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Glaubensansichten
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Durch den Tröster alles niederschreiben

14. Mai 2025, 04:28am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

John Whitmer
(Bild Quelle)

“Darum soll es ihm, insoweit er glaubenstreu ist, durch den Tröster gegeben werden, dies alles niederzuschreiben. So ist es. Amen.” (Lehre und Bündnisse 47:4). 

Aus dem Leben John Whitmers 

John Whitmer war der Sohn von Peter Whitmer sen. und spielte eine bedeutende Rolle in der frühen Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Gründungsversammlung der Kirche fand 1830 im Haus der Familie Whitmer in Fayette, New York, statt. Johns religiöses Interesse wandelte sich grundlegend im Jahr 1829, als Joseph Smith und Oliver Cowdery im Haus seiner Eltern Aufnahme fanden. Während Joseph im oberen Stockwerk die letzten Seiten des Buches Mormon übersetzte, wandte sich John zunehmend von der deutschen reformierten Kirche ab und nahm stattdessen die Botschaft der Wiederherstellung durch Joseph Smith an. Er unterstützte die Übersetzungsarbeit des Buches Mormon sogar als Schreiber. 

John gehörte zu den Acht Zeugen des Buches Mormon, die die Platten gesehen und in den Händen gehalten hatten. Auch bei der Übersetzung des Alten Testaments diente er Joseph Smith als einer der ersten Schreiber. Mit großer Hingabe verkündete er die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums von New York bis Ohio, bis er im Jahr 1831 durch eine Offenbarung (Lehre und Bündnisse 47) offiziell dazu berufen wurde, die Geschichte der Kirche aufzuzeichnen. Er verfasste insgesamt 96 Seiten mit historischen Informationen. 

Im selben Jahr begleitete er seinen Schwager Oliver Cowdery auf einer Reise von Kirtland, Ohio, nach Independence, Missouri, um handschriftlich festgehaltene Offenbarungen zu W. W. Phelps zu bringen, der sie dort drucken sollte. Doch der Druckereibetrieb wurde von einem Mob zerstört. John kehrte nicht nach Kirtland zurück, sondern blieb bei der kleinen Heiligensiedlung am Little Blue River in Jackson County, Missouri. Während der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Heiligen und den Missouriern bot John sich sogar als Geisel an, um weiteres Blutvergießen zu verhindern – vergeblich. Schließlich floh er mit anderen Heiligen über den Missouri River nach Clay County. 

In Clay County wurde John Whitmer zu einer bedeutenden Führungsfigur. Ab 1834 galt er als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kirche in Missouri – gleich nach seinem Bruder David Whitmer. Am 3. Juli 1834 wurde er dessen Ratgeber in der örtlichen Kirchengemeindeleitung. In dieser Rolle bemühte er sich um rechtlichen Beistand für die Heiligen, um ihre Verluste in Jackson County geltend zu machen und sie gegen neue Gewaltakte in Clay County zu schützen. 

1835 kehrte John nach Kirtland zurück. Obwohl er sich nicht darum bemüht hatte, wurde er am 18. Mai 1835 zum Redakteur der Kirchenzeitung Messenger and Advocate ernannt. In einem Leitartikel bekannte er offen seinen Glauben an die Heiligen Schriften der Kirche: die Bibel, das Buch Mormon und das Buch Lehre und Bündnisse. 

Als John 1836 nach Missouri zurückkehrte, kaufte er mit Mitteln der Kirche Land in Caldwell County – ein Schritt, der zu Spannungen führte. Wegen finanzieller Unklarheiten bei diesen Käufen wurde sein Verhalten infrage gestellt, und seine Weigerung, Rechenschaft über die Transaktionen abzulegen, führte schließlich zu seiner Exkommunikation am 10. März 1838. Ein weiterer Grund war seine Weigerung, seine geschichtlichen Aufzeichnungen an Joseph Smith zu übergeben. In seinem Tagebuch drückte er später Reue aus und bat darum, dass seine Fehler vergeben und seine Sünden getilgt würden, mit der Hoffnung, am letzten Tag im Reich Gottes gerettet zu werden. 

Trotz seines Ausschlusses blieb John in Far West wohnen, auch als die übrigen Heiligen infolge des „Ausrottungsbefehls“ von 1838 ihre Häuser verlassen mussten. Er nutzte die Gelegenheit und erwarb große Teile der verlassenen Stadt zu günstigen Preisen. 

In den folgenden vier Jahrzehnten zeigte John nur punktuell Interesse an religiösen Bewegungen, etwa an den Lehren von William E. McLellin oder James Strang sowie an den Führungsansprüchen seines Bruders David. Im Großen und Ganzen blieb er jedoch fern von allen organisierten Glaubensgemeinschaften. 

John Whitmer war der letzte Überlebende der Acht Zeugen des Buches Mormon. Zeit seines Lebens bezeugte er die Wahrheit dieses Werkes. Ein Zeitgenosse berichtete, dass John mit Tränen in den Augen erklärte, er wisse ebenso sicher, dass Joseph Smith die antiken Schriftzeichen auf den Platten übersetzt habe, wie er sich seiner eigenen Existenz bewusst sei. 

John Whitmer starb im Juli 1878 in Far West im Alter von 76 Jahren. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen, darunter 625 Hektar fruchtbares Ackerland, Vieh, landwirtschaftliche Maschinen und ein zweistöckiges Haus. 

Lehren, die wir aus dem Leben John Whitmers für uns ableiten können 

Das Leben von John Whitmer bietet sowohl inspirierende als auch warnende Lehren, die aufschlussreich für unsere persönliche Nachfolge, Integrität und Einstellung zu göttlichen Berufungen sein können. Aus seiner Geschichte lassen sich wertvolle Handlungsprinzipien ableiten – sowohl positive als auch solche, vor denen man sich hüten sollte. 

Erstrebenswerte Verhaltensweisen 

Gehorsam trotz persönlichem Zögern 
John Whitmer nahm die Berufung zum Kirchenhistoriker nicht aus eigenem Antrieb an – im Gegenteil, er äußerte offen seine Zurückhaltung. Doch als die Berufung durch eine göttliche Offenbarung bestätigt wurde, stellte er seinen eigenen Willen unter den Willen des Herrn. Dieses Verhalten zeugt von Demut und zeigt, wie wichtig es ist, Gottes Willen über persönliche Präferenzen zu stellen. 

Zeugenschaft trotz Trennung von der Kirche 
Auch nach seiner Exkommunikation blieb John seiner Zeugenschaft vom Buch Mormon treu. Seine Bestätigung der Echtheit der Platten und der Übersetzungsarbeit Joseph Smiths war über Jahrzehnte hinweg standhaft und eindrücklich. Diese Konsequenz zeigt, dass persönliche Überzeugung nicht an äußere Zugehörigkeit gebunden sein muss – und dass man Wahrheiten nicht aus Opportunismus verleugnet. 

Früher Einsatz für die Wiederherstellung 
John unterstützte als Schreiber, Missionar und Führer in Missouri die frühe Aufbauarbeit der Kirche mit großem Engagement. Er übernahm schwierige Aufgaben wie das Transportieren heiliger Schriften oder das Verfassen der Kirchengeschichte. Seine frühe Treue und Opferbereitschaft erinnern uns an den Wert von Einsatzfreude im Werk des Herrn. 

Warnende Verhaltensweisen 

Fehlende Offenheit und Rechenschaftspflicht 
Die finanzielle Intransparenz beim Landkauf in Caldwell County und seine spätere Weigerung, die Kirchenunterlagen herauszugeben, war ein Bruch des Vertrauens und widersprach den Prinzipien von Rechenschaft und Integrität. Diese Haltung führte mit zur Exkommunikation. Daraus lernen wir, wie wichtig Ehrlichkeit, Offenheit und die Bereitschaft zur Verantwortung sind – besonders bei heiligen Berufungen und im Umgang mit anvertrautem Gut. 

Distanz zur Kirche trotz geistiger Erkenntnis 
Obwohl John zeitlebens das Buch Mormon bezeugte, blieb er von jeder organisierten religiösen Bewegung auf Dauer fern – selbst dann, als er Sympathien für Abspaltungen zeigte. Diese Haltung kann als ein Verlust geistiger Gemeinschaft und Entwicklungspotential gedeutet werden. Es zeigt, dass geistige Isolation auf Dauer keine gesunde Alternative zu aktiver Glaubensgemeinschaft ist. 

Emotionaler Rückzug statt aktiver Versöhnung 
John äußerte in seinem Tagebuch den Wunsch nach Vergebung und Errettung, tat aber zu Lebzeiten keine aktiven Schritte, um wieder mit der Kirche versöhnt zu werden. Daraus lässt sich lernen, dass Reue allein nicht genügt – Umkehr braucht Handlung, Demut und manchmal den Mut, auf andere zuzugehen. 

Fazit 

John Whitmers Leben ist ein Spiegel menschlicher Ambivalenz: aufrichtige Zeugenschaft und frühe Hingabe auf der einen Seite, Stolz, Unversöhnlichkeit und mangelnde Rechenschaft auf der anderen. Für unser eigenes Leben bedeutet das: Es ist nie genug, eine Zeit lang treu gewesen zu sein – Treue muss beständig sein. Wir sollten bereit sein, Berufungen im Glauben anzunehmen, auch wenn sie uns nicht liegen. Und wir sollten bemüht sein, Fehler nicht nur zu erkennen, sondern auch wiedergutzumachen – im Geist wahrer Umkehr und im Vertrauen auf Gnade. 

findechristus.org

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Alle diese Gaben kommen von Gott

13. Mai 2025, 04:38am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Und alle diese Gaben kommen von Gott, zum Nutzen der Kinder Gottes.” (Lehre und Bündnisse 46:26). 

Lehre und Bündnisse 46:13–26 

Der Herr offenbart, dass durch den Heiligen Geist viele verschiedene Gaben an seine Kinder verteilt werden. Einige erhalten das sichere Wissen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und für die Sünden der Welt gekreuzigt wurde. Andere erhalten den Glauben an dieses Zeugnis, wodurch auch sie ewiges Leben erlangen können, wenn sie treu bleiben. Wieder anderen wird die Fähigkeit gegeben, die unterschiedlichen Aufgaben und Handlungen im Werk des Herrn zu erkennen, damit sie zwischen göttlichem und menschlichem Handeln unterscheiden können. Es werden zudem Gaben wie Weisheit, Erkenntnis, Glaube zur Heilung, die Fähigkeit zu heilen, Wunder zu vollbringen, zu prophezeien, Geister zu unterscheiden, in Zungen zu sprechen und die Zungenrede auszulegen gegeben. Jede dieser Gaben wird durch den Geist Gottes verteilt – nicht zum persönlichen Ruhm, sondern zum Nutzen und Aufbau der ganzen Glaubensgemeinschaft. 

Für unser Handeln heute bedeutet dies: Wir sollen die Vielfalt der geistigen Gaben in der Kirche erkennen, respektieren und dankbar annehmen. Jeder von uns kann durch den Heiligen Geist eine oder mehrere dieser Gaben empfangen, und es ist unsere Aufgabe, sie zu entdecken, richtig zu nutzen und zum Wohl aller einzusetzen. Wir sollen die Gaben anderer nicht abwerten oder neiden, sondern sehen, wie sie zum gemeinsamen Wachstum beitragen. Gleichzeitig werden wir eingeladen, bewusst nach geistigen Gaben zu trachten und uns vom Geist leiten zu lassen, um die Kirche zu stärken und den Kindern Gottes besser zu dienen. 

Lehre und Bündnisse 46:27–33 

Der Herr erklärt, dass es die Aufgabe des Bischofs und der ordinierten Führer der Kirche ist, über die Gemeinde zu wachen und die geistigen Gaben zu erkennen und zu unterscheiden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass jemand vorgibt, vom Geist Gottes zu handeln, obwohl es nicht so ist. Wer im Geist bittet, wird auch im Geist empfangen, sodass manche dazu berufen werden, viele Gaben zu haben, um der Kirche als Haupt zu dienen und jedem einzelnen Mitglied Nutzen zu bringen. Wichtig ist, dass Gebete und Bitten im Einklang mit dem Willen Gottes geschehen, denn dann wird das Erbetene auch erfüllt. Alles, was im Geist geschieht, soll im Namen Jesu Christi getan werden. Für alle empfangenen Segnungen sollen wir dankbar sein. Schließlich wird uns aufgetragen, beständig in Tugend und Heiligkeit vor Gott zu leben. 

Für unser heutiges Handeln bedeutet das: Wir sollen geistige Gaben erkennen und richtig einsetzen, dabei auf die Berufenen und ihre Gabe der Unterscheidung vertrauen. Unser eigenes Bitten und Tun soll sich an Gottes Willen ausrichten, immer im Namen Christi erfolgen und von Dankbarkeit geprägt sein. Besonders wichtig ist, dass wir in unserem alltäglichen Leben nach Reinheit, Tugend und Heiligkeit streben, um würdig zu bleiben, Gottes Gaben zu empfangen und seine Werke zu vollbringen. 

Historie zu Lehre und Bündnisse 47 

Seit den Tagen Adams und Evas hat der Herr seine Heiligen angewiesen, Aufzeichnungen über ihre geistigen und zeitlichen Angelegenheiten, ihre göttlichen Offenbarungen und ihre Geschichte zu führen. Dieses Gebot findet sich auch in der heutigen Zeit, unter anderem in L&B 21:1. Viele große Propheten wie Adam, Henoch, Abraham, Mose, Nephi, Mormon sowie die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben diesem Auftrag Folge geleistet, wodurch Millionen Menschen in späteren Generationen gesegnet wurden. 

In der Anfangszeit der wiederhergestellten Kirche hatte Oliver Cowdery die Verantwortung übernommen, die kirchlichen Aufzeichnungen zu führen, obwohl er nie formell zu diesem Dienst berufen und eingesetzt worden war. Als Oliver jedoch auf eine Missionsreise geschickt wurde, entstand die Notwendigkeit, diese Aufgabe neu zu besetzen. John Whitmer, der gerade selbst von einer Missionsreise zurückgekehrt war, wurde daraufhin „durch die Stimme der Ältesten“ dazu bestimmt, das Kirchenarchiv zu führen. Als Joseph Smith ihn zudem bat, auch eine umfassende Kirchengeschichte zu verfassen, reagierte John zurückhaltend. Er erklärte offen, dass er diese Aufgabe lieber nicht übernehmen wolle, fügte jedoch hinzu, dass der Wille des Herrn geschehen solle und dass, falls der Herr dies wünsche, dies durch Joseph, den Seher, kundgetan werden möge. 

Joseph Smith suchte daraufhin die Antwort des Herrn im Gebet, und am 8. März 1831, dem gleichen Tag, an dem auch die Offenbarung zu Abschnitt 46 gegeben wurde, empfing er L&B 47. In dieser Offenbarung wurde John Whitmer offiziell als Kirchenhistoriker berufen und beauftragt, nicht nur die fortlaufende Geschichte der Kirche aufzuzeichnen, sondern auch die Offenbarungen, die Joseph Smith erhielt, sorgfältig zu kopieren und aufzubewahren. 

Obwohl John Whitmer die Berufung annahm, war seine Einstellung dazu eher halbherzig. Einen Monat später, am 9. April 1831, wurde er in einer besonderen Versammlung von Ältesten in Kirtland offiziell in seiner Berufung als Kirchenhistoriker und -schreiber bestätigt. Im Juni 1831 begann er schließlich mit der tatsächlichen Arbeit an der Kirchengeschichte. Die erste Zeile seines Werkes zeigt seine Pflichtauffassung: „Ich werde fortfahren, diese Aufzeichnung weiterzuführen, da ich vom Herrn und Erretter Jesus Christus dazu geboten worden bin, die Ereignisse in dieser Kirche niederzuschreiben.“ 

John Whitmers Arbeit als Historiker war jedoch von mäßiger Qualität. Sein Geschichtswerk erwies sich als eine relativ skizzenhafte Darstellung der damaligen Ereignisse. Seine Aufzeichnungen umfassten lediglich etwa 85 Seiten, wobei rund 75 Prozent daraus bestanden, die Offenbarungen Joseph Smiths zu kopieren. Im Gegensatz dazu war Oliver Cowdery ein wesentlich gründlicherer und kompetenterer Historiker gewesen. Dennoch war John in seiner Rolle als Schreiber der Offenbarungen treu und gewissenhaft. Viele der frühesten Manuskripte der Offenbarungen, die heute noch existieren, stammen aus seiner Hand. 

Ein interessantes Detail dieser Begebenheit ist, dass John Whitmer, der eng mit Joseph Smith verbunden war – er hatte in Josephs Haus gelebt und als Schreiber während der Übersetzung des Buches Mormon gedient –, sich zunächst weigerte, einem persönlichen Rat Josephs zu folgen, aber bereitwillig einem durch Joseph empfangenen göttlichen Offenbarungsauftrag gehorchte. Dies unterstreicht ein zentrales Prinzip der frühen Kirche: Die Mitglieder, selbst diejenigen, die Joseph gut kannten, erkannten die Stimme Gottes in den Offenbarungen an und maßen ihnen höchste Autorität bei – höher noch als dem persönlichen Rat Joseph Smiths. 

John Whitmer diente als Kirchenhistoriker bis zu seiner Exkommunikation am 10. März 1838 in Far West. Danach weigerte er sich, die von ihm erstellten kirchlichen Aufzeichnungen herauszugeben. Joseph Smith schrieb ihm daraufhin einen Brief und forderte die Herausgabe der Dokumente. Als John sich weiterhin weigerte, begannen Joseph und andere Brüder mit der Niederschrift einer neuen Kirchengeschichte, ein Projekt, das Joseph bis zu seinem Tod verfolgte. Aus diesen späteren Aufzeichnungen entstand letztlich die History of the Church, die 1951 veröffentlicht wurde und die Geschichte der Kirche von ihrer Gründung bis kurz nach Josephs Tod dokumentiert. 

Nach John Whitmers Tod gelangte seine ursprüngliche Kirchengeschichte in den Besitz seines Neffen John C. Whitmer in Richmond, Missouri. Schließlich wurde sie der Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (RLDS Kirche, heute Community of Christ) überlassen, die sie später veröffentlichte. 

findechristus.org

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Sollt ihr ernstlich nach den besten Gaben trachten

12. Mai 2025, 04:42am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Trachtet ernstlich nach den besten Gaben
(Bild Quelle)

“Darum hütet euch, dass ihr euch nicht täuschen lasst; und damit ihr nicht getäuscht werdet, sollt ihr ernstlich nach den besten Gaben trachten und immer bedenken, wozu sie gegeben sind;” (Lehre und Bündnisse 46:8). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 46 

Lehre und Bündnisse 46 wurde am 8. März 1831 empfangen, nur einen Tag nachdem Joseph Smith die Offenbarung von Abschnitt 45 erhalten hatte. Der unmittelbare Anlass für diese Offenbarung waren zwei dringende Probleme, die sich im frühen Wachstum der Kirche in Kirtland, Ohio, stellten. 

Das erste Problem betraf die Frage, wer an den Versammlungen der Kirche, insbesondere an den Abendmahlsversammlungen, teilnehmen durfte. In der Anfangszeit der Kirche neigten die Mitglieder dazu, Ungläubige auszuschließen. Dies sorgte für Diskussionen und Verwirrung unter den Heiligen, da Stellen im Buch Mormon, besonders 3 Nephi 18:22–34 und Moroni 6:7, einerseits betonten, niemanden vom Kommen abzuhalten, andererseits aber auch auf die Notwendigkeit hinwiesen, in der Kirche Reinheit und Rechtschaffenheit zu bewahren. John Whitmer berichtete, dass dieser Widerspruch einige verwirrte und zum Nachdenken brachte. In dieser Situation wandte sich Joseph Smith an den Herrn, der in der Offenbarung klarstellte, dass grundsätzlich niemand, der den Wunsch hat zu kommen, von den öffentlichen Versammlungen ausgeschlossen werden soll. Gleichwohl sollten die Ältesten die Versammlungen immer unter der Führung des Heiligen Geistes leiten, sodass Ausnahmen im Geiste erkannt werden können, wenn besondere Umstände es erfordern. 

Das zweite Problem, das Anlass für Abschnitt 46 war, betraf seltsame und teils beunruhigende geistige Manifestationen unter den Neubekehrten in Kirtland. Viele dieser neuen Mitglieder waren kaum unterwiesen worden und brachten verschiedenste religiöse Vorstellungen aus ihren früheren Glaubensgemeinschaften mit. Besonders ehemalige Shaker und Quäker beeinflussten das Verhalten der jungen Gemeinde stark. Ohne klare Führung entwickelten sich in den Versammlungen zunehmend ekstatische und bizarre Praktiken: Manche hatten verwirrende Visionen, andere fielen in Krämpfe oder imitierten das Führen des Schwerts Labans oder das „Segeln“ zu den Lamaniten, indem sie sich schlangenartig auf dem Boden bewegten. Parley P. Pratt berichtete, dass diese Erscheinungen oft mehr abschreckend als erbaulich wirkten und den Eindruck eines falschen Geistes erweckten. Solche Vorfälle lieferten der feindseligen Presse zusätzliche Angriffsflächen gegen die junge Kirche. John Whitmer hatte in dieser chaotischen Situation sogar einen dringenden Hilferuf an Joseph Smith geschickt. 

Zusätzlich zu diesen internen Herausforderungen kam es zu äußeren Angriffen: Missionare berichteten von einem Vorfall in Cleveland, wo ein vermeintlicher Beter in einer Predigt die Kerzen ausblies und eine physische Attacke auf die Missionare initiierte. Einige wollten danach die Versammlungen auf Gläubige beschränken, während andere auf die Lehren aus dem Buch Mormon verwiesen, dass niemand am Gottesdienst gehindert werden solle. 

In diesem gesamten Kontext offenbarte der Herr durch Joseph Smith nicht nur Richtlinien für die offene Einladung zu den Versammlungen, sondern auch eine Lehre über die Gaben des Geistes. Er erklärte, dass die Gaben des Geistes ein Mittel seien, um die Heiligen vor Täuschung zu schützen. Wer ernsthaft nach den Gaben strebe und unter der Führung des Heiligen Geistes handele, werde nicht getäuscht werden. Wer hingegen keine Gaben habe, habe auch keinen wahren Glauben und betrüge sich selbst. 

Die Offenbarung unterschied verschiedene Arten geistiger Gaben: Erstens freie, vom Herrn verliehene Gaben zur Erbauung der Kirche; zweitens natürliche Talente, die bereits im vorirdischen Dasein durch Bemühung erworben wurden und in diesem Leben wiederentdeckt werden müssen; und drittens Eigenschaften göttlicher Natur, die durch Treue und Gehorsam im Laufe des geistigen Wachstums empfangen werden. Der Herr machte deutlich, dass alle Gaben dazu dienen sollten, die Gemeinde aufzubauen und die Liebe zu Gott zu fördern – nicht zur persönlichen Ehre oder zum Stolz. 

Wichtig war auch die Erkenntnis, dass nicht jeder alle Gaben besitzt, sondern jedem Einzelnen verschiedene Gaben gegeben werden, damit sie miteinander geteilt werden können. So soll die Kirche als Ganzes im Geist gestärkt und vor Täuschung geschützt werden. Der Vergleich Joseph Smiths mit dem hungrigen Reisenden verdeutlicht dies: Die Gaben des Geistes sind wie die Nahrung, die nicht nur angeboten, sondern auch tatsächlich empfangen und genutzt werden muss, damit die Seele gesättigt wird. 

Insgesamt zeigt Abschnitt 46, wie der Herr die junge Kirche durch eine Zeit innerer Verwirrung und äußerer Bedrängnis führte, indem er sie auf die Macht und Notwendigkeit des Heiligen Geistes und seiner Gaben hinwies und ihnen eine klare Anleitung gab, wie sie diese in Weisheit einsetzen sollten. 

Lehre und Bündnisse 46:1,2 

In diesen beiden Versen lehrt der Herr, dass alle bisherigen Offenbarungen und Anweisungen zum Nutzen und zur Belehrung der Kirche gegeben wurden. Dennoch stellt er klar, dass es den Ältesten der Kirche seit Anfang an gegeben war – und auch weiterhin gegeben sein wird –, ihre Versammlungen nicht starr nach geschriebenen Vorgaben, sondern nach der Führung und Eingebung des Heiligen Geistes zu leiten. Die göttliche Leitung durch den Geist steht also über jeder schriftlichen Anweisung und sichert lebendige, situationsgerechte Führung in der Kirche. 

Lehre und Bündnisse 46:3–6 

In diesen Versen gebietet der Herr, dass niemand aus den öffentlichen Versammlungen ausgeschlossen werden soll, die offen vor der Welt stattfinden. Ebenso sollen Mitglieder der Kirche nicht von Abendmahlsversammlungen ausgeschlossen werden; jedoch dürfen diejenigen, die in Sünde leben, das Abendmahl erst wieder empfangen, wenn sie aufrichtig Umkehr und Wiedergutmachung geleistet haben. Auch sollen Außenstehende, die ernsthaft nach dem Reich Gottes suchen, weder aus Abendmahls- noch aus Konfirmierungsversammlungen ausgeschlossen werden. Der Geist der Versammlungen soll offen, einladend und aufrichtig suchenden Menschen gegenüber gastfreundlich bleiben. 

Lehre und Bündnisse 46:7–12 

In diesen Versen lehrt der Herr, dass die Gläubigen in allen Dingen Gott um Führung bitten sollen, da er gern gibt. Sie sollen dem Zeugnis des Heiligen Geistes folgen, in Reinheit und mit dem ständigen Ziel der Errettung vor Augen. Alles sollen sie im Geist des Gebets und der Dankbarkeit tun, um sich nicht durch falsche Lehren oder teuflische Einflüsse täuschen zu lassen. Um Täuschung zu vermeiden, sollen sie ernsthaft nach den besten geistigen Gaben streben und immer bedenken, dass diese Gaben zum Nutzen aller gegeben sind, die Gott lieben, seine Gebote halten und aufrichtig nach ihm suchen. Jeder Mensch empfängt verschiedene Gaben durch den Geist Gottes, damit in der Vielfalt aller Gaben der gesamten Gemeinschaft gedient und geholfen wird. 

findechristus.org

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Ein Ort der Sicherheit für die Heiligen

10. Mai 2025, 05:25am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Henoch und sein Volk (Zion) werden in den Himmel aufgenommen
(Bild Quelle)

“Und es wird das Neue Jerusalem genannt werden, ein Land des Friedens, eine Stadt der Zuflucht, ein Ort der Sicherheit für die Heiligen des allerhöchsten Gottes;” (Lehre und Bündnisse 45:66). 

Lehre und Bündnisse 45:60–62 

In den Versen 60 bis 62 schließt der Herr seine Offenbarung mit einem bemerkenswerten Hinweis auf zukünftige Offenbarungen ab: Joseph Smith wird angewiesen, zunächst keine weiteren Einzelheiten über die Zeichen der Zeit und das Zweite Kommen zu erwarten, bis die Übersetzung des Neuen Testaments abgeschlossen ist. Der Herr verspricht, dass in diesem Prozess „alle diese Dinge“ — also die offenbarten Zeichen und Ereignisse — durch das Studium der heiligen Schrift weiter erschlossen werden. 

Diese Anweisung ist bedeutsam, denn sie zeigt das enge Zusammenspiel zwischen Schriftstudium und Offenbarung: Die Übersetzung der Bibel ist nicht nur eine sprachliche oder textuelle Aufgabe, sondern ein geistiger Vorgang, der Joseph Smith auf kommende Offenbarungen vorbereiten soll. Tatsächlich begann Joseph am Tag nach dieser Offenbarung mit der Übersetzung des Neuen Testaments, was in der Folge zu einigen der bedeutendsten Offenbarungen der frühen Kirchengeschichte führte — darunter L&B 74, 76, 77, 86, 88 und 93. 

Diese Verse machen deutlich, dass große Offenbarungen auf dem Pfad der Vorbereitung, des Studiums und der Inspiration beruhen. In Vers 62 verheißt der Herr: „Große Dinge warten auf euch“ — eine Zusicherung, dass sich demütiges, geistgeleitetes Schriftstudium unmittelbar in göttliche Führung und Licht verwandeln kann. Josephs Beispiel lädt uns ein, selbst tiefer in die heiligen Schriften einzutauchen, da auch uns durch ernsthaftes Studieren Erkenntnisse und persönliche Offenbarung verheißen sind. 

Lehre und Bündnisse 45:63–65 

In den abschließenden Versen dieser Offenbarung wendet sich der Herr konkreten Entwicklungen im amerikanischen Kontext der Letzten Tage zu. Die Heiligen hören von Kriegen in fernen Ländern, doch nun warnt der Herr, dass auch in ihrer Nähe bald Krieg herrschen werde — „sie sind nahe, sogar an euren Türen“ (V. 63). Diese Prophezeiung erwies sich als bemerkenswert vorausschauend: Nur drei Jahrzehnte später erschütterte der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) das Land tief, mit beispiellosen Verlusten. 

Als Reaktion auf diese kommenden Umwälzungen fordert der Herr seine Jünger auf, sich aus den östlichen Staaten zu sammeln und gemeinsam in den Westen aufzubrechen, wo sie zur Umkehr aufrufen und Gemeinden aufbauen sollen (V. 64). Diese Anweisung zur geographischen Sammlung ist eng mit dem Aufbau Zions verbunden. Die Mitglieder sollen dabei „mit einem Herzen und mit einem Sinn“ auch ihre materiellen Güter zusammentragen, um Landbesitz für die kommende Gemeinschaft zu erwerben (V. 65). 

Diese Verse zeigen die enge Verbindung zwischen prophetischer Voraussicht, praktischer Vorbereitung und geistigem Zusammenhalt. Die Aufforderung zur Sammlung ist nicht nur eine logistische Maßnahme, sondern Ausdruck des göttlichen Plans, ein Volk in Sicherheit, Reinheit und Einigkeit für die kommenden Ereignisse zu formen. Auch heute ruft der Herr seine Heiligen auf, sich geistig zu sammeln – mit einem Herzen und einem Sinn – und bereit zu sein, wenn Umwälzungen kommen. 

Lehre und Bündnisse 45:66–75 

Inmitten einer Welt, die zunehmend im Chaos versinkt, verheißt der Herr die Errichtung einer neuen Stadt: Zion, das Neue Jerusalem. Sie wird ein Ort des Friedens, der Sicherheit und Zuflucht für die Heiligen sein (V. 66). Dort wird die Herrlichkeit des Herrn wohnen, und seine Macht wird so groß sein, dass die Schlechten es nicht wagen werden, sich Zion zu nähern (V. 67). In einer Welt voller Gewalt wird Zion der einzige Ort sein, an dem keine Kriege geführt werden, und alle, die nicht das Schwert gegen ihre Mitmenschen erheben wollen, werden Zuflucht in Zion suchen (V. 68–69). 

Die Bewohner dieser Stadt, versammelt aus allen Nationen unter dem Himmel, werden in Einheit und Freude leben (V. 70–71). Der Herr gebietet, dass diese Verheißungen zunächst nicht öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Werk des Aufbaus in Ruhe und ohne äußere Störung voranschreiten kann (V. 72–73). Doch sobald die Welt erkennt, was geschehen ist, wird Furcht sie erfassen – denn der Herr wird „schrecklich“ erscheinen für die Gottlosen (V. 74–75). 

Diese Verse machen deutlich: Zion ist kein passiver Zufluchtsort, sondern wird aktiv errichtet – durch die Heiligen, die heute Orte des Friedens schaffen, sei es in Familien, Gemeinden oder in den Pfählen Zions. Zion beginnt im Herzen jedes Gläubigen, der sich bemüht, inmitten der Unruhe der Welt ein Ort der Hoffnung und Sicherheit zu sein. 

Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: “Die Errichtung Zions ist eine Sache, die dem Gottesvolk zu allen Zeiten am Herzen gelegen hat. … Sie haben mit freudiger Erwartung nach dem Tag Ausschau gehalten, nämlich der Zeit, in der wir leben; angefeuert von himmlischer Vorfreude, haben sie unseren Tag besungen und beschrieben und davon prophezeit. … Wir sind das begnadete Volk, das Gott sich erwählt hat, um die Herrlichkeit der Letzten Tage zuwege zu bringen: Wir dürfen sie erblicken, daran teilhaben und sie herbeiführen helfen. 

Jeder Ort, an dem die Heiligen sich sammeln, ist Zion, welches jeder rechtschaffene Mensch als Ort der Sicherheit für seine Kinder aufbauen wird. … 

Die Zeit wird bald kommen, da man nur in Zion und seinen Pfählen Frieden haben wird. (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 203f.)” 

Präsident Russell M. Nelson hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, dass wir heute aktiv Zion aufbauen—nicht nur als zukünftige Stadt, sondern als lebendige Gemeinschaft von Heiligen, die in Einheit, Rechtschaffenheit und Bündnistreue leben.  

Er bezeichnete die Sammlung Israels als „... das Wichtigste, was heute auf der Erde stattfindet. ... die größte Herausforderung, die größte Sache und das größte Werk auf Erden“ und betonte, dass jeder Beitrag zur Hilfe anderer, ihre Bündnisse mit Gott zu schließen und zu halten, Teil dieses Werkes ist (Quelle:Hoffnung Israels).  

In einer Ansprache ermutigte Präsident Nelson die Mitglieder, „Orte der Sicherheit“ zu schaffen—beginnend in unseren eigenen Herzen und Häusern. Er versprach, dass diejenigen, die sich vorbereiten und dem Herrn treu dienen, eine herrliche Zukunft erwarten dürfen (Quelle: Nehmen Sie die Zukunft voll Glauben an!)  

Zusammenfassend ruft Präsident Nelson uns auf, Zion heute zu errichten—durch Glauben, Einheit, Bündnistreue und Dienst—um so die Welt auf die Wiederkunft des Erlösers vorzubereiten. 

findechristus.org

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Sie werden nicht umgehauen und ins Feuer geworfen werden

9. Mai 2025, 05:02am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild Quelle)

“Denn diejenigen, die weise sind und die Wahrheit empfangen haben und sich den Heiligen Geist als ihren Führer genommen haben und sich nicht haben täuschen lassen – wahrlich, ich sage euch: Sie werden nicht umgehauen und ins Feuer geworfen werden, sondern werden den Tag aushalten.” (Lehre und Bündnisse 45:57). 

Lehre und Bündnisse 45:48–53 

Diese Verse enthalten eine dramatische und heilige Szene der Wiederkunft Jesu Christi auf dem Ölberg in Jerusalem (Sacharja 14:4). Diese Beschreibung ergänzt die Endzeitrede Jesu aus dem Neuen Testament (Matthäus 24) durch wichtige alttestamentliche Prophezeiungen, insbesondere aus dem Buch Sacharja. Die Verse beschreiben sowohl kosmische Ereignisse als auch eine zutiefst persönliche Offenbarung Jesu Christi an das jüdische Volk. 

Nach einer langen Reihe von Zeichen und Prüfungen, die dem Zweiten Kommen des Herrn vorausgehen, beschreibt Vers 48 den entscheidenden Wendepunkt: Der Herr selbst setzt seinen Fuß auf den Ölberg, östlich von Jerusalem. In diesem Moment spaltet sich der Berg in zwei Hälften, eine gewaltige tektonische Umwälzung, die von Erschütterungen der Erde und der Himmel begleitet wird. Diese Szene ist nicht neu in der Schrift: Der Prophet Sacharja (Kapitel 14) hatte sie bereits rund 500 Jahre vor Christus gesehen und beschrieben. In diesem Moment, als Jerusalem von feindlichen Nationen umringt ist, greift der Herr ein und verändert sowohl die Geographie als auch den Lauf der Geschichte. 

Vers 49 zeigt, dass das Eingreifen des Herrn nicht nur lokal, sondern global sein wird: Er wird seine Stimme erheben, und alle Enden der Erde werden sie hören. Diese Stimme, die einst leise in Bethlehem erklang, wird nun die Nationen erschüttern. Die Völker werden trauern, und jene, die spotteten und das Kommen Christi lächerlich machten, werden mit Schrecken ihre Torheit erkennen. In Vers 50 wird deutlich, dass Gericht über die Spötter und Übeltäter kommt: Wer das Böse erwartete und sich daran erfreute, wird vom Herrn verzehrt, umgehauen, und ins Feuer geworfen – ein deutliches Bild des göttlichen Gerichts. 

Dann erfolgt in Versen 51–53 eine besonders heilige und persönliche Szene. Das jüdische Volk – hier als Überrest bezeichnet – wird den Herrn sehen und ihn nach seinen Wunden fragen. Diese Frage knüpft direkt an Sacharja 13:6 an, wo der Messias sich zu erkennen gibt. 

In diesem Moment wird der jüdische Überrest erkennen, dass Jesus von Nazareth tatsächlich der verheißene Messias ist, den sie lange erwartet, aber in der Geschichte oft verworfen haben. Christus bestätigt seine Identität. 

In Vers 53 heißt es, dass sie über ihre Sünden weinen und trauern werden, weil sie ihren König verfolgt haben. Es ist ein Moment der Reue, aber auch der Umkehr und Hoffnung. Diese Begegnung wird zum Wendepunkt der Geschichte Israels – und zur Erfüllung jahrtausendealter Prophetien. 

Theologische Bedeutung und Kontext (laut Griffith): 
Nach der Wiederkunft Christi werden zwei große Werke vorangetrieben: Tempelarbeit für die Verstorbenen unter der Leitung des Herrn selbst und Missionararbeit unter den „Heidenvölkern“ – also jenen, die das Evangelium bisher nicht kannten. Diese Menschen sind keineswegs verworfen, sondern werden in Gottes Heilsplan miteingeschlossen. Der Herr richtet in dieser Zeit des Friedens und der Einigkeit sein Reich auf Erden auf, während Satan gebunden ist. Die Gläubigen werden mit Christus leben, ihre Kinder „ohne Sünde zur Errettung“ aufziehen, und der Herr selbst wird ihr König und Gesetzgeber sein. 

Offenbarung 1:7 verweist auf das zweite Kommen Christi in Macht und Herrlichkeit. Sie unterstreicht, dass alle Menschen – auch jene, die ihn einst ablehnten – ihn sehen werden, wenn er auf den Wolken erscheint. Ein klarer Bezug zur Prophezeiung in L&B 45:44–45. 

3. Nephi 20:29–34 & 21:1–29 betonen die Rückkehr der verstreuten Stämme Israels und die Rolle der Heiligen der Letzten Tage als Werkzeug des Herrn. Sie verweisen auf die Erfüllung göttlicher Verheißungen und stehen in direktem Zusammenhang mit der Sammlung und Bekehrung in L&B 45:43–53. 

Lehre und Bündnisse 45:54–59 

Diese Verse schildern die segensreiche Ordnung, die nach der Wiederkunft Christi auf Erden herrschen wird – eine Zeit des Friedens, der Gerechtigkeit und der geistigen Erneuerung. Die prophetischen Worte in diesen Versen sind eine machtvolle Vorausschau auf das Millennium, die Tausend Jahre des Friedens, in denen Christus persönlich auf der Erde regieren wird. Besonders bemerkenswert ist die Erweiterung des Blicks über die Grenzen der Kirche hinaus auf alle Völker, auch auf jene, die das Evangelium nie gehört haben. 

Der Ausdruck „Heidenvölker“ (Vers 54) kann heute missverständlich wirken, meint hier jedoch schlicht jene, die das Evangelium nie empfangen haben – also weder Christen noch Juden. Der Herr stellt klar: Auch sie werden erlöst und dürfen an der ersten Auferstehung teilhaben (Ezechiel 36:23). 

Joseph Smith stellte 1842 klar, dass es absurd wäre zu sagen, solche Menschen würden verdammt, nur weil sie niemals Gelegenheit hatten, das wahre Evangelium zu hören. Der Herr verurteilt nicht aufgrund von Unwissenheit, sondern richtet nach Licht und Wahrheit. Das Evangelium wird ihnen entweder im Jenseits oder während des Millenniums verkündet, und die Tempelarbeit wird eine zentrale Rolle dabei spielen, wie Präsident Ballard betont hat. Die Einladung zum ewigen Bund Christi gilt allen Menschen – lebend wie tot. 

Ein zentrales Kennzeichen des Millennium ist die Bindung Satans (Vers 55). Das bedeutet nicht, dass er buchstäblich gefesselt wird, sondern dass er keinen Einfluss mehr auf die Herzen der Menschen haben wird. Die Menschen werden von innen heraus zum Guten geneigt sein, weil sie Christus kennen, lieben und ihm dienen. 

Brigham Young fasste diesen Zustand so zusammen: Das Millennium bestehe darin, dass „jedes Herz im Reich Gottes in Einigkeit ist“, und dass der Widersacher keine Macht mehr habe. 

Jesus bezieht sich auf das Gleichnis der zehn Jungfrauen (Matthäus 25), das hier eine neue, konkrete Anwendung findet (Verse 56–57): Wer weise ist, die Wahrheit angenommen hat, vom Heiligen Geist geführt wird und sich nicht verführen ließ, der wird den Tag Christi überleben und nicht „in das Feuer geworfen“ werden. Das Gleichnis ist somit nicht nur ein moralisches Lehrstück, sondern ein Warnruf an uns alle, wachsam, geistig vorbereitet und standhaft zu bleiben – denn das Öl des Geistes kann nicht auf den letzten Drücker nachgefüllt werden. 

In der Herrschaft Christi werden die Gerechten die Erde erben (Verse 58–59), wie es schon in den Seligpreisungen verheißungsvoll heißt (Matthäus 5:5). Doch dieses Erbe ist mehr als Landbesitz – es ist ein Zustand göttlicher Ordnung: 

  • Kinder werden ohne Sünde zur Errettung heranwachsen – das heißt, sie werden in einer Umgebung aufwachsen, die von der Gegenwart Gottes geprägt ist. 

  • Christus selbst wird mitten unter seinem Volk wohnen, seine Herrlichkeit wird sie umgeben, und er wird ihr König und Gesetzgeber sein. Das ist ein Zustand von theokratischer Gerechtigkeit, in dem das göttliche Gesetz das Leben der Menschen bestimmt – nicht Zwang, sondern Einsicht und Liebe. 

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Meine Jünger werden an heiligen Stätten stehen

8. Mai 2025, 05:24am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Wo sind für dich “heilige Stätten”
(Bild Quelle)

“Aber meine Jünger werden an heiligen Stätten stehen und werden nicht wanken; aber unter den Schlechten werden Menschen ihre Stimme erheben und Gott fluchen und sterben.” (Lehre und Bündnisse 45:32). 

Lehre und Bündnisse 45:24–38 

Hier wendet sich der Herr von der Vergangenheit Jerusalems der Zukunft zu – konkret den Ereignissen der Letzten Tage. Nach der Zerstörung Jerusalems wird ein Überrest Israels unter alle Nationen zerstreut werden (V. 24). Doch das ist nicht das Ende – dieser Überrest wird wieder gesammelt werden, allerdings erst, „wenn die Zeiten der Heiden erfüllt sind“ (V. 25). Dieses Konzept verweist auf die göttliche Zeitordnung, in der zunächst die Heidenvölker das Evangelium empfangen, bevor die endgültige Sammlung Israels beginnt. 

In Vers 26 beschreibt der Herr typische Zustände der letzten Tage: globale Unruhe, Kriege und Gerüchte von Kriegen. Die Erde wird „in Aufruhr“ sein, Menschen werden mutlos und verzweifelt, und viele verlieren den Glauben an die Wiederkunft Christi. Sie sagen sogar: „Er zögert, bis ans Ende der Erde zu kommen.“ In dieser Zeit wird die Liebe unter den Menschen erkalten, und das Böse wird zunehmen (V. 27). 

Doch mitten in dieser geistigen Finsternis wird ein Licht aufleuchten – nämlich die „Fülle meines Evangeliums“, die unter den Heiden offenbar wird (V. 28). Leider wird dieses Licht von vielen nicht erkannt, weil sie es durch die „Satzungen der Menschen“ ablehnen (V. 29). Der Herr kündigt an, dass in dieser Generation die Zeiten der Heiden zu Ende gehen werden (V. 30). 

Dann folgen erschütternde Bilder: eine verheerende Krankheit (eine „alles überschreitende Geißel“) wird das Land heimsuchen (V. 31), aber die wahren Jünger Christi – also die, die an heiligen Orten stehen – werden Bestand haben. Bei den Gottlosen jedoch wird Verzweiflung herrschen; sie werden Gott fluchen und sterben (V. 32). Weitere Zeichen wie Erdbeben und weit verbreitete Zerstörung werden eintreten (V. 33), doch viele Menschen werden ihre Herzen weiterhin verhärten und sich gegenseitig bekämpfen. 

Angesichts all dieser düsteren Zeichen versichert Christus seinen Jüngern, dass sie sich nicht fürchten müssen (V. 34–35). Diese Zeichen sind nicht zufällig, sondern Hinweise darauf, dass Gottes Verheißungen an sein Volk in Erfüllung gehen – insbesondere die der Sammlung, Erlösung und des Friedens. 

Zur Verdeutlichung verwendet der Herr ein Gleichnis: So wie das junge Grün an einem Feigenbaum in Israel den nahenden Sommer ankündigt, sollen auch die Jünger erkennen, dass die Zeichen der Letzten Tage die baldige Wiederkunft Christi ankündigen (V. 36–38). Sie sind also nicht Zeichen der Hoffnungslosigkeit, sondern der bevorstehenden Erfüllung göttlicher Verheißungen. 

Griffiths Kommentar unterstreicht: Diese Verse markieren einen Wendepunkt – von historischen zu zukünftigen Ereignissen. Doch sie sind nicht dazu da, Angst zu verbreiten. Vielmehr sollen sie den Gläubigen helfen, vorbereitet und hoffnungsvoll zu sein. Präsident Harold B. Lee warnte 1973 davor, sich von zweifelhaften Prophezeiungen oder sensationellen Endzeit-Berichten leiten zu lassen. Stattdessen solle man sich auf die klaren Aussagen der Schrift konzentrieren – insbesondere auf Matthäus 24 (in der JS-Übersetzung), L&B 45, 101, 133 und 38. Diese offenbarten Lehren bieten eine zuverlässige, inspirierte Grundlage für das Verständnis der Zeichen der Zeit. 

Die Kernbotschaft lautet also: Auch wenn schwere Zeiten vorausgesagt sind, dürfen die Jünger Christi voller Hoffnung sein. Die angekündigten Ereignisse bestätigen die Zuverlässigkeit göttlicher Verheißungen und weisen auf den kommenden Tag der Erlösung und das Friedensreich Christi hin. 

Lehre und Bündnisse 45:39–47 

Hier beschreibt der Herr sehr direkt die große Hoffnung der Heiligen: die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit. Er richtet sich dabei besonders an jene, die Ihn fürchten, also Ehrfurcht vor Gott empfinden und mit aufrichtiger Erwartung Seiner Wiederkunft leben. Diese gläubigen Menschen werden wachsam Ausschau halten nach den Zeichen der Zeit und nach dem Kommen des Menschensohnes (V. 39). 

Diesen Wachsamen werden Zeichen und Wunder gezeigt – sowohl „am Himmel oben als auch auf der Erde unten“ (V. 40). Die Elemente dieser Zeichen sind apokalyptisch: Blut, Feuer und Rauchschwaden (V. 41), dazu dramatische Himmelserscheinungen – die Sonne wird verfinstert, der Mond wird sich wie Blut färben, und Sterne werden vom Himmel fallen (V. 42). Diese Darstellungen sind sowohl wörtlich als auch symbolisch interpretierbar und zeigen den kosmischen Charakter des Kommens Christi an – es betrifft die ganze Schöpfung. 

In diesem Zusammenhang sagt der Herr, dass der „Überrest“ (gemeint sind die gesammelt und gereinigten Gläubigen) an diesen bestimmten Ort versammelt werden wird – Zion (V. 43). Und dann wird ein großartiger Moment eintreten: Sie werden nach Christus Ausschau halten, und siehe – Er wird tatsächlich kommen, „in den Wolken des Himmels, mit Macht und großer Herrlichkeit und mit allen heiligen Engeln“ (V. 44). Diese Wiederkunft ist sichtbar, glorreich und von einer unbestreitbaren Majestät begleitet. Doch der Herr warnt: Wer nicht nach Ihm Ausschau hält, wird abgeschnitten werden – eine ernste Mahnung zur geistigen Wachsamkeit. 

Noch vor dem Eingreifen des Herrn in die Geschichte („bevor der Arm des Herrn fällt“) wird ein Engel mit der Posaune erscheinen, um die Toten in Christus auferstehen zu lassen – sie werden Ihm in der Wolke begegnen (V. 45). Für jene, die „in Frieden geschlafen haben“, ist diese Auferstehung ein Akt der vollkommenen Erlösung: Sie werden Christus erkennen, so wie die damaligen Jünger Ihn sahen, und ihr geistiges Leben wird vollendet (V. 46). Die Heiligen aus allen Himmelsrichtungen werden hervorkommen – ein Bild für die umfassende Sammlung und Wiederherstellung des Volkes Gottes. 

Erst danach „wird der Arm des Herrn auf die Nationen fallen“ (V. 47) – also: das göttliche Gericht wird vollzogen, jedoch erst nachdem die Heiligen bewahrt und auferweckt wurden. Diese Abfolge zeigt die Barmherzigkeit und Ordnung im göttlichen Handeln: zuerst Rettung und Erlösung, dann Gericht und Reinigung. 

Griffith betont, dass viele dieser Zeichen bereits begonnen haben, aber dass Gläubige mit großer Vorsicht an die Auslegung dieser Zeichen herangehen sollten. Die Geschichte zeigt, dass manche Zeichen auf unerwartete Weise erfüllt wurden. Daher rät Griffith, sich nicht auf spekulative oder sensationelle Deutungen zu verlassen, sondern auf die autorisierten Diener Gottes zu hören – also die Propheten. Joseph Smith selbst hat 1843 in einer Predigt klargestellt, dass zwar „niemand den Tag oder die Stunde“ kennt, aber dass dies auf die damalige Generation bezogen war. Es widerspräche der Schrift, zu sagen, dass Gott nie jemandem diesen Zeitpunkt offenbaren würde, denn laut Amos 3:7 „tut Gott nichts, ohne es zuvor seinen Propheten zu offenbaren.“ 

Diese Aussage stellt klar: Das Wissen um die Zeichen und ihre Bedeutung ist nicht privaten Deutungen überlassen, sondern wird durch legitime Offenbarung weitergegeben. Wer Christus fürchtet, wird also nicht nur aufmerksam leben, sondern sich dabei auch an die Führung der lebenden Propheten halten – das ist der sichere Weg, um vorbereitet zu sein auf die große und herrliche Ankunft des Herrn. 

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Dass sie ihn ... in ihrem Fleische sehen würden

7. Mai 2025, 05:36am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Seine Jünger sehen den Auferstanden
(Bild Quelle)

“aber haben die Verheißung erhalten, dass sie ihn finden und ihn in ihrem Fleische sehen würden.” (Lehre und Bündnisse 45:14). 

Dieser Vers bringt eine große Hoffnung und Verheißung zum Ausdruck, die über alle Zeiten hinweg gilt: Dass diejenigen, die trotz aller Schwierigkeiten und Bosheit auf Erden fest an Gottes Verheißungen glauben, nicht enttäuscht werden, sondern sie tatsächlich erfüllt sehen – in ihrem Leben, in ihrem Körper, in ihrer Wirklichkeit. 

Für uns heute, die wir in einer Zeit zunehmender Unsicherheit, moralischer Verwirrung und geistiger Herausforderungen leben, erinnert dieser Vers daran: 

  • dass es gerechtfertigt ist, Hoffnung zu haben, selbst wenn unsere Zeit von „Bosheit und Gräueln“ geprägt ist (Vers 12), 

  • dass Gott seine Versprechen hält, auch wenn die Erfüllung auf sich warten lässt, 

  • und dass Zion wirklich kommen wird – eine gereinigte, heilige Gesellschaft, vorbereitet für das zweite Kommen Christi. 

Vers 14 verbindet also Glauben, Geduld und Verheißung auf eine Weise, die uns persönlich motiviert, dranzubleiben, auch wenn der Weg beschwerlich ist. 

Dieser Vers spricht von Menschen, die inmitten einer bösen und verworfenen Welt lebten, aber dennoch nicht den Glauben verloren haben. Sie sahen sich selbst als „Fremdlinge und Pilger auf der Erde“ (vgl. Hebräer 11:13) – Menschen, die wussten, dass ihre wahre Heimat nicht in dieser Welt, sondern in Zion, in Gottes Reich liegt. 

Auch wir leben in einer Zeit, in der viele die Hoffnung auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden verloren haben. Doch dieser Vers erinnert uns daran, dass Gott unsere Sehnsucht kennt. Wenn wir treu bleiben, werden auch wir sehen, wie sich seine Verheißungen erfüllen – nicht nur symbolisch, sondern ganz real, in unserem eigenen Leben. 

Die Botschaft ist klar: 

Bleibe geistlich wach, auch wenn die Welt schläft. Halte an der Verheißung fest, auch wenn sie noch nicht sichtbar ist. Gott hat Großes mit dir vor – in deinem Fleisch, in deiner Zeit. 

Lehre und Bündnisse 45:11–15 

In den Versen 11 bis 15 von L&B 45 verweist der Herr auf Henoch und seine Stadt Zion – eine Gemeinschaft, die aufgrund ihrer außerordentlichen Rechtschaffenheit von der Erde genommen und bei Gott aufgenommen wurde. Diese Stadt ist seitdem für einen zukünftigen „Tag der Gerechtigkeit“ aufbewahrt – ein Tag, den viele heilige Männer vergangener Zeitalter vergeblich suchten, da ihre eigene Zeit von Bosheit und Abscheulichkeit geprägt war. Dennoch erhielten sie die Verheißung, dass sie diesen Tag in ihrer eigenen leiblichen Auferstehung erleben würden. Der Herr spricht hier nicht nur zu seinen Zuhörern damals, sondern auch zu uns heute, indem er uns einlädt, auf seine Stimme zu hören und seine Weisheit anzunehmen, wie er es schon mit den Menschen „in alten Tagen“ tat. 

Diese Verse entfalten sich vor dem Hintergrund einer bedeutenden Offenbarungsgeschichte: Nur drei Monate vor LuB 45 hatte Joseph Smith im Dezember 1830 durch Offenbarung die Geschichte von Henoch und seiner Stadt Zion in Mose 6–7 empfangen. Darin wird ein Bündnis beschrieben, das Gott mit Henoch geschlossen hatte: Er versprach, in den Letzten Tagen alle Nachkommen Noahs – also die gesamte Menschheit – durch eine „Überschwemmung mit Gerechtigkeit und Wahrheit“ (gemeint sind das Evangelium und seine heiligen Bündnisse und Handlungen) zu einem Volk auszuwählen und sie in einer neuen Stadt Zion auf Erden zu sammeln, um sie auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Wenn der Herr dann wiederkommt, wird er die himmlische Stadt Henochs mitbringen, damit sie sich mit der irdischen Stadt Zion vereint. In D&C 84:100 wird dies bildhaft als das Herabkommen Zions von oben und das Hinaufkommen Zions von unten beschrieben – zwei Städte, die sich begegnen, wenn Christus seine Herrschaft auf Erden antritt. 

Joseph Smith fühlte sich persönlich mit Henoch verbunden – so sehr, dass er später in Offenbarungen gelegentlich das Pseudonym „Henoch“ verwendete. Kurz nach der Offenbarung in L&B 45 wurde ihm dann auch befohlen, nach Missouri zu reisen, um den Standort der künftigen Stadt Zion zu bestimmen (L&B 52:1–2). 

Der Hinweis auf Henoch in LuB 45:12–15 hat also eine tiefgreifende Bedeutung: Er aktiviert gewissermaßen den Henoch-Bund als gedanklichen Hintergrund für das, was der Herr in dieser Offenbarung weiter offenbart. Es ist eine Einladung an die Gläubigen, aktiv an der Erfüllung dieses Bundes mitzuwirken – durch das Leben nach den Prinzipien des Evangeliums, die Sammlung Israels und den Aufbau Zions in Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi. 

Lehre und Bündnisse 45:16–23 

In den Versen 16 bis 23 von L&B 45 wechselt der Herr in eine besonders persönliche Perspektive: Er spricht als der auferstandene Christus und erinnert an ein früheres Gespräch mit seinen Jüngern, als er noch im Fleisch unter ihnen war – genauer gesagt an das Gespräch, das am Ölberg in der letzten Woche seines Lebens stattfand ( Matthäus 24, Markus 13, Lukas 21). Dort hatten die Jünger ihn gefragt, wann der Tempel zerstört werde und welche Zeichen seine Wiederkunft und das Ende der Welt begleiten würden. Diese sogenannte „Ölbergrede“ war eine bedeutende Prophezeiung über die Letzten Tage, die nun in L&B 45 durch göttliche Offenbarung erweitert und vertieft wird. 

Der Herr erklärt hier, dass er ihnen – und uns – offenbaren möchte, wie das „Zeitalter der Erlösung“ eintreten wird: ein zukünftiger Tag, an dem er in Herrlichkeit vom Himmel kommen wird, um die Verheißungen zu erfüllen, die er den Vätern gegeben hat. Diese Verheißungen umfassen insbesondere die Sammlung Israels und die Wiederherstellung alles dessen, was in früheren Zeitaltern verloren gegangen ist. Die Wiederkunft Christi ist somit nicht nur ein dramatisches Weltereignis, sondern die Erfüllung uralter göttlicher Zusagen an Patriarchen wie Abraham, Henoch und Jakob – und an alle, die an Christus glauben. 

Besonders bemerkenswert ist, dass Christus auch auf ein tiefes menschliches Empfinden eingeht: die Erfahrung der Trennung von Körper und Geist – den „langen Zustand der Gefangenschaft“, wie er es nennt (Vers 17). Er macht deutlich, dass seine Wiederkunft auch die große Befreiung und Wiedervereinigung sein wird: Die Erlösten werden wieder in ihrer vollen leiblichen Gestalt stehen, die Toten auferstehen, und das Reich Gottes auf Erden errichtet werden. Damit verknüpft sich die Wiederkunft Christi untrennbar mit der Auferstehung und dem Millennium, einer Ära des Friedens, der Gerechtigkeit und der vollkommenen Erfüllung göttlicher Verheißungen. 

Diese Verse leiten somit die große, göttliche Perspektive ein, aus der der Herr im weiteren Verlauf von LuB 45 die Zeichen der Letzten Tage, den Ablauf der Wiederkunft und die Vorbereitung auf Zion ausführlich beschreibt. Sie erinnern uns daran, dass die Wiederkunft Christi kein isoliertes Ereignis ist, sondern die Krönung einer langen Heilsgeschichte, in der die Gläubigen aller Zeitalter – von Henoch über Abraham bis zu uns heute – miteinander verbunden sind. 

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Zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, wird der Sommer vorbei sein

6. Mai 2025, 04:56am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, wird der Sommer vorbei sein
(Bild generiert mit ChatGPT)

“Und weiter, ich sage: Hört auf meine Stimme, damit euch nicht der Tod ereile; zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, wird der Sommer vorbei sein und die Ernte zu Ende, und eure Seele ist nicht errettet.” (Lehre und Bündnisse 45:2) 

Lehre und Bündnisse 45:1–5 

Hier spricht der Herr direkt zu den Mitgliedern seiner Kirche und ruft sie eindringlich dazu auf, seiner Stimme aufmerksam zu lauschen. Er stellt sich als der Schöpfer aller Dinge vor – derjenige, durch den Himmel und Erde, alles Leben und jede Existenz entstanden sind. Mit warnenden Worten erinnert er daran, dass das Leben vergänglich ist: Die Zeit der Umkehr ist begrenzt, und es besteht die Gefahr, dass die „Ernte“ – also die Zeit der Vorbereitung – vorüber ist, ehe die Seele errettet ist. 

Besonders tröstlich und tief bewegend ist die Darstellung Christi als Fürsprecher beim Vater. Er stellt sich vor den Vater und bittet um Gnade für jene, die an seinen Namen glauben. Dabei verweist er auf sein vollkommenes Leben, seinen unschuldigen Tod, sein vergossenes Blut – all dies bringt er dem Vater dar als Fürsprache für seine Brüder und Schwestern. Sein Ziel ist es, dass sie verschont bleiben und zu ihm kommen können, um ewiges Leben zu empfangen. 

Diese Verse lehren von der Dringlichkeit, dem Herrn zuzuhören und umzukehren, sowie von der tiefen Liebe und Fürsorge Jesu Christi, der unaufhörlich für uns beim Vater eintritt. 

L&B 45 gehört zu den umfassendsten Offenbarungen über die Zeichen der Zeit und das Ende der Welt. Doch bevor der Erretter seinen Jüngern Einzelheiten über diese dramatischen Ereignisse offenbart, lenkt er ihren Blick auf ein noch viel bedeutenderes Geschehen: sein erstes Kommen und sein Sühnopfer. Präsident Marion G. Romney betonte, dass das Sühnopfer des Erretters „der Mittelpunkt der Weltgeschichte“ sei – ohne es würde der gesamte Zweck der Schöpfung und unseres Daseins auf der Erde verfehlen. 

Obwohl es verständlich ist, dass wir uns auf die Herausforderungen der Letzten Tage konzentrieren und uns Gedanken machen, wie wir sie überstehen können, liegt die wahre Kraft zur Bewältigung dieser Zeit in der Wertschätzung und Annahme des sühnenden Christus. Wer den Erretter und sein Evangelium kennt, kann auch inmitten von Chaos und Umbruch inneren Frieden finden und hoffnungsvoll auf eine bessere Zukunft blicken – selbst wenn die Welt um ihn herum auseinanderzufallen scheint. 

Lehre und Bündnisse 45:6–10 

Hier richtet der Herr erneut einen dringenden Appell an das Volk seiner Kirche und besonders an die Ältesten: Sie sollen seine Stimme hören, solange es noch „heute“ heißt – also solange noch Zeit zur Umkehr bleibt – und ihre Herzen nicht verhärten. Es ist ein Aufruf zur geistigen Wachsamkeit und Demut. 

Er bekräftigt seine göttliche Identität als Alpha und Omega, als Ursprung und Ziel aller Dinge, als Licht und Leben der Welt. Dieses Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis begreift es nicht – ein Hinweis darauf, dass viele sein göttliches Wirken nicht erkennen oder annehmen. 

Der Herr erinnert daran, dass er zwar zu seinem Volk gekommen ist, dieses ihn aber nicht empfangen hat. Dennoch verheißt er große Segnungen denen, die ihn annehmen und an seinen Namen glauben: die Macht, Wunder zu vollbringen, Kinder Gottes zu werden und ewiges Leben zu erlangen. 

Zudem offenbart er, dass er seinen immerwährenden Bund in die Welt gesandt hat – ein Licht für die Welt, ein Banner für sein Volk und ein Zeichen für alle Nationen. Dieser Bund soll den Weg für den Herrn bereiten, wie ein Bote, der seine Ankunft ankündigt. 

Die Einladung gipfelt in einem kraftvollen Versprechen: Wer zu ihm kommt, dem wird der Herr persönlich seine Beweggründe und Wahrheiten offenbaren – genauso wie er es einst den Männern in alten Tagen tat. So wird geistige Offenbarung jedem zuteil, der dem Herrn mit Glauben und offenem Herzen begegnet. 

In LuB 45 beschreibt der Herr seinen immerwährenden Bund als einen Boten und Maßstab, der die Menschen auf seine Wiederkunft vorbereitet. Dieser Bund – die Fülle seines Evangeliums – ist das Banner, zu dem sich in den Letzten Tagen alle Völker versammeln sollen (Jesaja 49:22). 

Wer zu Christus kommt, erhält die Kraft, ein Kind Gottes zu werden und ewiges Leben zu erlangen. Die Kirche Jesu Christi hat dabei den Auftrag, alle Menschen durch diesen Bund zu Christus einzuladen. Ihre Mitglieder sollen den Bund als Licht und Rufzeichen für die Welt hochhalten und Gottes Stimme hören, ohne ihre Herzen zu verhärten. Als Hüter des Bundes helfen sie aktiv mit, Israel zu sammeln und die Welt auf das Zweite Kommen vorzubereiten. 

Lehre und Bündnisse 45:11-15 

In diesen Versen lädt der Herr erneut alle ein, auf seine Stimme zu hören – diesmal mit dem besonderen Versprechen, ihnen seine Weisheit zu zeigen. Er verweist auf seine Identität als der Gott Henochs und seiner Brüder, die so gerecht lebten, dass sie mitsamt ihrer Stadt von der Erde genommen und zu ihm aufgenommen wurden. Diese Stadt wurde „aufgehoben“, das heißt, sie wurde bewahrt, bis der Tag der Rechtschaffenheit kommt – ein zukünftiger Tag, auf den alle heiligen Männer vergangener Zeiten gehofft haben. 

Doch diese Männer – obwohl sie nach diesem Tag trachteten – konnten ihn damals nicht erleben, weil die Welt durch Schlechtigkeit und Gräuel daran gehindert wurde. Dennoch erkannten sie, dass sie nur Fremde und Pilger auf der Erde waren – Menschen auf der Durchreise, die auf ein himmlisches Ziel ausgerichtet waren. Und sie empfingen die Verheißung, dass sie diesen Tag im Fleisch sehen würden – ein Hinweis auf die Auferstehung und die zukünftige Wiederkunft Christi. 

Der Abschnitt endet mit einem weiteren kraftvollen Versprechen: Der Herr wird den Gläubigen seine Gründe darlegen – seine Absichten und Wege – und zu ihnen sprechen und prophezeien wie zu den Männern in alten Tagen. Das bedeutet, dass Offenbarung, Prophezeiung und göttliche Führung heute ebenso möglich sind wie in früheren Zeiten – für alle, die bereit sind zu hören. 

In L&B 45 knüpft der Herr an die Offenbarungen über Henoch und die Stadt Zion an, die kurz zuvor in Mose 6–7 gegeben wurden. Es wird eine Verbindung zwischen der Zion von einst (Henochs Stadt, die in den Himmel aufgenommen wurde) und der modernen Zion (die Neue Jerusalem der Letzten Tage) hergestellt. Joseph Smith selbst identifizierte sich stark mit Henoch und wurde bald darauf beauftragt, den Ort für die neue Stadt Zion in Missouri zu bestimmen. 

Der Herr erklärt, dass bei seiner Wiederkunft Zion von oben (Henochs Stadt) und Zion von unten (die von den Heiligen errichtete Stadt) zusammengeführt werden. Diese Vereinigung leitet das tausendjährige Friedensreich ein. Die Anrufung Henochs erinnert an den Bund, den Gott mit ihm machte: In den Letzten Tagen würde Gott die Menschheit durch Wahrheit und Gerechtigkeit sammeln, um ein auserwähltes Volk vorzubereiten. Obwohl die Gerechten früherer Zeiten den Tag der Rechtschaffenheit nicht erlebten, wurde ihnen verheißen, dass sie ihn im Fleisch sehen würden – ein Hinweis auf die Auferstehung und die Erfüllung göttlicher Verheißungen. 

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Horcht auf, o ihr Volk meiner Kirche

5. Mai 2025, 04:46am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Gott zuhören
(Bild generiert mit ChatGPT)

“Horcht auf, o ihr Volk meiner Kirche, denen das Reich gegeben worden ist; horcht auf und schenkt Gehör dem, der die Grundlage der Erde gelegt hat, der die Himmel und alle ihre Scharen gemacht hat und durch den alles gemacht worden ist, was lebt und sich regt und ein Dasein hat.” (Lehre und Bündnisse 45:1). 

  • Der Herr fordert sein Volk, dem Er Sein Königreich gegeben hat – so auch in L&B 45:1 – immer wieder zum Hören, Horchen und achtsamen Gehorsam auf. Diese wiederholte Aufforderung, wie sie auch im Eingang dieses Abschnitts erscheint („Horcht auf… horcht auf und schenkt Gehör“), ist ein charakteristisches Muster in göttlicher Kommunikation. Es zeigt, wie wichtig es dem Herrn ist, dass sein Volk seine Stimme erkennt und beachtet – gerade in Zeiten von Unsicherheit, Lärm und Irreführung. 

Der Aufruf zu hören richtet sich dabei nicht nur an das äußere Ohr, sondern an das innere Herz und den Willen. Der Herr ruft uns auf, aufmerksam zu sein, geistig wachsam und bereit, seine Worte nicht nur zu empfangen, sondern auch danach zu handeln. In L&B 45:1 spricht er seine Kirche direkt an – also diejenigen, die bereits ein Bündnisvolk sind – und erinnert sie daran, wer er ist: der Schöpfer von allem, was lebt, derjenige, durch den alles Existierende entstanden ist. Diese Erinnerung an seine Macht und seine Rolle als Schöpfer soll das Vertrauen der Heiligen stärken und ihnen helfen, seinen Worten besonderes Gewicht beizumessen. 

Kurz gesagt: Der Herr ruft sein Volk dazu auf, ihm aufmerksam zuzuhören, ihm Vertrauen zu schenken und seiner Stimme zu folgen. Diese Einladung zieht sich durch die gesamte Heilige Schrift und ist Ausdruck seines Wunsches, uns zu führen, zu trösten und zu retten – aber eben nur, wenn wir bereit sind, wirklich zu „horchen“. So leitet der Herr seine Offenbarungen der Neuzeit auch mit dieser Aufforderung ein: “Horcht auf, o ihr Volk meiner Kirche” (L&B 1:1). 

Geschichtlicher Hintergrund zu Lehre und Bündnisse 45 

Diese Offenbarung ist ein wunderschöner Abschnitt, voller unglaublicher Prophezeiungen, Versprechen und Offenbarungen für uns. Sie entstand in einem bewegten und kritischen Moment der frühen Kirchengeschichte, als die neu gegründete Kirche bereits mit heftiger Opposition und Verleumdungen in den Medien konfrontiert war. Bereits kurz nach der Wiederherstellung der Kirche im Jahre 1830 machte sich Joseph Smith daran, seine frisch erhaltene King-James-Bibel – die er in Egbert Grandins Buchhandlung in Palmyra, New York, erworben hatte – zu überarbeiten. Diese Arbeit an einer neuen Übersetzung der Bibel war eng verknüpft mit weiteren Offenbarungen, die ihm im Zuge der Revision des Alten Testaments zuflossen. So wurde unter anderem das Buch Moses empfangen, das bedeutende Details über die idealisierte Gemeinschaft Henochs enthält, in der Armut überwunden war und Eintracht herrschte. 

Im März 1831, inmitten dieser intensiven Arbeitsphase und angesichts zunehmend verbreiteter falscher Berichte, die das Evangelium diskreditieren sollten, empfing Joseph Smith die Offenbarung, die als Abschnitt 45 in den Lehren und Bündnissen überliefert wurde. Diese Offenbarung ist insofern bemerkenswert, als dass sie einen direkten Kommentar zum sogenannten Olivetdiskurs *) Jesu darstellt – einem der komplexesten und zugleich umstrittensten Abschnitte der neutestamentlichen Schriften, wie sie in Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 überliefert sind. Bemerkenswerterweise ist es nicht ein menschlicher Kommentator, der diesen Diskurs interpretiert, sondern der Heiland selbst – eine Tatsache, die Abschnitt 45 zu einem unvergleichlichen Zeugnis macht, da hier der Erlöser seine Worte und Absichten gegenüber seinen Jüngern erläutert. 

*) Der Olivetdiskurs (die Ölbergrede, oder Endzeitrede) in Matthäus 24 ist eine bedeutende Rede Jesu, die er auf dem Ölberg hielt. Sie wird auch als Endzeitrede bezeichnet und behandelt die Zeichen des kommenden Gerichts, die Wiederkunft Christi und die Notwendigkeit der Wachsamkeit. 

Als Antwort seiner Jünger auf vier Fragen an ihn (1. Wann findet die Zerstörung des Tempels statt?, 2. Welche Zeichen deuten diese an? – Ereignisse nach dem ersten Kommen Jesu, 3. Was ist das Zeichen Deiner Wiederkunft?, und 4. Welches sind die Zeichen der Endzeit? – Ereignisse vor dem Zweiten Kommen Jesu) spricht Jesus über kommende Kriege, Hungersnöte, Verfolgungen und die Gefahr falscher Propheten. Er betont, dass viele vom Glauben abfallen werden, aber wer standhaft bleibt, wird gerettet. Besonders wichtig ist die Warnung vor der „Greuel der Verwüstung“, die als Zeichen großer Drangsal verstanden wird. 

Diese Rede ist nicht nur eine Prophezeiung über die Zerstörung Jerusalems (die sich 70 n. Chr. erfüllte), sondern auch eine eschatologische Botschaft über das Ende der Zeiten und die Wiederkunft Christi. Sie fordert die Gläubigen auf, wachsam und bereit zu sein, da niemand den genauen Zeitpunkt kennt. 

Interessanterweise gibt es in L&B 45 eine Offenbarung, die als göttlicher Kommentar zum Olivetdiskurs verstanden wird. Sie verbindet die Zeit Jesu mit der Wiederherstellung des Evangeliums und betont, dass trotz aller Widrigkeiten die Verheißungen Christi erfüllt werden. 

Durch diesen himmlischen Kommentar wird eine Brücke gespannt zwischen dem Alten Testament, dem Neuen Testament und der fortlaufenden Wiederherstellung des Evangeliums in der modernen Zeit. Der Heiland, der hier als „Gott Henochs“ in Erscheinung tritt, verknüpft die Zeit des vorbildlichen Henochs, in der seine Volksgemeinschaft in Eintracht und sozialer Harmonie lebte (Mose 7 in der Köstlichen Perle), mit der Zeit seiner eigenen Jünger und der letzten Tage. Diese Verbindung hat vor allem dann Bedeutung, wenn man den Kontext bedenkt, in dem die Offenbarung empfangen wurde: Während Joseph Smith noch an der Übersetzung des Alten Testaments arbeitete, gab ihm der Herr den Auftrag, sich stattdessen dem Neuen Testament zuzuwenden (siehe Joseph Smiths Übersetzung der Bibel Abschnitt 45) – denn die Worte Jesu, die er selbst am Ölberg geäußert hatte, sollten fortan in ihrem Licht interpretiert werden. 

Die Offenbarung versorgt die Gläubigen mit einer Botschaft der Hoffnung und des Trostes angesichts widriger Umstände. Sie erklärt, dass trotz der bevorstehenden Widrigkeiten – dargestellt in Form von Gewalt, übergreifender Bosheit und Naturkatastrophen – die Verheißungen Christi unfehlbar erfüllt werden. Dabei wird ausdrücklich klargestellt, dass die scheinbar chaotische und von Unheil geprägte Welt einem göttlichen Plan unterliegt, der schlussendlich in der Errichtung von Zion, einer neuen heiligen Stadt des Friedens und der Zuflucht, gipfeln wird (lies hierzu gerne “Zion durch Einigkeit errichten”). Diese Vision überzeugte und trug dazu bei, dass selbst in Zeiten äußerster Bedrängnis, wie sie zum Beispiel in den negativen Medienberichten jener Zeit thematisiert wurden, die Gläubigen den festen Glauben an die baldige Erfüllung der himmlischen Verheißungen behielten. 

Zusammengefasst bietet L&B 45 einen tiefgründigen Kontext, der weit über eine rein historische Betrachtung hinausgeht. Die Offenbarung liefert nicht nur einen theologisch fundierten Kommentar zur Ölbergrede, sondern stellt auch eine fortlaufende Verbindung her zwischen der idealisierten Gemeinschaft Henochs, den Lehren Jesu und dem Ziel der Wiederherstellung einer gerechten, zukunftsorientierten Gesellschaft. In dieser Weise schafft Abschnitt 45 ein kohärentes Bild, in dem vergangene, gegenwärtige und zukünftige Ereignisse in einem göttlichen Gesamtplan zusammenlaufen – ein Plan, der den Gläubigen in turbulenten Zeiten, in denen sie sich fragten, ist dies die prophezeite Endzeit, Optimismus und Gewissheit schenkt. 

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Ihr müsst die Armen und die Bedürftigen besuchen

3. Mai 2025, 05:04am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Siehe, ich sage euch: Ihr müsst die Armen und die Bedürftigen besuchen und ihnen Hilfe zuteilwerden lassen, damit sie erhalten bleiben, bis alles gemäß meinem Gesetz geschehen kann, das ihr empfangen habt. Amen.” (Lehre und Bündnisse 44:6). 

  • LuB 44:6 bringt die christliche Verantwortung in einer modernen Welt auf den Punkt: sich kümmern, lindern, ordnen – mit Herz und mit Handlung. Dieser Vers kann als Leitgedanke für persönliches Jüngertum wie auch für kirchliches Engagement im 21. Jahrhundert stehen. 

Historie zu Lehre und Bündnisse 44 

Die Offenbarung in L&B 44 wurde Ende Februar 1831 empfangen, kurz nachdem Joseph Smith auf Geheiß des Herrn (L&B 37 und 38) nach Kirtland, Ohio, umgezogen war. Sie steht im Zusammenhang mit einer intensiven Zeit des Wachstums, aber auch der Herausforderungen für die junge Kirche. Der Herr gebot in dieser Offenbarung, dass sich die Ältesten der Kirche „versammeln“ sollten, um eine Konferenz abzuhalten. Diese Anweisung war eng mit organisatorischen, geistlichen und gesetzlichen Anliegen verbunden. 

Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche in Ohio stark gewachsen, doch es herrschte Unordnung unter den Gläubigen, und der Widersacher suchte, die Arbeit zu behindern. Joseph Smith schrieb an seinen Bruder Hyrum, dass er damit beschäftigt gewesen sei, „die Kirchen hier zu ordnen, da die Jünger zahlreich sind und der Teufel viele Versuche unternommen hat, sie zu stürzen.“ In einem weiteren Brief an Martin Harris bat er dringlich darum, die Ältesten, die entbehrt werden konnten, nach Kirtland zu schicken – dies „auf Gebot des Herrn“, weil „er eine große Arbeit für sie hat.“ 

Die Offenbarung in Abschnitt 44 diente somit als geistige Grundlage für dieses Gebot. Der Herr erklärte darin, dass es „zweckmäßig“ sei, die Ältesten zu versammeln – ein Begriff, den er häufig verwendet, um auf etwas hinzuweisen, das notwendig ist, um seine Absichten zu erfüllen. In diesem Fall sollten die versammelten Ältesten, wenn sie gläubig waren, mit dem Geist erfüllt werden. Dadurch würden sie machtvolle Prediger der Umkehr, was wiederum zur Bekehrung vieler Menschen führen sollte. Die daraus entstehende Stärke der Kirche würde es ermöglichen, sich rechtlich korrekt zu organisieren – sowohl nach weltlichem Gesetz als auch nach dem Gesetz der Weihe. 

Diese Offenbarung hatte auch einen sehr praktischen Hintergrund: Nach dem Gesetz des Bundesstaates Ohio mussten mindestens zwanzig Mitglieder einer Kirche anwesend sein, um offizielle Amtsträger zu wählen und den Status der Kirche beim Bezirkssekretär eintragen zu lassen. Nur so konnte die Kirche rechtlich anerkannt werden und Eigentum besitzen. In dieser Zeit nahm auch der Widerstand gegen die Kirche zu – unter anderem durch Gegner wie Eber Howe und Grandison Newell, die wirtschaftlich, öffentlich und juristisch gegen die Kirche vorgingen. Der Herr bereitete durch diese Offenbarung die Mitglieder also nicht nur geistlich, sondern auch rechtlich und organisatorisch auf diese Herausforderungen vor. 

Neben der Organisation legt der Herr in L&B 44 auch Wert auf tätige Nächstenliebe. Er fordert die Mitglieder auf, sich um die Armen und Bedürftigen zu kümmern und ihnen Hilfe zu leisten (Vers 6). Auch dies war ein Teil der Vorbereitung auf das Gesetz der Weihe, das in den darauffolgenden Monaten zunehmend im Mittelpunkt stand. 

Die konkrete Umsetzung des Gebots erfolgte möglicherweise in einer besonderen Versammlung der Ältesten am 9. April 1831, wahrscheinlicher aber bei der Konferenz vom 6. Juni 1831. In seiner späteren Kirchengeschichte verband Joseph Smith diese Offenbarung direkt mit dieser Juni-Konferenz, in der er und andere das Hohe Priestertum empfingen – ein weiterer bedeutsamer Schritt in der Entwicklung der Kirche. 

Damit war die Konferenz, zu der der Herr in LuB 44 aufrief, nicht nur die erste Generalkonferenz in Kirtland, sondern ein entscheidender Meilenstein im Aufbau der Kirche – geistlich, organisatorisch und rechtlich. 

Seit der Zeit von LuB 44 hat sich die Abhaltung von Generalkonferenzen zu einem festen und zentralen Bestandteil im Leben der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entwickelt. 

Entwicklung und Praxis der Generalkonferenzen: 

1. Frühzeit der Kirche (1830er Jahre): 
Die ersten Konferenzen fanden noch in eher kleinem Rahmen statt. Sie dienten vor allem der Organisation der Kirche, der Ordination von Priestertumsführern und der Besprechung von Offenbarungen und Missionsfragen. Die in LuB 44 gebotene Konferenz war beispielsweise die vierte Generalkonferenz überhaupt und die erste in Kirtland, Ohio. 

2. Regelmäßigkeit: 
Im Lauf der Zeit wurde es zur Praxis, regelmäßig Generalkonferenzen durchzuführen. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden sie halbjährlich abgehalten – jeweils am ersten Wochenende im April und im Oktober. 

3. Ort: 
Seit der Fertigstellung des Tabernakels in Salt Lake City im Jahr 1867 fanden die Konferenzen dort statt. Seit 2000 ist das moderne Konferenzzentrum in Salt Lake City der Hauptversammlungsort – mit Platz für etwa 21.000 Besucher. 

4. Ziel und Inhalt: 
Generalkonferenzen dienen der gesamten Kirche zur geistlichen Stärkung, Unterweisung und Führung. Die Erste Präsidentschaft, das Kollegium der Zwölf Apostel und andere Generalautoritäten sowie Generalbeamte sprechen zu den Mitgliedern weltweit. Die Themen reichen von Evangeliumsgrundsätzen, aktueller Offenbarung und Zeugnis bis hin zu gesellschaftlichen und familiären Fragen. 

5. Technologische Entwicklung: 
Mit der weltweiten Ausbreitung der Kirche wurde auch die Übertragung der Konferenzen zunehmend wichtiger. Heute werden die Konferenzen live per Satellit, Fernsehen, Radio und Internet in mehr als 90 Sprachen ausgestrahlt – ein eindrucksvolles Zeugnis der Heimzentrierung und globalen Einheit der Kirche. 

6. Rolle für die Mitglieder: 
Für Mitglieder weltweit sind Generalkonferenzen geistige Höhepunkte. Viele bereiten sich bewusst darauf vor, vergleichen die Ansprachen mit persönlichem oder familiärem Schriftstudium und setzen die erhaltenen Anweisungen und Eingebungen im Alltag um. In der modernen Kirche ist die Generalkonferenz daher sowohl geistliches Ereignis als auch ein Instrument der kontinuierlichen Offenbarung und Führung. 

Kurz gesagt: Was mit einem Gebot zur Versammlung von Ältesten in Lehre und Bündnisse 44 begann, hat sich zu einer lebendigen Tradition der Offenbarung und weltweiten Gemeinschaft entwickelt – in der Christus durch lebende Propheten spricht. 

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