, nach Exzellenz zu streben, sondern darin, sich über andere erheben zu wollen. Der Herr erwartet von seinen Dienern jedoch Demut und Brüderlichkeit, nicht Stolz oder Konkurrenzdenken. Umkehr – wie sie hier eingefordert wird – beginnt mit aufrichtiger Selbsterkenntnis, führt über ehrliches Bekenntnis, und mündet in eine Veränderung des inneren Wesens, wie sie auch in Mosia 5:2 beschrieben wird. 

Lehre und Bündnisse 58:44–46 

Der Herr macht deutlich, dass noch nicht die Zeit gekommen ist, dass die meisten Ältesten der Kirche ihr Erbteil in Zion (Missouri) empfangen. Dies wird erst „viele Jahre“ später geschehen – es sei denn, sie begehren es mit dem „Gebet des Glaubens“, und der Herr bestimmt es so. Ihre vorrangige Aufgabe ist es jedoch, das Evangelium in alle Welt zu tragen und Menschen von den Enden der Erde nach Zion zu sammeln

Die Anweisung, sich dennoch zu versammeln, betont das fortschreitende Werk der Sammlung. Aber nicht alle sollen dauerhaft in Missouri wohnen. Viele sollen das Evangelium in den umliegenden Gegenden predigen und danach wieder nach Hause zurückkehren – vermutlich, um dort weiter als Boten des Reiches Gottes zu wirken. 

Casey Paul Griffiths weist ergänzend darauf hin, dass Sidney Rigdon beauftragt wurde, eine Beschreibung des Landes Zion zu verfassen, damit die Heiligen ein realistisches Bild bekommen. Rigdon beschrieb die weiten, fruchtbaren Prärien Missouris, die milde Witterung und den reichen Ertrag der Erde – aber auch die Herausforderungen eines unerschlossenen Landes: fehlende Infrastruktur, Schulen und Mühlen. Dennoch betonte er: Die Verheißungen der Propheten über Zion überstrahlen alle Schwierigkeiten

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Nach viel Drangsal kommen die Segnungen

3. Juni 2025, 05:01am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Denn nach viel Drangsal kommen die Segnungen. Darum kommt der Tag, da ihr mit viel Herrlichkeit gekrönt werdet; die Stunde ist noch nicht, aber steht nahe bevor.” (Lehre und Bündnisse 58:4). 

Lehre und Bündnisse 58:1-23 

In diesen Versen spricht der Herr direkt zu den Ältesten seiner Kirche, insbesondere zu jenen, die nach Missouri gesandt wurden – dem Land, das als Ort für das zukünftige Zion bestimmt ist. Diese Offenbarung wurde im August 1831 in Jackson County, Missouri, gegeben. Viele der dort angekommenen Mitglieder der Kirche hatten große Hoffnungen auf ein fruchtbares und verheißungsvolles Land, das sofort segensreich und geistlich bedeutungsvoll sein sollte. Doch sie waren schwer enttäuscht über die raue Umgebung, die primitiven Verhältnisse und die Herausforderungen, die sie dort erwarteten. 

Der Herr erklärt ihnen nun, dass sie mit ihren natürlichen Augen die göttliche Absicht und die kommende Herrlichkeit, die nach vielen Drangsalen folgen werde, noch nicht erkennen können. Er verheißt ihnen jedoch, dass große Segnungen auf sie warten – aber erst nach viel Geduld, Treue und Leidensbereitschaft. Der Glaube, die Standhaftigkeit in Prüfungen und die Bereitschaft zum Gehorsam sind entscheidende Voraussetzungen, um an der Errichtung Zions teilzuhaben. 

Er erinnert sie daran, dass sie aus einem bestimmten Grund gesandt wurden: um Zeugnis zu geben, die Grundlage für Zion zu legen und ein Festmahl für alle Völker vorzubereiten – ein symbolisches Bild für das geistige Werk und die Einladung zum Evangelium für alle Menschen. Besonders betont der Herr, dass seine Propheten nicht irren und dass das Werk Gottes seinen Lauf nimmt, auch wenn es sich nicht sofort in äußeren Erfolgen zeigt. 

Ein besonderer Abschnitt betrifft Edward Partridge, der als Bischof für die Verwaltung des Landes und der Besitztümer zuständig war. Ihm wird Ermahnung und Warnung gegeben, da er offenbar mit Zweifeln und innerer Verblendung zu kämpfen hatte. Der Herr stellt klar, dass der Auftrag heilig ist und dass diejenigen, die ihn tragen, gerecht, demütig und gesetzestreu handeln müssen – sowohl gegenüber den Gesetzen Gottes als auch den weltlichen Gesetzen. Denn das Werk Gottes soll in Rechtschaffenheit geschehen, ohne sich über andere zu erheben. 

Zusammenfassend zeigt dieser Abschnitt, dass Gott seine Diener prüft, bevor er sie mit größerem verherrlicht. Die Herausforderungen, Enttäuschungen und Widerstände waren notwendig, um den Glauben der Heiligen zu festigen und sie auf ihre große Aufgabe vorzubereiten – die Errichtung Zions. 

Friedrich Nietzsche: "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker." 

Der Herr lässt uns oft zuerst durch Trübsal und Herausforderungen gehen, bevor er seine wunderbaren Verheißungen erfüllt, weil genau in diesen schwierigen Erfahrungen der Glaube, die Demut und das Vertrauen in ihn wachsen und gefestigt werden. Trübsal hat im Plan Gottes eine reinigende, vorbereitende und offenbarende Funktion. 

1. Trübsal offenbart, wem wir wirklich vertrauen. 
In Zeiten des Mangels, der Unsicherheit oder Enttäuschung zeigt sich, ob wir unser Herz wirklich auf Gott gerichtet haben oder ob unser Glaube nur in bequemen Umständen Bestand hat. Wenn äußere Stützen wegbrechen, bleibt nur der feste Halt im Herrn – und gerade das macht den Glauben tiefer und echter. 

2. Glaube ohne sofortige Erfüllung entwickelt Geduld, Hoffnung und Gehorsam. 
Wie es in L&B 58:3–4 heißt: „Denn nach viel Drangsal kommen die Segnungen.“ Die Verzögerung der Verheißungen zwingt uns dazu, aktiv an unseren Charaktereigenschaften zu arbeiten: Geduld, Standhaftigkeit und Demut. Diese Tugenden entstehen selten in Zeiten des Überflusses, sondern vielmehr im Durchhalten. 

3. Trübsal bereitet uns auf das vor, was Gott wirklich schenken will. 
Die Verheißungen Gottes sind oft so groß, dass er uns zuerst verändern muss, damit wir fähig sind, sie zu empfangen. Wie Gold im Feuer geläutert wird, so wird der Mensch in Prüfungen gereinigt, damit er „mit viel Herrlichkeit gekrönt“ werden kann (Vers 4). Die Segnung wird dadurch nicht nur empfangen, sondern in rechter Weise gewürdigt und bewahrt. 

4. Der Glaube wird zu Wissen. 
Wenn jemand im Leiden festhält und dann Gottes Hand in der Errettung erkennt, wird der Glaube nicht nur gestärkt, sondern er verwandelt sich in ein festes Zeugnis. Man weiß nun aus Erfahrung, dass Gott lebt, führt, tröstet und seine Verheißungen hält – nicht nur, weil man es gelesen hat, sondern weil man es erlebt hat. 

In diesem Sinne ist Trübsal kein Beweis dafür, dass Gott fern ist, sondern ein Werkzeug seiner Nähe und Liebe. Sie ist wie ein geistlicher Muskeltrainer: schmerzhaft, aber notwendig, um stark genug zu werden für das Werk, das Gott uns anvertrauen will – oder für die Segnungen, die wir tragen sollen. 

Lehren, die wir für unser Verhalten ziehen können 

Aus den Versen 1–23 in L&B 58 lässt sich eine zentrale, zeitlose und sehr praktische Lehre für unser eigenes Handeln ableiten: 

Wahrer Gehorsam und beständiger Glaube trotz Enttäuschung oder Unsicherheit führen letztlich zu größerem Verständnis, größerem Segen und größerer geistiger Reife. 

Diese Lehre zeigt sich besonders deutlich in folgenden Aspekten des Abschnitts: 

1. Gott verlangt Vertrauen, auch wenn wir den ganzen Plan noch nicht sehen (Verse 2–4): 

„Mit euren natürlichen Augen könnt ihr [...] nicht sehen, auch nicht die Herrlichkeit, die nach viel Drangsal folgen wird.“ 
→ Lehre für uns: Wir müssen lernen, Gott mehr zu vertrauen als unseren momentanen Eindrücken. Auch wenn wir Enttäuschung, Rückschläge oder Unerklärliches erleben, gilt es, standhaft zu bleiben. Glaube heißt, auch dann zu handeln, wenn der Ausgang ungewiss ist. 

2. Gott erwartet, dass wir bereit sind, eine Grundlage zu legen – auch wenn wir selbst den vollen Bau vielleicht nie sehen (Verse 6–8): 

→ Lehre für uns: Wir sollen bereit sein, Aufbauarbeit zu leisten – im Reich Gottes, in der Familie, im Beruf, in Beziehungen – auch wenn der volle Lohn oder das sichtbare Ergebnis erst später oder durch andere kommt. Das bedeutet: treu dienen, auch wenn man nicht sofort „Erfolg“ sieht. 

Die Verse in L&B 58:8–11 enthalten ein bedeutungsvolles Bild: Ein Festmahl, das für die Armen bereitet wird, bei dem aber zunächst die Reichen und Gebildeten eingeladen werden. Dieses Bild ist geistlich zu verstehen und verweist auf die Verbreitung des Evangeliums und den Aufbau Zions, zuerst ein Fundament bei den Reichen (Amerika, Kanada, Europa, England), und dann mit den Möglichkeiten der Reichen nach und nach den Rest der Welt einbeziehen. 

3. Führungskraft bedeutet Demut und Gehorsam, nicht Herrschen (Verse 17–20): 

„Keiner soll denken, er sei Herrscher, sondern lasst Gott […] herrschen.“ 
→ Lehre für uns: In allen Bereichen, wo wir Verantwortung tragen – ob in Kirche, Familie oder Beruf – sollen wir nicht mit Stolz oder Kontrolle führen, sondern mit Demut, mit dem Wunsch, Gottes Willen zu tun und anderen zu dienen. 

4. Geistliches Handeln schließt weltliches Gesetz nicht aus (Verse 21–23): 

„Wer die Gesetze Gottes einhält, der braucht die Gesetze des Landes nicht zu brechen.“ 
→ Lehre für uns: Unser Glaube soll sich in einem rechtschaffenen, gesetzestreuen Leben ausdrücken. Christliches Handeln bedeutet nicht Gesetzesverachtung, sondern ein Leben in Verantwortung – sowohl geistlich als auch gesellschaftlich. 

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Mit euren natürlichen Augen könnt ihr ... nicht sehen

2. Juni 2025, 06:23am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Sehen mit den natürlichen Augen
Quelle: KI generiert

“Mit euren natürlichen Augen könnt ihr zur gegenwärtigen Zeit die Absicht eures Gottes in Bezug auf das, was später noch geschehen wird, nicht sehen, auch nicht die Herrlichkeit, die nach viel Drangsal folgen wird.” (Lehre und Bündnisse 58:3). 

Zusammenfassung zur Entstehung und Bedeutung von Lehre und Bündnisse 58 

L&B 58 wurde am 1. August 1831 in Independence, Missouri, offenbart – wenige Tage nachdem Joseph Smith und weitere Kirchenführer den Ort erreicht hatten, den der Herr in Abschnitt 57 als Standort Zions bestimmt hatte. Doch die Ankunft verlief ernüchternd: Die Erwartungen an ein blühendes Zentrum des Evangeliums wurden enttäuscht. Statt einer gefestigten Gemeinschaft fanden die Neuankömmlinge ein rückständiges Grenzdorf mit wenigen Bekehrten vor. Viele, darunter Bischof Edward Partridge, waren enttäuscht über die raue Umgebung und das Ausbleiben sofortiger Erfüllung göttlicher Verheißungen. Zwischen Joseph Smith und Edward Partridge kam es zu Spannungen, doch letztlich erkannte Partridge seine Berufung an und zeigte Demut und Gehorsam, selbst unter schwierigen Bedingungen. 

Die Offenbarung in Abschnitt 58 ist zugleich ernüchternd und hoffnungsvoll. Dreimal betont der Herr zu Beginn, dass Zion erst „nach viel Drangsal“ entstehen werde – ein klarer Hinweis, dass das verheißene Land nicht durch bloßes Ankommen, sondern durch harte Arbeit, Opfer und Glauben erschlossen werden müsse. Die Heiligen sollten Pioniere sein, die etwas aufbauen, das sie vielleicht selbst nie vollendet sehen würden – ähnlich wie Martin Luther King Jr. später sagte: „Ich habe das verheißene Land gesehen. Ich komme vielleicht nicht mit euch dorthin …“ 

Zugleich entwirft der Herr in dieser Offenbarung eine weitreichende Vision von Zion: ein Ort, zu dem alle Nationen eingeladen werden – Reiche und Weise ebenso wie Arme, Blinde und Lahme. Es geht um eine Gesellschaft, in der alle Kinder Gottes – ungeachtet ihrer Herkunft – einen Platz an Gottes Tisch finden sollen. Dieser universale Anspruch war für die damaligen Hörer außergewöhnlich, denn er durchbrach ethnische und soziale Grenzen. Zion sollte kein exklusiver Ort für Auserwählte sein, sondern ein Zufluchtsort für die ganze Welt. 

Die Offenbarung ermahnt auch diejenigen, die zu schnell verzagt waren, wie etwa Ezra Booth, der sich über den schleppenden Fortschritt und das Ausbleiben offensichtlicher Wunder beklagte. Der Herr warnt in Abschnitt 58 vor solcher Ungeduld: „Dann sprechen sie in ihrem Herzen: Dies ist nicht das Werk des Herrn …“ Wer aber durchhält, wird reich belohnt werden – „nicht von unten, sondern von oben“. 

Praktisch enthielt die Offenbarung konkrete Anweisungen: Bischof Partridge sollte das Land verwalten und die Heiligen durch das Gesetz der Weihung anleiten; Martin Harris wurde namentlich berufen, sein Vermögen als Vorbild zu opfern. Auch Sidney Rigdon erhielt den Auftrag, eine Beschreibung Zions zu verfassen – ein Versuch, den der Herr jedoch zunächst zurückwies, was zeigt, wie sehr auch die Führer lernen und sich entwickeln mussten. 

Trotz der Enttäuschung und der gewaltigen Aufgabe begannen Joseph Smith und seine Begleiter, das Land zu weihen, den Grundstein für einen Tempel zu legen und eine Konferenz abzuhalten. Der Glaube an die Vision Zions überdauerte – auch als die Heiligen später aus Jackson County vertrieben wurden. Denn das Werk war größer als ein Ort: Es war eine Einladung an alle, an einem heiligen Ort des Friedens, der Gleichheit und des Bundes teilzuhaben. Diese Hoffnung lebt bis heute in der Kirche weiter. L&B 58 steht somit als richtungsweisendes Dokument – eine Karte, die zeigt, wie man aus Enttäuschung, Drangsal und Einsatz den Weg nach Zion findet. 

Lehren, die wir aus diesem Kapitel ziehen können 

L&B 58 enthält eine Reihe tiefgründiger Lehren, die für uns persönlich in unserem Glaubensleben und täglichen Handeln von großer Bedeutung sind – besonders dann, wenn unsere Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Die Heiligen des frühen 19. Jahrhunderts hatten große Hoffnungen, als sie an den verheißenen Ort Zion kamen, nur um dort Enttäuschung, Mühsal und Entbehrung vorzufinden. Doch genau in dieser Spannung zwischen Verheißung und Wirklichkeit offenbart der Herr seine erzieherische Absicht: Zion ist nicht einfach ein gegebener Ort, sondern ein göttliches Ideal, das durch Glauben, Geduld, Gehorsam und tatkräftiges Handeln errichtet werden muss. 

Eine der zentralen Lehren aus dieser Offenbarung lautet, dass große Segnungen – wie Zion – oft erst „nach viel Drangsal“ kommen (Vers 3). Der Herr mahnt uns, nicht auf das zu schauen, was unsere natürlichen Augen wahrnehmen, sondern auf seine Absichten und Verheißungen zu vertrauen. Das lehrt uns, in Zeiten der Enttäuschung nicht zu verzweifeln, sondern in Geduld und Hoffnung voranzugehen. Gleichzeitig macht der Herr deutlich, dass wir nicht passiv auf die Erfüllung seiner Verheißungen warten sollen. Vielmehr liegt „die Macht in [uns]“ (Verse 27–28), selbst viel Rechtschaffenheit zustande zu bringen – durch eigenes Nachdenken, Eigeninitiative und Entschlossenheit. 

Der Abschnitt unterstreicht auch, wie wichtig es ist, sich von Gottes Geist leiten zu lassen und gleichzeitig Verantwortung zu übernehmen. Der Herr erwartet nicht, dass wir für jede Kleinigkeit eine Offenbarung empfangen, sondern dass wir Entscheidungen treffen und handeln, soweit es mit seinem Willen übereinstimmt. Diese Balance zwischen göttlicher Führung und eigener Handlungskraft ist ein wiederkehrendes Thema für alle, die nach persönlicher Offenbarung streben und ihren Lebensweg im Einklang mit dem Evangelium gestalten wollen. 

Auch das Prinzip der Umkehr und Demut wird eindrucksvoll vor Augen geführt. Edward Partridge, der sich zunächst von der Realität in Missouri entmutigen ließ, wurde vom Herrn sanft, aber klar zurechtgewiesen. Er nahm die Ermahnung demütig an, bekannte seine Schwächen und stellte sich der Aufgabe, Zion aufzubauen. Daraus lernen wir, dass Rückschläge und Zweifel menschlich sind – entscheidend ist, wie wir darauf reagieren. Wer bereit ist, sich zurechtweisen zu lassen und weiterzumachen, wird vom Herrn gestärkt und gebraucht. 

Schließlich vermittelt L&B 58 eine Vision von Zion als einem Ort der Sammlung für „alle Nationen“ – für Reiche wie Arme, Weise wie Einfältige. Es geht um eine Gesellschaft, in der alle Kinder Gottes – unabhängig von Herkunft, Status oder Fähigkeit – ihren Platz finden. Dieses inklusive Bild von Zion lädt uns ein, selbst Brückenbauer zu werden, andere einzuladen und mitzuhelfen, eine gerechte, barmherzige und geeinte Gemeinschaft zu schaffen – angefangen in unseren eigenen Familien, Gemeinden und Nachbarschaften. 

Insgesamt erinnert uns diese Offenbarung daran, dass Gottes Werk Zeit, Glauben und Mühe braucht – aber auch, dass wir befähigt und berufen sind, daran mitzuwirken. Wir müssen nicht alles verstehen oder perfekt können. Wir müssen nur bereit sein, uns führen zu lassen, ausdauernd zu handeln, und nicht aufzugeben, wenn uns das Land Zion zunächst unfruchtbar erscheint. Denn wie Joseph Smith gesagt haben soll: „Ich sehe es, und es wird so sein.“ 

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!!!Dieser Beitrag ist eigentlich erst für Dienstag, 24. Juni 2025!!! Sie sollen reden, wie sie vom Heiligen Geist bewogen

2. Juni 2025, 04:51am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Präsident Nelson spricht Worte des Herrn in der Generalkonferenz
(Bild Quelle)

“und dies ist für sie das Beispiel: Sie sollen reden, wie sie vom Heiligen Geist dazu bewogen werden.” (Lehre und Bündnisse 68:3). 

Lehre und Bündnisse 68 – Geschichtlicher Hintergrund 

Diese Offenbarung wurde am 1. November 1831 in Hiram, Ohio, empfangen, während einer bedeutenden Kirchenkonferenz. Die Konferenz war ein zentrales Ereignis für die junge Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Anwesend waren führende Älteste, darunter Joseph Smith, der Prophet, sowie Orson Hyde, Luke S. Johnson, Lyman E. Johnson und William E. McLellin. Diese vier Männer waren vor kurzem zu Hohen Priestern ordiniert worden und baten nun den Propheten, den Willen des Herrn hinsichtlich ihrer Berufung und ihrer weiteren Aufgabe zu erfragen. Die Offenbarung, die Joseph Smith daraufhin empfing, richtete sich zunächst direkt an diese vier Männer, wurde jedoch schon früh in ihrer Wirkung auf die ganze Kirche ausgeweitet. 

Die ersten zwölf Verse der Offenbarung enthalten den spezifischen Auftrag an diese vier Ältesten: Sie sollen das Evangelium verkündigen, „von Volk zu Volk und von Land zu Land“, nicht in ihrer eigenen Kraft, sondern durch den Heiligen Geist. Ihre Berufung sei beispielhaft für alle, die durch das Priestertum zum Dienst ordiniert wurden. Besonders bemerkenswert ist in diesen Versen die Definition heiliger Schrift: Was von berufenen Dienern Gottes gesprochen wird, wenn sie vom Heiligen Geist geleitet werden, gilt als heilige Schrift, als Wort des Herrn, als sein Wille und seine Stimme. Damit wird der traditionelle Begriff von „Schrift“ erweitert – weg von einer ausschließlich schriftlich fixierten, abgeschlossenen Sammlung, hin zu einer lebendigen Kommunikation Gottes mit seinen Dienern in der Gegenwart. Dieser Gedanke ist theologisch tiefgreifend und war zu Joseph Smiths Zeit revolutionär. Während viele Christen glaubten, dass die Bibel das endgültige und einzige Wort Gottes sei, offenbarte sich der Herr in der Wiederherstellung weiterhin durch Propheten, und diese lebendigen Worte waren ebenso autoritativ wie die alten Schriften. 

Historisch gesehen ist dies ein zentraler Punkt der Offenbarung: Sie legitimiert die laufende Offenbarung durch Propheten und Apostel und verleiht den gesprochenen Worten geistlicher Führer, sofern sie vom Geist getragen sind, kanonischen Status. Dieser Aspekt wurde später in der Kirche vielfach bestätigt, etwa durch das Konzept der „fortlaufenden Offenbarung“ oder durch die regelmäßigen Konferenzen, in denen Führer „das Wort des Herrn“ zu den Heiligen sprechen. 

In der Folge des Auftrags in L&B 68 handelten die vier angesprochenen Männer zunächst mit großem Eifer. Alle vier – Hyde, McLellin und die Johnson-Brüder – wurden im Jahr 1835 zu Mitgliedern des ersten Kollegiums der Zwölf Apostel berufen. Ihre Bereitschaft, das Evangelium zu verkündigen, hatte sie für höhere Aufgaben qualifiziert. Allerdings hielt diese Treue bei keinem von ihnen durchgehend an. In den kommenden Jahren verließen alle vier zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Kirche oder wandten sich gegen ihre Führung. Einige kehrten später zurück (wie Orson Hyde), andere nicht. Ihre Geschichte illustriert einerseits die Bedeutung eines starken Anfangs im geistlichen Dienst, andererseits aber auch, wie herausfordernd es ist, langfristig in Berufung und Bündnis standhaft zu bleiben. 

Der zweite Teil der Offenbarung (Verse 13–35) richtet sich weniger an Einzelpersonen als an die gesamte Kirche. Hier klärt der Herr bedeutende Fragen zur Organisation der Kirche, insbesondere zum Amt des Bischofs. Bisherige Offenbarungen hatten dieses Amt eher allgemein behandelt, doch hier wurde die Unterscheidung zwischen zwei Gruppen von Bischöfen präzisiert: erstens Hohe Priester, die durch die Erste Präsidentschaft des Melchisedekischen Priestertums berufen und ordiniert werden, und zweitens buchstäbliche Abkömmlinge Aarons, die ein gesetzliches Anrecht auf dieses Amt haben – sofern sie Erstgeborene sind, ihre Abstammung nachweisen und als würdig befunden werden. Diese Unterscheidung beruht auf alttestamentlichen Prinzipien des levitischen Priestertums, das in der Wiederherstellung wieder thematisiert wurde, jedoch nun unter der Leitung des höheren Priestertums steht. Praktisch hatte dies große Bedeutung für die frühe Kirche, da keine genealogisch feststellbaren Aaroniten bekannt waren, sodass das Amt des Bischofs fast ausschließlich durch Hohe Priester ausgeübt wurde – beginnend mit Edward Partridge, dem ersten Bischof der Kirche. 

Die Verse 22 bis 24 fügen einen weiteren organisatorischen Aspekt hinzu: Fragen der Disziplin und der Gerichtsbarkeit über Bischöfe und Hohe Priester sollen der Ersten Präsidentschaft vorbehalten bleiben. Dies deutet darauf hin, dass schon 1831 die Strukturen der Kirchenleitung rasch konkreter und komplexer wurden. Tatsächlich wurde nur wenige Monate später, im März 1832, offiziell die Erste Präsidentschaft als leitende Priestertumspräsidentschaft der Kirche organisiert, mit Joseph Smith als Präsident und zwei Ratgebern. 

Ein anderer, bemerkenswerter Aspekt dieser Offenbarung ist der Blick des Herrn auf Elternschaft und Familie. In den Versen 25 bis 28 werden Eltern deutlich ermahnt, ihre Kinder zu unterweisen. Sie sollen sie im Evangelium unterrichten – in Umkehr, Glaube, Taufe, Gabe des Heiligen Geistes – und zwar spätestens dann, wenn die Kinder acht Jahre alt sind. Es wird sogar gesagt, dass die Sünde auf den Eltern ruht, wenn sie diese Pflicht versäumen. Damit verbindet der Herr den Auftrag zur Erziehung mit moralischer Verantwortung: Wer Kinder nicht das Evangelium lehrt, nimmt ihnen die Möglichkeit, selbst zu wählen. Dies ist eine Wiederaufnahme des Themas freier Wille und Verantwortlichkeit, das bereits in früheren Offenbarungen wie L&B 29 betont wurde. Der Herr zeigt hier ein tiefes Verständnis geistiger Entwicklung: Kinder kommen „hilflos“ zur Welt, werden jedoch mit göttlichem Potenzial ausgestattet. Ihre Fähigkeit zur Entscheidungsfreiheit wächst, wenn sie Gottes Gesetz kennen. Ohne Unterweisung bleiben sie in geistiger Unmündigkeit. Die Offenbarung betont, dass Eltern ihre Kinder auch im Beten unterweisen und sie lehren sollen, untadelig vor dem Herrn zu leben. Dabei wird der Zusammenhang von Erziehung, geistiger Reife und ewiger Verantwortung deutlich. 

In den letzten Versen der Offenbarung (Verse 29–35) ermahnt der Herr die Mitglieder Zions zu einem gottesfürchtigen Lebenswandel. Der Sabbat soll geheiligt, Arbeit treu verrichtet, Gebet regelmäßig gepflegt werden. Besonders die Müßiggänger unter den Heiligen werden vom Herrn gerügt – ebenso wie die Tatsache, dass viele ihre Herzen auf irdischen Gewinn statt auf ewige Reichtümer richten. Dies ist eine Mahnung an eine junge Glaubensgemeinschaft, die sich bemüht, Zion zu errichten, aber in praktischen Belangen wie Arbeitseifer, Sabbatheiligung und Familienführung noch deutlichen Nachholbedarf zeigt. Der Herr beauftragt Oliver Cowdery, diese Worte nach Missouri zu bringen, wo Zion entstehen soll. Die Worte sollen dort nicht nur verkündet, sondern in die Tat umgesetzt werden. 

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Darum ist dies das Land der Verheißung

31. Mai 2025, 04:48am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Der erste Tempel der Kirche (Kirtland, Ohio)
(Bild Quelle)

“Darum ist dies das Land der Verheißung und der Ort für die Stadt Zion.” (Lehre und Bündnisse 57:2). 

  • Zion ist ein verheißener Ort, aber auch ein geistiger Zustand, zu dem wir heute aktiv beitragen können – durch unseren Glauben, durch unsere Reinheit und durch unseren Dienst an anderen. Die Verheißungen gelten weiterhin, und wir sind Teil ihrer Erfüllung. 

Historie zu Lehre und Bündnisse 57 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 57 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der frühen Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie wurde am 20. Juli 1831 in Independence, Jackson County, Missouri, empfangen und ist die erste Offenbarung, die Joseph Smith nach seiner Ankunft in Missouri erhielt. Diese Offenbarung beantwortete zentrale Fragen über die Errichtung Zions und die Rolle von Missouri im göttlichen Plan. 

Nach dem Gebot des Herrn in LuB 52 reiste Joseph Smith im Juni 1831 mit anderen Ältesten von Kirtland, Ohio, nach Missouri. Nach einer beschwerlichen Reise von etwa 1500 Kilometern erreichten sie am 14. Juli Independence. Dort wurden sie von Oliver Cowdery und anderen Mitgliedern der Lamanitenmission begrüßt. Joseph Smith beschrieb dieses Treffen als freudig und tränenreich. Während er in die Weite der westlichen Grenze der Vereinigten Staaten blickte, dachte er über die Lage der amerikanischen Ureinwohner nach. 

In der Offenbarung LuB 57 erklärte der Herr, dass Missouri das "Land der Verheißung" sei und Independence als "Zentrum" für die Stadt Zion bestimmt wurde. Der genaue Ort für den Tempel wurde westlich des Gerichtsgebäudes in Independence festgelegt. Der Herr gebot den Heiligen, dieses Land zu erwerben und es als ewiges Erbe zu nutzen. 

Der Herr ernannte spezifische Personen für wichtige Aufgaben beim Aufbau Zions: 

  • Sidney Gilbert sollte einen Laden eröffnen, um die Bedürfnisse der Heiligen zu decken und Einnahmen für den Landkauf zu generieren. 

Am 2. August 1831 weihte Sidney Rigdon das Land Zion, und am folgenden Tag legte Joseph Smith den Grundstein für den zukünftigen Tempel. Bischof Partridge erwarb 63 Acres Land, einschließlich des Tempelplatzes, und weitere 2000 Acres in der Umgebung. Diese Grundstücke wurden gemäß den Anweisungen in LuB 51 und 57 an die Heiligen verteilt. 

Trotz dieser Bemühungen stießen die Heiligen auf erheblichen Widerstand von Seiten der ansässigen Bevölkerung. Die Spannungen eskalierten, als 1833 das Druckereigebäude niedergebrannt wurde und Bischof Partridge öffentlich misshandelt wurde. Diese Angriffe waren nicht nur auf soziale Spannungen zurückzuführen, sondern auch auf die religiösen Aktivitäten der Heiligen, die als Bedrohung wahrgenommen wurden. 

Die Offenbarung in LuB 57 legte den Grundstein für die Vision einer heiligen Stadt Zion in Missouri. Trotz der Herausforderungen und Widerstände blieb die Hoffnung auf die Errichtung Zions ein zentraler Bestandteil des Glaubens der Heiligen der Letzten Tage. 

Die Rolle eines Tempels im Erlösungsplan 

Im Erlösungsplan des Herrn spielt der Tempel eine zentrale und heilige Rolle. Für die Heiligen der Letzten Tage ist der Tempel weit mehr als nur ein Versammlungsort – er ist ein Ort göttlicher Macht, heiliger Bündnisse und himmlischer Vorbereitung. Die Rolle des Tempels im Erlösungsplan lässt sich auf mehreren Ebenen verstehen: 

1. Ein Ort der Offenbarung und Gegenwart Gottes 

Der Tempel ist das Haus des Herrn – ein Ort, an dem Gott seinem Volk begegnet. Schon im Alten Testament offenbarte sich Gott im Tempel (z. B. in der Stiftshütte, im salomonischen Tempel). Auch in der Wiederhergestellten Kirche der Letzten Tage ist der Tempel der Ort, wo sich der Himmel der Erde nähert: 

„... ich werde mich meinem Volk mit Barmherzigkeit in diesem Haus kundtun.“ (LuB 110:7). 
„Lasst dieses Haus meinem Namen gebaut werden, damit ich darin meinem Volk meine Verordnungen offenbaren kann;“ (LuB 124:38-41). 

2. Der Ort, an dem heilige Bündnisse geschlossen und ewige Verordnungen vollzogen werden 

Im Tempel werden zentrale Verordnungen des Evangeliums vollzogen, die für das persönliche Heil notwendig sind: 

  • Waschungen und Salbungen (symbolisch für Reinigung und Heiligung) 
  • Endowment (Tempelverheißungen) – ein Bündnispfad mit Gott, in dem Gläubige geistig auf das ewige Leben vorbereitet werden 
  • Siegelungen – z. B. die ewige Ehe, bei der Familien für Zeit und alle Ewigkeit verbunden werden 
  • Stellvertretende Verordnungen für Verstorbene, die keine Gelegenheit hatten, das Evangelium auf Erden anzunehmen 

Diese Verordnungen machen den Tempel zu einem Schlüsselbestandteil des Erlösungsplans, da durch sie alle Kinder Gottes – lebend oder gestorben – Zugang zu den Segnungen des Evangeliums erhalten können. 

3. Ein Ort der Vorbereitung für die Wiederkunft Christi 

Die Offenbarungen lehren, dass ein Tempel in Zion (Missouri) errichtet werden soll, „zu dem alle Nationen in den letzten Tagen kommen werden“ (LuB 57). Dies ist Teil der Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi, wenn er in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird. 

Der Tempel in Zion (das Neue Jerusalem) ist symbolisch wie auch buchstäblich das Zentrum der Sammlung Israels, die ebenfalls ein Kernbestandteil des Erlösungsplans ist. 

4. Ein Ort der geistigen Reinigung und Heiligung 

Durch den Tempeldienst werden Heilige in ihren Herzen gereinigt, gestärkt und auf ihre Aufgaben im Reich Gottes vorbereitet. Der Tempel gibt ihnen die Kraft, ein heiliges Leben zu führen und sich dem Willen Gottes unterzuordnen. 

„Mein Volk soll im Tempel Anweisung empfangen und daraus Kraft schöpfen“ (sinngemäß nach LuB 95:8–9). 

5. Ein Ausdruck von Gehorsam und Weihe 

Der Bau eines Tempels verlangt Opfer, Gehorsam und Hingabe. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Heiligen bereit sind, alles zu geben, um Zion aufzubauen und Gottes Geboten zu folgen – genau wie in LuB 57, wo der Herr den Ort bestimmt und beauftragt, mit dem Aufbau zu beginnen. 

Fazit: 
Der Tempel steht im Zentrum des Erlösungsplans, weil er die Menschen mit Gott verbindet – durch Offenbarung, Bündnisse, Verordnungen und heilige Gemeinschaft. Er bereitet Individuen, Familien und Völker auf die Erhöhung vor und ist damit der sichtbare Ausdruck des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Eine aktuelle Liste der Tempel

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Wer nicht sein Kreuz auf sich nehmen ... will

30. Mai 2025, 04:35am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Und wer nicht sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen und meine Gebote halten will, der wird nicht errettet werden.” (Lehre und Bündnisse 56:2). 

Die Aufforderung Jesu, „sein Kreuz auf sich zu nehmen“ (Lukas 14:27), ist ein kraftvolles Bild für echte Nachfolge. Sie bedeutet, dass ein Mensch bereit ist, Christus nicht nur äußerlich zu folgen, sondern innerlich und praktisch – auch dann, wenn es schwierig, schmerzhaft oder verlustreich wird. In der damaligen Zeit war das Kreuz ein Symbol äußerster Schande und Qual. Wer sein Kreuz trug, war verurteilt zum Tod. Wenn Jesus also davon spricht, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen sollen, meint er damit, dass wir bereit sein müssen, alles – sogar unser Leben – für ihn hinzugeben. Es ist ein radikaler Ruf zur vollständigen Hingabe. 

Diese Bedeutung wird in Lehre und Bündnisse 56:2 nochmals deutlich betont: „Und wer nicht sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen und meine Gebote halten will, der wird nicht errettet werden.“ Hier verbindet der Herr das Kreuztragen ganz direkt mit Gehorsam. Es geht nicht nur darum, Leid zu ertragen, sondern Christus aktiv nachzufolgen und seine Gebote zu halten – auch wenn es schwer ist. Wer dazu nicht bereit ist, so sagt der Herr klar, kann die Errettung nicht empfangen. 

Was bedeutet es nun konkret, das Kreuz auf sich zu nehmen? Zunächst kann es bedeuten, schwierige Lebensumstände – etwa Krankheit, Einsamkeit, wirtschaftliche Sorgen oder zwischenmenschliche Konflikte – mit Geduld und Glauben zu tragen. Wer Christus nachfolgt, wird nicht automatisch von allem Leid befreit. Vielmehr wird er eingeladen, dieses Leid im Vertrauen auf den Herrn anzunehmen und mit seiner Hilfe zu überwinden. Das Kreuz kann aber auch innerlich sein: etwa der tägliche Kampf gegen Sünde, Stolz, Bequemlichkeit oder den eigenen Willen. Es ist die Bereitschaft, nicht das zu tun, was ich will, sondern was der Herr von mir will – selbst wenn es mich Überwindung kostet. 

In der heutigen Zeit kann das Kreuztragen auch bedeuten, zu den Maßstäben des Evangeliums zu stehen, selbst wenn sie von der Gesellschaft abgelehnt oder verspottet werden. Wer heute nach den Geboten lebt, sich um Reinheit, Wahrhaftigkeit, Nächstenliebe und Umkehr bemüht, geht oft gegen den Strom. Doch gerade in dieser Treue zeigt sich echte Jüngerschaft. Christus lädt uns nicht zu einem bequemen Weg ein, sondern zu einem Weg, der durch Selbstverleugnung, Hingabe und manchmal sogar durch Ablehnung führt – aber auch zu tiefer Freude und ewigem Leben. 

Das Kreuz auf sich zu nehmen, heißt also, sich ganz auf Christus auszurichten – im Denken, Fühlen, Wollen und Handeln. Es bedeutet, trotz aller Widerstände oder Opfer zu sagen: „Dein Wille geschehe.“ Es ist ein täglicher, bewusster Schritt in Richtung Christus, getragen von Liebe und Vertrauen. Wer diesen Weg geht, wird nicht allein gelassen. Der Herr selbst trägt mit – und gibt Kraft, Hoffnung und letztlich ewige Freude. 

Historie zu Lehre und Bündnisse 56 

Die Offenbarung in L&B 56 ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie der Herr auf menschliche Entscheidungsfreiheit reagiert und trotz Rückschlägen seinen Heilsplan weiterführt. Sie entstand in einer turbulenten Phase der frühen Kirchengeschichte und stellt eine Neuzuordnung von Missionsberufungen dar, nachdem mehrere ursprünglich vorgesehene Anordnungen durch menschliche Schwächen und Umstände vereitelt worden waren. 

Nach der Konferenz vom 3. Juni 1831 wurden mehrere Älteste, darunter Thomas B. Marsh und Ezra Thayre, durch L&B 52 gemeinsam auf Mission nach Missouri berufen. Thomas Marsh war bereit, seiner Berufung zu folgen, doch Ezra Thayre zögerte, offenbar aufgrund persönlicher Angelegenheiten, die mit einem Grundstück zu tun hatten, auf dem er wohnte – möglicherweise wollte er finanzielle Sicherheit erlangen, bevor er auf Mission ging (D&C 56:8–9; JSP, Mai-Offenbarung 1831). Zusätzlich kam es in Thompson, Ohio, wo Thayre lebte, zu Spannungen und Konflikten, u. a. weil Leman Copley sein Versprechen zurückzog, den Heiligen von Colesville Land zur Verfügung zu stellen (D&C 54 und 56:6–7). Dies führte dazu, dass Newel Knight, der ursprünglich mit Selah Griffin nach Missouri ziehen sollte, stattdessen bei den obdachlosen Colesville-Heiligen bleiben musste, um sie weiterzuführen. 

Der Herr antwortete auf diese chaotische Situation mit einer neuen Offenbarung – L&B 56 –, in der er sowohl Ermahnung als auch praktische Neuordnung vornahm: 

  • Ezra Thayre wurde getadelt und aufgefordert, von seinem Stolz und seiner Selbstsucht umzukehren (Vers 8), da sein Zögern die Ausführung des göttlichen Auftrags behinderte. 
  • Die Berufung von Newel Knight für die Missouri-Mission wurde widerrufen, weil er nun andere, dringendere Aufgaben hatte. 
  • Thomas Marsh wurde stattdessen mit Selah Griffin neu zugeteilt (Vers 5), sodass die Mission trotz der Hürden weitergehen konnte. 

Diese Ereignisse zeigen eine tiefere theologische Wahrheit: Der Herr achtet den freien Willen des Menschen, auch wenn dies bedeutet, dass ursprünglich erteilte Gebote geändert oder neu verteilt werden müssen. Anstatt Berufungen nur jenen zu geben, von denen er „weiß“, dass sie sie erfüllen werden, gibt er Menschen die Gelegenheit, sich zu bewähren oder zu scheitern – ganz im Sinne von LuB 121:34–35: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt, weil sie ihr Herz zu sehr auf die Dinge dieser Welt setzen.“ 

Während manche Leser von dieser Flexibilität überrascht oder sogar irritiert sein mögen, offenbart sie doch ein wunderbares Bild göttlicher Geduld und Gerechtigkeit: Der Herr handelt konsequent, aber anpassungsfähig, er verurteilt Sünde, aber schafft neue Wege, wenn Menschen scheitern oder sich widersetzen. Sein Werk geht weiter – mit den willigen Dienern. 

Fazit
L&B 56 dokumentiert nicht nur eine logistische Neuverteilung von Missionsaufträgen, sondern auch eine tiefe Lehre über Verantwortung, Entscheidungsfreiheit und die Gnade Gottes, der immer noch mit denjenigen weiterarbeitet, die bereit sind, ihm zu folgen. 

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So spricht der Herr zu dir, mein Diener William

29. Mai 2025, 05:37am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Siehe, so spricht der Herr zu dir, mein Diener William, ...” (Lehre und Bündnisse 55:1). 

Eine Zusammenfassung der Abschnitte 53, 54 und 55 

Diese drei Offenbarungen zeigen, wie individuell der Herr seine Jünger führt – angepasst an ihre Fähigkeiten, Situationen und Bereitschaft, seinen Willen zu tun. Sidney Gilbert wurde berufen, mit kaufmännischem Geschick zum Aufbau Zions beizutragen. Newel Knight sollte seine Gemeinde geistlich anführen und durch Verfolgung und Umsiedlung hindurchtreu bleiben. William Phelps wurde berufen, seine literarischen und publizistischen Talente in den Dienst der Wiederherstellung zu stellen. In allen Fällen steht die Bereitschaft, sich dem Herrn zu unterwerfen, im Zentrum – und der Herr antwortet treu mit Orientierung, Ermutigung und Verheißung. 

Lehre und Bündnisse 53 – Offenbarung an Sidney Gilbert (8. Juni 1831) 
Sidney Gilbert, ein geschäftstüchtiger Partner von Newel K. Whitney, hatte sich 1830 der Kirche angeschlossen. Als er in einer vorherigen Offenbarung (Abschnitt 52) nicht erwähnt wurde, bat er um göttliche Weisung. Der Herr erinnerte ihn daran, dass er berufen sei, das Evangelium zu predigen, und gab ihm den Auftrag, nach Missouri zu reisen und dort unter Bischof Edward Partridge als Agent tätig zu sein. Er sollte ein Lagerhaus errichten und zur materiellen Vorbereitung Zions beitragen. Diese Offenbarung zeigt, dass auch praktische Fähigkeiten im Werk des Herrn gebraucht werden. Gilbert gehorchte, reiste nach Missouri und unterstützte dort den Aufbau Zions, bis er 1834 an Cholera starb. 

Lehre und Bündnisse 54 – Offenbarung an Newel Knight und die Colesville-Saints (10. Juni 1831) 
Die Colesville-Saints waren nach Ohio gezogen und hatten sich auf der Farm von Leman Copley niedergelassen. Nach seiner Abkehr von der Kirche entzog Copley ihnen das Land, und die Gruppe stand vor dem Nichts. Auf ihre Bitte hin offenbarte der Herr durch Joseph Smith, dass sie demütig bleiben und sich auf den Weg nach Missouri machen sollten – dem Ort, den Gott für Zion ausersehen hatte. Trotz Rückschlägen sollten sie in Geduld voranschreiten. Die Offenbarung stärkte ihren Zusammenhalt, und sie wurden später ein bedeutender Teil der Kirche in Jackson County. 

Lehre und Bündnisse 55 – Offenbarung an William W. Phelps (14. Juni 1831) 
William W. Phelps war ein erfahrener Verleger, der das Evangelium angenommen hatte. Nachdem er sein früheres Leben hinter sich gelassen hatte, bat er um Offenbarung, was der Herr mit ihm vorhabe. Die Antwort: Er solle nach Missouri reisen und dort als Drucker der Kirche tätig sein, gemeinsam mit Oliver Cowdery. Phelps sollte Kirchenliteratur und Kinderbücher drucken und helfen, das Evangelium zu verbreiten. Er folgte dem Ruf, ließ sich taufen und wurde zu einer zentralen Figur im geistigen Aufbau Zions.  

Lehren für uns daraus 

Die Abschnitte 53, 54 und 55 aus Lehre und Bündnisse enthalten mehrere wichtige Grundsätze, die auch heute für uns gelten – sowohl individuell im persönlichen Leben als auch gemeinschaftlich als Mitglieder der Kirche. Hier sind zentrale Lehren, die zeitlos und hochrelevant sind: 

1. Der Herr kennt jeden Einzelnen und gibt individuelle Führung 

D&C 53, 54, 55 – Drei persönliche Offenbarungen auf Anfrage 
Lehre: Wenn wir den Herrn ehrlich fragen, was er von uns will, gibt er uns Antwort – sei es durch Offenbarung, durch Propheten, durch das Gewissen oder durch die Schrift. 
Anwendung: Auch heute dürfen wir glauben, dass Gott uns persönlich führt – im Beruf, in unserer Berufung, in familiären Herausforderungen oder wenn wir einen Neuanfang wagen. 

„Was ist meine Aufgabe?“ ist eine Frage, die Gott gerne beantwortet – wenn wir bereit sind, seinen Willen zu tun. 

2. Geistliche und zeitliche Aufgaben sind beide Teil des Werkes Gottes 

Sidney Gilbert als Geschäftsmann, Phelps als Drucker, Knight als Gemeindeleiter 
Lehre: Der Herr unterscheidet nicht zwischen „geistlich“ und „weltlich“, wenn es um das Werk Zions geht. Auch praktische, organisatorische oder kreative Talente sind von Gott gegeben und sollen zum Aufbau seines Reiches eingesetzt werden. 
Anwendung: Wer mit beruflichen, logistischen oder kreativen Gaben dient – etwa in Verwaltung, Musik, Technik, Unterricht oder Handwerk – tut ebenso Gottes Werk wie jemand, der predigt oder lehrt. 

„Der Herr heiligt jede ehrliche Aufgabe, wenn sie ihm geweiht ist.“ 

3. Treue in Bündnissen wird belohnt, Untreue hat Folgen 

Leman Copleys Treuebruch vs. Newel Knights Standhaftigkeit 
Lehre: Der Herr achtet darauf, ob Menschen ihre Zusagen halten – sei es formell im Bund oder informell durch ein gegebenes Versprechen. Treue führt zu Vertrauen, Untreue zieht Konsequenzen nach sich. 
Anwendung: In einer Zeit, in der viele ihre Verpflichtungen leichtfertig behandeln, ist unsere Bündnistreue (z. B. im Tempel, in der Familie oder im Ehrenamt) ein Ausdruck echter Jüngerschaft. 

„Wen der Herr beauftragt, den hält er auch verantwortlich.“ 

4. Die Bereitschaft, weiterzuziehen und Neues zu wagen, ist Teil des Glaubensweges 

Die Kolesville-Saints auf dem Weg nach Missouri, Phelps verlässt sein altes Leben 
Lehre: Der Herr erwartet manchmal, dass wir aufbrechen, bevor wir alles über das Ziel wissen. Glaube heißt, zu handeln, auch wenn der Weg unbequem oder ungewiss ist. 
Anwendung: Ob es um einen Wohnortwechsel, einen Berufswandel, einen geistigen Neuanfang oder eine Versöhnung geht – manchmal ist unsere Bereitschaft zu „ziehen“ der erste Schritt zur Segnung. 

„Geh, wohin ich dich sende – und du wirst sehen, warum.“ 

5. Die Berufung kommt vom Herrn, nicht vom eigenen Ehrgeiz 

Phelps und Gilbert wollten wissen, was Gott will – nicht sich selbst wichtig machen 
Lehre: Geistige Größe entsteht nicht durch Selbstdarstellung, sondern durch Demut und Gehorsam. Der Herr beruft uns nicht, weil wir uns anbieten, sondern weil wir bereit sind, ihn zu fragen – und dann zu folgen. 
Anwendung: In einer Welt, die Eigenprofilierung betont, ist es erfrischend und kraftvoll, sich Gott zur Verfügung zu stellen und zu sagen: „Was willst DU, dass ich tue?“ 

„Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ 

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Ich sage dir, mein Diener Sidney Gilbert

28. Mai 2025, 05:16am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Siehe, ich sage dir, mein Diener Sidney Gilbert: ...” (Lehre und Bünsnisse 53:1). 

Historische Hintergründe zu Lehre und Bündnisse 53, 54 und 55: 

Lehre und Bündnisse 53 wurde am 8. Juni 1831 als Antwort auf die persönliche Bitte von Algernon Sidney Gilbert gegeben. Gilbert war ein erfolgreicher Geschäftsmann und Geschäftspartner von Newel K. Whitney in Kirtland, Ohio, und war 1830 durch die ersten Missionare, darunter Oliver Cowdery, zum wiederhergestellten Evangelium konvertiert worden. Nachdem in einer kürzlich empfangenen Offenbarung (L&B 52) zahlreiche Älteste zur Missionsreise nach Missouri berufen worden waren – er jedoch nicht unter ihnen war – wandte sich Gilbert an Joseph Smith mit der Frage, welche Aufgabe der Herr für ihn habe. Die Offenbarung zeigt, dass der Herr sehr wohl eine wichtige Rolle für ihn vorgesehen hatte. Sidney Gilbert wurde berufen, sich mit seiner Familie auf die Reise nach Missouri zu begeben, um dort als Verwalter und geschäftlicher Unterstützer der Kirche zu wirken. Dort sollte er unter der Leitung des Bischofs arbeiten, das Reich Gottes mit aufbauen und nach dem Evangelium leben. Die Offenbarung spiegelt das Prinzip wider, dass jeder Gläubige eine individuelle Berufung im Werk des Herrn hat, auch wenn sie zunächst nicht offensichtlich erscheint. Gilbert gehorchte dem Ruf, begab sich nach Missouri, eröffnete dort einen Laden zur Versorgung der Heiligen (gemäß späterer Offenbarung in L&B 57), unterstützte Bischof Partridge beim Landkauf für Zion und engagierte sich aktiv für das Gedeihen der Gemeinde. Als die Heiligen 1833 gewaltsam aus Jackson County vertrieben wurden, war Gilbert einer jener Führer, die versuchten, friedlich zu vermitteln und rechtlichen Schutz zu erlangen. Im Sommer 1834 starb er während der Expedition von Zion’s Camp an der Cholera – bis zuletzt eifrig bemüht, Zion aufzubauen. 

Lehre und Bündnisse 54 wurde am 10. Juni 1831 offenbart, als die Mitglieder des Colesville-Zweigs, angeführt von Newel Knight, dringend göttliche Führung benötigten. Nach ihrer Ankunft in Ohio hatten sie sich in Thompson, Ohio, auf dem Land von Leman Copley niedergelassen, der ihnen angeboten hatte, dort unter dem Gesetz der Weihung zu leben. In gutem Glauben begannen sie, Häuser zu errichten und das Land zu bebauen. Doch nach einer gescheiterten Missionsreise Copleys zu den Shakern – seiner früheren Glaubensgemeinschaft – wandte sich dieser wieder dem Shakertum zu, brach seine Bündnisse mit der Kirche und forderte die Colesville-Heiligen auf, sein Land zu verlassen. Dies führte zu einem heftigen Streit mit dem Shaker-Leiter Ashbel Kitchell, der Copley begleitete, und verursachte beträchtlichen materiellen Schaden bei den vertriebenen Heiligen. Da sie nicht wussten, wohin sie gehen sollten, wandten sich die Ältesten an Joseph Smith, der diese Offenbarung empfing. Der Herr sprach direkt zu Newel Knight und forderte ihn auf, standhaft in seiner Berufung zu bleiben. Die Mitglieder des Zweigs wurden angewiesen, gemeinsam nach Missouri zu ziehen, und sollten einen Treuhänder ernennen, der während der Reise für Reisekosten und Mautgebühren aufkommt. Der Herr erklärte, dass Copleys gebrochene Bündnisse keine Gültigkeit mehr hätten, segnete aber diejenigen, die ihre Bündnisse eingehalten hatten, und versprach ihnen Unterstützung auf ihrem Weg. Die Heiligen sollten in Missouri Geduld und Ausdauer zeigen, bis Zion vollständig aufgebaut sei. Die Offenbarung zeigt einerseits die Dringlichkeit, dem Ruf Gottes zu folgen, selbst unter Widrigkeiten, und andererseits den Trost und die Führung, die der Herr jenen gewährt, die ihm treu bleiben. Der Colesville-Zweig folgte dem Gebot und wurde in Missouri zu einem zentralen Bestandteil der entstehenden Zionsgemeinde. 

Lehre und Bündnisse 55 wurde am 14. Juni 1831 empfangen, kurz nachdem William Wines Phelps mit seiner Familie in Kirtland angekommen war. Phelps, ein ehemaliger Zeitungsredakteur der Ontario Phoenix in Canandaigua, New York, hatte bereits früh von der Veröffentlichung des Buches Mormon erfahren. Obwohl er zunächst zögerte, sich der Kirche anzuschließen, erlangte er durch intensives Studium eine feste Überzeugung von dessen Wahrheit. Seine offene Unterstützung für das Buch brachte ihm jedoch Verfolgung ein – er wurde sogar kurzzeitig inhaftiert, vermutlich um ihn an der Konversion zu hindern. Schließlich gab Phelps seine weltlichen Ambitionen auf, kündigte seine redaktionelle Tätigkeit und begab sich mit seiner Familie nach Kirtland. Bei seiner Ankunft suchte er Joseph Smith auf und erklärte, er sei gekommen, „um den Willen des Herrn zu tun“. Joseph befragte den Herrn, woraufhin diese Offenbarung gegeben wurde. Der Herr berief William Phelps, als Schriftsetzer, Herausgeber und Autor für die Kirche zu wirken. Insbesondere sollte er mit Oliver Cowdery zusammenarbeiten, um Bücher zu veröffentlichen, die auch für die Unterweisung von Kindern geeignet waren. Darüber hinaus sollte er sich gemeinsam mit Joseph Smith und Sidney Rigdon nach Missouri begeben, um dort seine Aufgaben auszuführen. Auch Joseph Coe wurde in der Offenbarung aufgefordert, sie zu begleiten. William Phelps gehorchte dem Ruf, ließ sich taufen und zog nach Missouri, wo er eine zentrale Rolle als Herausgeber und Verleger übernahm. Er war maßgeblich an der Veröffentlichung des ersten Kirchenzeitungsblatts, des ersten Gesangbuchs und der ersten Sammlung der Offenbarungen Joseph Smiths beteiligt. Diese Offenbarung zeigt erneut, wie der Herr Menschen mit besonderen Fähigkeiten gezielt beruft, um den Aufbau Zions zu unterstützen – auch wenn sie aus komplizierten persönlichen Hintergründen stammen. 

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Ich werde euch in allem ein Muster geben

27. Mai 2025, 04:42am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Blaupausen Gottes für persönliches Wachstum 
(Bild Quelle)

“Und weiter: Ich werde euch in allem ein Muster geben, damit ihr nicht getäuscht werdet, denn der Satan geht im Land umher, und er geht aus, die Nationen zu täuschen” (Lehre und Bündnisse 52:14). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 52 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 52 wurde am 6. Juni 1831 in Kirtland, Ohio, empfangen und steht in direktem zeitlichen und thematischen Zusammenhang mit der Konferenz der Ältesten, die vom 3. bis 6. Juni 1831 stattfand. Diese Konferenz war die direkte Folge eines früheren Gebots aus Lehre und Bündnisse 44, in dem der Herr anordnete, dass alle Ältesten der Kirche zusammenkommen sollten, um sich unter seiner Führung belehren und führen zu lassen. Die Konferenz war von großer geistiger Intensität geprägt: Prophezeiungen wurden ausgesprochen, unter anderem über die Rückkehr der zehn Stämme Israels und das Werk der Letzten Tage, und der Herr verlieh zum ersten Mal in der wiederhergestellten Kirche Ämter im Hohen Priestertum. Diese sogenannten Ordinierungen zum "Hohen Priester" markierten eine bedeutende Erweiterung der priesterlichen Vollmacht im Vergleich zum bisher bekannten Amt des Ältesten. 

Abschnitt 51, nur wenige Wochen zuvor im Mai 1831 empfangen, hatte die praktische Grundlage für die Ansiedlung der neu ankommenden Heiligen aus New York in Ohio gelegt. Dort wurde Edward Partridge, der erste Bischof der Kirche, beauftragt, das Vereinigungsgebot (United Order) zu organisieren und Land zuzuweisen. Diese Anweisung schuf eine vorübergehende Ordnung für die Gemeinde in Kirtland. Doch mit Abschnitt 52 kündigte der Herr eine neue Phase an: die Erweiterung des Werkes nach Missouri, dem künftigen "Land des Erbteils" für die Heiligen – später auch als Zion bezeichnet. 

Der Herr rief in Abschnitt 52 28 Männer auf, jeweils in Paaren nach Missouri zu reisen, dort eine weitere Konferenz abzuhalten und auf dem Weg das Evangelium zu predigen. Dies war mehr als nur eine Missionsreise: Es war eine geistliche Pilgerfahrt in ein verheißenes Land, dessen genaue Lage (nämlich Independence) in einer späteren Offenbarung (Abschnitt 57) bekannt gegeben werden sollte. Die Reisen sollten auf getrennten Routen erfolgen, sodass jeder von ihnen neue Orte erreichen konnte, ohne "auf der Grundlage eines anderen zu bauen" (V. 33). 

Besonders bedeutsam ist in dieser Offenbarung das Thema der Unterscheidung zwischen wahren und falschen geistigen Manifestationen. Während der Juni-Konferenz waren außergewöhnliche geistige Erfahrungen gemacht worden – manche klar vom Heiligen Geist, andere hingegen als trügerisch und satanisch entlarvt. In diesem Kontext liefert der Herr in Abschnitt 52 Maßstäbe zur Geisterunterscheidung: Der wahre Geist Christi bringt Demut, Sanftheit, die Beachtung der Verordnungen und „Früchte des Lobes und der Weisheit“ hervor (V. 14–19). Dies war notwendig, weil viele durch emotionale oder dramatische Erlebnisse getäuscht wurden, die zwar beeindruckend wirkten, aber nicht aus Gott waren. 

Darüber hinaus zeigt der Herr in Abschnitt 52 klare Führungsqualitäten: Er kennt seine Freunde und seine Feinde (V. 42), spricht direkt, bestimmt Reiserouten und definiert Autorität. Die Offenbarung verdeutlicht, dass Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen der Weg zur Segnung im verheißenen Land ist, während Untreue mit dem Ausschluss aus dem Werk beantwortet wird (V. 6). 

In der historischen Perspektive ist Abschnitt 52 ein Wendepunkt in der Frühgeschichte der Kirche: Die Konferenz von Juni 1831 war nicht nur ein organisatorisches Treffen, sondern der Beginn einer neuen Phase in der Sammlung Zions. Während Abschnitt 51 organisatorische und wirtschaftliche Fragen in Ohio regelte, wies Abschnitt 52 weit über Kirtland hinaus und etablierte Missouri als das künftige Zentrum geistlicher und physischer Verheißung. 

Das Muster des Herrn 

In Joseph Smith—Matthäus 1:11 (inspiriert durch Matthäus 24) gibt der Herr ein klares Muster, das seine Jünger damals wie heute vor Täuschung schützen soll. Der Vers lautet: 

„wer aber standhaft bleibt und sich nicht überwinden lässt, der wird errettet werden.“ 

Doch um das Muster vollständig zu verstehen, müssen wir den Zusammenhang betrachten – insbesondere Vers 10 bis 12

10 und weil das Übeltun überhandnimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten; 

11 wer aber standhaft bleibt und sich nicht überwinden lässt, der wird errettet werden. 

12 Darum, wenn ihr den Gräuel der Verwüstung erblicken werdet, von dem der Prophet Daniel in Bezug auf die Zerstörung Jerusalems gesprochen hat, dann sollt ihr an heiliger Stätte stehen; wer da liest, der möge verstehen. 

Das Muster im Kontext 

1. Ausharren in Rechtschaffenheit 
Vers 11 betont: „wer ausharrt“. Dieses Ausharren ist nicht passiv, sondern bedeutet aktives Festhalten am Glauben trotz zunehmender Gesetzlosigkeit und Lieblosigkeit in der Welt (Vers 10). 
– Das Muster: Standhaftigkeit in einem Umfeld moralischer Verwirrung

Ein aktuelles Beispiel, wie das Muster aus Joseph Smith—Matthäus 1:11 heute angewendet werden kann, ist die Einführung des Programms „Komm und folge mir“ und die damit verbundene Heimzentrierung des Evangeliumsstudiums. 

2. Geistige Wachsamkeit („wer da liest, der möge verstehen“) – Vers 12 

– Dies ist ein direkter Hinweis auf die Notwendigkeit geistigen Verständnisses und persönlicher Achtsamkeit beim Studium heiliger Schriften. 
Das Muster: Schriftenkenntnis + geistige Einsicht = Schutz vor Täuschung
– Es ermutigt dazu, nicht nur zu lesen, sondern mit dem Heiligen Geist zu verstehen und wachsam zu sein gegenüber den Zeichen der Zeit. 

3. Gehorsames Handeln, wenn Warnungen kommen – Vers 13 

– „Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen“ ist ein historisches Beispiel für gelebten Gehorsam gegenüber göttlicher Warnung. 
Das Muster: Promptes Handeln gemäß prophetischer Warnung – auch wenn es unbequem oder schwer verständlich ist – bringt Schutz und Führung. 
– Für unsere Zeit bedeutet das: Wenn heutige Propheten vor geistiger oder gesellschaftlicher Gefahr warnen, ist Gehorsam ein Mittel zur Sicherheit. 

Beispiel: Heimzentriertes Evangeliumsstudium („Komm und folge mir nach“) 

1. Ausharren in Rechtschaffenheit trotz abnehmender Moral 

In einer Welt, in der Medien, Gesellschaft und Politik zunehmend von göttlichen Maßstäben abweichen, stärkt das Programm Familien und Einzelpersonen, zu Hause beständig das Evangelium zu lernen – und damit geistig stark zu bleiben, selbst wenn äußere Einflüsse negativ sind. 

Heute bedeutet Ausharren: sich trotz Druck von außen nicht beirren zu lassen und das Zuhause als Ort der Rechtschaffenheit zu bewahren. 

2. Geistige Wachsamkeit durch Schriftstudium („möge der Leser achthaben“) 

Die Aufforderung, selbst die Schriften zu studieren, ist heute aktueller denn je. Das manuelle Lernen zu Hause mit „Komm und folge mir“ fördert, dass nicht nur der Lehrer in der Kirche für das geistige Wachstum zuständig ist, sondern jeder Einzelne persönlich „achtgibt“

Heute bedeutet achthaben: die Zeichen der Zeit erkennen, Wahrheit von Täuschung unterscheiden und den Geist regelmäßig einladen. 

3. Gehorsames Handeln auf prophetische Warnung 

Als die Kirche 2018 das Programm einführte und die Sonntagsschule halbierte, war das für viele überraschend. Doch die prophetische Führung zielte darauf ab, die geistige Unabhängigkeit der Mitglieder zu stärken – im Vorblick auf kommende Herausforderungen (wie z. B. die Corona-Pandemie 2020, wo das Heimstudium plötzlich unerlässlich wurde). 

Heute bedeutet fliehen in die Berge: geistige Zuflucht im eigenen Zuhause suchen, dort Schutz und Offenbarung finden. 

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Dass er Weisungen empfange, wie dieses Volk zu organisieren ist

26. Mai 2025, 05:12am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Hört auf mich, spricht der Herr, euer Gott, dann werde ich zu meinem Diener Edward Partridge sprechen und ihm Weisungen geben; denn es muss notwendigerweise sein, dass er Weisungen empfange, wie dieses Volk zu organisieren ist.” (Lehre und Bündnisse 51:1). 

Historie von Lehre und Bündnisse 51 

Im späten Frühjahr 1831 standen die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vor bedeutenden Herausforderungen, die tiefgreifende Offenbarungen erforderten. Nachdem die Heiligen auf Weisung des Herrn (LuB 37 und 38) ihre Heimat im Bundesstaat New York verlassen hatten, traf Mitte Mai 1831 eine Gruppe von über 60 Mitgliedern des sogenannten Zweigs Colesville unter der Leitung von Newel Knight nach einer strapaziösen Reise in Ohio ein. Diese Gruppe war eine von mehreren, die dem Gebot des Herrn folgten, sich in Ohio zu versammeln. Die Reise war beschwerlich: Witterungsbedingte Verzögerungen und eine unangenehme Überfahrt über den Eriesee, bei der viele seekrank wurden, stellten ihre Entschlossenheit auf eine harte Probe. In Fairport Harbor am Ufer des Eriesees angekommen, nur wenige Kilometer von Kirtland entfernt, erhielten sie die Anweisung, sich in der nahegelegenen Gemeinde Thompson niederzulassen. Dort hatte ein neuer Bekehrter namens Leman Copley angeboten, ihnen einen Teil seines Landes zur Verfügung zu stellen. 

Zu diesem Zeitpunkt war Edward Partridge erst seit wenigen Monaten als erster Bischof der Kirche eingesetzt worden – mit der Aufgabe, die zeitlichen Bedürfnisse der Heiligen zu organisieren und insbesondere die Grundsätze des Gesetzes der Weihung und der Treuhandschaft umzusetzen. Angesichts der plötzlich eintreffenden Flüchtlingsgruppe wandte sich Partridge hilfesuchend an den Propheten Joseph Smith. Am 20. Mai 1831 empfing Joseph daraufhin die Offenbarung, die heute als Abschnitt 51 im Buch Lehre und Bündnisse enthalten ist. Darin wies der Herr Bischof Partridge an, wie er das zeitliche Vermögen verwalten solle, insbesondere im Hinblick auf die gerechte Zuteilung von Grundstücken und Gütern auf Treuhandbasis. Jeder sollte gemäß seinen Bedürfnissen und Familienverhältnissen erhalten, während das, was übrig blieb, für die Bedürftigen aufbewahrt oder für künftige Zuwanderer bereitgehalten werden sollte. Diese Offenbarung stellte einen entscheidenden Moment im organisatorischen Aufbau der frühen Kirche dar, insbesondere im Hinblick auf das gelebte Gesetz der Weihung. 

Doch nur wenige Wochen später wurde das gesamte Siedlungsprojekt auf die Probe gestellt: Leman Copley, der anfangs sein Land großzügig zur Verfügung gestellt hatte, begann, seine Unterstützung zurückzuziehen und die Heiligen von seinem Land zu vertreiben. Diese plötzliche Wendung führte zu neuen Schwierigkeiten für die Mitglieder des Colesville-Zweigs, deren Situation ohnehin schon prekär war. Sie hatten ihre Heimat verlassen und waren auf das Wohlwollen anderer angewiesen – nun standen sie erneut ohne festen Wohnsitz da. Die Situation verdeutlichte nicht nur die physischen Herausforderungen der Ansiedlung, sondern auch die geistige und moralische Notwendigkeit, Offenbarung und Führung des Herrn zu suchen. 

Inmitten dieser Umstände fand vom 3. bis 6. Juni 1831 eine bedeutende Konferenz der Kirche in Kirtland statt. Während dieser Zusammenkunft wurden die ersten Hohen Priester in dieser Evangeliumszeit ordiniert, und der Prophet Joseph Smith hatte eine Vision von Gott dem Vater und Jesus Christus. Diese Konferenz markierte eine weitere Phase geistiger Ausrichtung und Vorbereitung der Führer auf die kommenden Aufgaben. Im Anschluss daran empfing Joseph Smith zwischen dem 6. und 15. Juni mehrere Offenbarungen (LuB 52 bis 56), die nicht nur spezifische Missionsaufrufe beinhalteten, sondern auch aufzeigten, wie der Herr seine Kirche weiter strukturieren wollte – unter anderem, indem er bestimmte Älteste nach Missouri entsandte, wo das Land des Erbteils verheißen war. 

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, den größeren geistigen Hintergrund zu verstehen: Zu dieser Zeit machten viele Mitglieder der jungen Kirche intensive spirituelle Erfahrungen, doch nicht alle dieser Manifestationen stammten vom Heiligen Geist. Berichte von ekstatischen Zuständen, unverständlichem Verhalten und selbsternannten Offenbarungen sorgten für Verwirrung unter den Gläubigen. Parley P. Pratt und Jared Carter etwa beschrieben, wie sie mit solchen falschen Geistern konfrontiert wurden. Joseph Smith empfing deshalb am 9. Mai 1831 die Offenbarung in L&B 50, um die Führer zu befähigen, zwischen wahren und falschen Geistern zu unterscheiden. Auch diese Lehre wurde bald angewandt – mit geistiger Kraft, aber auch mit Kosten: Jared Carter etwa verlor das Vertrauen vieler Mitglieder, nachdem er eine falsche geistige Manifestation öffentlich zurückgewiesen hatte. Doch ihm war die Bestätigung durch den Herrn wichtiger als menschliche Anerkennung. 

Im Rückblick zeigt sich, dass die Offenbarung in L&B 51 nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie steht in engem Zusammenhang mit einer Zeit des Aufbruchs, der Prüfung und der Reifung – sowohl organisatorisch als auch geistig. Die Heiligen in Ohio waren Pioniere, nicht nur geografisch, sondern auch im Aufbau einer heiligen Gemeinschaft nach göttlichem Muster. Unter widrigsten Umständen versuchten sie, das Gesetz der Weihung umzusetzen, sich um Bedürftige zu kümmern und geistige Reinheit zu bewahren. Die Offenbarung an Bischof Partridge war dabei ein entscheidender Schritt auf diesem Weg – ein Versuch, Ordnung und Gerechtigkeit im zeitlichen Bereich herzustellen und gleichzeitig die Grundlage für das geistige Wachstum einer verheißenen Nation zu legen. 

Anwendung für heute 

Obwohl das Gesetz der Weihe heute nicht in derselben Form gelebt wird wie 1831, vermittelt L&B 51 zeitlose Prinzipien für das Leben als Jünger Jesu Christi: 

  • Verwaltung statt Besitzdenken: Alles, was wir haben – Zeit, Talente, Ressourcen – ist uns anvertraut, damit wir es zum Wohl anderer einsetzen. Wir sind Verwalter, nicht Eigentümer
  • Solidarität mit Bedürftigen: Der Herr ruft uns auf, füreinander zu sorgen. In einer Welt mit großen sozialen Unterschieden bleibt das Ideal christlicher Gleichheit und gegenseitiger Unterstützung hochaktuell. 
  • Ehrlichkeit im Umgang mit Ressourcen: Der Text betont Redlichkeit und Rechenschaft – sowohl im Geben als auch im Empfangen. Diese Haltung ist grundlegend für persönlichen und gemeinschaftlichen Fortschritt. 
  • Geistgeleitete Führung: Leiter in der Kirche und im Leben sollen nach dem Geist Gottes führen, mit Gebet, Weisheit und ohne Ansehen der Person – ein Prinzip, das überall dort gilt, wo Menschen Verantwortung tragen. 
  • Ordnung und Frieden in der Gemeinschaft: Das Reich Gottes wächst dort, wo Menschen in Einheit, Frieden und gegenseitigem Respekt handeln – in der Kirche, der Familie und der Gesellschaft. 

Diese Offenbarung erinnert daran, dass das Reich Gottes sowohl geistlich als auch praktisch gebaut wird – durch göttlich inspirierte Prinzipien, die in den Alltag hineinwirken. 

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