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Glaubensansichten
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Dass sie sich in Ohio sammeln

21. April 2025, 04:56am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Die Sammlung Israels ist heute das wichtigste Werk auf der Erde
(Bild: Quelle)

“Und weiter, ein Gebot gebe ich der Kirche, dass es mir ratsam ist, dass sie sich in Ohio sammeln in Vorbereitung auf die Zeit, da mein Diener Oliver Cowdery zu ihnen zurückkehren wird. 4 Siehe, hier ist Weisheit, und lasst jedermann selbst entscheiden, bis ich komme. So ist es. Amen.” (Lehre und Bündnisse 37:3-4). 

Die Heiligen werden aufgerufen, sich in Ohio zu sammeln.  

L&B 37 wurde im Dezember 1830 gegeben (interessanterweise: Joseph übersetzte gerade mit Sidney Rigdon als Schreiber die Kapitel 5, 6 und 7 im Buch Mose der Phinney-Cooperstown-Bibel, wo Henoch das Volk Israel sammelte, und Zion gründete) und enthielt die erste direkte Offenbarung, in der die Heiligen aufgefordert wurden, sich nach Ohio zu versammeln. Der Herr erklärte, dass dies notwendig sei wegen des Übels, das über die Gegend in New York kommen würde. Die frühen Mitglieder der Kirche nahmen diese Offenbarung ernst und sahen sie als direkte Anweisung Gottes durch den Propheten Joseph Smith. Viele waren überrascht, doch die meisten gehorchten bereitwillig. Besonders die Mitglieder der Kirche in Colesville, Fayette und Manchester begannen, sich auf den Umzug vorzubereiten. 

Die Umsetzung dieser Aufforderung war jedoch mit großen Herausforderungen verbunden. Viele Mitglieder mussten ihre Farmen und Besitztümer verkaufen oder zurücklassen. Einige erlebten Verfolgung und wirtschaftliche Verluste. Dennoch vertrauten sie darauf, dass der Herr sie auf eine größere Segnung vorbereitete und dass die Sammlung sie sowohl geistig als auch physisch schützen würde. 

Das Prinzip der Sammlung war den frühen Heiligen nicht neu. Schon in der Bibel wurde von einer Zusammenkunft des Bundesvolkes in den Letzten Tagen gesprochen, beispielsweise in Jesaja 2:2-3 und 3. Nephi 20:18-22. Auch in der frühen Wiederherstellung gab es Hinweise darauf. Während der Übersetzung des Buches Mormon wurde in 3. Nephi 21:22-24 von einer zukünftigen „Stadt des Neuen Jerusalems“ auf dem amerikanischen Kontinent gesprochen. Im September 1830 offenbarte der Herr in L&B 29, dass er sein Volk von den vier Enden der Erde sammeln würde. In L&B 33, im Oktober 1830 gegeben, sprach der Herr davon, dass die Missionare die Menschen „zur Kirche sammeln“ sollten. 

Die Aufforderung zur Sammlung nach Ohio hatte mehrere Gründe. Zum einen sollte sie die Heiligen vor zunehmender Verfolgung in New York schützen. Der Herr hatte angedeutet, dass Schwierigkeiten auf die Kirche zukommen würden, und Ohio bot einen Zufluchtsort. Zum anderen diente die Sammlung der geistigen Vorbereitung der Heiligen. In Kirtland sollte der Herr weitere Offenbarungen geben, sein Gesetz offenbaren und heilige Ordnungen einführen. Darüber hinaus sollte Kirtland als Missionszentrum dienen, von dem aus das Evangelium weiter verbreitet werden konnte. 

Letztendlich folgten die Heiligen mit großem Glauben dieser ersten großen Sammelbewegung, auch wenn sie große Opfer bringen mussten. Die Entscheidung, nach Ohio zu ziehen, legte den Grundstein für wichtige weitere Entwicklungen in der frühen Geschichte der Kirche, darunter die Errichtung eines Tempels und die Offenbarung vieler weiterer heiliger Lehren. 

Die Lehre von der Sammlung war im 19. Jahrhundert ein zentrales Prinzip der Kirche. Bereits im September 1830 offenbarte der Herr durch Joseph Smith, dass die Heiligen an einem Ort zusammenkommen sollten, um sich auf kommende Prüfungen vorzubereiten (LuB 29:8). Wenige Monate später wurde klar, dass dies nicht nur geistig, sondern auch physisch gemeint war, als der Herr befahl, nach Ohio zu ziehen (LuB 37:1,3). Die Heiligen folgten diesem Gebot und sammelten sich in Kirtland. Später wurde Independence, Missouri, als Standort für Zion offenbart (LuB 57:1-2), und in den folgenden Jahren bewegten sich die Heiligen weiter nach Far West, Missouri, und Nauvoo, Illinois. 

Unter Brigham Young blieb die physische Sammlung zentral. 1845 erklärten die Kirchenführer, dass der Herr den Heiligen befohlen habe, sich auf dem amerikanischen Kontinent zu versammeln und heilige Städte zu errichten. Die Sammlung blieb im gesamten 19. Jahrhundert ein durchgehendes Prinzip, mit dem Ziel, die Gläubigen in den Westen der USA zu bringen. 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich jedoch eine Veränderung ab. In den 1890er Jahren führten wirtschaftliche Herausforderungen zu einer vorübergehenden Aussetzung der Sammlung. Präsident Lorenzo Snow und andere Kirchenführer diskutierten 1899 über die Probleme der Sammlung, darunter die Schwierigkeit, Arbeit für alle Neuankömmlinge zu finden. Manche Mitglieder kehrten in ihre Heimatländer zurück und entfernten sich vom Glauben, während andere die Kirche in ihren Heimatländern stärkten. 

Ein entscheidender Wendepunkt kam 1906, als Präsident Joseph F. Smith als erster Kirchenpräsident Europa besuchte. In einer Konferenz in Bern prophezeite er, dass es dort eines Tages Tempel geben werde. 1907 erklärte die Kirche offiziell, dass Mitglieder nicht mehr ermutigt würden, in die USA auszuwandern, sondern stattdessen ihre Heimatländer stärken sollten. Diese neue Richtung wurde 1921 in einem Leitartikel des Millennial Star bekräftigt: Mitglieder sollten dort bleiben, wo sie waren, um die Kirche vor Ort aufzubauen. 

Diese Änderung bedeutete nicht das Ende der Sammlung, sondern eine neue Interpretation. Die Sammlung wurde nun als geistiges Prinzip verstanden, das sich auf den Aufbau von Zion und seinen Pfählen bezog (LuB 115:6). Präsident Spencer W. Kimball betonte 1975, dass jedes Land nun seine eigene Sammlung erlebte: Korea für die Koreaner, Brasilien für die Brasilianer, England für die Engländer. Die Kirche förderte fortan die Stärkung des Evangeliums in den jeweiligen Ländern, anstatt die Mitglieder nach Utah zu bringen. Diese Entwicklung führte letztlich zur weltweiten Ausbreitung der Kirche mit Tempeln und Zentren des Glaubens in vielen Ländern. 

Präsident Russell M. Nelson betont, dass die Sammlung Israels das bedeutendste Werk unserer Zeit ist und eine zentrale Rolle im Plan Gottes spielt. Er lehrt, dass die Sammlung Israels überall auf der Welt stattfinden soll, nicht an einem bestimmten geografischen Ort. Er betont, dass Zion heute nicht mehr nur ein physischer Ort ist, sondern überall dort existiert, wo Menschen das Evangelium Jesu Christi annehmen und danach leben. "Die Sammlung Israels findet statt, wenn der Herr seine Kinder auf beiden Seiten des Schleiers sammelt, um mit ihm Bündnisse einzugehen und die heiligen Handlungen seiner Kirche zu empfangen." (Generalkonferenz, Oktober 2020) 

Präsident Nelson hat oft wiederholt, dass jedes Land, jede Stadt und jede Gemeinde ein Teil dieser Sammlung sind. 2018 sagte er: 
"Ihr braucht nicht nach Utah oder in die Vereinigten Staaten zu ziehen, um zur Sammlung Israels beizutragen. Wo auch immer ihr lebt, könnt ihr mithelfen, Zion aufzubauen." (Ansprache an die Jugend, Juni 2018). Er verwies dabei auf die moderne Interpretation der Sammlung als geistiges Prinzip, ähnlich wie es bereits Präsident Spencer W. Kimball 1975 formulierte. 

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Darum muss es notwendigerweise ein unbegrenztes Sühnopfer sein

19. April 2025, 05:28am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“... Darum muss es notwendigerweise ein unbegrenztes Sühnopfer sein; denn wenn es kein unbegrenztes Sühnopfer wäre, könnte diese Verweslichkeit nicht Unverweslichkeit anziehen. ...” (2. Nephi 9:6–7) 

Der Samstag der Karwoche wird Karsamstag genannt. Er ist der letzte Tag der Karwoche und der Tag vor Ostersonntag. 

Karsamstag ist ein stiller Tag des Wartens und der Grabesruhe Jesu Christi. In der katholischen Tradition endet er liturgisch mit der Feier der Osternacht, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag stattfindet und den Übergang von der Trauer der Karwoche zur Freude der Auferstehung markiert. 

Am Karsamstag herrschte unter den Jüngern Jesu tiefe Trauer, Angst und Unsicherheit. Nachdem Jesus am Kreuz seinen Geist aushauchte (Matthäus 27:50), wurden seine sterblichen Überreste von Josef von Arimathäa in ein neues Grab *) gelegt (Matthäus 27:57–60). Dies geschah eilig, weil der Sabbat begann (Lukas 23:54). 

  • *) Dass Jesus in ein neues Grab gelegt wurde (Matthäus 27:60; Lukas 23:53; Johannes 19:41), trägt eine tiefe symbolische Bedeutung. Ein neues Grab war unbenutzt, rein und frei von Verwesung – ein passender Ort für denjenigen, der ohne Sünde war (2. Korinther 5:21) und den Tod besiegen sollte. 

Im Alten Testament galt jeder, der ein Grab oder einen Toten berührte, als unrein (4. Mose 19:16). Doch Jesus, der "Erstling aus den Toten" (1. Korinther 15:20), sollte keine Verunreinigung oder Verbindung mit früherem Tod haben. Sein Begräbnis in einem unbenutzten Grab unterstreicht, dass er nicht einfach in die Reihe der Toten eintrat, sondern dass sein Tod und seine Auferstehung einzigartig waren. 

Zudem wurde das Grab von Josef von Arimathäa, einem reichen Mann, zur Verfügung gestellt (Matthäus 27:57–60). Dies erfüllte die Prophezeiung aus Jesaja 53:9, dass der Messias „bei einem Reichen in seinem Tod“ sein würde. 

Schließlich weist das neue Grab auf die Neuschöpfung hin. Jesu Auferstehung aus diesem Grab bedeutet den Beginn eines neuen Lebens für alle Gläubigen. So wie er in ein unberührtes Grab gelegt wurde, schenkt er auch uns ein neues Leben und eine neue Zukunft, frei von der Last der Sünde (2. Korinther 5:17). 

Die Jünger waren verängstigt und hielten sich verborgen, aus Furcht vor den jüdischen Autoritäten (Johannes 20:19). Die Frauen, die Jesus nachgefolgt waren, hatten beobachtet, wo er begraben wurde, und bereiteten wohlriechende Öle vor, um seinen Leichnam nach dem Sabbat zu salben. Doch am Sabbat selbst ruhten sie nach dem Gesetz (Lukas 23:55–56). 

Die Pharisäer und Hohepriester sorgten sich, dass die Jünger Jesu Leichnam stehlen könnten, um zu behaupten, er sei auferstanden. Deshalb baten sie Pilatus, das Grab zu versiegeln und Wachen aufzustellen (Matthäus 27:62–66; Rüsttag). 

Dieser Tag war für die Jünger eine Zeit der Prüfung. Sie hatten Jesu Worte über seine Auferstehung gehört (Matthäus 16:21), doch die Realität seines Todes erschütterte ihren Glauben. Ihre Hoffnung schien verloren, und sie verstanden noch nicht vollständig, dass dies Teil von Gottes Plan war. 

Am Ostersonntag geschahen entscheidende Ereignisse für die Jünger Jesu, die ihren Glauben und ihr Verständnis des Evangeliums nachhaltig prägten. 

Am frühen Morgen gingen einige Frauen zum Grab, um den Leichnam Jesu zu salben, doch sie fanden das Grab leer. Ein Engel verkündete ihnen die frohe Botschaft: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat“ (Matthäus 28:6). Maria Magdalena hatte daraufhin eine persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, der sie mit ihrem Namen ansprach, woraufhin sie ihn erkannte (Johannes 20:11–16). 

  • Die Position der zwei Engel im leeren Grab Jesu – einer am Kopf- und einer am Fußende, wie es in Johannes 20:12 beschrieben wird – hat eine tiefere symbolische Bedeutung, die an das Alte Testament und das Heiligtum im Tempel erinnert. 

Im Allerheiligsten der Stiftshütte und später des Tempels stand die Bundeslade, deren Deckel als „Gnadenstuhl“ bezeichnet wurde. Auf diesem Gnadenstuhl befanden sich zwei Cherubim, die einander gegenüberstanden und die Gegenwart Gottes umrahmten (2. Mose 25:17–22). Der Gnadenstuhl war der Ort, an dem das Sühneopfer symbolisch vollzogen wurde, indem das Blut des Opfertieres dargebracht wurde. 

Die Engel im Grab des auferstandenen Jesu könnten somit eine Parallele zum Gnadenstuhl darstellen. Jesus, das wahre Sühneopfer, hatte sein Blut vergossen, und nun war sein Grab zum heiligsten Ort geworden – zum Ort der endgültigen Erlösung. Die Engel an Kopf- und Fußende könnten darauf hinweisen, dass dieses Grab nun der neue Gnadenstuhl ist, an dem Gott durch Christus den Menschen Versöhnung bringt. 

Diese Anordnung unterstreicht auch, dass Jesu Auferstehung nicht nur ein Wunder, sondern die Erfüllung des göttlichen Plans war. Der leere Raum zwischen den Engeln zeigt, dass der gekreuzigte und auferstandene Herr nicht mehr dort ist – er lebt. Dadurch wird die zentrale Botschaft des Evangeliums betont: Christus hat den Tod besiegt und ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen geworden. 

Die Jünger selbst waren zunächst ungläubig, als die Frauen ihnen von der Auferstehung berichteten (Lukas 24:10–11). Doch später an diesem Tag erschienen zwei Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren, Jesus ohne ihn zu erkennen. Während er mit ihnen sprach, erklärte er ihnen die Schriften, die sich auf ihn bezogen. Erst als er das Brot brach, erkannten sie ihn, woraufhin er vor ihren Augen verschwand (Lukas 24:13–32). 

Am Abend dieses denkwürdigen Tages versammelten sich die Jünger hinter verschlossenen Türen aus Angst vor den jüdischen Führern. Plötzlich erschien Jesus in ihrer Mitte und begrüßte sie mit den Worten: „Friede sei mit euch!“ (Johannes 20:19). Um ihren Zweifel zu zerstreuen, zeigte er ihnen seine durchbohrten Hände und Füße und aß sogar vor ihnen, um zu beweisen, dass er leibhaftig auferstanden war (Lukas 24:36–43). 

All diese Ereignisse führten dazu, dass die Jünger begannen, die wahre Bedeutung von Jesu Mission zu begreifen. Die Auferstehung war nicht nur ein Wunder, sondern die Erfüllung göttlicher Verheißungen. Sie verwandelte die ängstlichen und zweifelnden Jünger in mutige Zeugen, die schließlich bereit waren, die Botschaft von Christus in die ganze Welt zu tragen. 

Der Gründonnerstag steht für Liebe und Hingabe – Jesus setzte das Abendmahl ein, wusch seinen Jüngern die Füße und lehrte, dass wahre Größe im Dienen liegt. In der Nacht litt er in Gethsemane unvorstellbare Qualen, nahm unsere Sünden auf sich und schwitzte Blut – der größte Akt der Versöhnung begann. Der Karfreitag bedeutet das ultimative Opfer – Christus vollendete sein Sühnopfer am Kreuz und gab sein Leben hin, damit wir Vergebung und Erlösung finden können. Der Karsamstag symbolisiert Geduld und Vertrauen – auch wenn Gott scheinbar schweigt, wirkt er an der Erfüllung seines Plans. Der Ostersonntag ist der Triumph des Lebens – Jesus ist auferstanden, hat den Tod besiegt und schenkt uns die Hoffnung auf ewiges Leben. 

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Doch Ehre sei dem Vater

18. April 2025, 05:40am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle; Screeshot)

“... doch Ehre sei dem Vater, und ich trank davon und vollendete meine Vorbereitungen für die Menschenkinder.” (Lehre und Bündnisse 19:16-19). 

Der Freitag der Karwoche wird Karfreitag genannt. „Kar“ stammt vom althochdeutschen Wort kara, was „Klage“, „Trauer“ oder „Kummer“ bedeutet. Karfreitag ist der Tag, an dem Christen des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz gedenken. Er gehört zu den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr und ist in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag. 

Am Karfreitag ereigneten sich die zentralen Geschehnisse der Passion Jesu, die in den Evangelien ausführlich beschrieben werden. Der Tag begann nach dem nächtlichen Prozess vor dem Hohen Rat (Matthäus 26:57-68), in dem Jesus der Gotteslästerung beschuldigt wurde. Am frühen Morgen wurde er vor Pontius Pilatus gebracht, der ihn verhörte, aber keine Schuld an ihm fand (Lukas 23:1-4). Dennoch gab Pilatus auf Drängen der jüdischen Führer nach und ließ Jesus geißeln (Johannes 19:1-6). 

Daraufhin wurde Jesus von den römischen Soldaten verspottet, mit einer Dornenkrone gekrönt und geschlagen (Matthäus 27:27-31). Er wurde gezwungen, sein eigenes Kreuz zur Hinrichtungsstätte Golgatha zu tragen, wobei Simon von Kyrene ihm schließlich half (Lukas 23:26) *). Am Kreuz wurde Jesus zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt, während die Soldaten um seine Kleider würfelten (Johannes 19:23-24). Während seiner Qualen sprach er mehrere Worte, darunter das berühmte „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27:46, Psalm 22:2) und „Es ist vollbracht“ (Johannes 19:30). 

  • *) Das Tragen des Kreuzes durch Simon von Kyrene (Lukas 23:26, Matthäus 27:32, Markus 15:21) ist ein symbolträchtiges Ereignis mit mehreren möglichen Bedeutungen. 

1. Das Symbol der Jüngerschaft 

Jesus hatte zuvor gelehrt: 
„Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lukas 9:23) 
Simon wurde buchstäblich gezwungen, das Kreuz Jesu zu tragen, was bildlich auf die Berufung eines jeden Nachfolgers Christi hinweisen kann, das eigene „Kreuz“ auf sich zu nehmen. Dies bedeutet, die Lasten und Prüfungen des Lebens im Glauben zu tragen. 

2. Der universelle Zugang zum Evangelium 

Simon von Kyrene kam aus Nordafrika (heutiges Libyen). Seine Erwähnung könnte andeuten, dass das Evangelium nicht nur für die Juden, sondern für alle Völker bestimmt ist. Interessanterweise wird in Markus 15:21 erwähnt, dass Simon der Vater von Alexander und Rufus sei – möglicherweise eine Anspielung darauf, dass seine Familie später gläubig wurde (vgl. Römer 16:13). 

3. Die Notwendigkeit menschlicher Beteiligung 

Obwohl Jesus die Sünden der Welt trug, wurde ein Mensch hinzugezogen, um sein physisches Kreuz zu tragen. Dies könnte darauf hindeuten, dass das Werk Christi uns zwar erlöst, aber auch menschliche Mitwirkung und Nachfolge erfordert. Jeder Gläubige ist aufgerufen, mit Christus zu „leiden“ (Römer 8:17) und an seiner Mission teilzuhaben. 

4. Die Erfüllung einer alttestamentlichen Prophezeiung 

Jesaja 53:12 sagt über den leidenden Gottesknecht: 
„Er hat die Sünde vieler getragen und für die Übeltäter gebetet.“ 
Indem Simon Jesus hilft, das Kreuz zu tragen, kann dies als Hinweis darauf gedeutet werden, dass das Erlösungswerk Christi von der Menschheit mitgetragen wird – nicht, weil sie es vollbringen könnte, sondern weil Gott Menschen in sein Werk mit einbindet. 

Fazit 

Simon von Kyrene steht sinnbildlich für jeden Gläubigen, der die Nachfolge Christi antritt. Er erinnert daran, dass der Weg mit Jesus Opfer und Hingabe erfordert, aber auch dazu führt, an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Das scheinbar zufällige Ereignis wird so zu einer tiefen geistlichen Lehre über Jüngerschaft, Teilhabe und das universelle Heil in Christus. 

Zur Mittagszeit verdunkelte sich der Himmel für drei Stunden (Lukas 23:44-45), und als Jesus starb, zerriss der Tempelvorhang von oben bis unten, was ein Zeichen für den Zugang aller Menschen zu Gott durch Christus war (Matthäus 27:50-51). Ein römischer Hauptmann erkannte: „Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!“ (Matthäus 27:54). Schließlich wurde der Leichnam Jesu von Joseph von Arimathäa und Nikodemus in ein neues Grab gelegt, das mit einem großen Stein verschlossen wurde (Johannes 19:38-42). Die jüdischen Führer baten Pilatus, das Grab versiegeln zu lassen, um eine angebliche Grabräuberei zu verhindern (Matthäus 27:62-66). 

Diese Ereignisse sind für Christen von zentraler Bedeutung, da sie die Erfüllung vieler alttestamentlicher Prophezeiungen darstellen (Jesaja 53) und den Höhepunkt von Jesu Sühnopfer markieren, das den Weg zur Erlösung für alle Menschen eröffnet. 

Die Ereignisse des Karfreitags werden in den neuzeitlichen Offenbarungen durch Joseph Smith vor allem in L&B 19:16-19 beschrieben. Hier erklärt Jesus Christus selbst die Tiefe seines Leidens, das bereits in Getsemani begann und sich am Kreuz vollendete. Er spricht davon, dass sein Schmerz so groß war, dass er „an jeder Pore blutete“ und dennoch den Willen des Vaters erfüllte. 

Auch Mosia 3:7 im Buch Mormon – ein Text, den Joseph Smith als Übersetzer der goldenen Platten hervorbrachte, die ihm vom Engel Moroni zu diesem Zweck übergeben wurden – gibt Einblick in das Sühnopfer und berichtet, dass Christus so sehr litt, dass ihm „Blut aus jeder Pore drang“. 

Zusätzlich bestätigt L&B 76:22-24 das zentrale Zeugnis vom gekreuzigten und auferstandenen Christus, das Joseph Smith und Sidney Rigdon in einer Vision empfingen. 

Diese Offenbarungen vertiefen das Verständnis der Ereignisse des Karfreitags, indem sie die geistige Dimension von Jesu Leiden und die universelle Bedeutung seines Sühnopfers betonen. 

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Ich, Gott, habe das für alle gelitten

17. April 2025, 05:04am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren; ...” (Lehre und Bündnisse 19:16-19). 

  • Die wichtigste Handlung Jesu im Garten Getsemani war sein Sühnopfer, bei dem er alle Leiden, Sünden, Schmerzen und Übel der Menschheit auf sich nahm. Dies geschah aus unendlicher Liebe, damit wir durch sein Blut gereinigt werden und eines Tages wieder in die Gegenwart Gottes zurückkehren können. 
     
    Diese heilige Handlung im Garten Getsemani war der Beginn des Sühnopfers, das mit seinem Tod am Kreuz (Karfreitag) und seiner Auferstehung (Ostersonntag) vollendet wurde. 

Der Donnerstag der Karwoche wird traditionell als Gründonnerstag bezeichnet. 

An diesem Tag wird an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnert. In der katholischen und orthodoxen Tradition ist es auch der Tag, an dem die Fußwaschung zelebriert wird, um die Demut und den Dienst Jesu zu betonen. Zudem beginnt mit dem Gründonnerstag das österliche Triduum, die drei heiligen Tage bis Ostersonntag. 

Die Herkunft des Wortes "Gründonnerstag" ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass es sich von "greinen" (weinen) ableitet, eine andere führt es auf den alten Brauch zurück, an diesem Tag grüne Speisen zu essen. 

Am Gründonnerstag spielte sich eine Reihe bedeutender Ereignisse im Leben Jesu und seiner Jünger ab, die tiefgreifende spirituelle und theologische Bedeutungen haben. Zunächst versammelte sich Jesus mit seinen zwölf Jüngern zum letzten Abendmahl, bei dem er das Abendmahls-Sakrament einsetzte. Er nahm Brot, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten, dass es sein Leib sei, ebenso nahm er den Kelch mit Wein und erklärte, dass es sein Blut des neuen Bundes sei, das zur Vergebung der Sünden vergossen werde. Damit stiftete er eine heilige Handlung, die für Christen bis heute zentral ist. 

Während des Mahls offenbarte Jesus, dass einer der Jünger ihn verraten würde – Judas Iskariot –, der kurz darauf hinausging, um die Hohepriester zu informieren. Ebenso prophezeite Jesus, dass Petrus ihn dreimal verleugnen werde, bevor der Hahn krähte. Eine weitere eindrucksvolle Handlung Jesu an diesem Abend war die Fußwaschung, mit der er seinen Jüngern Demut und dienende Liebe vorlebte. 

Nach dem Mahl zog sich Jesus mit seinen engsten Jüngern in den Garten Getsemani zurück, um zu beten. Dort durchlebte er eine tiefe seelische Qual, schwitzte laut Lukas' Bericht sogar Blut und bat den Vater, wenn möglich, den bitteren Kelch an ihm vorübergehen zu lassen, unterwarf sich jedoch völlig dem göttlichen Willen. Während er betete, schliefen seine Jünger wiederholt ein, obwohl er sie gebeten hatte, mit ihm zu wachen. 

Schließlich kam Judas mit einer Gruppe von Soldaten und Dienern der Hohepriester, um Jesus zu verraten. Er identifizierte ihn mit einem Kuss, woraufhin Jesus verhaftet wurde. Petrus zog noch sein Schwert und schlug einem der Diener das Ohr ab, doch Jesus heilte ihn und ließ sich widerstandslos gefangen nehmen. Damit begann die Leidenszeit Jesu, die am nächsten Tag mit seiner Kreuzigung ihren Höhepunkt erreichte. 

Hier sind die Ereignisse des Gründonnerstags mit den passenden Schriftstellen aus dem Neuen Testament: 

  1. Das letzte Abendmahl und die Einsetzung des Abendmahls 

  1. Matthäus 26:26–29 

  1. Markus 14:22–25 

  1. Lukas 22:19–20 

  1. 1 Korinther 11:23–26 

  1. Die Ankündigung des Verrats durch Judas 

  1. Matthäus 26:20–25 

  1. Markus 14:17–21 

  1. Lukas 22:21–23 

  1. Johannes 13:21–30 

  1. Die Fußwaschung als Zeichen der Demut 

  1. Johannes 13:1–17 

  1. Die Ankündigung der Verleugnung durch Petrus 

  1. Matthäus 26:31–35 

  1. Markus 14:27–31 

  1. Lukas 22:31–34 

  1. Johannes 13:36–38 

  1. Das Gebet Jesu im Garten Getsemani und die schlafenden Jünger 

  1. Matthäus 26:36–46 

  1. Markus 14:32–42 

  1. Lukas 22:39–46 

  1. Der Verrat durch Judas und die Gefangennahme Jesu 

  1. Matthäus 26:47–56 

  1. Markus 14:43–50 

  1. Lukas 22:47–53 

  1. Johannes 18:1–12 

Jede dieser Schriftstellen beschreibt einen entscheidenden Moment am Gründonnerstag, der tiefgehende Bedeutung für die christliche Theologie und das Verständnis von Jesu Opfer hat. 

Das dreimalige Beten Jesu und das dreimalige Einschlafen und Wecken der Jünger im Garten Getsemani tragen eine tiefere symbolische Bedeutung. Die Zahl drei hat in der Bibel eine besondere Rolle und steht oft für Vollständigkeit, Bestätigung und göttliche Ordnung. Man findet sie in der Dreieinigkeit, in den drei Tagen zwischen Jesu Tod und Auferstehung oder im dreifachen „Heilig, heilig, heilig“ der Engel in Jesaja 6:3. 

Dass Jesus dreimal betet, unterstreicht die Intensität seines inneren Ringens und seiner völligen Unterwerfung unter den Willen des Vaters. Jedes Mal bittet er, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge, wenn es möglich ist, doch er fügt immer hinzu: „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Dies erinnert auch an die dreifache Versuchung Jesu in der Wüste, bei der er dem Satan widersteht. Nun steht er vor der letzten und schwersten Prüfung – dem Leiden für die Sünden der Welt –, und erneut bleibt er standhaft. 

Im Gegensatz dazu stehen die Jünger, die dreimal einschlafen, obwohl Jesus sie bittet, mit ihm zu wachen und zu beten. Ihr wiederholtes Versagen zeigt ihre menschliche Schwäche und Unfähigkeit, in der Stunde der größten Not Jesu bei ihm zu bleiben. Dieses dreifache Einschlafen könnte auch auf die kommende dreifache Verleugnung durch Petrus hindeuten, der sich ebenfalls als schwach erweisen wird. Gleichzeitig ist es ein Sinnbild für geistliche Unachtsamkeit – Jesus hatte sie zuvor ermahnt, wachsam zu bleiben, doch sie sind nicht in der Lage, seine Bitte zu erfüllen. 

In diesem Kontrast zwischen Jesu entschlossener Hingabe und der Schwäche der Jünger wird eine tiefere Wahrheit sichtbar: Während der Sohn Gottes den Heilsplan durch seinen Gehorsam erfüllt, sind die Menschen ohne die göttliche Kraft nicht fähig, ihm beizustehen. Jesu Bereitschaft, das Leiden auf sich zu nehmen, steht der Unfähigkeit der Jünger gegenüber, wach zu bleiben – ein Sinnbild dafür, dass das Heil allein durch Christus kommt und nicht durch menschliche Anstrengung. 

In den wiederhergestellten Schriften wird der Gründonnerstag nicht ausdrücklich als solcher bezeichnet, doch die Ereignisse dieses Tages finden sich an mehreren Stellen. In L&B 20:75–79 wird die Einsetzung des Abendmahls erwähnt, das Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl einführte. Die Joseph-Smith-Übersetzung (JST) von Matthäus 26:11-12 gibt zusätzliche Einsichten über die Ankündigung des Verrats durch Judas. Auch in 3. Nephi 18 wird das Abendmahl thematisiert, als Jesus nach seiner Auferstehung das Sakrament unter den Nephiten einführt, was auf die ursprüngliche Einsetzung in Jerusalem verweist. Die Lehren über das Gebet in L&B 10:5 und L&B 88:126 spiegeln die Dringlichkeit von Jesu Aufruf an seine Jünger wider, im Garten Getsemani mit ihm zu wachen und zu beten. Die zentrale Bedeutung von Jesu Leiden und Sühnopfer in L&B 19:16–19 gibt zudem tiefe Einblicke in das Geschehen in Getsemani, das in den Evangelien überliefert ist. 

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Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere?

16. April 2025, 04:47am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohepriestern 15 und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie boten ihm dreißig Silberstücke. 16 Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.” (Matthäus 26:14-16). 

Der Verratsmittwoch 

Der Mittwoch der Karwoche wird traditionell als "Spionagemittwoch" oder "Heiliger Mittwoch" bezeichnet. 

Der Name Spionagemittwoch (auch "Verratsmittwoch") bezieht sich auf den biblischen Bericht, dass Judas Iskariot an diesem Tag mit den Hohepriestern vereinbarte, Jesus für 30 Silberlinge zu verraten (Matthäus 26,14–16). Das Wort „Spionage“ deutet darauf hin, dass Judas heimlich nach einer Gelegenheit suchte, Jesus zu überliefern. 

In der katholischen und orthodoxen Tradition wird dieser Tag oft einfach als Heiliger Mittwoch bezeichnet, da er Teil der Heiligen Woche ist. 

Obwohl er keinen so prominenten Namen wie Palmsonntag oder Karfreitag hat, spielt der Mittwoch der Karwoche also eine wichtige Rolle in der Passionsgeschichte. 

Der Verratsmittwoch spielt eine entscheidende Rolle in der Passionsgeschichte, da er den Wendepunkt markiert, an dem Judas Iskariot sich entschließt, Jesus zu verraten. Die Evangelien berichten, dass Judas an diesem Tag zu den Hohepriestern ging, um mit ihnen eine Vereinbarung zu treffen. 

Ähnliche Berichte finden sich in Markus 14,10–11 und Lukas 22,3–6, wobei Lukas zusätzlich erwähnt, dass „Satan in Judas fuhr“ (Lukas 22,3), was darauf hindeutet, dass sein Verrat nicht nur eine menschliche Entscheidung, sondern auch Teil eines größeren geistigen Konflikts war. 

Diese Ereignisse verdeutlichen, dass der Verratsmittwoch nicht nur den Beginn der konkreten Vorbereitungen für die Gefangennahme Jesu darstellt, sondern auch ein Symbol für den Verrat und die Korruption menschlichen Herzens ist. Während Jesus in den Tagen zuvor im Tempel lehrte und die Menschen auf das Reich Gottes vorbereitete, planten seine Gegner bereits seinen Tod. Judas, einer seiner engsten Vertrauten, entschied sich genau an diesem Tag, seinen Meister für Geld zu überliefern – ein tragischer Höhepunkt der Heuchelei und des Abfalls von der Nachfolge Christi. 

Der Verratsmittwoch ist damit ein Tag der inneren Prüfung: Er stellt die Frage, wo unsere eigene Loyalität liegt und ob wir in schwierigen Zeiten zu Christus stehen oder ihn durch unsere Entscheidungen und Handlungen verraten. 

Die Beweggründe von Judas Iskariot für seinen Verrat an Jesus sind vielschichtig und nicht eindeutig in den Evangelien erklärt. Dennoch lassen sich aus den biblischen Berichten verschiedene Motive ableiten, die möglicherweise zu seiner Entscheidung führten. 

Ein offensichtlicher Grund war das Geld. Matthäus 26:15 berichtet, dass Judas selbst nach einer Belohnung fragte: „Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten.“ Die Hohepriester boten ihm daraufhin dreißig Silberlinge, ein Betrag, der nach alttestamentlichem Recht dem Preis für einen Sklaven entsprach (2. Mose 21:32). Zudem wird in Johannes 12:6 erwähnt, dass Judas als Kassenwart der Jüngergruppe nicht ehrlich war und regelmäßig aus der Kasse entnahm. Diese Hinweise legen nahe, dass Habgier zumindest eine Rolle gespielt haben könnte. 

Ein weiterer möglicher Beweggrund war Enttäuschung über Jesus. Judas hatte wie viele andere Jünger vermutlich gehofft, dass Jesus ein politischer Messias sein würde, der Israel von der römischen Herrschaft befreit. Doch je näher die Ereignisse der Karwoche rückten, desto klarer wurde, dass Jesus einen anderen Weg ging – einen des Leidens und Dienens statt des politischen Triumphes. Manche Theologen spekulieren, dass Judas Jesus vielleicht dazu zwingen wollte, seine Macht zu offenbaren, indem er ihn in eine Situation brachte, aus der er sich mit göttlicher Kraft befreien musste. 

Dazu kommt der geistliche Aspekt: Lukas 22:3 berichtet, dass „Satan in Judas fuhr“, was darauf hindeutet, dass sein Verrat nicht nur aus eigenem Antrieb geschah, sondern auch von dunklen Mächten beeinflusst wurde. Diese Formulierung verdeutlicht, dass der Verrat Teil eines größeren geistlichen Kampfes war. 

Letztlich bleibt Judas' Motiv eine tragische Mischung aus Gier, Enttäuschung und geistlicher Verblendung. Seine Tat führte ihn zu tiefem Bedauern, wie in Matthäus 27:3–5 beschrieben wird, wo er die Silberlinge zurückzugeben versucht und sich schließlich das Leben nimmt. Seine Geschichte bleibt eine eindringliche Warnung vor der Gefahr, Christus nur aus eigennützigen Motiven zu folgen und ihn zu verraten, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. 

Obwohl der Verratsmittwoch in den neuzeitlichen heiligen Schriften nicht explizit erwähnt wird, finden sich zahlreiche Parallelen zum Verrat des Judas und zur Macht Satans über Menschen, die sich bewusst von Christus abwenden. 

Ein zentrales Thema in den neuzeitlichen Offenbarungen ist der Einfluss des Teufels auf diejenigen, die einmal in der Wahrheit gewandelt sind, sich aber gegen ihr Licht und ihre Erkenntnis auflehnen. In L&B 29:36 wird beschrieben, wie Luzifer ein Drittel der himmlischen Heerscharen zum Fall verführte. Dies erinnert an Judas, der als Apostel Jesu Christi einst eine hohe Berufung hatte, sich aber schließlich von Satan beeinflussen ließ und seinen Meister verriet. 

Auch das Buch Mormon spricht davon, dass Menschen sich gegen das Licht stellen, obwohl sie die Wahrheit kennen. In 3. Nephi 6:15–16 wird beschrieben, wie sich viele bewusst von Jesus Christus abwendeten und große Bosheit verübten. Diese Entwicklung gleicht der inneren Abkehr, die Judas erlebte, als er von einem engen Vertrauten Jesu zu seinem Verräter wurde. Besonders auffällig ist hier der Einfluss Satans, den auch 3. Nephi 2:2 beschreibt: Satan führt Menschen dazu, nicht zu glauben, obwohl es „in keinem Punkt der Vernunft oder des Rechts“ ist. Dies steht in direkter Verbindung zu Lukas 22:3, wo es heißt, dass „Satan in Judas fuhr“, als dieser sich entschied, Jesus für dreißig Silberlinge zu verraten. 

Ein weiteres eindrückliches Beispiel für Verrat unter satanischem Einfluss findet sich in der Köstlichen Perle, wo in Mose 5:18 beschrieben wird, dass Kain Satan mehr liebte als Gott und auf dessen Befehl hin seinen Bruder Abel ermordete. Ebenso liebte Judas das Geld oder vielleicht seine eigene Vorstellung von der Rolle des Messias mehr als den Herrn, dem er diente. In beiden Fällen führte der Verrat zu tiefem geistigem und moralischem Verfall. 

Die neuzeitlichen heiligen Schriften liefern somit kein direktes Datum für den Verratsmittwoch, doch sie bezeugen das Prinzip des Abfalls von der Wahrheit, das sich in der Geschichte von Judas ebenso zeigt wie in anderen Beispielen heiliger Schriften. Sie lehren eindringlich, dass der bewusste Verrat an Christus ernste geistige Konsequenzen hat und dass Satan auf diejenigen Einfluss nimmt, die sich von ihrem Bündnis mit Gott entfernen. Judas’ Geschichte bleibt eine mahnende Erinnerung daran, wie gefährlich es ist, Christus nur aus persönlichen Motiven zu folgen und ihn zu verraten, wenn sich unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllen. 

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Ihr schaut und seht die Feigenbäume

15. April 2025, 05:55am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Die Blüten des Feigenbaum sind kaum zu erkennen
(Bild: Quelle)

“Ihr schaut und seht die Feigenbäume, und ihr seht sie mit euren Augen, und ihr sagt, wenn sie anfangen zu treiben und ihre Blätter noch zart sind, der Sommer sei jetzt nahe; 38 so wird es auch an jenem Tag sein, da sie dies alles sehen, dann werden sie wissen, dass die Stunde nahe ist. 39 Und es wird sich begeben: Wer mich fürchtet, wird Ausschau halten nach dem großen Tag des Herrn, der kommen soll, nämlich nach den Zeichen vom Kommen des Menschensohnes.“ (Lehre und Bündnisse 45:37-39). 

Wenn wir nach einem Vers suchen, der den Montag und Dienstag der Karwoche am besten charakterisiert, dann ist L&B 45:37–39 tatsächlich sehr passend. An diesem Tag sprach Jesus über die Zeichen seiner Wiederkunft und rief zur Wachsamkeit auf. Der Vergleich mit dem Feigenbaum (Markus 13:28) zeigt, dass man an den Zeichen der Zeit erkennen kann, wann das Kommen des Herrn nahe ist. 

Diese Worte spiegeln den Kern von Jesu Lehren an diesem Tag wider: 

  • Ermahnung zur Wachsamkeit – Wer den Herrn fürchtet, wird auf sein Kommen achten. 

  • Erkennen der Zeichen – So wie man am Feigenbaum den nahenden Sommer erkennt, so soll man auch die Zeichen der Endzeit deuten. 

  • Aufforderung zur Vorbereitung – Diejenigen, die bereit sind, werden den „großen Tag des Herrn“ erwarten und nicht überrascht werden. 

Heiliger Montag und Dienstag 

Am Montag verfluchte Jesus den Feigenbaum (Markus 11:12–14) und vollzog die Tempelreinigung, indem er die Händler und Geldwechsler hinaustrieb (Markus 11:15–17). 

Am Dienstag stellten die Jünger beim Vorbeigehen fest, dass der Feigenbaum, den Jesus verflucht hatte, nun völlig verdorrt war (Markus 11:20-21). 

Jesus verbrachte den Tag hauptsächlich im Tempel von Jerusalem, wo er lehrte und sich heftige Auseinandersetzungen mit den Pharisäern, Sadduzäern und Schriftgelehrten lieferte. Die religiösen Führer versuchten wiederholt, ihn mit Fangfragen in eine Falle zu locken. So fragten sie ihn etwa, ob es erlaubt sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen, in der Hoffnung, ihn entweder als Aufrührer oder als Verräter am jüdischen Volk darzustellen. Doch Jesus entlarvte ihre Heuchelei mit der berühmten Antwort: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Auch die Sadduzäer versuchten, ihn mit einer Frage zur Auferstehung herauszufordern, da sie selbst nicht an diese glaubten. Jesus wies sie zurecht, indem er erklärte, dass Gott ein Gott der Lebenden sei und dass die Auferstehung eine Realität ist. Schließlich stellte ein Schriftgelehrter die Frage nach dem höchsten Gebot, worauf Jesus mit den Worten antwortete: „Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ 

Nach diesen Auseinandersetzungen richtete Jesus eine scharfe Anklage gegen die Pharisäer. In den sogenannten sieben Weherufen (Matthäus 23:13-36) verurteilte er ihre Heuchelei, ihren Machtmissbrauch und ihre äußerliche Frömmigkeit, die ohne wahre Gerechtigkeit war. Er warnte sie, dass sie das Volk in die Irre führten und dass sie selbst dem Reich Gottes nicht nahe seien. 

Später am Tag verließ Jesus den Tempel und begab sich mit seinen Jüngern auf den Ölberg. Dort hielt er seine große Endzeitrede, in der er die Zerstörung Jerusalems und die Zeichen seiner Wiederkunft beschrieb (Matthäus 24–25). Er sprach von kommenden Drangsalen, falschen Propheten und dem endgültigen Gericht, ermutigte seine Jünger jedoch, wachsam und treu zu bleiben. In diesem Zusammenhang erzählte er auch bedeutende Gleichnisse, darunter das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, das die Notwendigkeit der geistigen Vorbereitung betonte, sowie das Gleichnis von den Talenten, das zur treuen Nutzung der anvertrauten Gaben aufrief (Matthäus 25). 

Während Jesus diesen letzten öffentlichen Lehrtag verbrachte, liefen im Hintergrund bereits die Intrigen der Hohenpriester und Schriftgelehrten, die einen Plan schmiedeten, um ihn festnehmen und töten zu lassen. Möglicherweise nahm Judas Iskariot an diesem Tag bereits Kontakt mit ihnen auf und begann, seinen Verrat vorzubereiten. So markierte dieser Dienstag eine entscheidende Wende in der Karwoche: Während Jesus seine Jünger auf seine Wiederkunft vorbereitete, spitzte sich der Konflikt mit seinen Gegnern unaufhaltsam zu und leitete die dramatischen Ereignisse der kommenden Tage ein. 

Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstlichen Perle 

Im Kontext der Tempelreinigung in Jerusalem am Montag, finden wir in L&B 88:119–120 eine Entsprechung, in der Jesus den Heiligen gebietet, ihre Häuser und Tempel zu reinigen und zu heiligen, damit der Herr darin wohnen kann. Dies reflektiert das Prinzip hinter der Tempelreinigung, bei der Jesus den heiligen Ort von weltlichen Einflüssen befreite. 

Am Dienstag sprach Jesus über die Zeichen seiner Wiederkunft und das Ende der Welt. Diese Lehren finden sich auch in den wiederhergestellten Schriften. In 3. Nephi 21 spricht Jesus zu den Nephiten über die letzten Tage und die Wiederherstellung seines Volkes. Eine besonders enge Parallele zu Matthäus 24 bietet L&B 45:16–59, wo Jesus Joseph Smith eine Offenbarung über die Zukunft gab, die viele der gleichen Themen behandelt. Auch Joseph-Smith-Matthäus in der Köstlichen Perle erweitert die biblische Endzeitrede und fügt zusätzliche Details über die kommenden Ereignisse hinzu. 

Neben der Endzeitrede war der Dienstag auch der Tag, an dem Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten öffentlich für ihre Heuchelei tadelte. Diese sieben Weherufe finden thematische Entsprechungen in den wiederhergestellten Schriften. In 2. Nephi 28 warnt Nephi vor falschen Kirchen in den Letzten Tagen, die sich zwar fromm geben, aber die wahre Macht Gottes verleugnen. Eine ähnliche Warnung ergeht in L&B 112:23–26, wo der Herr Heuchelei innerhalb seiner eigenen Kirche in den Letzten Tagen kritisiert. Mormon 8:33–41 beschreibt eine zukünftige Generation, die äußerlich gerecht erscheint, aber tatsächlich von Stolz, Habgier und Korruption durchdrungen ist. 

Während Jesus im Tempel lehrte, planten die Hohenpriester bereits seinen Tod, und Judas begann möglicherweise mit seinem Verrat. Ein ähnliches Motiv findet sich in den Schriften der Wiederherstellung. In 2. Nephi 27:27 spricht Nephi von geheimen Machenschaften der Menschen in den Letzten Tagen, und Ether 8:18–26 warnt eindringlich vor „Geheimen Verbindungen“, die darauf abzielen, Macht zu erlangen und Unschuldige zu vernichten. 

Auch wenn es keine direkte Beschreibung der Ereignisse des Montags und Dienstags der Karwoche in den wiederhergestellten Schriften gibt, greifen sie viele der zentralen Themen dieses Tages auf. Die Warnung vor Heuchelei, die Zeichen der Zeit und der bevorstehende Verrat durch Judas (L&B 132:27; Ether 8:18–26) sind Motive, die sowohl in den Evangelien als auch im Buch Mormon, in Lehre und Bündnisse und in der Köstlichen Perle eine tiefere Bedeutung erhalten. 

Obwohl es keine direkte Erzählung des Judas-Verrats in den wiederhergestellten Schriften gibt, gibt es zahlreiche indirekte Hinweise, insbesondere in L&B 76 und 132 sowie in Warnungen vor Verrat und Heuchelei in der Köstlichen Perle und dem Buch Mormon. 

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Hosanna in der Höhe!

14. April 2025, 04:36am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! / Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. / Hosanna in der Höhe!” (Matthäus 21:9). 

Palmsonntag 

Palmsonntag markiert den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem, ein Ereignis von großer symbolischer Bedeutung. Jesus ritt auf einem jungen Esel *) in die Stadt, während die Menschen ihn mit Palmzweigen und ihren Kleidern auf dem Weg ehrten und ihn als den verheißenen Messias priesen (Matthäus 21:1–11; Markus 11:1–10; Lukas 19:29–40; Johannes 12:12–19). Diese Handlung erfüllte die Prophezeiung aus Sacharja 9:9, in der der König Israels als demütiger Friedenskönig beschrieben wird, der auf einem Esel reitet. 

  • *) Der junge Esel, auf dem Jesus in Jerusalem einzog, ist ein starkes Symbol, das sich deutlich von den Erwartungen der Menschen unterschied. Während weltliche Herrscher und Feldherren auf Pferden ritten, um ihre Macht und ihren Anspruch auf den Thron zu demonstrieren, wählte Jesus bewusst ein einfaches, friedliches Lasttier. Damit erfüllte er die Prophezeiung aus Sacharja 9:9, die den kommenden Messias als gerechten und demütigen König beschreibt, der auf einem Eselsfohlen reitet. Dies zeigte, dass sein Königtum nicht auf militärischer Stärke, sondern auf Demut und geistiger Erlösung beruhte. 
     
    Zugleich knüpfte diese Geste an alttestamentliche Traditionen an. Schon König Salomo, Davids Sohn, wurde auf einem Maultier zum König gesalbt (1. Könige 1:33–35), was den Esel als Zeichen für legitime, gottgegebene Herrschaft erscheinen ließ. Doch während Salomo in großem Glanz regierte, kam Jesus als der wahre Sohn Davids in schlichter und friedvoller Weise, um ein Reich aufzurichten, das nicht von dieser Welt war. Zudem steht der Esel in der Bibel oft für Dienstbarkeit und das Tragen von Lasten, was auf Jesu Rolle als derjenige hinweist, der die Sünden der Welt auf sich nimmt (Jesaja 53:4–7). 
     
    Sein Ritt auf dem Esel war somit eine bewusste Botschaft: Er kam nicht als Kriegsherr, sondern als Friedenskönig, nicht um ein politisches Reich zu errichten, sondern um durch Liebe und Opfer den wahren Sieg zu erringen. Während die Menschen einen irdischen Befreier erwarteten, offenbarte sich Jesus als derjenige, der durch Demut und Hingabe die Welt erlösen würde. Sein Einzug zeigte, dass Gottes Wege oft anders sind, als die Menschen es sich vorstellen. 
     
    Jesus ritt bewusst auf einem jungen Eselsfohlen in Jerusalem ein, was eine tiefe symbolische Bedeutung hatte. Nach den alttestamentlichen Opfervorschriften durften für heilige Zwecke nur unberührte Tiere verwendet werden, was darauf hindeutet, dass Jesus sich selbst als reines, unbeflecktes Opfer darstellte. Der Esel war zudem ein Zeichen für Demut und Friedfertigkeit, im Gegensatz zu einem Pferd, das für Krieg stand. In 1. Mose 49:10–11 wird das Kommen des Messias mit einem Eselsfohlen verknüpft, was zeigt, dass Jesus als Erfüller dieser Verheißung kam. Gleichzeitig erinnert das ungebundene Tier an das mosaische Gesetz, nach dem ein erstgeborenes Eselsfohlen durch ein Lamm ausgelöst werden musste (2. Mose 13:13), was auf Jesu Rolle als „Lamm Gottes“ hinweist, das die Menschheit erlöst. Auch wenn Parallelen zum Sündenbock bestehen, kam Jesus nicht, um verstoßen zu werden, sondern um als wahrer Friedenskönig freiwillig sein Leben für die Welt zu geben. 

Die Menschen riefen „Hosanna dem Sohn Davids!“, ein Ausdruck, der sowohl Lob als auch die Bitte um Rettung bedeutet (Matthäus 21:9). Doch Jesus wusste, dass ihre Erwartungen an ihn eher politischer Natur waren – sie hofften auf einen irdischen Befreier von der römischen Herrschaft. Dennoch nahm er ihren Jubel an, wohl wissend, dass dieselbe Menge wenige Tage später „Kreuzige ihn!“ rufen würde (Lukas 23:21). 

Neben seinem triumphalen Einzug wirkte Jesus an diesem Tag weitere bedeutende Taten. In Lukas 19:41–44 wird berichtet, dass er über Jerusalem weinte, weil die Menschen nicht erkannten, was zu ihrem Frieden dienen würde. Er sah voraus, dass die Stadt zerstört werden würde, weil sie ihn, den wahren Messias, ablehnten. 

Zudem reinigte Jesus den Tempel, indem er die Händler und Geldwechsler hinauswarf, da sie das Haus Gottes in eine „Räuberhöhle“ verwandelt hatten (Matthäus 21:12–13; Markus 11:15–17; Lukas 19:45–46). Damit stellte er die Heiligkeit des Tempels wieder her und zeigte, dass wahre Anbetung nicht durch weltlichen Handel oder falsche religiöse Praktiken verdorben werden sollte. 

Palmsonntag war somit nicht nur ein Tag des Jubels, sondern auch ein Wendepunkt: Jesus offenbarte sich als der verheißene König, doch auf eine Weise, die Demut, geistige Erlösung und wahre Jüngerschaft betonte. Sein Einzug markierte den Beginn der letzten Woche seines irdischen Wirkens, die in seinem Opfertod und seiner Auferstehung gipfelte – dem Kernstück des Erlösungsplans. 

Im Buch Mormon gibt es keine direkte Erwähnung des Palmsonntags, doch finden sich Parallelen zu den Ereignissen dieses Tages. Als Jesus in Jerusalem einzog, riefen die Menschen „Hosanna dem Sohn Davids!“ und begrüßten ihn als Messias (Matthäus 21:9). Auch im Buch Mormon wird der Hosanna-Ruf als Ausdruck des Lobpreises verwendet, etwa als Jesus sich nach seiner Auferstehung dem Volk in Amerika zeigte und die Menschen niederfielen und ihn als ihren Herrn anbeteten (3. Nephi 11:17). Ebenso riefen die Nephiten „Hosanna!“, als sie Gott nach einem großen Sieg priesen und seinen Namen segneten (3. Nephi 4:32–33). 

Ein weiteres Parallelelement ist die Prophezeiung von Zenoch, dass der Messias von seinem eigenen Volk verworfen und gekreuzigt werden würde (1. Nephi 19:10; Alma 33:15). Dies erinnert an die Ereignisse nach dem Palmsonntag, als die Menschen, die Jesus zunächst als König begrüßten, ihn wenige Tage später ablehnten und seine Kreuzigung forderten. 

Darüber hinaus offenbart sich Jesus nach seiner Auferstehung unter den Nephiten als Friedenskönig und heilt die Kranken, lehrt sein Evangelium und bringt einen Zustand des vollkommenen Friedens, der über 200 Jahre anhielt (3. Nephi 11–28; 4. Nephi 1:1–18). Dies spiegelt die symbolische Bedeutung seines Einzugs in Jerusalem wider, bei dem er nicht als Kriegsherr auf einem Ross, sondern als Friedensbringer auf einem Esel kam. 

Auch wenn das Buch Mormon den Palmsonntag nicht ausdrücklich erwähnt, zeigt es, dass Jesus überall, wo er erschien, als der verheißene Messias erkannt und gepriesen wurde – sei es in Jerusalem oder unter dem Volk der Nephiten. 

In Lehre und Bündnisse gibt es keine direkte Erwähnung des Palmsonntags, doch finden sich Passagen, die mit den Symbolen und Ereignissen dieses Tages in Verbindung gebracht werden können. 

Ein zentraler Aspekt des Palmsonntags ist die Anerkennung Jesu als König und Messias. In L&B 76:119 und L&B 109:79 wird Jesus als „der Herr, der König von Zion“ bezeichnet, was mit den Rufen der Menschen in Jerusalem an Palmsonntag übereinstimmt, als sie ihn als „Sohn Davids“ und König Israels priesen (Matthäus 21:9). 

Ein weiteres wichtiges Element ist der Hosanna-Ruf, der in Jerusalem erklang. In L&B 109:79 – dem Weihegebet des Kirtland-Tempels – wird ebenfalls ein „Hosanna“ angestimmt: „Hosianna, hosianna, hosianna Gott und dem Lamm!“ Dies zeigt, dass dieser Ruf auch in den Letzten Tagen als Lobpreis für Jesus Christus verwendet wird, ähnlich wie am Palmsonntag. Auch bei den heutigen Tempelweihen wird dieser Ruf getätigt (siehe hier). 

Auch die Vorstellung von Jesu triumphaler Wiederkunft in Herrlichkeit spiegelt sich in Lehre und Bündnisse wider. In L&B 133:46–52 wird beschrieben, wie Jesus bei seinem Zweiten Kommen auf die Erde zurückkehrt, begleitet von himmlischen Heerscharen. Während er an Palmsonntag in Demut auf einem Esel einzog, wird er am Ende der Zeiten in Macht und Herrlichkeit wiederkommen. 

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Ich habe ... dich für ein größeres Werk vorbereitet

12. April 2025, 05:06am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Siehe, wahrlich, wahrlich, ich sage meinem Diener Sidney: Ich habe dich und deine Werke angesehen. Ich habe deine Gebete vernommen und dich für ein größeres Werk vorbereitet.” (Lehre und Bündnisse 35:3). 

  • Dieser Vers bringt mehrere wesentliche Prinzipien zum Ausdruck: die Bedeutung persönlicher Offenbarung, den Segen des Festhaltens an Gottes Wort und die Verantwortung, andere zur Wahrheit zu führen. Sidney Rigdon suchte aktiv nach göttlicher Führung, und der Herr versprach ihm Segnungen, wenn er treu bleibt. Dies gilt auch für uns: Wenn wir nach Wahrheit suchen und an Gottes Wort festhalten, werden wir nicht nur selbst gesegnet, sondern können auch anderen helfen, den Weg zur Erlösung zu finden. 

Lehre und Bündnisse 35:1-27 

L&B 35 wurde am 7. Dezember 1830 offenbart und richtete sich an Sidney Rigdon, einen ehemaligen Baptistenprediger und eine zentrale Figur in der frühen Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. 

Sidney Rigdon war seit langem auf der Suche nach einer Wiederherstellung des ursprünglichen Christentums, wie es im Neuen Testament beschrieben wird. Seine religiöse Reise führte ihn von den United Baptists zur Bewegung der Reformierten Baptisten, die unter der Leitung von Alexander Campbell eine Rückkehr zu den Praktiken des frühen Christentums anstrebte. In Ohio wurde Rigdon ein einflussreicher Prediger und leitete eine Gemeinde in Mentor. Seine Ideen über das gemeinschaftliche Leben, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird, fanden Anklang bei seinen Anhängern. 

Im Herbst 1830 reisten die Missionare Parley P. Pratt, Oliver Cowdery und andere durch Ohio auf ihrem Weg zur Missionsarbeit unter den Indianern im Westen. Pratt, ein ehemaliges Mitglied von Rigdons Gemeinde, besuchte ihn mit einer dringenden Botschaft über das Buch Mormon. Obwohl Rigdon zunächst skeptisch war und das Buch anfangs als eine „sinnlose Erfindung“ bezeichnete, konnte er nicht aufhören zu lesen. Er studierte die Schrift intensiv und sprach mit Oliver Cowdery über deren Herkunft. Schließlich kam er zu der Überzeugung, dass das Buch göttlich sein müsse, da es ein tieferes Verständnis der Heiligen Schrift offenbarte, als es ihm bis dahin bekannt war. Eine Vision, in der ihm die Verderbtheit der christlichen Gemeinschaften gezeigt wurde und in der Oliver Cowderys Herz als rein erschien, bestärkte ihn in seiner Überzeugung. Am 8. November 1830 ließ sich Sidney Rigdon gemeinsam mit seiner Frau Phebe von Oliver Cowdery taufen. 

Wenige Wochen später reiste Rigdon zusammen mit Edward Partridge nach New York, um Joseph Smith persönlich zu treffen. Dort erhielt er die Offenbarung, die heute als Abschnitt 35 in Lehre und Bündnisse bekannt ist. Darin wurde Sidney Rigdon als ein „Schreiber“ für Joseph Smith bestimmt, insbesondere im Zusammenhang mit der inspirierten Übersetzung der Bibel. Die Offenbarung bestätigte seine Berufung, das Evangelium zu verkünden und die Kirche zu stärken. 

Sidney Rigdon wurde schnell zu einem engen Mitarbeiter Joseph Smiths und diente als einer seiner wichtigsten Ratgeber. Er nahm aktiv an der Übersetzungsarbeit teil und war Mitempfänger der Vision von den drei Graden der Herrlichkeit im Februar 1832. Er spielte eine wesentliche Rolle in der frühen Geschichte der Kirche, insbesondere während der Zeit in Kirtland und Missouri. 

Allerdings führten Konflikte und Spannungen zwischen Rigdon und anderen Kirchenführern später zu seinem Ausschluss aus der Kirche im Jahr 1844. Er versuchte, eine eigene Glaubensgemeinschaft aufzubauen, doch diese überlebte nur wenige Jahre. Dennoch bleibt sein Einfluss auf die frühe Geschichte der Kirche unbestreitbar, insbesondere durch seine Beteiligung an der Bibelübersetzung, seine Predigttätigkeit und seine enge Zusammenarbeit mit Joseph Smith. 

Lehren die wir aus L&B 35 ziehen können 

L&B 35 enthält wichtige Lektionen für unser persönliches Glaubensleben. Die Offenbarung an Sidney Rigdon zeigt, wie der Herr Menschen führt, die aufrichtig nach Wahrheit suchen, und wie Er sie in Seinem Werk einsetzt. 

Eine zentrale Lehre aus dieser Offenbarung ist, dass der Herr Werkzeuge vorbereitet, um Sein Evangelium voranzubringen. Sidney Rigdon hatte sich jahrelang nach einer Wiederherstellung des reinen Christentums gesehnt. Als er das Buch Mormon und die Botschaft der Wiederherstellung empfing, erkannte er nach intensivem Studium deren Wahrhaftigkeit und wurde ein entscheidender Akteur in der Kirche. Daraus können wir lernen, dass Gott unsere Erfahrungen und Talente nutzt, um uns in Seinem Werk einzusetzen. Wenn wir aufrichtig nach Wahrheit suchen, wird der Herr uns dorthin führen, wo wir am besten dienen können. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Offenbarung ein fortlaufender Prozess ist. Sidney Rigdon war bereits ein erfahrener Prediger, doch er suchte weiter nach Wahrheit. Als er Joseph Smith begegnete, bat er um Offenbarung, um den Willen des Herrn für sich zu erfahren. Dies zeigt, dass selbst wenn wir bereits im Glauben gefestigt sind, wir stets bereit sein sollten, neue Erkenntnisse vom Herrn zu empfangen. Unser geistiges Wachstum hört nie auf. 

Darüber hinaus lehrt uns L&B 35 die Bedeutung von Zusammenarbeit im Werk des Herrn. Joseph Smith erhielt die Offenbarung, dass Sidney Rigdon ihm als Schreiber helfen und das Evangelium verkünden sollte. Dies verdeutlicht, dass die Kirche auf Zusammenarbeit und gegenseitige Stärkung aufbaut. Jeder hat eine Rolle und eine Aufgabe, und gemeinsam können wir Großes bewirken. Diese Wahrheit lässt sich auf unser eigenes Leben übertragen: In Familie, Gemeinde und Gesellschaft sind wir aufeinander angewiesen, um das Werk des Herrn voranzubringen. 

Schließlich erinnert uns diese Offenbarung daran, dass der Herr diejenigen stärkt, die sich Seinem Werk widmen. Sidney Rigdon erlebte viele Herausforderungen, blieb aber seinem Glauben treu. Auch wir werden auf Widerstand stoßen, wenn wir dem Evangelium folgen, doch der Herr wird uns beistehen, solange wir Ihm vertrauen und Seinem Willen folgen. 

L&B 35 ist somit eine Einladung, auf Gottes Führung zu vertrauen, nach weiterer Wahrheit zu suchen, unsere Talente für das Werk des Herrn einzusetzen und mit anderen zusammenzuarbeiten, um Sein Reich zu stärken. 

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Deine Stimme erheben wie mit dem Ton einer Posaune

11. April 2025, 06:03am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Der Engel Moroni mit der Posaune
(Bild: Quelle)

“deine Stimme zu erheben wie mit dem Ton einer Posaune, lang und auch laut, und eine verdrehte und frevelhafte Generation zur Umkehr zu rufen, um dem Herrn den Weg für sein zweites Kommen zu bereiten.” (Lehre und Bündnisse 34:6). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 34:1-12 

Am 4. November 1830 empfing Joseph Smith in Fayette, New York, eine Offenbarung für Orson Pratt, die heute als Abschnitt 34 in Lehre und Bündnisse bekannt ist. Diese Offenbarung wurde durch Josephs Seherstein empfangen und aufgezeichnet, nachdem Orson Pratt den Propheten aufgesucht hatte, um den Willen des Herrn für sein Leben zu erfahren. 

Orson Pratt war erst 19 Jahre alt, als er im September 1830 von seinem älteren Bruder Parley P. Pratt getauft wurde. Parley, der kurz zuvor selbst zur Kirche bekehrt worden war, kehrte in seine Heimatstadt Canaan, New York, zurück, um das Evangelium zu predigen. Dort nahm Orson die Botschaft mit ganzem Herzen an und ließ sich als einziger in dieser Gegend taufen. Schon vor seiner Bekehrung hatte er intensiv nach der Wahrheit gesucht und viele Nächte in Gebet und Meditation verbracht. 

Kurz nach seiner Taufe im September 1830 reiste Orson im November 1830 nach Fayette, um Joseph Smith persönlich zu treffen. Dort bat er den Propheten um eine Offenbarung über seine Mission im Werk des Herrn. Joseph nahm ihn und John Whitmer mit in eine Kammer im Haus von Peter Whitmer Sr., wo er einen Seherstein in seinen Hut legte und begann, die Worte der Offenbarung zu diktieren. Orson fühlte sich jedoch zu unerfahren und unwürdig, um selbst zu schreiben, weshalb John Whitmer die Worte niederschrieb. 

Die Offenbarung rief Orson auf, seine Stimme zu erheben, das Evangelium zu predigen und auf die Zeichen der letzten Tage hinzuweisen. Besonders eindrucksvoll für ihn war die Verheißung, dass er durch die Macht des Heiligen Geistes prophezeien würde. Dieses Versprechen erschien ihm damals fast zu groß für jemanden von so bescheidener Herkunft, doch er nahm den Ruf an. 

Orson Pratt wurde im Dezember 1830 zum Ältesten ordiniert und diente bald darauf als Missionar in Colesville, New York. 1831 zog er nach Kirtland, Ohio, und erfüllte in den folgenden Jahren zahlreiche Missionen, darunter in Missouri, Oberkanada und Großbritannien. 1835 wurde er mit 23 Jahren in das Kollegium der Zwölf Apostel berufen. Sein lebenslanges Wirken als Prediger und Verteidiger des Evangeliums erfüllte die Verheißung seiner Offenbarung in Abschnitt 34. 

Brigham Young sagte später über ihn: „Wenn man Elder Pratt in Stücke hacken würde, dann würde jedes Stück rufen: ‚Mormonismus ist wahr.‘“ 

Lehre und Bündnisse 34:1-4 

Der Herr spricht Orson Pratt direkt an und offenbart ihm nicht nur seine göttliche Herkunft als Sohn Gottes, sondern auch den Kern des Evangeliums: Christus als Licht und Leben der Welt, das durch seinen Opfertod die Möglichkeit gibt, Kinder Gottes zu werden. 

Daraus lassen sich mehrere Lehren für unser eigenes Leben ziehen: 

Erstens zeigt uns die persönliche Anrede („Mein Sohn Orson“), dass Gott jeden Einzelnen kennt und persönlich anspricht. Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass der Herr sich unserer bewusst ist und individuell zu uns spricht. 

Zweitens erinnert uns der Titel Jesu Christi als „das Licht und das Leben der Welt“ daran, dass wir ihn als unsere Quelle der Wahrheit und Kraft sehen sollten. Auch wenn Finsternis in der Welt existiert, kann sie das Licht Christi nicht auslöschen. In Zeiten der Unsicherheit oder des Zweifels können wir uns bewusst an dieses Licht wenden. 

Drittens lehrt uns Vers 3 eine zentrale Wahrheit des Evangeliums: Christus hat aus Liebe zu uns sein Leben hingegeben, damit wir zu Kindern Gottes werden können. Diese Verheißung gilt jedem, der glaubt – also auch uns. Dadurch wird unsere Identität und unser Potenzial in einem göttlichen Licht betrachtet. 

Schließlich enthält Vers 4 eine wunderbare Segnung: „Gesegnet bist du, weil du geglaubt hast.“ Glaube ist die Voraussetzung für göttlichen Segen. Wir können daraus lernen, dass unser Vertrauen in Christus und seine Verheißungen zu realen Segnungen in unserem Leben führt. 

Lehre und Bündnisse 34:5-9 

Der Herr lehrt wichtige Prinzipien über Berufung, Verantwortung und die Zeichen seines Zweiten Kommens. 

Zunächst wird Orson Pratt nicht nur für seinen Glauben gesegnet, sondern noch mehr dafür, dass er berufen wurde, das Evangelium zu predigen. Dies zeigt, dass mit der Annahme des Evangeliums auch eine Verantwortung einhergeht. Wer Glauben zeigt, wird vom Herrn oft zu einer Aufgabe berufen, um anderen zu helfen. 

Die Anweisung, seine Stimme „lang und auch laut“ zu erheben, erinnert uns daran, dass das Predigen des Evangeliums mit Entschlossenheit und Klarheit geschehen soll. Dies gilt nicht nur für berufene Missionare, sondern für alle, die Zeugen Jesu Christi sind. Besonders in einer „verdrehten und frevelhaften Generation“ braucht es mutige Stimmen, die zur Umkehr rufen. 

Der Herr weist darauf hin, dass sein zweites Kommen bevorsteht. Dies geschieht mit großer Macht und Herrlichkeit, sodass alle Nationen zittern werden. Das erinnert uns daran, dass wir stets bereit sein sollten, denn die Rückkehr Christi ist eine Realität, auf die wir unser Leben ausrichten sollten. 

Bevor dieser große Tag kommt, werden Zeichen am Himmel und auf der Erde erscheinen: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond blutrot werden, Sterne werden fallen, und große Zerstörungen werden über die Schlechten kommen. Diese Zeichen sollen uns nicht nur warnen, sondern auch als Beweis dienen, dass Gottes Worte sich erfüllen. Sie fordern uns auf, unser Leben auf Christus auszurichten und bereit zu sein, ihm in Treue zu folgen. 

Lehre und Bündnisse 34:10-12 

Die Verse 10–12 enthalten eine direkte Aufforderung an Orson Pratt und zugleich eine zeitlose Lehre für alle, die dem Herrn dienen. 

Zunächst fordert der Herr ihn auf, seine Stimme zu erheben und nicht zurückzuhalten. Das bedeutet, dass das Predigen des Evangeliums mit Entschlossenheit geschehen soll, ohne Angst oder Zurückhaltung. Wenn Gott spricht, sollen seine Diener die Botschaft mutig weitergeben. Diese Aufforderung gilt auch für uns – wir sollen das Evangelium offen bezeugen, wo immer der Geist es uns eingibt. 

Der Herr verspricht, dass die Worte der Prophezeiung durch die Macht des Heiligen Geistes gegeben werden. Das zeigt, dass niemand allein auf seine eigenen Fähigkeiten angewiesen ist. Wenn wir bereit sind, für Gott zu sprechen, wird er uns durch den Geist die richtigen Worte eingeben. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verheißung der ständigen göttlichen Begleitung: „Wenn du treu bist, siehe, so bin ich mit dir, bis ich komme.“ Diese Zusicherung ist nicht nur für Orson Pratt, sondern für alle Jünger Christi von Bedeutung. Treue im Glauben bringt die Nähe und Führung des Herrn. 

Schließlich bekräftigt Christus mit doppelter Versicherung („wahrlich, wahrlich“), dass er „schnell“ kommt. Dies ist eine Erinnerung daran, dass sein Kommen gewiss ist, auch wenn der genaue Zeitpunkt unbekannt bleibt. Die Botschaft endet mit der persönlichen Zusicherung: „Ich bin dein Herr und dein Erlöser.“ Das zeigt, dass Christus nicht nur der Herr über alle Menschen ist, sondern eine direkte, persönliche Beziehung zu jedem Gläubigen hat. 

Diese Verse lehren uns, mutig und treu zu sein, auf die Führung des Geistes zu vertrauen und stets bereit zu bleiben für die Wiederkunft des Herrn. 

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Tut euren Mund auf, und er wird gefüllt werden

10. April 2025, 05:19am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Ja, tut euren Mund auf, und er wird gefüllt werden, und sprecht: Kehrt um, kehrt um, und bereitet den Weg des Herrn, und macht seine Pfade gerade, denn das Himmelreich ist nahe;” (Lehre und Bündnisse 33:10). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 33:1-18 

Im Herbst 1830 lebte Ezra Thayer mit seiner Frau Elizabeth und ihren Kindern in Farmington, New York. Als Bauunternehmer war er in der Region für den Bau von Brücken, Dämmen und Mühlen bekannt. Obwohl er von den Gerüchten über Joseph Smith und das Buch Mormon gehört hatte, hielt er die Geschichte zunächst für gotteslästerlich. Er kannte die Familie Smith persönlich, da Josephs Vater und Brüder für ihn gearbeitet hatten, und konnte sich nicht vorstellen, dass ein junger, wenig gebildeter Mann eine heilige Schrift übersetzen könnte. Besonders verärgerte ihn, dass sich einige seiner Angehörigen für das Buch interessierten und ihn dazu drängten, sich selbst eine Predigt anzuhören. 

Widerstrebend ließ sich Thayer schließlich überreden, gemeinsam mit seinem Bruder eine Versammlung zu besuchen, die auf der Farm der Familie Smith stattfand. Dort hörte er eine Predigt von Hyrum Smith, die ihn tief bewegte. Später schrieb er, dass ihn jedes Wort mitten ins Herz getroffen habe und er vor Rührung nicht anders konnte, als zu weinen. Als ihm nach der Predigt ein Exemplar des Buches Mormon gereicht wurde, verspürte er eine unbeschreibliche Freude. Ohne zu zögern kaufte er das Buch und bestätigte Martin Harris, dass er bereits wusste, dass es wahr war. 

Nach seiner Heimkehr wurde Thayer bald mit Widerstand konfrontiert. Freunde und Nachbarn versuchten, ihn von seinem neuen Glauben abzubringen, und auch seine Frau wurde durch ihre Einflüsterungen entmutigt. Trotz aller Widerstände hielt Thayer jedoch an seinem Zeugnis fest. In einer späteren Diskussion mit Bekannten erklärte er nicht nur, dass er an das Buch Mormon glaube, sondern dass er wisse, dass es wahr sei. 

Bald darauf hatte er eine Vision, in der ihm ein Mann eine Papierrolle und eine Trompete übergab und ihn aufforderte, in die Trompete zu blasen. Obwohl er zunächst zögerte, tat er es schließlich und hörte den schönsten Klang, den er je vernommen hatte. Die Bedeutung dieser Vision wurde ihm wenig später klar, als er sich nach Manchester begab, um sich taufen zu lassen. Dort traf er Joseph Smith, der ihn fragte, was ihn davon abhalte, sich taufen zu lassen. Thayer ließ sich daraufhin gemeinsam mit Northrop Sweet von Parley P. Pratt taufen. Bald nach ihrer Taufe empfingen die beiden eine Offenbarung, die heute in L&B 33 steht. Darin wurden sie dazu aufgefordert, ihre Stimmen zu erheben „wie mit dem Ton einer Posaune“ und das Evangelium zu verkünden. Als Thayer die Offenbarung erhielt, erkannte er sofort, dass sie genau dem entsprach, was er in seiner Vision gesehen hatte. 

Die Reaktionen auf diesen Auftrag fielen jedoch unterschiedlich aus. Northrop Sweet blieb weniger als ein Jahr in der Kirche. Er ließ sich zum Ältesten ordinieren, verließ die Kirche jedoch bald darauf und gründete mit wenigen Anhängern die „Reine Kirche Christi“. Diese Abspaltung bestand jedoch nur kurz. Ezra Thayer hingegen setzte sich aktiv für die Verbreitung des Evangeliums ein. Er lud Joseph Smith und andere Missionare ein, in seiner Scheune zu predigen, und organisierte große Versammlungen, die viele Menschen anzogen. Er unterstützte auch den missionarischen Dienst in Canandaigua, obwohl er dort auf Widerstand stieß. 

Trotz seines frühen missionarischen Engagements wurde Thayer später durch wirtschaftliche und persönliche Herausforderungen von der aktiven Verkündigung abgehalten. Zwar blieb er zeitlebens überzeugt von Joseph Smiths Berufung, doch nach dessen Tod verließ er die Kirche. Seine Geschichte zeigt sowohl die Kraft persönlicher Offenbarung als auch die Herausforderungen, die mit der Verpflichtung einhergehen, diesen Eingebungen zu folgen. 

Lehren für uns 

L&B 33 lehrt uns, wie wichtig es ist, auf die Stimme des Herrn zu hören und das Evangelium mutig zu verkünden. Gleich zu Beginn wird betont, dass das Wort Gottes lebendig und machtvoll ist, schärfer als ein zweischneidiges Schwert und in der Lage, die Gedanken und Absichten des Herzens zu erkennen. Das bedeutet, dass wir nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bereit sein müssen, Gottes Willen anzunehmen. 

Ein zentrales Thema dieser Offenbarung ist die Dringlichkeit der Missionsarbeit. Der Herr ruft seine Diener auf, ihre Stimme „wie mit dem Ton einer Posaune“ zu erheben, um das Evangelium in einer „verdrehten und frevelhaften Generation“ zu verkünden. Er macht deutlich, dass die Zeit drängt: Das Feld ist bereits weiß zur Ernte bereit, und es ist die elfte Stunde. Diese Worte erinnern uns daran, dass es viele Menschen gibt, die bereit sind, das Evangelium anzunehmen, und dass wir als Jünger Christi eine Verantwortung haben, ihnen davon zu erzählen. Der Herr verspricht uns, dass wir, wenn wir unseren Mund öffnen, mit seinen Worten erfüllt werden. Er fordert uns auf, mutig Zeugnis zu geben, denn wenn wir das Evangelium mit all unserer Macht, unserem Sinn und unserer Kraft weitertragen, werden wir mit „Garben auf unserem Rücken beladen“, also reiche geistige Früchte ernten. 

Ein weiteres wichtiges Prinzip in dieser Offenbarung ist die Notwendigkeit der Umkehr und Taufe. Der Herr ruft alle Menschen dazu auf, sich taufen zu lassen, nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Feuer und dem Heiligen Geist. Diese beiden Taufen sind essenziell für die Errettung und bilden die Grundlage für den Eintritt in das Reich Gottes. 

Darüber hinaus macht der Herr deutlich, dass seine Kirche auf dem Felsen seines Evangeliums gegründet ist. Wer auf diesem Fundament bleibt, wird von den Pforten der Hölle nicht überwältigt werden. Dies zeigt, wie wichtig es ist, fest im Glauben zu bleiben und sich an die Satzungen und Bündnisse der Kirche zu erinnern und sie zu befolgen. 

Schließlich betont der Herr die Bedeutung der heiligen Schriften. Er erinnert uns daran, dass sowohl das Buch Mormon als auch andere heilige Schriften zu unserer Belehrung gegeben sind und dass der Geist Gottes alles belebt. Das bedeutet, dass wir durch das Studium der Schriften und durch aufrichtiges Gebet geistige Kraft erhalten. 

Die Offenbarung endet mit einer eindringlichen Aufforderung zur Wachsamkeit. Der Herr ruft uns auf, unsere Lampen bereit und brennend zu halten und Öl bei uns zu haben, damit wir vorbereitet sind, wenn der Bräutigam kommt. Diese Mahnung erinnert an das Gleichnis von den zehn Jungfrauen und lehrt uns, dass wir geistig wachsam bleiben müssen, denn der Herr kommt schnell. 

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