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Glaubensansichten
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Witwen und Waisen sollen versorgt werden

26. Juli 2025, 04:55am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und das Vorratshaus soll durch die Weihungen aus der Kirche erhalten bleiben; und Witwen und Waisen sollen versorgt werden, ebenso die Armen. Amen.” (Lehre und Bündnisse 83:6). 

Vers-für-Vers-Kommentar zu Lehre und Bündnisse 83 im Lichte der Bibel 
 

Die Offenbarung eröffnet mit dem Hinweis, sie sei „zusätzlich zu den Gesetzen der Kirche in Bezug auf Frauen und Kinder“ gegeben (L&B 83:1). Schon zuvor hatte der Herr im Weihe­gesetz (L&B 42) allgemeine Fürsorgeregeln formuliert, doch jetzt wendet er das Prinzip ausdrücklich auf diejenigen an, „die ihren Ehemann oder Vater verloren haben“. Der biblische Hintergrund liegt im alttestamentlichen Schutzgebot für „Witwen und Waisen“ (5 Mose 24,17; Ps 146,9). Darin erscheint Gott selbst als Anwalt der Entrechteten: „Vater der Waisen und Richter der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung“ (Ps 68,6). Joseph Smiths Frage in der Ratsversammlung spiegelt somit eine uralte Tora-Thematik: Wer vertritt die Schwächsten, wenn die natürliche Schutzkette reißt? 

Vers 2 legt fest, dass Frauen Anspruch auf den Unterhalt ihres Mannes haben, „bis ihr Mann weggenommen wird“. Das Wort Anspruch (engl. claim) klingt juristisch und verleiht der Fürsorgepflicht rechtliche Schärfe. Paulus bekräftigt denselben Grundsatz, wenn er schreibt: „Wer aber für die Seinigen, zumal für die Hausgenossen, nicht sorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1 Tim 5,8). In beiden Texten steht das patriarchale Ideal des Versorgers, doch schon die Formulierung „bis ihr Mann weggenommen wird“ signalisiert, dass diese Ordnung endlich ist. Stirbt oder verschwindet der Ernährer, muss die Gemeinschaft einspringen. Der Vers fügt außerdem eine geistliche Dimension hinzu: Treue Frauen „sollen Gemeinschaft in der Kirche haben“. Damit wird ihrer Würde im Glaubensbund Rechnung getragen; sie bleiben nicht nur Nutznießerinnen eines Sozialfonds, sondern vollwertige Bundesgeschwister. 

Vers 3 enthält eine bemerkenswerte Ausgleichs­klausel. Untreuen Frauen wird die Gemeinschaft entzogen, doch „sie dürfen gemäß den Gesetzen des Landes auf ihrem Erbteil verbleiben“. Hier kollidieren kanonisches Recht (Ausschluss von der Kirche) und säkulares Eigentumsrecht. Schon Mose hatte geboten, einem armen israelitischen Schuldner sein Pfand über Nacht zurückzugeben (2 Mose 22,25–26); ähnlich respektiert dieser Vers die zivilen Besitzrechte, selbst wenn die geistliche Mitgliedschaft ruht. In Missouri des Jahres 1832 bedeutete das konkret: Eine Witwe, die den Glauben verließ, konnte nicht ohne Weiteres von ihrem Hof vertrieben werden, weil Gerichte ihr Besitzrecht stützten. Die Offenbarung akzeptiert diese Rechtslage, anstatt sie mit kirchlichem Zwang zu überschreiben – ein Beispiel pragmatischer Trennung von Heilsgemeinschaft und Staatsbürgerschaft. 

Vers 4 weitet das Unterhaltsgebot auf alle Kinder aus: Sie „haben Anspruch auf ihre Eltern … bis sie mündig sind“. Das hebräische Denken kennt dieselbe Priorität: „Kinder sind eine Gabe des HERRN“ (Ps 127,3) und damit Verantwortung der Eltern. Paulus mahnt Väter, ihre Kinder zu nähren „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4). Im zeitgenössischen US-Recht waren Minderjährige in erster Linie Erben männlichen Vermögens; L&B 83 geht hier weiter, indem es nicht Besitz, sondern laufenden Unterhalt als Anspruch definiert. Sobald Kinder jedoch das Erwachsenenalter erreichen, wechselt die Zuständigkeit: Sie dürfen – falls nötig – die Ressourcen der Kirche beanspruchen. 

Damit sind wir bei Vers 5, der die Brücke vom Familienverband zur Gemeindekasse schlägt. Ist kein Erbteil vorhanden, haben junge Erwachsene „Anspruch … an das Vorratshaus des Herrn“. Dieser Begriff erinnert an Mal 3,10, wo der Herr Israel auffordert, den Zehnten in sein Vorratshaus zu bringen, „auf dass in meinem Hause Speise sei“. Auch im Gesetz Mose gab es neben dem Zehnten ein Armenzehnt-Jahr (5 Mose 14,28–29), in dem Abgaben ausdrücklich für „Waisen und Witwen“ bestimmt waren. Die Offenbarung verknüpft diese mosaische Sozialkasse mit dem weihegesetzlichen Vorratshaus in Zion und überträgt das biblische Modell auf eine moderne Kirchenökonomie. 

In Vers 6 mündet die Regelung in eine verpflichtende Gemeindesolidarität: „Das Vorratshaus soll durch die Weihungen aus der Kirche erhalten bleiben; und Witwen und Waisen sollen versorgt werden, ebenso die Armen.“ Die spezifische Nennung von Witwen und Waisen spiegelt wörtlich Jak 1,27: „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst … ist, Witwen und Waisen in ihrer Trübsal zu besuchen.“ Zugleich erweitert der Schlussausdruck „ebenso die Armen“ den Kreis auf alle Bedürftigen. Hier begegnet das Schlüsselprinzip des messianischen Reiches, wie es Jesaja verheißen hatte: „Dem Armen bringt er Gerechtigkeit“ (Jes 11,4). 

Weil sich das Vorratshaus ausschließlich „durch die Weihungen aus der Kirche“ füllt, steht Vers 6 in unauflösbarer Wechselwirkung mit Vers 2: Wer Versorgung empfängt, ist zuvor selbst ge­ru­fen, nach Fähigkeit beizutragen. Somit etabliert die Offenbarung einen reziproken Kreislauf von Geben und Empfangen, der urchristliche Praxis widerspiegelt: „Es hatte auch keiner Mangel, denn jeder, der Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie … und man teilte sie jedem aus, so wie einer es nötig hatte“ (Apg 4,34–35). 

Zusammenfassend betrachtet bildet L&B 83:1–6 eine miniaturisierte Sozial-Charta. Verse 1–4 definieren Zuständigkeiten innerhalb der Kleinfamilie, während Verse 5–6 die Verantwortung der größeren Bundesfamilie festlegen. Indem die Offenbarung beide Ebenen miteinander verschränkt, bewahrt sie einerseits das biblische Ideal der Selbst- und Familienverantwortung, andererseits verwirklicht sie das Liebesgebot Jesu in institutionalisierter Form. Die Stoßrichtung ist eindeutig: Gottes Reich soll dort greifbar werden, wo ökonomische Schwachstellen durch Glaubensbund ausgeglichen werden. 

Historisch erwies sich das Konzept als tragfähig. Noch 2012 erinnerte Dieter F. Uchtdorf bei der Einweihung des weltweiten Bischofs­lagerhauses daran, dass seine eigene Familie im Nachkriegsdeutschland Nahrung, Kleidung und Bettzeug aus einem solchen Vorratshaus erhielt – eine direkte Frucht der hier begründeten Struktur. Der Grundton sämtlicher Verse bleibt dabei theologisch: Versorgung ist kein bloßes Fürsorgeprogramm, sondern ein sakramentaler Akt, denn wer dem Bedürftigen gibt, leiht „dem HERRN“ (Spr 19,17). 

Die Bibel liefert damit nicht nur Parallelen, sondern auch Autorität für jede einzelne Klausel dieser Offenbarung. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Überzeugung, dass Wahre Religion sich an der Fürsorge für die Verwundbarsten beweist. L&B 83 übersetzt diese Überzeugung in verbindliches Kirchenrecht und hält die Heiligen bis heute dazu an, das Vorratshaus des Herrn mit Freuden zu füllen, damit „niemand unter euch arm sei“ (5 Mose 15,4). 

findechristus.org

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Frauen haben an ihren Mann Anspruch auf ihren Unterhalt

25. Juli 2025, 05:46am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Frauen haben an ihren Mann Anspruch auf ihren Unterhalt, bis ihr Mann weggenommen wird; und wenn sie nicht als Übertreterinnen befunden werden, sollen sie Gemeinschaft in der Kirche haben.” (Lehre und Bündnisse 83:2). 

Lehre und Bündnisse 83 – Historischer Hintergrund 

Als Joseph Smith Ende April 1832 von Kirtland nach Missouri reiste, lagen bewegte Monate hinter der jungen Kirche. Erst wenige Tage zuvor, am 26. April, hatte der Prophet im Rahmen einer hohen Priesterversammlung in Independence Abschnitt 82 diktiert, der die Heiligen an ihre Bundespflichten gegenüber der „Armen“ erinnerte. Vier Tage später, am 30. April 1832, versammelte er sich erneut mit Kirchenführern in Independence, als die Frage aufkam, wie die bereits eingeführten Regeln der Weihe­gesetze konkret auf Frauen und Kinder anzuwenden seien, die ihre Ernährer verloren hatten. In dieser Beratung empfing Joseph die Offenbarung, die heute als Abschnitt 83 überliefert ist und den Anspruch von Witwen, Waisen und minderjährigen Kindern auf die Ressourcen der Kirche festschreibt. (josephsmithpapers.org) 

Der unmittelbare Anlass war offenbar ein Besuch Josephs bei den aus Colesville (New York) stammenden Heiligen, die sich zwölf Meilen westlich von Independence im Kaw Township am Big-Blue-River niedergelassen hatten. Joseph vermerkte über dieses Treffen, er habe dort „einen Willkommensgruß empfangen, wie ihn nur Brüder und Schwestern empfangen können, die in demselben Glauben vereint sind“—eine Formulierung, die später in den Geschichtswerken wortgetreu auftauchte. (josephsmithpapers.orgdoctrineandcovenantscentral.org)  

Unter den Colesville-Heiligen waren wenigstens zwei verwitwete Frauen: Phebe Crosby Peck, Mutter von vier Kindern, und Anna Slade Rogers mit ihrer Tochter. Beide hatten ihre Ehemänner bereits 1829 verloren, also noch vor Verkündigung des Weihegesetzes; Josephs persönliche Verbundenheit mit ihnen wird in der historischen Forschung als möglicher Auslöser für seine Anfrage an den Herrn gewertet. (josephsmithpapers.orgdoctrineandcovenantscentral.org) 

Seit Februar 1831 galt in der Kirche das „Gesetz in Bezug auf die Weihung von Eigentum“ (L&B 42), das verlangte, dass jedes Gemeindemitglied überschüssiges Eigentum dem Bischof als Treuhänder weiht, damit „jedermann nach seinem Bedarf reichlich versorgt werde“. Doch die Bestimmungen nannten ausdrücklich nur „individuals“—ein Begriff, der damals im juristischen Sprachgebrauch meist Männer meinte. Ob und wie Frauen, die kein eigenes Vermögen besaßen, aus dem Vorratshaus bedient werden durften, blieb unklar. (josephsmithpapers.org) 

Hinzu kam der Widerspruch zwischen kirchlichem Weihegesetz und weltlichem Eigentumsrecht. Nach den Statuten Missouris hatte eine Ehefrau lediglich ein Dower-Recht: Sie konnte ein Drittel des Grundbesitzes ihres verstorbenen Mannes beanspruchen, während übrig­bleibende bewegliche Habe anteilsmäßig unter ihr und den Kindern aufgeteilt wurde. Doch was geschah, wenn der Mann sein Land bereits an die Kirche übertragen hatte? Die Landtitel waren in der Regel auf seinen Namen ausgestellt, und eine Rückübertragung an die Witwe war nicht automatisch vorgesehen. Die Offenbarung vom 30. April 1832 griff genau diese Lücke auf und erklärte unmissverständlich, dass „Witwen und Waisen … Anspruch auf das Vorratshaus des Herrn“ hätten (L&B 83:6). (josephsmithpapers.orgscripturecentral.org) 

Die Formulierung, Abschnitt 83 sei eine „addition to the laws“, unterstreicht, dass es sich nicht um ein völlig neues soziales Programm handelte, sondern um eine Aus­bau­stufe des bereits existierenden Weihesystems. Während L&B 42 vor allem die Pflichten der Spender definierte, ergänzt L&B 83 ausdrücklich die Rechte der Empfangenden. Der Text verschiebt das Augenmerk von der Frage, wer geben soll, hin zu der Frage, wer empfangen darf—und schafft damit Rechtssicherheit für die verletzlichsten Mitglieder der Gemeinde. (doctrineandcovenantscentral.org) 

Interessant ist auch die Überlieferungsgeschichte der Offenbarung. Das früheste erhaltene Manuskript befindet sich in den Nachlässen von Bischof Newel K. Whitney. Es trägt die Überschrift „as to Women & children; Inheretance at Zion 30 ap l. 1832“, ist jedoch in der Handschrift Sidney Rigdons verfasst und vermutlich wenige Wochen nach dem Empfang abgeschrieben worden—ein Hinweis darauf, wie rasch praktische Richtlinien an die Amtsträger vor Ort weitergegeben wurden. (josephsmithpapers.org) 

Die Tatsache, dass eine Frauen- und Kinderfrage überhaupt auf höchster Ebene der Kirchenverwaltung diskutiert wurde, wirft ein Licht auf das Selbstverständnis der frühen Heiligen in Missouri. Bereits seit Juli 1831 betrachteten sie Jackson County als verheißene „Stadt Zions“; dementsprechend mussten ihre gesellschaftlichen Strukturen dem Ideal einer gottgeweihten Gemeinschaft entsprechen. Für Joseph Smith war es dabei selbstverständlich, biblische und buchmormoni­sche Maßstäbe anzulegen: Beide heiligen Bücher mahnen wiederholt, die „Vaterlosen und Witwen“ nicht zu übersehen (vgl. Jakob 2:17; Jakobus 1:27). Abschnitt 83 verankert diese alttestamentliche Sozialethik nun in der noch jungen Offenbarungs­sammlung des 19. Jahrhunderts. (josephsmithpapers.orgscripturecentral.org) 

Die Umsetzung blieb allerdings vorerst lokal begrenzt. Weder in Kirtland noch in anderen Ansiedlungen verfügte die Kirche 1832 über vergleichbar ausgebaute Vorratshäuser wie in Independence, wo Bischof Edward Partridge die Güter patrimonial verwaltete. Erst Jahrzehnte später entwickelte sich daraus das bekannte Wohlfahrtsprogramm der Kirche. Dennoch war die in L&B 83 fest­gehaltene Rechtsidee zukunftsweisend: Sie schlug eine Brücke zwischen familiärer Eigenverantwortung („Frauen haben Anspruch auf ihre Männer … Kinder auf ihre Eltern“) und kollektiver Fürsorge („und danach … auf die Kirche“), ein Modell, das sich im weiteren Verlauf der Kirche immer wieder bewährte. (josephsmithpapers.orgarchive.dev-bookofmormoncentral.org) 

Bemerkenswert ist ferner, wie stark das Dokument den patriarchalen Zeitgeist seiner Entstehungs­periode spiegelt und zugleich transzendiert. Einerseits bestätigt Vers 2 die Unterhalts­pflicht des Ehemannes nach dem damals selbst­verständlichen Leitprinzip des männlichen Familienoberhauptes. Andererseits erhalten Frauen, sofern sie „nicht als Übertreterinnen befunden“ werden, “sollen sie Gemeinschaft in der Kirche haben” —eine Terminologie, die ihnen eine bewusst geistliche Identität zuspricht, anstatt sie lediglich als rechtliche Anhängsel ihrer Männer zu betrachten. Für die Kirche des 19. Jahrhunderts war das eine bemerkenswert fortschrittliche Nuance. (josephsmithpapers.org) 

Die Wirkung dieser Offenbarung zeigte sich schon bald in konkreten Beispielen von Hilfs­bereitschaft. Zeit­genossen berichten, dass Joseph Smith, wenn ihn Berichte von Not erreichten, oft als Erster in die Tasche griff—so auch in Nauvoo, als er „fünf Dollar“ für eine abgebrannte Hütte spendete und die Anwesenden aufforderte, ihr Mitleid in gleicher Weise zu zeigen. Solche Anekdoten illustrieren, wie stark sich der Prophet persönlich mit den Fürsorge­prinzipien identifizierte, die er wenige Jahre zuvor schriftlich empfangen hatte. (archive.dev-bookofmormoncentral.org) 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Abschnitt 83 entstand in einem Moment, da das Weih­egesetz praktisch erprobt, rechtlich aber noch unvollständig war. Indem die Offenbarung präzise regelt, dass auch diejenigen Anspruch haben, die am wenigsten Eigentum zur Weihe-Kasse beitragen konnten, stellt sie sicher, dass das zentrale Ziel des Gesetzes—„dass niemand unter euch arm sei“—nicht an einer restriktiven Auslegung scheitert. Zugleich verleiht sie den betroffenen Frauen und Kindern eine Stimme im ökonomischen Diskurs der Gemeinde. Historisch markiert L&B 83 somit einen entscheidenden Schritt vom Ideal zur institutionellen Praxis eines umfassenden Wohlfahrts­systems, das sich bis in die Gegenwart fortentwickelt hat. 

findechristus.org

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Von dem wird viel gefordert

24. Juli 2025, 05:53am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Denn wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert; und wer gegen das größere Licht sündigt, der wird den größeren Schuldspruch empfangen.” (Lehre und Bündnisse 82:3). 

Einige der wichtigsten Lehren aus Lehre und Bündnisse 82 

Vergebung und Verantwortung unter Bundespartnern (Verse 1–4) 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 82 beginnt mit einem grundlegenden Prinzip im Umgang mit Sünde innerhalb des Bundesvolkes: „Insoweit ihr einander eure Verfehlungen vergeben habt, so vergebe ich, der Herr, euch auch“ (V. 1). Diese göttliche Zusicherung knüpft an den Grundsatz, dass Vergebung unter Menschen Voraussetzung für göttliche Vergebung ist – ein Thema, das auch in den Evangelien zentral behandelt wird (vgl. Matthäus 6:14–15). 

Doch zugleich betont der Herr die Ernsthaftigkeit der Sünde: „Doch gibt es unter euch welche, die über die Maßen gesündigt haben; ja, selbst ihr alle habt gesündigt“ (V. 2). Diese Verse wurden an führende Brüder der Kirche gerichtet, die trotz großer geistiger Gaben in Fehlverhalten gefallen waren. Vers 3 stellt ein machtvolles geistiges Prinzip dar: „Denn wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert; und wer gegen das größere Licht sündigt, der wird den größeren Schuldspruch empfangen.“ Dieses Wort erinnert daran, dass mit größerem Wissen und göttlicher Bevollmächtigung auch eine gesteigerte Verantwortung einhergeht. 

Der Herr warnt: Wenn Offenbarungen empfangen, aber nicht befolgt werden, wird man selbst zum Übertreter (V. 4). Licht ohne Gehorsam wird zu Gericht. 

Finsternis in der Welt und das neue Gebot (Verse 5–10) 

In den folgenden Versen wird die Dringlichkeit betont: „Seid wachsam, denn der Widersacher breitet seine Herrschaft aus, und Finsternis regiert“ (V. 5). Diese dramatische Beschreibung des moralischen Zustands der Welt schließt mit dem Urteil: „Niemand tut Gutes, denn alle sind vom Weg abgewichen“ (V. 6) – ein Echo aus Römer 3:12. 

Trotz dieser düsteren Einschätzung ruft der Herr zur Umkehr auf: „Ich werde euch keine Sünde zur Last legen; geht eurer Wege und sündigt nicht mehr“ (V. 7). Die Gnade ist vorhanden, aber sie setzt echte Umkehr voraus. Der Vers endet mit einer ernsten Warnung: Wer nach erneuter Sünde nicht umkehrt, auf den kehren frühere Sünden zurück. 

Vers 8 leitet über zu einem „neuen Gebot“, das den Willen des Herrn für die betroffenen Brüder offenbart. Die Betonung liegt auf göttlicher Führung zur „Errettung“ (V. 9). In Vers 10 folgt das oft zitierte Prinzip: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so habt ihr keine Verheißung.“ Es ist ein Schlüsselvers im theologischen Verständnis göttlicher Zusagen. 

Ein heiliger Bund zur Verwaltung des Eigentums (Verse 11–14) 

In Vers 11 nennt der Herr konkrete Namen: „Edward Partridge, Newel K. Whitney, A. Sidney Gilbert und Sidney Rigdon [...] Joseph Smith [...] John Whitmer und Oliver Cowdery und W. W. Phelps und Martin Harris“. Diese Männer werden aufgefordert, sich durch einen heiligen Bund zu verpflichten. Dieser Bund – der zur United Firm gehörte – sollte die Verwaltung kirchlicher Mittel und Eigentümer regeln, „um die Angelegenheiten der Armen [...] zu verwalten“ (V. 12). 

Die Absicht war sowohl geistlich als auch organisatorisch: Das Land Kirtland wurde als „Pfahl für Zion“ (V. 13) eingesetzt, der gestärkt werden sollte. Die Vision für Zion wird in Vers 14 ausgemalt: „Zion muss zunehmen an Schönheit und an Heiligkeit [...] seine Pfähle müssen gestärkt werden“. Dies betont die Ausdehnung des Werkes durch praktische Verwaltung auf Grundlage heiliger Bündnisse. 

Bindung durch Gesetz und Nutzen in der Ordnung Gottes (Verse 15–16) 

Mit Nachdruck bestätigt der Herr nochmals: „Ich gebe euch dies Gebot, euch mit diesem Bund bindend zu verpflichten, und es soll gemäß den Gesetzen des Herrn geschehen“ (V. 15). Diese Verpflichtung war mehr als ein organisatorischer Schritt – sie war ein heiliger Akt im Rahmen göttlicher Ordnung. Die Formulierung in Vers 16 macht klar: „Dies ist auch nach meiner Weisheit zu eurem Nutzen.“ 

Hier offenbart sich ein weiterer Aspekt der göttlichen Führung: Die Bündnisse des Herrn dienen nicht nur seinem Werk, sondern letztlich auch dem Nutzen und Wachstum derer, die daran teilnehmen. 

Gleichheit, Verwaltung und Talente (Verse 17–19) 

Die Ordnung, die nun eingeführt wird, baut auf Gleichheit: „Ihr sollt gleich sein [...] gleiche Ansprüche auf das Eigentum haben“ (V. 17). Dabei wird Gerechtigkeit als Maßstab genannt: „soweit seine Bedürfnisse gerecht sind“. Dieses Gleichheitsprinzip bezieht sich nicht auf Gleichmacherei, sondern auf die gerechte Versorgung gemäß Bedarf. 

Vers 18 verbindet dies mit dem Talentgleichnis: „Ein jeder soll sein Talent nutzbringend anlegen [...] damit sie in das Vorratshaus des Herrn eingeworfen werden.“ Dies erinnert an Matthäus 25 und zeigt die Verantwortung jedes Einzelnen, das ihm Anvertraute zur Stärkung der Kirche einzusetzen. 

Ziel dieser Verwaltung ist laut Vers 19: „Ein jeder soll auf das Wohl seines Nächsten bedacht sein und bei allem [...] das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes richten.“ Es ist ein Aufruf zu selbstloser, gottzentrierter Lebensführung. 

Eine immerwährende Ordnung mit Konsequenzen (Verse 20–21) 

Der Herr bekräftigt: „Diese Ordnung habe ich zu einer immerwährenden Ordnung für euch [...] insoweit ihr nicht sündigt“ (V. 20). Damit wird eine bleibende Struktur geschaffen, die auch kommende Generationen tragen soll. 

Wer sich dieser Ordnung widersetzt, der fällt nicht nur aus dem Segen, sondern wird den Konsequenzen des geistlichen Gesetzes übergeben: „Sie soll [...] den Schlägen des Satans überantwortet werden“ (V. 21). Dieser drastische Ausdruck macht deutlich, dass heilige Bündnisse mit echten Konsequenzen verbunden sind. 

Verwaltung des Mammon und göttliches Gericht (Verse 22–24) 

In Vers 22 folgt ein bemerkenswerter Satz: „Macht euch Freunde mit dem Mammon der Ungerechtigkeit“. Diese Formulierung erinnert an Lukas 16:9. Der Herr fordert hier nicht zur Weltlichkeit auf, sondern zum weisen Umgang mit materiellen Gütern im Dienst des Reiches Gottes. 

Der Richterspruch aber bleibt Sache des Herrn: „Überlasst mir allein den Richterspruch [...] ich werde vergelten“ (V. 23). Damit endet die Offenbarung mit einem Segensversprechen: „Denn schon jetzt ist das Reich euer [...] wenn ihr von eurer Standhaftigkeit nicht fallt“ (V. 24). Diese Zusage verbindet Verantwortung mit Hoffnung. 

Heutige Anwendung: Stärkung der Pfähle Zions 

Präsident Russell M. Nelson betonte: 

„Der Widersacher hört nie auf, anzugreifen. Wir dürfen also auch niemals aufhören, uns vorzubereiten! Je eigenständiger wir sind – zeitlich, seelisch und geistig –, desto eher sind wir bereit, die unerbittlichen Angriffe des Satans zu vereiteln.“ 
(Generalkonferenz Oktober 2020) 

Diese Aufforderung ergänzt die prophetische Vision in Vers 14: Zion muss an Heiligkeit und Stärke zunehmen – heute wie damals. 

findechristus.org

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Insoweit ihr einander eure Verfehlungen vergeben habt

23. Juli 2025, 05:07am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, meine Diener: Insoweit ihr einander eure Verfehlungen vergeben habt, so vergebe ich, der Herr, euch auch.” (Lehre und Bündnisse 82:1). 

Lehre und Bündnisse 82 – Historischer Kontext und geistliche Lehren 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 82 wurde am 26. April 1832 in Independence, Missouri, empfangen. Sie steht in einem engen Zusammenhang mit den vorangegangenen Ereignissen um die Gründung der Vereinigten Ordnung (auch als „United Firm“ bezeichnet) und spiegelt sowohl die organisatorischen als auch die geistlichen Herausforderungen der frühen Kirche wider. Der Abschnitt ist ein bedeutender Wendepunkt in der Entwicklung der Kirchenstruktur und zeigt, wie Joseph Smith und seine Mitstreiter bemüht waren, die Grundsätze des Reiches Gottes nicht nur in geistlichen, sondern auch in wirtschaftlichen Belangen umzusetzen. 

Im März 1832 wurde in einer vorhergehenden Offenbarung (Lehre und Bündnisse 78) Joseph Smith gemeinsam mit Sidney Rigdon und Newel K. Whitney beauftragt, nach Missouri zu reisen, um sich dort mit Bischof Edward Partridge und anderen Priestertumsführern zu beraten. Der Zweck dieser Reise bestand darin, die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Kirche in Missouri und Ohio zu koordinieren, insbesondere im Hinblick auf die Verwaltung von Besitz, Hilfsmitteln für die Armen und die Herausgabe von Schriften. Es ging also um nichts weniger als den Aufbau Zions durch wirtschaftliche Zusammenarbeit im Geiste der Weihe. 

Die Reise selbst war beschwerlich und gefährlich. Aufgrund der feindseligen Stimmung in Kirtland mussten Joseph und seine Gefährten Umwege nehmen, um nicht von Mobbern angegriffen zu werden. Dennoch gelang es ihnen, sicher in Independence einzutreffen, wo sie von den dortigen Heiligen freudig empfangen wurden. Am 26. April fand ein allgemeiner Kirchenrat statt, bei dem Joseph Smith offiziell als Präsident des Hohen Priestertums anerkannt wurde – ein Amt, das er zuvor am 25. Januar 1832 in Amherst, Ohio, empfangen hatte. Edward Partridge, der als Bischof für die Heiligen in Missouri diente, reichte Joseph symbolisch die rechte Hand der Gemeinschaft. 

Die Ereignisse dieses Tages waren von großer Bedeutung, nicht nur organisatorisch, sondern auch spirituell. Zwischen Sidney Rigdon und Edward Partridge hatte es über mehrere Monate hinweg Spannungen gegeben, ausgelöst durch Missverständnisse und persönliche Verletzungen während einer früheren Missouri-Reise 1831. Diese Differenzen wurden am Vormittag des 26. April beigelegt, was als eine Voraussetzung für den geistigen Fortschritt der Gruppe betrachtet wurde. Joseph Smith berichtet in seiner Geschichte, dass die Herzen aller Anwesenden am Nachmittag von Freude erfüllt waren – eine Stimmung, die das Empfangen einer Offenbarung begünstigte. In diesem heiligen Moment wurde Lehre und Bündnisse 82 offenbart. 

Der Herr beginnt in Vers 1 mit einem ernsten, aber hoffnungsvollen Ton: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich erlasse euch eure Sünden, wenn ihr einander eure Sünden erlasset; denn wahrlich, ich sage euch: Ihr seid nicht gerechtfertigt.“ Die Offenbarung knüpft hier direkt an die gerade erfolgte Versöhnung zwischen Rigdon und Partridge an. Das Prinzip der gegenseitigen Vergebung wird zur geistlichen Grundlage für das wirtschaftliche Bündnis, das nun folgen soll. Die Führer der Kirche sollen einander nicht nur vertrauen, sondern sich in echter brüderlicher Liebe verbunden fühlen – eine Voraussetzung für das Funktionieren jeder geweihten Gemeinschaft. 

Im weiteren Verlauf der Offenbarung ruft der Herr die Mitglieder der Vereinigten Ordnung zu einem förmlichen Bund auf. Dieser soll die Verwaltung kirchlicher Güter in Zion (Missouri) und Kirtland (Ohio) unter einheitliche Leitung stellen. In Vers 11 wird dieser organisatorische Schritt deutlich (hier nicht wörtlich, sondern sinngemäß zitiert): „Und ich nenne euch, selbst Neuel K. Whitney, Sidney Gilbert und andere, deren Namen genannt werden sollen, um die Angelegenheiten der Armen meiner Kirche zu verwalten.“ Dies ist die Geburtsstunde der sogenannten „United Firm“, einer wirtschaftlichen Körperschaft, die die literarischen, kaufmännischen und wohltätigen Aktivitäten der Kirche zentral koordinieren sollte. Sie verband die Lagerhäuser in Missouri und Ohio sowie die Druckerei und Buchhandlungen, die für die Herausgabe von Offenbarungen, Zeitungen und Gesangbüchern zuständig waren. 

Die Vereinigte Ordnung war jedoch keine bloße Firma im weltlichen Sinn, sondern ein Bündnis unter Bundesverpflichtung. In Vers 10 formuliert der Herr eine ernste Mahnung: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so habt ihr keine Verheißung.“ Diese Formel wurde zu einem Grundsatz göttlicher Verwaltung: Gott ist zuverlässig und bindet sich an seine Verheißungen – aber nur, wenn seine Kinder ihrerseits treu sind. Der Bruch dieses Bundes würde nicht folgenlos bleiben. Die Warnung vor den Konsequenzen für Bundesbruch (Verse 21–23) bildet einen ernsten Hintergrund für den weiteren Verlauf der Geschichte. 

Ein zentrales Motiv dieser Offenbarung ist das Prinzip des Wachstums durch Hingabe: „Jeder Mensch soll sein Talent verbessern, dass ein jeder andere Talente gewinne, ja, sogar hundertfältige, um in des Herrn Vorratshaus geworfen zu werden, damit sie zum Gemeingut der ganzen Kirche wird“ (sinngemäß nach Vers 18). Der Begriff „Talent“ erinnert an das Gleichnis von den anvertrauten Talenten Silbergeld in Matthäus 25 und ist mehrdeutig: Er bezeichnet sowohl natürliche Gaben als auch wirtschaftliche Ressourcen. Die Kirche soll als ein organisches Ganzes wachsen, indem die Mitglieder ihre Gaben investieren – nicht zum Eigengewinn, sondern zum Aufbau Zions. 

Der unmittelbare praktische Effekt dieser Offenbarung war die formelle Gründung der „United Firm“, die am folgenden Tag, dem 27. April 1832, in Missouri weiter konkretisiert wurde. Die Mitglieder beschlossen, dass die Organisation unter zwei offiziellen Firmennamen operieren solle: „Gilbert, Whitney & Company“ in Zion (Missouri) und „Newel K. Whitney & Company“ in Kirtland (Ohio). Die Firma verwaltete Güter, betrieb Handel, gab Schriften heraus und unterstützte Bedürftige. 

Trotz dieses hoffnungsvollen Anfangs hatte die Vereinigte Ordnung mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Die politischen und sozialen Spannungen in Missouri kulminierten 1833 in Gewalt: Der Mob in Independence zerstörte die Druckerei, verjagte die Heiligen und beendete vorläufig die Tätigkeit der Firma vor Ort. In Ohio wiederum führten Schulden, mangelnde Zahlungsmoral der Mitglieder und wirtschaftliche Rückschläge zu ständigen Schwierigkeiten. 1834, nur zwei Jahre später, wurde die Vereinigte Ordnung in Lehre und Bündnisse 104 offiziell aufgelöst. Der Herr erklärte, dass einige Mitglieder den heiligen Bund von Abschnitt 82 gebrochen hatten – ein schweres geistliches Vergehen. 

Im Nachgang zur Offenbarung traten auch persönliche Konflikte erneut zutage. Sidney Rigdon, zunächst versöhnt, fiel nach seiner Rückkehr nach Ohio wieder in eine Phase der geistigen Krise. Er behauptete öffentlich, Gott habe die Gemeinde verworfen – Aussagen, die Joseph Smith öffentlich zurückwies. Doch Rigdon erkannte schließlich seinen Fehler, bat um Vergebung und wurde am 28. Juli 1832 in seiner Berufung bestätigt. Die Ereignisse zeugen davon, wie eng geistliches Wachstum, persönliche Reifung und gemeinschaftliche Treue miteinander verknüpft sind. 

Lehre und Bündnisse 82 ist daher nicht nur eine organisatorische, sondern zutiefst geistliche Offenbarung. Sie fordert uns auf, nicht nur Besitz, sondern Vertrauen, Vergebung und gegenseitige Verantwortung zu teilen. Sie zeigt die Voraussetzungen und Gefahren heiliger Bündnisse und bleibt ein bleibendes Zeugnis dafür, wie der Herr seine Kirche leitet – durch Gebote, aber auch durch Barmherzigkeit. 

findechristus.org

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Steh den Schwachen bei

22. Juli 2025, 05:30am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum sei treu; steh in dem Amt, das ich dir bestimmt habe; steh den Schwachen bei, hebe die herabgesunkenen Hände empor, und stärke die müden Knie.” (Lehre und Bündnisse 81:5). 

Lehre und Bündnisse 81 – Geistliche Lehren und heutige Anwendung 

Verse 1–2: Die Berufung eines Ratgebers und die Schlüssel des Reiches 

Lehre und Bündnisse 81 beginnt mit einer Anrede an einen Ratgeber des Propheten Joseph Smith – ursprünglich Jesse Gause, später ersetzt durch Frederick G. Williams. Diese Offenbarung, die auf März 1832 datiert ist, wurde in ihrer ursprünglichen Niederschrift an Gause gerichtet, doch da er bald aus der Kirche ausschied, wurde sein Name durch den seines Nachfolgers ersetzt. Damit wird deutlich: Berufungen im Reich Gottes sind mit Bedingungen verknüpft – Treue ist entscheidend für den Fortbestand der Beauftragung. Frederick G. Williams, der später Gause ablöste, erfüllte diese Berufung lange Zeit mit großer Hingabe. 

In diesen einleitenden Versen wird dem neuen Ratgeber geboten, auf die Stimme Gottes zu hören und die Berufung zum Hohen Priester sowie zum Ratgeber von Joseph Smith treu auszuüben (zunächst als Ratgeber der Präsidentschaft des Kollegiums des Hohen Priestertums, später, als die Erste Präsidentschaft organisiert wurde, wurde diese Präsidentschaft gleichzeitig die Erste Präsidentschaft der Kirche). Diese Worte bezeugen bereits, dass die Leitung der Kirche weiter strukturiert wird und dass Joseph Smith als Präsident der Hohenpriester eingesetzt ist. Dieser Titel wird hier nicht bloß organisatorisch verstanden, sondern geistlich – verbunden mit den „Schlüsseln des Reiches“, die Joseph Smith trägt (V. 2). Diese Schlüssel waren laut Offenbarung (vgl. D&C 27:13–14; 128:20) durch das Kommen von Petrus, Jakobus und Johannes an Joseph und Oliver übertragen worden. Sie beinhalten die Vollmacht, das Werk Gottes auf Erden zu leiten, zu ordnen und auszuweiten – in Vorbereitung auf das Kommen Christi und das Reich des Himmels. 

Noch war die Erste Präsidentschaft, wie wir sie heute kennen, nicht vollständig organisiert. Erst ein Jahr später, am 18. März 1833, wurden Sidney Rigdon und Frederick G. Williams offiziell in die Präsidentschaft des Hohen Priestertums aufgenommen (vgl. D&C 90:6–9). Das zeigt, dass L&B 81 eine vorbereitende Offenbarung war, die den rechtlichen und geistlichen Rahmen für die höchste Führungsinstanz der Kirche legte. Besonders bedeutsam ist, dass die „Schlüssel des Reiches“ nicht nur Joseph vorbehalten sind, sondern ausdrücklich der gesamten Präsidentschaft des Hohen Priestertums gehören (vgl. D&C 90:6). Diese Aussage betont das Prinzip der gemeinschaftlichen Leitung durch Rat und Offenbarung. 

Verse 3–4: Treue im Dienst und der größte Beitrag für das Reich 

In den folgenden Versen wird dem Berufenen verheißen, dass er gesegnet werden wird, sofern er in der Berufung treu bleibt – „im Rat“, im Gebet, „öffentlich wie privat“, und im „Dienst am Evangelium“. Die Anforderungen an einen geistlichen Führer werden hier konkretisiert: nicht nur organisatorisches Talent, sondern geistliche Disziplin, Bereitschaft zur Verkündigung und beständiges Gebet sind entscheidend. 

Interessanterweise liegt der Schwerpunkt nicht auf groß angelegten Maßnahmen, sondern auf beständigem Wirken im Stillen und Treuen. Der Herr betont, dass der Berufene „das größte Gute“ für seine Mitmenschen tun werde, wenn er diesen Weg beschreitet (V. 4). Das ist eine bemerkenswerte Sichtweise auf geistliche Führerschaft: Die wahre Wirkung kommt nicht aus Status oder Ansehen, sondern aus aufrichtiger Hingabe an das Werk Gottes und an seine Kinder. 

Der historische Verlauf zeigt, dass Frederick G. Williams diesem Ideal lange nahekam. Er war nicht nur ein enger Mitarbeiter Josephs, sondern stellte auch sein Land und seine Ressourcen großzügig der Kirche zur Verfügung. Der Kirtland-Tempel wurde auf seinem Boden errichtet, und seine Treue in den Anfangsjahren der Kirche trug maßgeblich zu deren Aufbau bei. Er war Schreiber für Joseph, Mitgestalter zionischer Pläne und ein Zeuge geistiger Manifestationen – einschließlich der Erscheinung des Herrn bei der Tempelweihe. Joseph Smith selbst schrieb über ihn: „Er ist einer jener Männer, denen ich das größte Vertrauen entgegenbringe […] er ist vollkommen ehrlich und aufrichtig […] Gott gebe, dass er allen Übeln widerstehen möge.“ 

Vers 5: Das Hirtenamt des Stärkens und Helfens 

Mit Vers 5 rückt die pastorale Verantwortung geistlicher Führerschaft ins Zentrum: „Sei treu; steh in deinem Amt; stärke die Schwachen, richte die Hände auf, die herabhängen, und befestige die wankenden Knie.“ Diese Sprache greift Motive aus Jesaja 35 und Hebräer 12 auf und betont das mitfühlende und aufrichtende Wesen christlicher Amtsführung. 

Ein Ratgeber des Propheten – sei es Jesse Gause, Frederick G. Williams oder jeder andere – ist nicht nur ein administrativer Gehilfe, sondern soll Trost, Orientierung und Stärke vermitteln. Er ist ein Aufrichter der Niedergeschlagenen, ein Ermutiger der Ermüdeten. Geistliche Macht manifestiert sich hier in heilender, nicht herrschender Weise. Der Herr ruft den Berufenen auf, sich nicht auf seine Stellung zu berufen, sondern auf seine tätige Liebe zum Nächsten. 

Dieser Gedanke hat bleibende Bedeutung für die Kirche Jesu Christi in jeder Generation: geistliche Autorität ist immer auch ein Ruf zum Dienst an den Schwachen. Das Aufrichten „der Hände, die herabhängen“ geschieht im Stillen, durch Ermutigung, Seelsorge und Nähe. 

Verse 6–7: Die Verheißung ewigen Lebens und die Stimme Christi 

Schließlich gipfelt die Offenbarung in einer überaus bedeutungsvollen Verheißung: Wenn der Berufene bis ans Ende treu bleibt, wird ihm „eine Krone der Unsterblichkeit“ und das „ewige Leben im Haus meines Vaters“ zuteil. Diese Worte sind bemerkenswert. Die himmlische Belohnung ist nicht automatisch mit einem Amt verbunden – sie ist an Treue geknüpft. Der Herr trennt deutlich zwischen Berufung und Erwählung (vgl. Matthäus 22:14). Nur wer beständig bleibt, wer das Amt nicht für sich, sondern im Dienst für andere ausfüllt, empfängt am Ende das göttliche Erbteil. 

Der Schlussvers (V. 7) hebt den göttlichen Ursprung der Worte hervor – sie stammen von „Alpha und Omega, sogar Jesus Christus“. Dies ist mehr als nur eine stilistische Bekräftigung; es erinnert daran, dass Christus selbst das Haupt der Kirche ist. Alle Berufungen, Verheißungen und Anforderungen entspringen seinem Willen. Die Kirche ist sein Werk, und ihre Führer sind nur dann wirksam, wenn sie seinen Geist in ihrem Handeln widerspiegeln. 

Fazit 

Lehre und Bündnisse 81 ist eine kurze, aber tiefgründige Offenbarung über Berufung, Treue und geistliche Führerschaft. Inmitten historischer Entwicklungen – der Gründung der Ersten Präsidentschaft, der Abberufung Jesse Gauses und der Berufung Frederick G. Williams – bietet sie bleibende Prinzipien für Führungsaufgaben in der Kirche Christi: Hörbereitschaft, Dienstbereitschaft, Fürsorge für die Schwachen und der Blick auf das ewige Ziel. Diese Verse erinnern uns daran, dass geistliche Vollmacht niemals zur Selbstverherrlichung gedacht ist, sondern zur Auferbauung der Heiligen und zur Verherrlichung Gottes. 

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Wahrlich, ich sage dir, mein Diener Frederick G. Williams

21. Juli 2025, 05:16am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, mein Diener Frederick G. Williams: Höre auf die Stimme dessen, der redet, auf das Wort des Herrn, deines Gottes, und höre auf die Berufung, zu der du berufen wirst, nämlich in meiner Kirche ein Hoher Priester und meinem Diener Joseph Smith Jr. ein Ratgeber zu sein,” (Lehre und Bündnisse 81:1). 

Lehre und Bündnisse 81– Historischer Kontext und Personen 

Der Abschnitt 81 des Buches Lehre und Bündnisse ist auf den ersten Blick ein kurzer Text mit eher allgemeinen Ermahnungen an einen Ratgeber von Joseph Smith. Doch ein genauerer Blick auf seine Entstehung und auf die beteiligten Personen offenbart ein faszinierendes Kapitel der Frühgeschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Dieser Abschnitt ist auch deshalb bemerkenswert, weil er ursprünglich für einen Mann gegeben wurde, der beinahe völlig aus der Kirchengeschichte verschwunden wäre: Jesse Gause. 

Entstehungshintergrund 

Lehre und Bündnisse 81 wurde im März 1832 in Hiram, Ohio empfangen. Diese Zeit war geprägt von intensiver Offenbarung, organisatorischem Aufbau und persönlicher Prüfung für Joseph Smith. Nur wenige Tage zuvor, am 8. März 1832, hatte Joseph Smith durch Offenbarung das Erste Präsidentschaft der Kirche berufen. Dieses Kollegium bestand aus ihm selbst als Präsident und zwei Ratgebern. Einer dieser Ratgeber war Jesse Gause, der zum Zeitpunkt der Offenbarung als „zweiter Ratgeber“ eingesetzt wurde. Doch diese Personalie sollte sich bald als instabil erweisen. 

Der ursprüngliche Text von Lehre und Bündnisse 81 richtete sich explizit an Jesse Gause. Spätere Abschriften und die heute bekannte Version ersetzen jedoch seinen Namen durch den von Frederick G. Williams. Dieser Umstand ist kein redaktioneller Zufall, sondern das Ergebnis der wechselhaften Treue und Teilnahme Gause’ am Werk der Kirche. 

Jesse Gause – ein fast vergessener Ratgeber 

Jesse Gause war zur Zeit seiner Berufung ein gläubiger und hochgebildeter Mann. Geboren 1785 in Pennsylvania, hatte er früher den Quäkern angehört und später der utopischen Shaker-Gemeinschaft beigetreten. Seine Wege führten ihn um 1831 zu den Heiligen der Letzten Tage. Er war ein Mann mit Erfahrung im geistigen Leben, Autorität und Führungsqualitäten. Im März 1832 wurde er zum Ratgeber Joseph Smiths ordiniert – eine Position von hohem Vertrauen und Einfluss. 

Doch nur wenige Monate später, im Sommer 1832, verschwand Jesse Gause aus der kirchlichen Führung. Historischen Berichten zufolge hatte er eine Missionsreise mit Zebedee Coltrin unternommen. Auf dieser Reise besuchte er seine Familie, die offenbar seinen neuen Glauben nicht akzeptierte. Danach kehrte er nicht mehr aktiv zur Kirche zurück. In offiziellen Kirchenaufzeichnungen wird sein Name bald ausgelassen, und sein Platz in der Ersten Präsidentschaft wurde neu besetzt. 

Dass Jesse Gause fast vollständig aus der Erinnerung der Kirche verschwand, lag zum Teil an seiner kurzen Amtszeit und daran, dass er in späteren kirchlichen Veröffentlichungen durch den Namen Frederick G. Williams ersetzt wurde. Erst durch historisch-kritische Forschung im 20. Jahrhundert wurde seine ursprüngliche Rolle wiederentdeckt. 

Frederick G. Williams – treuer Helfer und Arzt 

Frederick Granger Williams wurde 1787 in Suffield, Connecticut, geboren. Er war Arzt von Beruf und hatte bereits verschiedene religiöse Bewegungen durchlaufen, bevor er 1830 mit den Lehren von Sidney Rigdon in Berührung kam und sich 1831 der Kirche anschloss. Als gebildeter Mann und erfahrener Missionar wurde Williams rasch zu einer Stütze für Joseph Smith. 

Nach dem Verschwinden Jesse Gauses übernahm Frederick G. Williams dessen Stelle in der Ersten Präsidentschaft der Kirche. Dieses Amt übte er von 1832 bis 1837 aus. Er war nicht nur Berater, sondern auch Schreiber für Joseph Smith und begleitete ihn auf mehreren wichtigen Reisen. Seine Nähe zum Propheten wird auch dadurch deutlich, dass Joseph ihm 1836 einen Segen gab, in dem er prophezeite, dass Williams im Millennium mit Christus herrschen werde. 

In den Turbulenzen der Kirtland-Zeit, insbesondere in der Finanzkrise um die Kirtland Safety Society, verlor Williams jedoch kurzzeitig das Vertrauen der Kirchenführung. Er wurde 1837 aus der Ersten Präsidentschaft entlassen und schloss sich zeitweise sogar den Gegnern Joseph Smiths in Kirtland an. Doch später zeigte er Reue und wurde wieder aufgenommen. Er starb 1842 in Quincy, Illinois. 

Textentwicklung und Namensänderung 

Die ursprüngliche Fassung der Offenbarung von Abschnitt 81 nannte Jesse Gause als Adressaten. Diese Version wurde offenbar nicht weit verbreitet. Nachdem Gause seine Berufung nicht erfüllte und faktisch aus der Kirche austrat, wurde der Text mit dem Namen Frederick G. Williams versehen. Da sich die Verheißungen und Anweisungen in Abschnitt 81 allgemein auf das Amt eines Ratgebers in der Ersten Präsidentschaft bezogen, konnten sie auch auf Williams übertragen werden. 

Diese Praxis – eine bereits offenbarte Anweisung auf einen neuen Amtsträger zu übertragen – zeigt den pragmatischen Umgang Joseph Smiths mit Offenbarung: Sie war nicht statisch, sondern lebendig und konnte sich den Umständen anpassen. Auch andere Abschnitte im Buch Lehre und Bündnisse zeigen vergleichbare Muster. 

Die namentliche Substitution in Lehre und Bündnisse 81 war lange Zeit unbeachtet geblieben. Erst moderne historische Studien, insbesondere durch die Joseph Smith Papers, machten diese redaktionelle Entwicklung transparent. Heute ist allgemein anerkannt, dass der Abschnitt ursprünglich Jesse Gause betraf, in der veröffentlichten Fassung jedoch auf Frederick G. Williams umgestellt wurde. 

Bedeutung für die Kirchenorganisation 

Lehre und Bündnisse 81 ist damit nicht nur eine Ermahnung an einen einzelnen Führer, sondern ein Zeugnis für die frühen Bemühungen, eine stabile Kirchenleitung aufzubauen. Die Erste Präsidentschaft als Kollegium aus dem Präsidenten der Kirche und zwei Ratgebern war eine neue Struktur, die im Laufe der Jahre fest etabliert wurde. Die Tatsache, dass einer der ersten Ratgeber ausstieg, stellte diese Organisation vor eine frühe Belastungsprobe. Die Berufung Frederick G. Williams und die Anpassung der Offenbarung bezeugen den Wunsch, Kontinuität trotz menschlicher Schwächen zu wahren. 

Schlussbemerkung 

Lehre und Bündnisse 81 ist historisch ein Fenster in die dynamische und oft herausfordernde Anfangszeit der Kirche. Es erzählt nicht nur von göttlicher Führung, sondern auch von menschlicher Entscheidungsfreiheit – und ihren Konsequenzen. Jesse Gause, fast vergessen, war Teil eines göttlichen Plans, den er nicht erfüllte. Frederick G. Williams nahm seinen Platz ein und diente treu, wenn auch nicht fehlerfrei. In ihrer Geschichte spiegelt sich das größere Thema der Offenbarung: Gott ruft Menschen, doch wie sie mit dieser Berufung umgehen, liegt in ihren Händen. 

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Geht hin und predigt mein Evangelium

19. Juli 2025, 05:39am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Mein Evangelium mit dem Ton der Freude verkünden, wie mit der Stimme einer Posaune.
(Bild: Quelle)

“Darum geht hin und predigt mein Evangelium, ob im Norden oder im Süden, im Osten oder im Westen, darauf kommt es nicht an, denn ihr könnt nicht fehlgehen.” (Lehre und Bündnisse 80:3) 

Lehre und Bündnisse 80 – Historischer Kontext, Persönlichkeiten und geistliche Lehren 

Am 7. März 1832 empfing der Prophet Joseph Smith in Hiram, Ohio eine kurze, aber tiefgründige Offenbarung, die heute als Lehre und Bündnisse 80 bekannt ist. Sie richtet sich an zwei junge Männer: Stephen Burnett und Eden Smith, die berufen wurden, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. In nur fünf Versen vermittelt die Offenbarung zentrale Prinzipien göttlicher Berufung, geistiger Führung und individueller Verantwortung. Im Zentrum stehen zwei Männer, deren Leben sich zunächst im missionarischen Eifer ähnelte, deren weiterer Weg jedoch ganz unterschiedlich verlief – was diesen Abschnitt besonders lehrreich macht. 

Die Persönlichkeit und der Weg von Stephen Burnett 

Stephen Burnett wurde 1813 in Trumbull County, Ohio geboren und kam früh mit der Wiederhergestellten Kirche in Kontakt. Bereits mit 16 Jahren ließ er sich taufen, wurde wenig später Lehrer, Ältester und schließlich Hoher Priester – ein beachtlicher Aufstieg, noch vor seinem 18. Geburtstag. Seine schnelle geistige Entwicklung ging einher mit einem brennenden Wunsch, das Evangelium unter seinen Verwandten zu verbreiten. Er führte seine Eltern zur Taufe, war in Lehre und Bündnisse 75:35 bereits im Januar 1832 zum Predigen berufen worden und erhielt nun mit Abschnitt 80 eine weitere Bestätigung seines Auftrags. 

Stephen Burnett war erfolgreich als Missionar. Er brachte das Evangelium unter anderem nach Dalton, New Hampshire, wo er als Erster „die frohe Botschaft“ verkündete. Er diente mit verschiedenen Gefährten, darunter John Smith, der Vater seines späteren Missionspartners Eden. Burnetts schriftlicher Stil zeugt von Klarheit und Nachdenklichkeit – und in späteren Jahren von einer tiefen inneren Zerrissenheit. 

Denn trotz seines frühen geistigen Eifers entfernte sich Burnett im Laufe der Jahre zunehmend von der Kirche. Im Jahr 1838, nach Jahren des Dienstes, erklärte er, der Geist Gottes habe ihn verlassen. Er konnte oder wollte nicht mehr glauben, dass Offenbarung möglich sei. In einer drastischen Formulierung sprach er davon, dass die Grundlage seines Glaubens „in sich zusammenbrach wie ein Haufen Trümmer“. Joseph Smith äußerte in einem Brief die Einschätzung, dass Burnetts Zweifel nicht allein intellektueller Natur waren, sondern auch mit seiner mangelnden Bereitschaft zusammenhingen, sein Leben vollständig dem Reich Gottes zu weihen. Dies wirft ein tragisches, aber ehrliches Licht auf die Gefahren spiritueller Selbstgenügsamkeit – auch im Leben begabter Diener Gottes. 

Eden Smith – der stille, treue Missionar 

Eden Smith war 1806 in Indiana geboren und gehörte zur erweiterten Familie Joseph Smiths. Er war Landarbeiter, verheiratet mit Polly Rockwell und Vater einer wachsenden Familie. Eden trat der Kirche 1831 bei und wurde bald darauf Ältester. Im Gegensatz zu Burnett war sein Werdegang weniger spektakulär, aber nicht weniger wertvoll. Eden war ein ruhiger, reflektierender Charakter, der seine Erfahrungen sorgfältig aufzeichnete und das kirchliche Geschehen dokumentierte – ein Segen für die heutige Kirchengeschichte. 

Seine Missionsarbeit begann schon vor Lehre und Bündnisse 80, unter anderem mit Micah Welton, wobei er in mehreren Gemeinden in Ohio predigte. Nach der Offenbarung vom 7. März 1832 war er zunächst krankheitsbedingt verhindert, doch im Juli konnte er mit Stephen Burnett gemeinsam einige Tage lang in Dörfern südlich von Kirtland predigen. Eden war durch und durch gewissenhaft. Er diente später in Nauvoo, war in kirchliche Disziplinarverfahren eingebunden und unternahm 1844 noch eine weitere Mission in Pennsylvania. Trotz Herausforderungen und struktureller Spannungen blieb Eden Smith der Kirche bis zu seinem Tod im Jahr 1851 treu. Seine Biografie ist ein stilles Zeugnis dafür, dass Beständigkeit oft mehr Kraft entfaltet als dramatische Aufstiege. 

Inhalt und Bedeutung von Lehre und Bündnisse 80 

Die Offenbarung selbst ist einfach und direkt gehalten. In den Versen 1 bis 5 spricht der Herr zu Stephen Burnett und Eden Smith: 

Eine freie Zusammenfassung „Geht hinaus und predigt mein Evangelium, spricht der Herr; ruft die Menschen zur Umkehr, und bereitet den Weg für mein zweites Kommen. Und es ist euch einerlei, wohin ihr geht, denn ihr könnt nicht fehlgehen. Darum, predigt das Evangelium in jedem Gebiet, ruft zur Umkehr, ruft mit lauter Stimme und mit Freuden – Amen.“ 

Besonders bemerkenswert ist Vers 3: „Denn ihr könnt nicht fehlgehen.“ Dieses Vertrauen des Herrn in seine Diener offenbart ein wichtiges Prinzip der geistigen Eigenverantwortung. Es erinnert an Lehre und Bündnisse 58:26, wo es heißt, der Herr wolle nicht in allem gebieten. Stattdessen dürfen die Heiligen – sofern sie rechtschaffen und eifrig sind – selbst entscheiden, wo und wie sie dienen. Stephen Burnett wurde ausdrücklich gesagt, dass er seine Missionsroute frei wählen dürfe. 

Dieses Prinzip wurde in der Neuzeit eindrucksvoll durch das Zeugnis von Elder Ronald A. Rasband bestätigt. In einer Ansprache erzählte er, wie Missionare unter geistiger Eingebung ihren Einsatzorten zugewiesen werden. Und doch gilt weiterhin: In vielen Fällen erwartet der Herr, dass wir nach bestem Wissen entscheiden und dann mit Vertrauen voranschreiten – im Wissen, dass Er mit uns ist. 

Die Formulierung „mit lauter Stimme und mit Freuden“ (z.B. Lehre und Bündnisse 29:4) unterstreicht zudem den positiven, hoffnungsvollen Charakter der Mission. Die Botschaft des Evangeliums soll nicht nur mit Ernst, sondern mit Freude verkündet werden – als ein Ausdruck der inneren Freude über Christi Wiederkunft. 

Geistliche Lehren für uns heute 

Lehre und Bündnisse 80 ist auch für heutige Leser ein wertvoller Text. Erstens lehrt uns der Abschnitt, dass Berufungen nicht immer mit genauen Anweisungen einhergehen. Manchmal vertraut der Herr darauf, dass wir gute Entscheidungen treffen können – ein Zeichen geistiger Reife. Zweitens verdeutlicht das Leben von Stephen Burnett, dass ein früher geistiger Aufstieg keine Garantie für lebenslange Treue ist. Ohne persönliche Weihe und Demut droht der Verlust des Geistes. Drittens gibt Eden Smiths Beispiel Hoffnung: Wer demütig, beständig und gläubig dient, wird nicht übersehen. Auch stille Treue ist vor Gott kostbar. Schließlich erinnert uns der Ruf zur Mission daran, dass wir mit „Freuden“ das Evangelium teilen sollen – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe zu Christus. 

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Wenn ihr wollt, dass ich euch einen Platz in der celestialen Welt gebe

17. Juli 2025, 05:07am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“denn wenn ihr wollt, dass ich euch einen Platz in der celestialen Welt gebe, dann müsst ihr euch darauf vorbereiten, indem ihr das tut, was ich euch geboten und von euch verlangt habe.” (Lehre und Bündnisse 78:7). 

Lehren aus Lehre und Bündnisse 78 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 78 ist eine entscheidende Anweisung des Herrn an Joseph Smith und seine Mitstreiter, die sowohl die temporalen als auch die geistigen Aspekte des Reiches Gottes vereint. Sie ist tief mit dem Prinzip der Weihe (Konsekration) und dem Aufbau der Kirche in einer geordneten, göttlich inspirierten Weise verbunden. Diese Offenbarung enthält nicht nur organisatorische Anweisungen, sondern auch ewige Wahrheiten über unsere Stellung als Kinder Gottes, über Gleichheit, Verantwortung, Dankbarkeit und das letztendliche Ziel der Erhöhung. 

Der Herr beginnt die Offenbarung mit einem Appell an diejenigen, die zum Hohen Priestertum ordiniert worden sind und sich versammelt haben (Verse 1–2). Es ist bedeutsam, dass der Herr selbst diejenigen anspricht, die er „von oben her“ ordiniert hat. Das erinnert daran, dass ihre Berufung und Vollmacht nicht aus menschlicher Quelle stammt, sondern aus göttlicher. Sie sollen auf seine Weisheit hören, damit das Werk, das sie begonnen haben – in diesem Fall die organisatorische und wirtschaftliche Grundlage für das Werk des Herrn –, zu ihrer Errettung beiträgt. Dieser Gedanke verdeutlicht eine tiefere Wahrheit: Dass auch scheinbar praktische oder temporale Aufgaben wie Verwaltung, Druckwesen oder Versorgung der Armen direkt mit dem ewigen Heil in Verbindung stehen können, wenn sie im Gehorsam gegenüber Gott und in seinem Geist verrichtet werden. 

In Vers 3 kommt der Herr auf den Kern dieser Anweisung: Es ist an der Zeit, das Volk des Herrn zu organisieren, um die Angelegenheiten des „Vorratshauses für die Armen“ zu regeln. Der ursprüngliche Wortlaut sprach noch direkter von der Organisation der „Literarischen und Handelsunternehmen“ der Kirche, doch die spätere Fassung, wie sie heute überliefert ist, legt den Schwerpunkt auf Fürsorge für die Armen. Diese Anpassung zeigt, dass das Prinzip der Weihe nicht nur der inneren Stärkung der Kirche, sondern auch der Fürsorge für die Bedürftigen dient. Damit wird klar, dass alle wirtschaftlichen und strukturellen Bemühungen letztlich einem geistigen Ziel dienen: „zur Errettung der Menschen“ und „zur Verherrlichung des Vaters“ (Vers 4). 

Diese Verbindung zwischen geistigen und irdischen Dingen wird in den Versen 5–6 weiter ausgeführt. Der Herr betont, dass wir nicht in himmlischen Dingen gleich sein können, wenn wir nicht in irdischen Dingen gleich sind. Das Prinzip der Gleichheit ist dabei nicht einfach eine Forderung nach äußerer Gleichmacherei, sondern eine Einladung zur gegenseitigen Verantwortung und zur Bereitschaft, Ressourcen zu teilen. Die Kirche Jesu Christi lehrt seit jeher, dass temporale Segnungen in den Dienst des Reiches Gottes gestellt werden sollen – sei es durch Spenden, durch Dienst am Nächsten oder durch selbstlose Arbeit in Berufung und Familie. Die Weihe bedeutet nicht zwanghafte Umverteilung, sondern freiwillige Hingabe im Vertrauen auf Gottes Versorgung. 

In Vers 7 sagt der Herr deutlich, dass der Weg zur Celestialehre nur durch Gehorsam möglich ist. Das zeigt, dass Weihe keine isolierte Praxis ist, sondern Bestandteil des Weges zur Heiligung. Die Berufung zu einer solchen Ordnung – oder wie der Herr es nennt, einem „Band oder ewigen Bund“ (Vers 11) – ist eine heilige Verpflichtung. Wer diesen Bund bricht, verliert nicht nur seine Stellung, sondern wird auch den „Züchtigungen Satans“ überlassen. Die Ernsthaftigkeit dieser Warnung zeigt, wie eng das eigene geistige Wohlergehen mit dem treuen Umgang mit heiligen Verpflichtungen – auch im temporalen Bereich – verknüpft ist. 

Die Verse 13–14 zeigen einen weiteren Aspekt des Evangeliums: Die Notwendigkeit von Vorbereitung und Eigenständigkeit. Obwohl die Gläubigen im Geiste vereint sein und einander unterstützen sollen, erwartet der Herr auch, dass die Kirche als Ganzes „unabhängig über allen Geschöpfen unter der celestialen Welt“ steht. Hier zeigt sich das Gleichgewicht zwischen Gemeinschaft und Selbstverantwortung. Brigham Young und spätere Propheten wie Gordon B. Hinckley betonten dieses Prinzip der Selbstversorgung, sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene. Der Aufbau von Rücklagen, kluge Haushaltsführung und der Verzicht auf Verschwendung sind nicht nur wirtschaftlich klug, sondern geistlich geboten – sie bereiten uns auf künftige Prüfungen vor und machen die Kirche fähig, in Krisenzeiten zu helfen. 

Die letzten Verse (15–22) weiten den Blick über das Hier und Jetzt hinaus. Der Herr verheißt eine „Krone“ und die Herrschaft über viele Reiche – eine Anspielung auf die celestiale Herrlichkeit und die Rolle der Getreuen im Reich Gottes. In diesem Zusammenhang wird Adam als Michael, der Erzengel, erwähnt – als der, der unter der Leitung des Sohnes Ahman (ein heiliger Titel für Jesus Christus) die Schlüssel der Errettung trägt. Diese eschatologischen Hinweise verbinden die irdische Ordnung mit der himmlischen Zukunft. Der Hinweis auf Adam-ondi-Ahman und die Wiederherstellung der Schlüssel verdeutlicht, dass alles im Evangelium letztlich auf eine göttliche Ordnung und Wiedervereinigung der Familie Gottes zielt. 

Besonders tröstlich sind die Worte des Herrn in Vers 18: „seid guten Mutes, denn ich werde euch weiter führen“ Der Herr kennt unsere Begrenztheit, nennt uns „kleine Kinder“ (Vers 17) und zeigt Mitgefühl für unsere noch unvollständige Erkenntnis. Doch er lässt uns nicht allein, sondern führt uns Schritt für Schritt, mit einer klaren Verheißung: „Das Reich ist euer, und die Segnungen davon sind euer, und die Reichtümer der Ewigkeit sind euer.“ Dieser Gedanke ist zentral: Auch wenn wir noch nicht alles verstehen, dürfen wir in der Hoffnung leben, dass unsere Treue uns zu einer Fülle führen wird, die über das Vorstellbare hinausgeht. 

Schließlich betont der Herr, dass Dankbarkeit ein Schlüssel ist, um geistig erhöht zu werden (Vers 19). Wer alle Dinge mit Dankbarkeit empfängt, wird „herrlich gemacht“ – ein Ausdruck, der auf die Verwandlung in die göttliche Natur hinweist. Und das irdische wird ihm hundertfältig dazugegeben. Der Herr schließt mit einer eindrucksvollen Zusage: „Wer ein treuer und weiser Verwalter ist, wird alles ererben“ (Vers 22). Das Erbe, von dem hier die Rede ist, umfasst nicht nur materiellen Segen, sondern die volle Teilhabe an Gottes Werk und Herrlichkeit. 

Zusammenfassend zeigt Lehre und Bündnisse 78 ein tiefes Zusammenspiel von irdischer Verantwortlichkeit, geistiger Vorbereitung und ewiger Verheißung. Die Ordnung, die der Herr hier errichtet, ist kein bloßes Wirtschaftsmodell, sondern ein Spiegelbild des celestialen Reiches – eine Schule für Heiligkeit, Gleichheit, Hingabe und Vertrauen. Wer sich dieser Ordnung anschließt, sei es durch praktische Mithilfe, durch geistige Bereitschaft oder durch das Halten heiliger Bündnisse, nimmt teil an einem göttlichen Werk, das auf die Erhöhung des Menschen und die Verherrlichung Gottes zielt. 

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Wenn ihr in irdischen Dingen nicht gleich seid

16. Juli 2025, 05:55am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Denn wenn ihr in irdischen Dingen nicht gleich seid, könnt ihr beim Erlangen himmlischer Dinge nicht gleich sein;” (Lehre und Bündnisse 78:6). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 78 

Im Frühjahr des Jahres 1832, genauer am 1. März, empfing der Prophet Joseph Smith in Kirtland, Ohio, eine Offenbarung, die heute als Lehre und Bündnisse 78 bekannt ist. Diese Offenbarung wurde in einem entscheidenden Moment gegeben, als die junge Kirche darum rang, geistliche Ziele mit praktischen Herausforderungen zu vereinen – insbesondere dem Aufbau Zions im physisch-geografischen wie auch geistigen Sinn. Joseph Smith und seine Mitstreiter standen vor der Aufgabe, nicht nur Seelen zu retten, sondern auch eine funktionierende soziale und wirtschaftliche Ordnung aufzubauen, die diesem Ziel dienlich war. Um dies zu verwirklichen, mussten Ressourcen gebündelt und koordiniert eingesetzt werden. Genau darum geht es in dieser Offenbarung: die Gründung einer organisatorischen Einheit, die verschiedene wirtschaftliche Bestrebungen der Kirche zusammenfassen sollte. 

Schon im Juli 1831 war Sidney Gilbert beauftragt worden, in Independence, Missouri, eine Niederlassung des Geschäfts von Newel K. Whitney zu eröffnen. Dieser Schritt hatte das Ziel, ein wirtschaftliches Rückgrat für die Kirche aufzubauen und vor allem Land für die Ansiedlung der Heiligen zu erwerben – gemäß dem Gebot, Zion aufzubauen. Gleichzeitig hatte sich in Ohio eine sogenannte „Literary Firm“ gebildet, eine kleine Gruppe von Brüdern, darunter Oliver Cowdery, Sidney Rigdon, William W. Phelps und Martin Harris, die die Veröffentlichung der Offenbarungen Joseph Smiths vorbereiteten. Diese beiden Projekte – das Handelsunternehmen in Missouri und das Verlagsteam in Kirtland – benötigten Kapital, Organisation und eine geistige Struktur. 

Vor diesem Hintergrund ruft die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 78 dazu auf, eine zentrale organisatorische Einheit zu gründen: die „United Firm“ (später in veröffentlichten Versionen auch „United Order“ genannt). Joseph Smith, Sidney Rigdon und Newel K. Whitney werden in der Offenbarung beauftragt, nach Missouri zu reisen, um gemeinsam mit den dort tätigen Brüdern eine solche Organisation aufzubauen. Das Ziel war es, die Gewinne aus dem Handel (Gilbert & Whitney Store in Independence) und aus der Publikation (Literary Firm in Kirtland) in einen gemeinsamen Fonds einfließen zu lassen, der wiederum zur Versorgung der Armen, zur Unterstützung der Missionare und zur Finanzierung von Druckkosten und Landkäufen dienen sollte. Diese „Firma“ war jedoch nicht einfach ein Geschäftsunternehmen, sondern wurde im göttlichen Licht als eine Art geweihte ökonomische Ordnung verstanden – eine Vorstufe zum Aufbau des himmlischen Zions auf Erden. 

Die Offenbarung formuliert die Prinzipien dieser Ordnung noch zurückhaltend und allgemein. In späteren handschriftlichen Fassungen und in den Manuscripten der Offenbarungen wurden jedoch konkrete Formulierungen verwendet: Dort war von „Literary and Mercantile establishments“ die Rede, also von Verlag und Handel. Auch konkrete Namen wie Newel K. Whitney, Sidney Gilbert oder William W. Phelps wurden genannt. Diese Offenheit wich später in den veröffentlichten Ausgaben einer bewussten Verschleierung – aus guten Gründen. Nach Angriffen von Mobs in Missouri, die kirchliches Eigentum zerstörten, und nach juristischen Schritten gegen kirchliche Geschäftsleute in Ohio wurde entschieden, aus Sicherheitsgründen Decknamen zu verwenden. So wurde Joseph Smith zu „Enoch“, Sidney Rigdon zu „Pelagoram“ und Newel K. Whitney zu „Ahashdah“ – eine Form der Geheimhaltung, die auch in späteren Offenbarungen wie D&C 104 fortgeführt wurde. 

Die United Firm bestand aus etwa einem Dutzend Brüdern, darunter Joseph Smith, Sidney Rigdon, Oliver Cowdery, Martin Harris, Newel K. Whitney, Sidney Gilbert, William W. Phelps, Edward Partridge, John Whitmer und Frederick G. Williams. Ihre Aufgabe war es, die finanziellen Ressourcen der Kirche unter göttlicher Anleitung zu verwalten. Überschüsse aus den Unternehmungen flossen in ein gemeinsames „storehouse“, woraus dann Bedarfe gedeckt wurden. Die Idee war, dass die Beteiligten ihren Lebensunterhalt aus der Arbeit in der Firma bestreiten konnten, ohne Reichtum anzuhäufen, und der Rest in den Aufbau Zions investiert wurde. 

Der Versuch war sowohl visionär als auch pragmatisch – und stand doch von Anfang an unter Druck. In Missouri eskalierte der Konflikt mit den dortigen Siedlern. 1833 wurde kirchliches Eigentum in Independence zerstört, Druckereien geplündert, Heilige vertrieben. In Ohio kam es zu finanziellen Klagen gegen Newel K. Whitney, unter anderem durch Dr. Philastus Hurlburt, einen abtrünnigen Kirchenmitglied, der gezielt versuchte, die wirtschaftlichen Strukturen der Kirche zu zerstören. Viele Mitglieder der United Firm erfüllten ihre Aufgaben nur unvollständig oder zogen sich aus dem Bund zurück. So sah sich Joseph Smith 1834 gezwungen, die United Firm offiziell aufzulösen. In späteren Offenbarungen wurde deutlich gemacht, dass nicht die göttliche Ordnung gescheitert war, sondern der menschliche Teil – durch mangelnde Treue, Uneinigkeit und äußeren Druck. 

Trotz ihres begrenzten zeitlichen Bestehens war die United Firm ein Meilenstein in der Entwicklung kirchlicher Verwaltung. Sie war ein Modell, wie geistliche Zielsetzung und wirtschaftliche Organisation miteinander verbunden werden konnten. Viele spätere kirchliche Verwaltungsprinzipien, etwa die Verwaltung von kirchlichem Besitz, die Organisation von Armenfonds und Tempelbauprogrammen, basieren auf den Grundlagen, die damals gelegt wurden. Auch die heutige Verwaltung der Kirche – durch ein weltweites Versorgungssystem, zentrale Mittelvergabe und wohltätige Einrichtungen – steht in dieser Tradition. 

Geistlich gesehen bleibt Lehre und Bündnisse 78 ein kraftvoller Aufruf zur Einheit, zur Weihe und zur gemeinsamen Verantwortung. Der Herr erklärt, dass „wenn ihr nicht eins seid, so seid ihr nicht mein“ – ein Prinzip, das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht gilt, sondern das Herz der ganzen Zion-Vision ausmacht. Die Offenbarung fordert die Heiligen auf, sich zu organisieren – nicht nur äußerlich, sondern geistig: in Einigkeit, Selbstverleugnung und der Bereitschaft, für das Wohl anderer zu handeln. 

So ist D&C 78 ein Fenster in die Pionierzeit der Kirche, aber auch ein bleibender Appell an heutige Heilige: geistige Ordnung und wirtschaftliche Verantwortung gehören zusammen. Zion entsteht nicht nur durch Gebet und Glauben, sondern durch konkrete Taten der Fürsorge, Weihe und Zusammenarbeit. 

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Das Verborgene seines Haushaltens in Bezug auf diese Erde

15. Juli 2025, 05:30am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Fr.: Was sollen wir unter dem Buch verstehen, das Johannes sah und das auf der Rückseite mit sieben Siegeln versiegelt war? Antw.: Darunter ist zu verstehen, dass es den Willen, die Geheimnisse und die Werke Gottes enthält, die er offenbart hat – das Verborgene seines Haushaltens in Bezug auf diese Erde während der siebentausend Jahre ihres Bestehens oder ihres zeitlichen Daseins.” (Lehre und Bündnisse 77:6). 

Himmlische Schlüssel zum Verstehen der Zukunft – Geistliche Einsichten aus Lehre und Bündnisse 77:1–15 

L&B 77 ist ein Fenster in die Ewigkeit – ein kurzer, aber kraftvoller Text, der Johannes’ apokalyptische Bilder in einem neuen Licht erscheinen lässt. Er zeigt, dass Gott seinen Plan für die Erde kennt, dass er seine Werke geordnet vollführt und dass der Mensch in diesem Plan eine zentrale, göttlich bestimmte Rolle spielt. In diesem Abschnitt wird nicht nur erklärt, was die Symbole bedeuten, sondern auch, warum sie bedeutsam sind – für unsere Zeit, für unsere Sendung, für unsere Hoffnung. 

Die Erde als geheiligtes Ziel (Vers 1) 

Die Offenbarung beginnt mit der Beschreibung des „gläsernen Meeres“ – der geheiligten, unsterblichen Erde in ihrem ewigen Zustand. Diese Einsicht erinnert uns daran, dass die Erde nicht nur ein Prüfungsort ist, sondern eine Verheißung trägt. Sie ist dazu bestimmt, gereinigt, verherrlicht und zu einer Wohnstätte für Gott und seine Kinder zu werden (Offenbarung 21:1–3; L&B 130:9). Dies stärkt unsere Hoffnung: Alles Leid, jede Ungerechtigkeit und jede Träne haben ein Ende – nicht durch Flucht, sondern durch Erneuerung der Erde selbst. 

Himmlisches Leben spiegelt irdisches Leben (Verse 2–3) 

Die vier Lebewesen symbolisieren die Vielfalt und Ordnung der Schöpfung. Sie zeigen: Alles, was Gott erschaffen hat – Tiere, Menschen, Pflanzen – hat geistige Bedeutung und ewigen Wert. Der Gedanke, dass das Geistige dem Zeitlichen gleicht und umgekehrt, gibt unserer Existenz Tiefe. Unsere Körper, unsere Beziehungen, sogar die Tiere der Erde – all das hat ein geistiges Gegenstück. Diese Lehre schützt uns vor dem Irrtum, das Geistige vom Weltlichen zu trennen. Es erinnert uns: Die ganze Schöpfung ist heilig, und Gott nimmt sie in seine ewige Ordnung auf. 

Ordnung und Herrlichkeit der Schöpfung (Verse 3–4) 

Die Tiere, so lernen wir, sind bestimmte Geschöpfe und stellen bestimmte Herrlichkeiten dar. Das heißt: Gott arbeitet nicht chaotisch, sondern durch Ordnungen. Alles hat seinen Platz – auch wir. Die „Augen“ der Lebewesen deuten auf Erkenntnis, die „Flügel“ auf Handlungsmacht. In der Sprache der Heiligen der Letzten Tage könnte man sagen: Sie besitzen Licht und Wahrheit (Erkenntnis) und die Macht, zu handeln (Freiheit und Vollmacht). Auch wir sollen nach diesen göttlichen Attributen streben – durch das Licht Christi und durch rechtschaffene Werke. 

Die vierundzwanzig Ältesten (Vers 5) 

Diese Ältesten waren im Werk des Dienstes treu. Sie stehen als Symbol für jene, die ihren Lauf im Glauben vollendet haben – einfache Gläubige, Priester, Missionare, Väter, Mütter, Lehrerinnen. Dass sie im Paradies sind, zeigt: Unser Dienst ist nicht vergeblich. Wer in Treue lebt, wird einst in Gottes Gegenwart stehen. Sie erinnern uns daran, dass das ewige Leben für „gewöhnliche“ Heilige ist – Menschen, die in schwierigen Zeiten Gott treu geblieben sind. 

Das Buch mit den sieben Siegeln (Verse 6–7) 

Das Buch mit sieben Siegeln enthält Gottes Plan für die Erde – nicht nur für das Ende der Zeiten, sondern für jede Epoche. Die sieben Siegel stehen für je 1000 Jahre. Diese Lehre offenbart, dass Gott Geschichte lenkt – bewusst, zielgerichtet, prophetisch. Wir leben im sechsten Siegel, also in der Zeit vor dem zweiten Kommen Christi. Der Gedanke, dass Gott einen Plan für jedes Zeitalter hat, gibt Halt – besonders in Zeiten der Unsicherheit. Nichts geschieht außerhalb seines Wissens. 

Die vier Engel der Erde (Vers 8) 

Diese Engel haben gewaltige Aufgaben: Sie retten Leben, zerstören, bringen das Evangelium, versiegeln Seelen und halten Gericht. Sie wirken auf Gottes Befehl hin – also nicht zufällig, sondern durch göttliche Autorität. Bemerkenswert ist: Sie tragen das immerwährende Evangelium zu allen Völkern. Das Werk der Mission ist also nicht nur irdisch organisiert, sondern von Engeln geleitet. Jede Bekehrung, jede Versiegelung ist Teil eines himmlischen Auftrags. Diese Sichtweise verleiht unserer Missionsarbeit Würde und Dringlichkeit. 

Der Engel vom Osten und das Werk des Elias (Vers 9) 

Der Engel, der vom Osten emporsteigt, trägt das Siegel Gottes und ruft zur Sammlung Israels. Er wird mit „Elias“ gleichgesetzt – dem Titel für alle, die mit der Wiederherstellung und Sammlung beauftragt sind. Diese Verse machen deutlich: Das Elias-Werk ist nicht abgeschlossen – es ist jetzt in vollem Gange. Wer am Werk der Sammlung teilnimmt – durch Mission, Tempelarbeit, Familiengeschichte, Lehren – nimmt an einer göttlich-prophetischen Bewegung teil. Es ist die Vorbereitung für Christi Kommen. 

Zeitliche Einordnung (Verse 10–11) 

Die Sammlung Israels, das Wirken der Engel und das Siegeln der 144.000 geschieht im sechsten Jahrtausend – also in unserer Zeit. Diese 144.000 sind nicht wörtlich zu verstehen als eine begrenzte Zahl, sondern als Hohepriester aus allen Nationen, ordiniert zur Verwaltung des Evangeliums. Sie stehen symbolisch für die weltweite priesterliche Arbeit der Letzten Tage. Das Siegel auf ihrer Stirn steht für Schutz, Zugehörigkeit, Heiligung. Wer sich dem Werk Gottes weiht, wird auf ewig in seinem Bund stehen. 

Die Posaunen und das siebte Jahrtausend (Vers 12) 

Die sieben Posaunen der Engel künden die Vorbereitung auf das Millennium an – eine Zeit der Ruhe, des Gerichts und der Vollendung. Wie Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat, so heiligt er sie im siebenten. Das heißt: Die Schöpfung ist nicht beendet – sie wird vollendet. Auch der Mensch wird nicht nur erlöst, sondern geheiligt. Dies ist das große Ziel: nicht nur Vergebung, sondern Vollkommenheit, nicht nur Rückkehr, sondern Verherrlichung. 

Weitere Geschehnisse und Wiederherstellung (Verse 13–15) 

Nach dem siebten Siegel kommen weitere Ereignisse – unter anderem das Wirken der zwei Zeugen in Jerusalem. Sie sind Propheten, die mutig das Evangelium bezeugen, bis sie getötet und dann auferweckt werden (Offb. 11). Auch Johannes wird als „Elias“ beschrieben – einer, der die Stämme Israels sammelt. Dies macht deutlich: Das Werk der Wiederherstellung ist umfassend – irdisch und himmlisch, prophetisch und apostolisch. Es verbindet Alt und Neu, Altes Testament und Neues, Jerusalem und Zion. 

Schlussgedanken: Eine lebendige Apokalypse 

L&B 77 zeigt, dass das Buch Offenbarung nicht nur eine rätselhafte Zukunftsvision ist, sondern ein lebendiges Zeugnis für Gottes Heilsplan mit der Menschheit. Die Bilder sind nicht willkürlich, sondern Ausdruck einer geistigen Ordnung. Wir lernen: 

  • Die Erde hat ein Ziel: Heiligkeit. 

  • Der Mensch ist ewig: Geist und Körper gehören zusammen. 

  • Die Geschichte ist geführt: Gott wirkt durch Ordnungen. 

  • Die Wiederherstellung geschieht jetzt: durch uns, durch Elias, durch Christus. 

Diese Lehren laden uns ein, mit neuer Hoffnung und neuer Entschlossenheit am Werk Gottes teilzunehmen – in einer Zeit, die vielleicht turbulent erscheint, aber in Gottes Augen voller Vorbereitung steckt. 

findechristus.org

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