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Glaubensansichten

Ehe für deine Kinder gesorgt ist

10. September 2025, 06:02am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und nun, wahrlich, ich sage dir: Es ist nicht ratsam, dass du gehst, ehe für deine Kinder gesorgt ist und sie wohlwollend an den Bischof in Zion gesandt worden sind.” (Lehre und Bündnisse 99:6). 

Lehre und Bündnisse 99 – Historischer Kontext und geistliche Lehren 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 99 wurde am 29. August 1832 in Hiram, Ohio, an John Murdock gegeben. Murdock war ein früher Bekehrter in Kirtland, der im November 1830 durch Missionare des „Lamaniten-Auftrags“ getauft wurde. Er brachte von Anfang an eine besondere Bereitschaft mit, sich in den Dienst des Evangeliums zu stellen. Sein persönlicher Weg war jedoch von tiefem Leid geprägt: Seine Frau Julia verstarb im April 1831 kurz nach der Geburt von Zwillingen. Neben den drei älteren Kindern blieben ihm auch die neugeborenen Zwillinge, die er aus Sorge um ihr Wohlergehen Joseph und Emma Smith anvertraute. Das Schicksal der Familie war tragisch — eines der adoptierten Zwillingskinder starb in Folge eines Überfalls auf das Haus der Smiths, das andere, Julia, wuchs später bei Emma auf und wurde erwachsen. 

Murdock selbst blieb trotz dieser schweren Verluste im Werk des Herrn tätig. Bereits 1831 war er von Joseph Smith beauftragt worden, als Missionar nach Missouri zu reisen. Nach seiner Rückkehr nach Ohio nahm er wieder Missionsarbeit auf. Die Offenbarung von 1832 kam zu einer Zeit, als die Kirche ihr Missionsfeld in den östlichen Bundesstaaten ausdehnte, um Gemeinden zu stärken und neue Bekehrungen zu gewinnen. Sie zeigt bemerkenswert, dass der Herr sowohl die persönlichen Umstände als auch die geistliche Berufung seiner Diener kennt. Murdock erhielt den klaren Auftrag, erneut auf Mission zu gehen, jedoch unter der Bedingung, dass zuerst für die Versorgung seiner Kinder gesorgt sei — ein seltener, aber deutlicher Hinweis darauf, dass in Gottes Ordnung familiäre Verantwortung nicht zugunsten äußerer Dienste vernachlässigt werden darf. 

Die ersten Verse der Offenbarung (Verse 1–3) betonen die persönliche Berufung Murdocks. Der Herr spricht ihn direkt an und beauftragt ihn, in die Oststaaten zu gehen, von Haus zu Haus das Evangelium zu lehren. In dieser Formulierung liegt ein Grundprinzip geistlicher Führung: Berufungen sind individuell, persönlich zugeschnitten und beinhalten klare Handlungsanweisungen. Gleichzeitig wird die Würde des Dienstes hervorgehoben — wer den Diener empfängt, empfängt Christus selbst. Für heutiges Handeln bedeutet das, dass wir uns bewusst machen sollten, dass jede Berufung, ob groß oder klein, ein Werk im Namen Christi ist und daher mit derselben Ernsthaftigkeit und Hingabe ausgeführt werden sollte. 

Die nächsten Anweisungen (Verse 4–5) erinnern daran, dass nicht jeder die Botschaft annehmen wird. Der Auftrag, „die Füße zu reinigen“, drückt sinnbildlich aus, sich innerlich rein zu halten und ohne Bitterkeit weiterzugehen, selbst wenn man auf Ablehnung stößt. Dieses Prinzip ist zeitlos: Wer sich für Wahrheit und Rechtschaffenheit einsetzt, muss lernen, mit Widerstand umzugehen, ohne sich entmutigen zu lassen. Der Hinweis, dass der Herr bald zum Gericht kommt, ruft ins Bewusstsein, dass alles Tun letztlich vor Gott Rechenschaft findet — ein Aufruf, unser Leben bewusst und verantwortungsvoll zu gestalten. 

Besonders eindrücklich wird der familiäre Aspekt in Vers 6 betont. Bevor Murdock auf Mission geht, soll er sicherstellen, dass seine Kinder gut versorgt sind. Hier zeigt sich eine klare Priorität: Geistlicher Dienst darf nicht in Konflikt mit der Pflicht gegenüber der Familie geraten. Für heutige Gläubige ist das eine wichtige Orientierung: Wer dienen will, muss zunächst seine Grundverantwortungen im eigenen Zuhause erfüllen. 

Der Abschluss der Offenbarung (Verse 7–8) spricht von einer zukünftigen Segnung — dem Erbteil im „guten Land“ zu gegebener Zeit. Diese Zusage ist mit Geduld verbunden: Murdock soll geduldig auf Gottes Zeitpunkt vertrauen und bis zu seiner „Wegnahme“ beständig im Werk bleiben. Hier wird das Prinzip des lebenslangen Dienstes betont: Missionarische und geistliche Aufgaben sind nicht nur auf einen Lebensabschnitt beschränkt, sondern begleiten den Gläubigen bis zum Ende. 

In ihrer Gesamtheit verbindet die Offenbarung somit drei Kernbereiche: die persönliche Berufung im Werk des Herrn, den verantwortungsvollen Umgang mit familiären Pflichten und die Bereitschaft, in Geduld und Beständigkeit bis ans Lebensende zu dienen. Für unser heutiges Handeln ergeben sich daraus mehrere zentrale Lehren: 

Erstens, dass Berufungen nicht zufällig sind, sondern vom Herrn in Kenntnis unserer persönlichen Stärken, Schwächen und Lebensumstände gegeben werden. Zweitens, dass wir in unserem Dienst stets die Haltung wahren sollten, dass wir in Christi Auftrag handeln, was uns Mut gibt und zugleich zur Demut verpflichtet. Drittens, dass wir lernen müssen, Ablehnung auszuhalten und trotzdem mit reinem Herzen weiterzugehen. Viertens, dass Familie Vorrang hat und ein geistlicher Dienst erst dann in rechter Weise geschehen kann, wenn die Grundverantwortung zuhause gesichert ist. Fünftens, dass Gottes Zeitplan oft Geduld verlangt, seine Zusagen aber zuverlässig erfüllt werden. Und schließlich, dass unsere Hingabe zum Evangelium nicht an äußere Lebensphasen gebunden ist, sondern bis zum Ende unseres Erdenlebens Bestand haben sollte. 

Historisch betrachtet steht Lehre und Bündnisse 99 in einer Reihe von Offenbarungen der Jahre 1831–1832, die missionarische Ausbreitung und die Stärkung bestehender Gemeinden zum Ziel hatten. Während viele dieser Aufträge ohne Rücksicht auf persönliche Umstände formuliert wurden, ist diese Offenbarung besonders, weil sie familiäre Verantwortung ausdrücklich als Bedingung für die Ausführung der Berufung nennt. Sie ist damit ein bemerkenswerter Beleg für die Ausgewogenheit göttlicher Führung — eine Balance zwischen Pflicht gegenüber Gott und Pflicht gegenüber den Nächsten, besonders innerhalb der Familie. 

So ist diese kurze Offenbarung nicht nur ein historisches Missionsmandat für einen treuen frühen Heiligen, sondern ein zeitloses Lehrstück darüber, wie der Herr seine Diener führt, schützt und auf den rechten Weg weist. Wer sie heute liest, findet in ihr eine klare Orientierung: Diene, wo du kannst, mit voller Hingabe — aber sorge zuerst für die dir anvertrauten Menschen, vertraue Gottes Zeitplan und halte durch bis ans Ende. 

findechristus.org

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Sollst du ihm vergeben, bis zu siebzigmal siebenmal

9. September 2025, 05:36am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“... und sooft dein Feind von der Verfehlung, womit er gegen dich gefehlt hat, umkehrt, sollst du ihm vergeben, bis zu siebzigmal siebenmal.” (Lehre und Bündnisse 98:40). 

Lehren aus Lehre und Bündnisse 98:1-48 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 98 wurde Joseph Smith im Spätsommer 1833 gegeben. Sie richtet sich an die bedrängten Heiligen in Missouri, die schwere Verfolgungen durch die umliegenden Bevölkerungen erleiden mussten. Die Gläubigen waren von feindlichen Nachbarn vertrieben, hatten Verlust von Besitz und Heimat erlitten und standen vor der schwierigen Frage, wie sie sich angesichts dieser Bedrängnisse verhalten sollten – besonders in Bezug auf Gesetze, Widerstand und Gewalt. Die Offenbarung gibt Anleitung zu Geduld, Gebet, Rechtsgehorsam, aber auch zur Verteidigung im Falle von Ungerechtigkeit. Sie enthält wichtige Prinzipien für die Beziehung der Heiligen zu weltlichen Gesetzen und ist in dieser Hinsicht auch für heutige Fragestellungen wie Sklaverei von Bedeutung. 

1. Trost und Hoffnung für das bedrängte Volk (Verse 1–3) 

Der Herr beginnt mit einer liebevollen Ermahnung, seine bedrängten Kinder zu trösten und Geduld zu üben (V.1-3). Er verspricht, dass ihre Opfer und ihr Leiden nicht vergeblich sind, sondern „nach dem Maß ihrer Mühen“ belohnt werden. Diese Zusage stärkt das Vertrauen, dass trotz äußerer Bedrängnis Gottes Verheißungen sich erfüllen werden. Hier wird eine Parallele zu Römer 8:18 sichtbar, wo Paulus schreibt, dass „die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Gerade in Zeiten von Ungerechtigkeit und Flucht ist dieser geistige Trost fundamental. 

2. Das Verhältnis zu menschlichen Gesetzen und göttlicher Freiheit (Verse 4–8) 

Ein zentraler Lehrsatz ist, dass Gott irdische Regierungen und Gesetze einsetzt, um die Freiheit seiner Kinder zu bewahren (V.4-5). Es gilt das Prinzip: Gesetze sind von Gott gegeben, wenn sie dem Schutz der Freiheit und des Wohlergehens dienen. Dies ist eine klare Absage an jede Form von Tyrannei oder Ungerechtigkeit, die Menschen unterdrückt. 

Vers 7 betont, dass alles, was menschliche Gesetze betrifft, das über diese göttliche Grundlage hinausgeht oder sie verletzt, „vom Bösen“ stammt. Diese Aussage ist besonders relevant für das Thema Sklaverei, die damals in den USA tief verwurzelt und heiß umstritten war. Sklaverei widerspricht dem göttlichen Prinzip der Freiheit, da sie Menschen zur Ware macht und ihrer Gott gegebenen Rechte beraubt. Damit weist die Offenbarung implizit auf die Unvereinbarkeit von Sklaverei und göttlich angeordnetem Recht hin. 

In diesem Kontext mahnt Vers 8, dass diejenigen, die Gesetze gegen die Freiheit erlassen oder aufrechterhalten, sich vor Gottes Gericht verantworten müssen. Die Heiligen sollen sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, ohne selbst ungerecht zu handeln. 

3. Die Trauer über ungerechte Herrschaft und der Ruf nach Rechtschaffenheit (Verse 9–11) 

Vers 9 beschreibt die Trauer des Volkes, wenn „die Schlechten herrschen.“ Dies ist ein zeitloser Ausdruck von Leid über korrupte oder tyrannische Herrschaft. Die Offenbarung spricht somit auch von der Pflicht, für gerechte Führung einzutreten. In Vers 10 werden die Heiligen ermahnt, diejenigen zu unterstützen, die „das Gesetz des Landes rechtfertigen“ – also gesetzestreue, ehrliche und weise Führer. 

Gleichzeitig fordert die Offenbarung in Vers 11 dazu auf, selbst gesetzestreu zu sein, „auch wenn ihr für das Reich Gottes leiden müsst.“ Die Heiligen sind also aufgerufen, sowohl staatliches Recht zu respektieren als auch in rechtschaffenem Verhalten zu bestehen – selbst unter Verfolgung. 

4. Geduld und Zurückhaltung bei Konflikten (Verse 12–15) 

In diesen Versen fordert der Herr dazu auf, Widerstand nur zu leisten, wenn alle friedlichen Mittel ausgeschöpft sind. Es wird geraten, „Beleidigungen und Widerwärtigkeiten geduldig zu ertragen“ (V. 12). Erst wenn „alle friedlichen Mittel“ versagen, sei Verteidigung erlaubt. 

Diese Lehre steht in enger Verbindung mit Jesu Worten in Matthäus 5:39 („Widersteht dem Bösen nicht, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“). Geduld und Frieden sind primär, doch Verteidigung ist gerechtfertigt, wenn es der Schutz der Unschuldigen ist. 

5. Bedingungen für Krieg und Verteidigung (Verse 16–26) 

Diese Verse geben klare Kriterien für den Einsatz von Gewalt und Krieg vor: Krieg ist nur dann erlaubt, wenn er der Verteidigung dient und vorher Friedensangebote gemacht wurden (V. 23). Die Heiligen sollen sich nicht als Aggressoren betätigen, sondern nur reagieren, wenn alle anderen Wege versagen. 

Historisch war dies für die Heiligen in Missouri eine hochaktuelle Frage. Sie wurden von Nachbarn angegriffen und vertrieben. Die Offenbarung gebietet ihnen, sich rechtlich und friedlich zu wehren, bevor sie zum Äußersten greifen. Diese Maßgabe folgt dem alttestamentlichen Grundsatz aus 5. Mose 20:10–12, der vor einer Belagerung den Feinden Frieden anbieten soll. 

6. Vergebung und Barmherzigkeit (Verse 27–32) 

Der Herr fordert in diesen Versen zu Geduld und Vergebung auf. Er sagt, dass man „dreimal Unrecht ertragen“ soll, bevor man sich verteidigt (V. 27). Das Wiederholungsmotiv der Vergebung erinnert an Matthäus 18:21–22, wo Jesus zu „siebzigmal siebenmal“ Vergebung ermutigt. Dabei geht es nicht um mathematische Begrenzung, sondern um eine Herzenseinstellung der Langmut. 

Diese Lehre zeigt den Charakter einer gerechten, aber barmherzigen Gesellschaft, die auf Gnade baut. Gleichzeitig wird Verteidigung nicht ausgeschlossen, sondern erst als letztes Mittel zugelassen. 

7. Das Gleichgewicht von Recht und Gerechtigkeit (Verse 33–38) 

Hier wird betont, dass der Herr die Gerechten beschützt, dass aber auch die Übeltäter gerichtet werden. Es ist ein Zuspruch an die Geduldigen und Rechtschaffenen, dass ihr Gehorsam nicht vergeblich bleibt. 

Dieses Prinzip wird im Buch Mormon in Alma 37:6 ähnlich ausgedrückt: „Kleine Dinge bringen große zum Vorschein.“ Der Gehorsam gegenüber göttlichem Recht zeigt sich letztlich in göttlichem Schutz. 

8. Mahnung zur friedvollen Rechtsdurchsetzung und zum Vertrauen (Verse 39–48) 

Die Verse 39 bis 48 von Lehre und Bündnisse 98 schließen die Offenbarung mit wichtigen Lehren über Vergebung, Geduld, friedlichen Widerstand und Vertrauen ab. Vers 39 fordert die Heiligen auf, keine persönliche Rache zu üben, sondern die Vergeltung Gott zu überlassen – ein Prinzip, das auch in Römer 12:19 bekräftigt wird. Vergebung ist ein zentrales Thema: In Vers 41 wird betont, dass man anderen auch dann vergeben soll, wenn sie beim ersten Fehltritt nicht umkehren, was die unbegrenzte Barmherzigkeit Gottes widerspiegelt. Diese Haltung entspricht den Lehren Jesu in Matthäus 18:21–22 und im Buch Mormon (Mosia 26:30). 

Die Offenbarung ermahnt die Gläubigen, geduldig zu sein und nicht in Zorn oder Ungeduld zu verfallen, wenn das Werk Gottes verzögert wird. Sie sollen trotz Widerständen standhaft bleiben und auf die Erfüllung göttlicher Verheißungen warten. Gleichzeitig wird die Achtung vor gerechten Gesetzen betont: Die Heiligen sollen ihre Rechte auf friedlichem Weg verteidigen und das Gesetz respektieren, soweit es mit Gottes Prinzipien übereinstimmt. 

findechristus.org

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Freut euch immerdar, und gebt in allem Dank

8. September 2025, 05:17am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Wahrlich, ich sage euch, meine Freunde: Fürchtet euch nicht, euer Herz sei getrost; ja, freut euch immerdar, und gebt in allem Dank;” (Lehre und Bündnisse 98:1). 

1. Historischer Hintergrund und Kontext von L&B 98 

Anfang August 1833 befand sich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in einer kritischen Phase. In Jackson County, Missouri – dem von den Offenbarungen als „Ort für Zion“ bezeichneten Gebiet – hatten sich Spannungen zwischen den Mitgliedern der Kirche (den „Heiligen“) und den alteingesessenen Siedlern in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Die Ursachen waren vielfältig: religiöse Differenzen, kulturelle Gegensätze, wirtschaftliche Konkurrenz und insbesondere Fragen rund um die Sklaverei. Viele Heilige stammten aus Nordstaaten, wo abolitionistische Gedanken verbreiteter waren, und ihr schnelles Bevölkerungswachstum weckte bei den Einheimischen Sorgen um politischen und gesellschaftlichen Einfluss. 

Die Situation spitzte sich Ende Juli 1833 zu, als ein Mob das Büro der Kirchenzeitung Evening and Morning Star zerstörte, den Herausgeber W. W. Phelps bedrohte und führende Mitglieder wie Edward Partridge und Charles Allen teerte und federte. Die Gewalt zwang viele Heilige, ihre Häuser zu verlassen. Diese Ereignisse sollten Joseph Smith erst Wochen später durch Briefe erreichen – die Nachrichten reisten langsam von Missouri nach Kirtland, Ohio. 

Am 6. August 1833, noch bevor Joseph von diesen Vorfällen wusste, empfing er in Kirtland die Offenbarung, die später als Lehre und Bündnisse 98 kanonisiert wurde (scripturecentral.orgdoctrineandcovenantscentral.org). Sie bot Trost, rief zur Geduld auf und ermahnte zu einer friedvollen Haltung – Botschaften, die sich als erstaunlich passgenau für die bedrängten Gläubigen in Missouri erwiesen, obwohl Joseph das volle Ausmaß der Gewalt noch nicht kannte. 

2. Inhaltliche Hauptlinien der Offenbarung 

Die Offenbarung gliedert sich in mehrere Schwerpunkte, die im historischen Kontext besonders bemerkenswert sind: 

  • Ermutigung zur Freude in der Trübsal (Verse 1–3): Die Heiligen werden aufgefordert, „euch in allem zu freuen“, da ihre Leiden letztlich zu ihrem Besten dienen und in Herrlichkeit enden werden. 

  • Aufruf zur Rechtschaffenheit und zum Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz (Verse 4–11): Die Heiligen sollen sich an die göttlichen Gesetze halten, die der Herr gegeben hat, um sie frei zu machen, und nicht an Menschengebote, die Knechtschaft bringen. 

  • Gebot zur Feindesliebe und Gewaltvermeidung (Verse 23–48): Sie sollen dreimalige Beleidigungen oder Angriffe geduldig ertragen, bevor sie handeln; und selbst dann ist Vergeltung nicht geboten, sondern Vergebung wird als höhere Pflicht dargestellt. 

  • Aufforderung, sich an die Verfassung der Vereinigten Staaten zu halten (Verse 4–7): Die Offenbarung erklärt die Verfassung als göttlich inspiriert und zur Gewährleistung der Freiheit aller Menschen eingesetzt. 

Gerade dieser letzte Punkt bekommt im Kontext der Sklavenfrage besonderes Gewicht, denn er stellt ein göttliches Ideal der allgemeinen Freiheit in den Vordergrund – während die Realität in Missouri von Sklaverei geprägt war. 

3. Sklaverei als Spannungsfeld 

Obwohl Lehre und Bündnisse 98 die Sklaverei nicht ausdrücklich anspricht, spielte sie im Umfeld der Offenbarung eine Schlüsselrolle. Missouri war ein Sklavenstaat, und viele der alteingesessenen Siedler sahen in den Heiligen eine potenzielle Bedrohung für das bestehende System. 

Ein wesentlicher Auslöser für Misstrauen war ein Artikel in der Evening and Morning Star von Juli 1833, in dem W. W. Phelps zwar betonte, dass die Kirche keine gesetzeswidrigen Versuche unternehme, Sklaven zu befreien, aber auch Hinweise gab, wie freie Schwarze in Missouri ankommen könnten. Für viele Missourianer reichte allein diese Andeutung, um die Heiligen als abolitionistisch zu brandmarken. 

Die kirchliche Haltung in dieser Zeit war komplex: 

  • 1835 wurde in Lehre und Bündnisse 134 festgehalten, dass die Kirche nicht beabsichtige, sich in staatlich erlaubte Sklaverei einzumischen. Das war eine Anpassung an den politischen Druck in Missouri. 

  • Joseph Smith selbst äußerte sich in den 1830er-Jahren zurückhaltend zur Abschaffung, schlug jedoch 1844 in seiner Präsidentschaftskampagne vor, die Sklaverei bis 1850 stufenweise abzuschaffen, finanziert durch den Verkauf öffentlicher Ländereien. 

  • Nach Joseph Smiths Tod verstärkte sich unter Brigham Young für einige Jahrzehnte eine theologische Rechtfertigung der Sklaverei, verbunden mit dem Priestertumsverbot für Schwarze – gestützt auf damals verbreitete, heute verworfene Interpretationen wie den „Fluch Kains“ oder „Fluch Hams“. 

Vor diesem Hintergrund erhält die Passage in L&B 98 über die göttlich inspirierte Verfassung und die Freiheit aller Menschen eine gewisse Spannung: Sie proklamiert ein Ideal, das in der damaligen US-Realität, besonders in Missouri, nicht verwirklicht war. 

4. Die prophetische Dimension 

Dass Joseph Smith diese Offenbarung vor der Ankunft der Nachrichten aus Missouri empfing, ist ein bemerkenswerter Aspekt. Für die Heiligen in Jackson County waren die Worte wie eine vorweggenommene Antwort Gottes: 

  • Sie sollten sich nicht zu Vergeltung hinreißen lassen, obwohl sie provoziert und misshandelt wurden. 

  • Sie wurden ermahnt, erst nach wiederholten Angriffen – und auch dann nur im Geiste der Rechtschaffenheit – Widerstand zu leisten. 

  • Sie sollten ihre Feinde lieben und für sie beten, selbst wenn diese Unrecht taten. 

Diese Mahnungen standen in direktem Gegensatz zur gängigen gesellschaftlichen Praxis, in der Ehre und Vergeltung stark betont wurden. 

5. Folgereaktionen und weitere Offenbarungen 

Als Joseph später im August 1833 schließlich die Briefe aus Missouri erhielt und das volle Ausmaß der Gewalt erkannte, empfing er weitere Offenbarungen, darunter L&B 99100 und besonders 101. Diese gaben zusätzliche Handlungsanweisungen, rechtliche Strategien und geistlichen Trost. 

L&B 98 blieb jedoch die erste, vorauseilende Botschaft, die der Herr gab – und sie legte den Ton fest: geduldig ertragen, Gott vertrauen, das Gesetz achten, Freiheit hochhalten und Gewalt meiden. 

6. Bedeutung für heute 

Aus heutiger Sicht lehrt L&B 98 mehrere Prinzipien: 

  • Göttliche Voraussicht: Gott kann seine Diener und sein Volk auf Prüfungen vorbereiten, bevor sie eintreten. 

  • Friedfertigkeit in Konflikten: Selbst in feindlicher Umgebung ist Gewalt nicht der erste Weg – Geduld und rechtmäßige Mittel haben Vorrang. 

  • Freiheit als göttliches Ideal: Die Offenbarung bekräftigt das Prinzip, dass wahre Gesetze der Freiheit von Gott inspiriert sind, was für den Umgang mit gesellschaftlichen Fragen auch heute wegweisend ist. 

  • Umgang mit gesellschaftlichem Druck: Die Geschichte zeigt, wie Gläubige in einer Kultur leben können, die zentrale Glaubenswerte nicht teilt – ein Spannungsfeld, das auch heute existiert. 

Zusammenfassung 

Lehre und Bündnisse 98 ist eine Offenbarung vom 6. August 1833, empfangen in Kirtland, Ohio, bevor Joseph Smith von den Übergriffen in Missouri wusste. Sie bietet Trost, ruft zu Geduld und Gewaltlosigkeit auf, betont die Achtung der göttlich inspirierten Gesetze und die Freiheit aller Menschen. Die Umstände in Missouri – verschärft durch Spannungen um die Sklavereifrage – machten diese Botschaft unmittelbar relevant. Für die Heiligen war sie ein Aufruf, trotz Verfolgung friedlich zu bleiben und auf Gottes Eingreifen zu vertrauen. Historisch gesehen steht sie an einem Wendepunkt, an dem geistliche Ideale und politische Realitäten heftig aufeinanderprallten – und sie bleibt ein Beispiel für prophetische Führung in Krisenzeiten. 

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Darum lasst Zion sich freuen

6. September 2025, 05:29am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum wahrlich, so spricht der Herr: Lasst Zion sich freuen, denn dies ist Zion – die im Herzen Reinen; darum lasst Zion sich freuen, während alle Schlechten trauern.” (Lehre und Bündnisse 97:21). 

Lehren aus Lehre und Bündnisse 97 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 97 beginnt mit einem tiefen Einblick in das Herz des Herrn für diejenigen, die ihn aufrichtig suchen. Er spricht lobend über jene in Zion, die sich durch Demut, Treue und echte Lernbereitschaft ausgezeichnet haben. Diese Menschen, so sagt er, liebt er wegen der Aufrichtigkeit ihres Herzens. Hier wird deutlich, dass der Herr nicht nur auf äußeres Verhalten achtet, sondern vor allem auf die innere Gesinnung – auf das Verlangen, zu lernen, zu wachsen und ihm näherzukommen. In unserer Zeit lädt uns dieser Abschnitt ein, unsere eigene Herzenseinstellung zu prüfen: Streben wir wirklich danach, belehrbar zu sein? Suchen wir den Herrn mit einem redlichen Herzen, oder halten wir an selbstgewählten Maßstäben fest? In einer Welt, die oft von Selbstdarstellung und Oberflächlichkeit geprägt ist, ruft uns diese Offenbarung zu Innerlichkeit, zu Demut und zur wahren Jüngerschaft. 

Dem Lob folgen allerdings ernsthafte Warnungen. Es scheint, dass nicht alle in Zion die gleiche Herzenshaltung an den Tag legten. Einige werden symbolisch mit einem Baum verglichen, der keine gute Frucht bringt. Solche Menschen, so der Herr, können nicht auf Dauer bestehen – sie werden entfernt werden, wie ein unfruchtbarer Baum gefällt wird. Diese scharfe Bildsprache macht klar: Zugehörigkeit zur Kirche allein genügt nicht. Der Herr erwartet Wachstum, Reue, Früchte der Umkehr. Auch für unsere Zeit ist dies ein eindringlicher Aufruf: In einer Kultur, in der es leicht ist, sich mit oberflächlichem Engagement zufriedenzugeben, verlangt der Herr weiterhin ganze Hingabe. Spirituelles Wachstum ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess, den wir nicht aufschieben dürfen. 

Im Zentrum der Offenbarung steht dann der Aufruf, mit dem Bau des Hauses des Herrn fortzufahren – des Tempels in Zion. Trotz äußerer Bedrohung und realer Gefahren wurde den Heiligen geboten, mit dem Werk voranzuschreiten. Der Herr spricht mit Nachdruck davon, dass sie sich beeilen sollen, und zwar nach dem Muster, das er ihnen gegeben hat. In diesem Aufruf liegt eine tiefe Wahrheit verborgen: Der Aufbau von Zion ist nicht nur eine Vision für die Zukunft, sondern eine konkrete Aufgabe für die Gegenwart – selbst in Zeiten der Unsicherheit. Für uns heute bedeutet das: Der Bau Zions beginnt in unseren eigenen Häusern, in unseren Herzen, in unseren Gemeinden. Der „Tempel“ als Symbol für Heiligkeit, Ordnung und göttliche Nähe muss auch heute inmitten von Chaos und Gegenwind errichtet werden – durch Glauben, durch Opfer, durch Hingabe. Momentan hat die Kirche insgesamt 382 Tempel in 81 Ländern (siehe hier). 

Eng damit verknüpft ist die Bedeutung des Tempels als Ort der Belehrung. Die Offenbarung macht deutlich, dass in diesem Haus Lehrer und Schüler zusammenkommen sollen, um nach dem Willen Gottes unterrichtet zu werden. Das Lernen ist hier nicht akademisch, sondern geistlich – durch Offenbarung, durch den Einfluss des Geistes. Wer sich in diesem Haus aufhält, soll in einer Haltung der Dankbarkeit, Demut und Bereitschaft verweilen. Gerade in unserer modernen Welt, in der Wissen oft mit Macht verwechselt wird, betont diese Offenbarung eine andere Art von Lernen: Lernen durch Heiligkeit, durch Gemeinschaft, durch Gehorsam. Die Einladung, sich schulen zu lassen, richtet sich auch an uns – wir sind aufgerufen, unser ganzes Leben lang Schüler in Gottes Schule zu sein. 

In einer besonders tröstlichen Wendung verheißt der Herr schließlich seinen persönlichen Beistand, sollte das Volk ihm gehorsam sein. Er erklärt, dass er in seinem Tempel gegenwärtig sein werde – dass seine Herrlichkeit das Haus erfüllen und seine Hand es beschützen werde. Zion werde zu einer hohen Burg, zu einem Ort der Stärke und des Schutzes, und sein Volk werde gesegnet sein. Diese Verheißungen sind von tiefem Gewicht. Sie zeigen, dass der Tempel nicht nur ein Bauwerk ist, sondern ein Ort der Begegnung – zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott. Auch heute steht der Tempel im Zentrum unseres geistigen Lebens. Wer ihn aufsucht, mit reinem Herzen und bereit, Belehrung zu empfangen, wird die Gegenwart des Herrn in seinem Leben spüren – als Führung, als Trost, als Kraftquelle. 

Doch die Offenbarung endet nicht mit einer bloßen Verheißung. Vielmehr enthält sie auch eine Mahnung: Wenn das Volk Gottes seinen Bund nicht hält, dann wird es keine Ausnahmebehandlung geben. Auch das Bundesvolk ist dem Gesetz Gottes unterworfen. Wenn es ungehorsam ist, wird es Bedrängnis erleiden – nicht aus Rachsucht, sondern aus Gerechtigkeit und zur Erweckung. Der Herr wirkt nicht mit Zwang, aber er lässt zu, dass Konsequenzen uns zur Umkehr rufen. Dieser Grundsatz ist heute genauso gültig wie damals. Gott ist geduldig, langmütig, liebevoll – aber nicht gleichgültig. Sein Werk ist groß, und er erwartet von uns, dass wir es mit Ernsthaftigkeit und Konsequenz angehen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Lehre und Bündnisse 97 eine kraftvolle Kombination aus Lob, Warnung, Auftrag und Verheißung enthält. Die darin enthaltenen Lehren sind zutiefst relevant für die heutige Kirche und für jeden Einzelnen. Es geht um Herzenshaltung, um wahres Lernen, um den Aufbau heiliger Orte trotz Widerständen, um das Wirken Gottes inmitten unserer Mühen und um die Wichtigkeit von Gehorsam und Konsequenz. Zion ist nicht nur eine geografische Vision – es ist ein geistiger Zustand. Jeder, der sich dem Herrn zuwendet, ihm dient und sich von ihm formen lässt, wird zum Baumeister dieses geistigen Zion. Der Tempel – in all seiner symbolischen wie realen Bedeutung – steht im Mittelpunkt dieses Werkes. Wer sich dem Herrn dort naht, bereitet sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf das kommende Reich Gottes vor. 

Die Offenbarung lädt uns also ein, Teil eines größeren Ganzen zu werden. Sie ruft zur persönlichen Umkehr, zur geistigen Schulung, zum Dienst an anderen und zur Errichtung heiliger Räume – in unseren Häusern, unseren Herzen und unserer Gesellschaft. Auch wenn äußere Umstände widrig sein mögen, gilt: Zion beginnt mit uns. Die Verheißungen stehen, die Einladung ist ausgesprochen – es liegt an uns, sie anzunehmen. 

Präsident Russell M. Nelson lädt uns immer wieder freundlich, aber eindringlich ein, häufiger den Tempel zu besuchenTempelverordnungen zu empfangen und zu vollziehen, und Tempelbündnisse in unserem Leben zu ehren

Er betont dabei regelmäßig: 

  • Der Tempel ist der sicherste Ort auf Erden. 

  • Wer sich auf den Tempel ausrichtet, wird geistig gestärkt und geschützt. 

  • Der Bau und Besuch von Tempeln ist ein Zeichen unserer Liebe zu Gott. 

  • Wir sollen Tempelwürdigkeit täglich anstreben, nicht nur gelegentlich. 

Seine Einladung ist also: Lebe bündnisorientiert – persönlich, als Familie und als Gemeinde. 

findechristus.org

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Ich, der Herr, habe Wohlgefallen daran, dass es eine Schule in Zion gibt

5. September 2025, 05:35am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Schule der Propheten
(Bild: Quelle)

“Siehe, ich sage euch in Bezug auf die Schule in Zion: Ich, der Herr, habe Wohlgefallen daran, dass es eine Schule in Zion gibt, und auch an meinem Diener Parley P. Pratt, denn er verbleibt in mir.” (Lehre und Bündnisse 97:3). 

Lehre und Bündnisse 97 – Historischer Kontext und Entstehung 

Die Offenbarung, die heute als Lehre und Bündnisse 97 bekannt ist, wurde am 2. August 1833 in Kirtland, Ohio, gegeben – in einer Zeit dramatischer Entwicklungen sowohl in Kirtland als auch in Zion, dem Gebiet um Independence im Jackson County, Missouri. Die junge Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage befand sich inmitten intensiver geistiger und organisatorischer Aufbauarbeit. Während in Kirtland erste Baupläne für einen Tempel und dazugehörige Einrichtungen wie ein Schulhaus und Verwaltungsgebäude Gestalt annahmen, wurde die Lage in Missouri zunehmend angespannt. Die Mitglieder in Jackson County waren dort bereits im Begriff, ihre Verheißungen von Zion zu verwirklichen, doch gleichzeitig sahen sie sich wachsendem Widerstand und Gewalt durch die ansässige Bevölkerung ausgesetzt. 

Im Juli 1833 erreichte die Situation in Missouri einen tragischen Wendepunkt. Am 20. Juli stürmte ein gewalttätiger Mob die Kircheigene Druckerei, die unter der Leitung von William W. Phelps stand. Die Angreifer zerstörten nicht nur Maschinen und Manuskripte, sondern bedrohten auch die Existenz der gesamten Gemeinde. Wenige Tage später, am 23. Juli, sahen sich die Führer der Kirche in Missouri gezwungen, einem erzwungenen „Friedensabkommen“ zuzustimmen, in dem sie erklärten, Jackson County bis Ende des Jahres zu verlassen. Die Heiligen standen damit vor der bitteren Aussicht, ihr verheißungsvolles Erbe in Zion aufzugeben – zumindest vorerst. 

Diese Umstände führten dazu, dass mehrere Briefe nach Kirtland geschickt wurden, in denen die Missouri-Heiligen dringend um geistliche Führung baten. Insbesondere wollten sie wissen, wie sie angesichts der dramatischen Entwicklung mit ihrer Mission, Zion aufzubauen, fortfahren sollten. Auch baten sie um Offenbarung zur „Schule der Ältesten“, jener Schule der Ältesten, die in Zion eingerichtet werden sollte, um künftige Führer und Lehrer im Evangelium auszubilden. In dieser Lage wandten sich ihre Herzen der Quelle geistiger Offenbarung zu: dem Propheten Joseph Smith. 

Am 2. August 1833 empfing Joseph Smith in Kirtland die Offenbarung, die später als L&B 97 kanonisiert wurde. Vier Tage später, am 6. August, wurde ein umfassender Brief mit mehreren Offenbarungen nach Missouri geschickt – darunter auch die Abschnitte 9497 und 98L&B 94 enthielt Anweisungen zum Bau von Verwaltungsgebäuden in Kirtland und war ebenfalls am 2. August gegeben worden. L&B 95, wenige Wochen zuvor empfangen, rief die Heiligen in Ohio energisch dazu auf, mit dem Tempelbau voranzuschreiten. So bildete L&B 97 die direkte, göttliche Antwort auf die Nöte und Fragen der Missouri-Gemeinde – eingebettet in eine Reihe von Offenbarungen, die das Thema Tempel, Vorbereitung und Heiligkeit betonten. 

Die Offenbarung L&B 97 beginnt mit einer bemerkenswert positiven Note: Der Herr lobt die Demut und Lernbereitschaft vieler Mitglieder in Zion. Ihre „Gebete sind zum Herrn emporgestiegen“ und sie haben sich bemüht, rechtschaffen zu wandeln. Doch gleichzeitig enthält die Offenbarung auch ernste Ermahnungen und Warnungen. Die Gemeinde wird sinnbildlich mit einem Baum verglichen – jener, der gute Früchte bringt, wird behalten; doch der, der keine Frucht bringt, wird „gefällt und ins Feuer geworfen“. Diese Bildsprache verweist auf das Gericht Gottes und betont die Notwendigkeit, nicht nur im Glauben zu stehen, sondern auch in Taten beständig zu sein. 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Tempelbau. Die Heiligen werden angewiesen, unverzüglich mit dem Bau eines Hauses für den Herrn zu beginnen – gemäß dem göttlichen Muster. Dieses Haus soll nicht nur ein Ort der Anbetung sein, sondern vor allem auch ein Raum des Lernens, der Erkenntnis und der geistigen Schulung. Die Offenbarung legt nahe, dass die „Schule der Ältesten“ in eben diesem Haus stattfinden soll, damit alle Lehrer darin unterwiesen und vorbereitet werden können, „wie sie unterweisen und alle Dinge verstehen können, was Zion betrifft“. So wird der Tempel nicht nur als heilige Stätte, sondern als Zentrum der Unterweisung, Offenbarung und geistigen Ausbildung verstanden. 

Bemerkenswert ist, dass die Offenbarung nicht nur Anweisungen und Aufträge enthält, sondern auch tiefe Verheißungen. Sollte das Volk gehorsam sein und das Haus des Herrn nach dem ihm gezeigten Muster errichten, so werde Gott selbst in seiner Herrlichkeit darin wohnen. Er werde Zion zur „hohen Burg“ machen, sie beschützen und segnen. Der Geist des Herrn würde unter ihnen weilen, und das Werk würde groß, herrlich und unerschütterlich werden. Diese Worte mussten inmitten der Notlage in Missouri wie Balsam auf den Seelen der Gläubigen gewirkt haben. 

Doch gleichzeitig enthält die Offenbarung auch die ernste Mahnung, dass bei Ungehorsam „heftige Bedrängnis“ folgen werde. Rückblickend ist besonders tragisch, dass genau in dem Moment, in dem Joseph Smith diese Offenbarung niederschrieb, in Missouri bereits die Ereignisse der Vertreibung voll im Gange waren. Als die Offenbarung schließlich die Heiligen im Jackson County erreichte, war das Druckereigebäude bereits zerstört und der Mobbgewalt war kaum noch zu entkommen. Die Frage, ob der Tempel in Zion tatsächlich gebaut werden konnte, war bereits rein hypothetisch geworden. 

Diese Diskrepanz zwischen göttlicher Verheißung und irdischer Realität führte später zu einer bedeutenden Entwicklung in der Kirchengeschichte. Im Januar 1841, in Lehre und Bündnisse 124, wurde der ursprüngliche Auftrag zum Bau des Tempels in Zion formal aufgehoben. Der Herr sagte darin, dass die Heiligen „aus der Zeit ihrer Errettung entbunden“ seien, weil sie durch widrige Umstände gehindert wurden, das Werk zu vollenden. Dies zeigt, dass Gott sowohl Gehorsam als auch Umstände berücksichtigt – ein tröstender Gedanke für alle, die trotz aller Bemühungen scheitern mussten. 

Die Offenbarung L&B 97 steht somit an einer bedeutenden Wende der Kirchengeschichte. Sie verbindet die tiefen geistigen Bestrebungen der Heiligen in Missouri mit dem Idealbild einer heiligen Stadt, eines Tempels, eines Volkes Gottes – und sie tut dies inmitten realer Verfolgung, Unsicherheit und Gewalt. Ihre Aussagen über Heiligkeit, Schulung, Gehorsam, Tempelarbeit und göttlichen Schutz bieten eine Fülle von Lehren, die auch heute noch in unserer Zeit bedeutungsvoll sind. Historisch gesehen bildet L&B 97 nicht nur eine Antwort auf die Krise in Zion, sondern auch einen Höhepunkt der frühen Tempeltheologie der Kirche. Sie erinnert uns daran, dass Zion nicht allein ein geografischer Ort ist, sondern vor allem ein geistiger Zustand – ein Volk, das Gott sucht, ihm dient und bereit ist, für seinen Namen Opfer zu bringen, selbst unter widrigsten Umständen. 

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Dass mein Wort zu den Menschenkindern hinausgehe

4. September 2025, 05:28am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Denn siehe, wahrlich, ich sage euch: Dies ist mir am ratsamsten, nämlich dass mein Wort zu den Menschenkindern hinausgehe, damit den Menschenkindern zu eurem Nutzen das Herz erweicht werde. So ist es. Amen.” (Lehre und Bündnisse 96:5). 

Lehre und Bündnisse 96 – Historischer Hintergrund 

Der Abschnitt 96 wurde im Frühjahr 1833 offenbart, in der Zeit, als sich die junge Kirche Jesu Christi in Kirtland, Ohio, ansiedelte. Hintergrund war die Anweisung Gottes, das Land in Kirtland als Teil der Vorbereitung für das Werk des Tempelbaus und die Errichtung einer neuen Gemeindestruktur – dem sogenannten „Pfahl Zion“ – zu ordnen. Die Kirche hatte Land erworben (unter anderem von Peter French) für Tempel und Wohngebiete sowie erste Druckereiaktivitäten. Diese Offenbarung wurde Teil der Bemühungen um den Aufbau von Zion und die Organisation der Ressourcen der Gemeinde. 

Verse 1–5 – Die Gründung eines starken „Pfahles“  

Vers 1: 
„Hier ist Weisheit … es ist mir ratsam, dass dieser Pfahl, den ich zur Stärkung Zions gesetzt habe, stark gemacht werde. “ – also die geographische Kirchengemeinde – bewusst und nachhaltig stark gegründet werden soll. Dabei geht es nicht nur um ein physisches Stück Land, sondern um die Struktur, Stabilität und geordnete Organisation eines geistlichen Werkes. Ein Vergleich: Ein Zeltstab (Pfahl) trägt das Zelt des Herrn – er muss fest verankert sein. So muss auch die Gemeinschaft des Pfahles fest im Glauben und im Evangelium stehen, damit Zion bestehen kann. 

Verse 2–5: 
Gott erklärt, wie das Land aufgeteilt werden soll („lots“): entsprechend kluger Überlegung und zugunsten derjenigen, die bereit sind, sich erben-technisch und geistlich einzubringen. Der Zweck der Aufteilung ist es, dass die Kirche geordnet aufgebaut werden kann. Zugleich wird betont, dass sein Wort, also die verkündete Offenbarung und Lehre, unter den Menschen verbreitet wird, um deren Herzen zu verändern, was letztlich dem Wohl aller dient. Die Betonung liegt auf der göttlichen Weisheit und der Zweckmäßigkeit zur Stärkung von Zion und zur Verbreitung des Evangeliums. 

Lehre 1: Zion wächst nicht von selbst, sondern durch klare Leitung, Struktur und göttliche Anleitung. 

Lehre 2: Ressourcen (Land, Personen, Kapital) müssen mit Weisheit und im Einklang mit dem Evangelium verwaltet werden. 

Lehre 3: Das Hauptziel ist geistliche Veränderung – nicht nur wirtschaftliche oder materielle Ordnung. 

Verse 6–9 – Die Rolle John Johnsons und die Ordnung der „United Firm“ 

Vers 6: 
Gott hebt den Glauben und das Angebot von John Johnson hervor. Seine Gebete und sein Opfer haben gefallen, und ihm wird das Versprechen ewigen Lebens zugesagt – sofern er Gottes Gebote befolgt. 

Vers 7: 
Johnson wird als Nachkomme Josephs dargestellt, Teilhaber an den Segnungen, die Abraham, Isaak und Jakob versprochen wurden. Dies betont sowohl ethno-religiöse Verbindung als auch geistliches Erbe. 

Vers 8: 
Es ist göttlich zweckmäßig, dass Johnson ein Mitglied der “United Firm” wird, um das Werk voranzubringen. Das bedeutet: Seine finanziellen Mittel und Fähigkeiten sollen gezielt eingesetzt werden, um Offenbarungen zu verbreiten, Schulden zu tilgen und die materielle Grundlage der Kirche aufzubauen. 

Vers 9: 
Johnson soll formell dazu ordiniert werden, und er soll eifrig danach streben, Belastungen (Hypotheken, Lasten) vom Haus der Kirche zu nehmen, damit er dort dauerhaft wohnen kann. 

Lehre 4: Besondere Mitglieder mit Ressourcen und Glauben können entscheidend sein für das Vorankommen der Kirche. 

Lehre 5: Geistliche Berufung und weltliche Fähigkeiten werden verbunden – es reicht nicht, nur zu beten; man muss auch handeln. 

Lehre 6: Organisationsstrukturen wie die United Firm kombinieren kirchliche und wirtschaftliche Praktiken zur Unterstützung des Werkes. 

Zusammenhängende Lehren aus Vers 1–9 

1. Stärkung von Zion durch geordnete Struktur 

Der Pfahl Zions soll von Anfang an stabil sein. Dazu braucht es klare Regeln, Leitung und Ordination. Die Offenbarung zeigt, dass geistlicher Aufbau nicht improvisiert werden kann, sondern klare göttliche Weisung braucht. 

2. Verwaltung nach göttlicher Weisheit 
Die Aufteilung des Landes und Ressourcen muss „mit Weisheit“ erfolgen, nicht nach persönlicher Vorliebe oder kurzfristiger Notwendigkeit. Diese Weisheit stammt aus göttlicher Führung. 

3. Priestertum und Orden als Mittel göttlicher Arbeit 
Die United Firm und die Rolle des Bischofs stehen in direkter Verbindung mit der Offenbarung. Sie sind Werkzeuge Gottes, um ökonomische Ressourcen und geistige Berufung zu verbinden. 

4. Individuelle Berufung innerhalb der Gemeinschaft 
John Johnsons Beispiel zeigt: Individuelle Hingabe zählt – sowohl geistlich als auch materiell. Seine Berufung war nicht zufällig, sondern war Teil des größeren Plans zum Aufbau von Zion. 

5. Ewiges Leben ist an Gehorsam gekoppelt 
Gottes Versprechen an Johnson („ewiges Leben“) ist an seinen fortgesetzten Gehorsam gebunden. Auch für uns gilt: Segnungen sind verbunden mit der Bereitschaft, seine Gebote zu halten. 

6. Gemeinschaftliche Verantwortung und selbständige Initiative 
Johnson soll Lasten entfernen, also Verantwortung übernehmen. Das zeigt: Mitglieder tragen eigenverantwortlich zur Stabilität der Gemeinschaft bei, unterstützt durch göttliche Berufung. 

Schlussgedanken: Bedeutung für uns heute 

Die Verse 1–9 lehren uns, dass der Aufbau einer geistlichen Gemeinschaft sowohl Planung als auch persönliche Hingabe erfordert. Wir werden erinnert, dass Gemeinschaft geistlichen Ursprungs Strukturen braucht – geordnet, verteilt und mit Verantwortlichen besetzt. Dabei ist geistlicher Eifer genauso wichtig wie wirtschaftliches Handeln: Beten allein genügt nicht ohne praktische Schritte. 

Die Betonung liegt auf Weisheit, Berufung und Einheit von Glauben und Werk. Selbst wenn die historischen Ereignisse in Kirtland stattfanden, sprechen diese Prinzipien auch heute: Gemeinden brauchen kluge Verwaltung, Mitglieder müssen bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, und wir müssen Vertrauen setzen – sowohl in die göttliche Führung als auch in die Fähigkeiten von Mitmenschen. 

Diese Betrachtung von Lehre und Bündnisse Kapitel 96, Verse 1–9 zeigt uns eindringlich, dass göttliche Führung, geweihte Verantwortung und kluge Verwaltung vereint werden müssen, um eine geistlich starke und beständige Gemeinde entstehen zu lassen. Der Aufbau von Zion ist nicht nur ein Projekt, sondern ein lebendiger Prozess, der äußere Ordnung und inneres Engagement gleichermaßen verlangt. Gerade die Verbindung von Vertrauen, Ordnung und persönlichem Einsatz ist für uns heute ein kraftvolles Beispiel, wie Kirche aufgebaut und erhalten wird. 

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Mit Macht aus der Höhe auszurüsten

3. September 2025, 05:37am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Kirtland-Tempel
(Bild: Quelle)

“Ja, wahrlich, ich sage euch: Ich habe euch das Gebot gegeben, ein Haus zu bauen, und in dem Haus beabsichtige ich, diejenigen, die ich erwählt habe, mit Macht aus der Höhe auszurüsten;” (Lehre und Bündnisse 95:8). 

Lehre und Bündnisse 95 – Historischer Hintergrund und geistliche Lehren 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 95 wurde am 1. Juni 1833 in Kirtland, Ohio, empfangen und ist in einem besonderen Zusammenhang mit dem Bau des ersten Tempels der Wiederherstellung zu sehen – dem Kirtland-Tempel. Während viele Abschnitte im Buch Lehre und Bündnisse Trost, Hoffnung oder tiefgreifende Lehren über das Wesen Gottes und des Evangeliums vermitteln, ist Abschnitt 95 bemerkenswert direkt und mahnend. Er enthält sowohl eine ernste Zurechtweisung als auch eine inspirierende Einladung zur Umkehr und zum Handeln. Um diesen Text richtig zu verstehen, muss man sich die historischen Umstände der Heiligen zu dieser Zeit sowie die übergeordneten theologischen Zusammenhänge vergegenwärtigen. 

Der Auftrag zum Tempelbau 

Bereits am 6. Mai 1833 – nur wenige Wochen vor dieser Offenbarung – hatten Joseph Smith und andere Führer der Kirche eine Vision des himmlischen Tempels empfangen (vgl. Lehre und Bündnisse 94). Diese Vision war ein göttlicher Entwurf für ein „Haus des Herrn“, in dem heilige Verordnungen vollzogen werden könnten, darunter die Waschungen und Salbungen, die später in Kirtland eingeführt wurden. Zudem war der Tempel als ein Ort für Belehrung, Offenbarung und Sammlung gedacht. Obwohl diese himmlische Architektur den Heiligen bekannt gemacht worden war, hatten sie es versäumt, rechtzeitig mit dem Bau zu beginnen. Die Verzögerung war teilweise aus Furcht, organisatorischer Unsicherheit und mangelnder Vorbereitung entstanden – doch für den Herrn war dies eine schwerwiegende Versäumnis. 

Lehre und Bündnisse 95 beginnt daher mit einer scharfen Zurechtweisung an die Führer der Kirche. Sie werden daran erinnert, dass der Herr diejenigen liebt, die er züchtigt – ein Motiv, das sich auch in anderen Schriften findet, etwa in Hebräer 12:6 und Offenbarung 3:19. Auch im Buch Mormon (z. B. 2. Nephi 4 oder Alma 37) wird immer wieder betont, dass der Herr seine Kinder erzieht, um sie auf höhere geistige Stufen zu führen. Diese Züchtigung dient nicht der Strafe um der Strafe willen, sondern ist Ausdruck göttlicher Fürsorge. Sie soll die Heiligen zur Umkehr und zur Tat bewegen. 

Geistige Bildung und Vorbereitung für größere Segnungen 

Ein zentraler Punkt der Offenbarung ist die Notwendigkeit, ein „Haus“ zu bauen, das nicht nur physisch, sondern auch geistig ein Ort der Heiligkeit und Offenbarung sein sollte. Der Herr weist darauf hin, dass dieses Haus ein Ort der Ordnung sein soll, worin er sein Volk unterweisen möchte. Hier zeigt sich eine tiefe theologische Linie: Der Tempel ist nicht nur ein Ort der Rituale, sondern ein göttliches Bildungszentrum. Der Kirtland-Tempel wurde später auch tatsächlich zu einem Ort, an dem verschiedene Klassen und Lehrveranstaltungen abgehalten wurden – sowohl theologische als auch weltliche (z. B. Sprachen und Naturwissenschaften), wie auch in Lehre und Bündnisse 88:78–80 gefordert. 

Durch diese Offenbarung wird deutlich, dass die Tempelidee in der Wiederherstellung nicht nur sakramental gedacht ist, sondern auch als eine Schule der Propheten, in der das Volk Gottes für seine göttliche Berufung vorbereitet wird. Dieser Gedanke erinnert stark an das Alte Testament, etwa an die Stiftshütte in der Wüste oder an den Tempel Salomos, der ein Zentrum der göttlichen Gegenwart war (vgl. 2. Mose 251. Könige 8). 

Die Dringlichkeit des Auftrags 

Ein weiterer Aspekt dieser Offenbarung ist die Dringlichkeit, mit der der Herr den Bau des Tempels fordert. Die Zeit sei knapp, und große Segnungen seien an die Bereitschaft geknüpft, dieses Werk auszuführen. Das erinnert an die Worte Jesu im Neuen Testament, wo er seine Jünger zur Wachsamkeit und Bereitschaft aufruft (vgl. Matthäus 25:1–13). Auch die Propheten im Buch Mormon, etwa Mormon und Moroni, berichten davon, dass Zeiten großer geistiger Segnungen immer mit Treue, Gehorsam und Vorbereitung verbunden sind. 

Interessant ist, dass der Herr in Lehre und Bündnisse 95 nicht nur zur Umkehr auffordert, sondern auch ein Versprechen macht: Wenn die Heiligen seinen Willen tun, wird er sich ihnen offenbaren, sie unterweisen und sein Haus mit Herrlichkeit erfüllen. Diese Zusage wurde bald Wirklichkeit: Nur wenige Jahre später – am 27. März 1836 – wurde der Kirtland-Tempel geweiht, und kurz darauf erschienen in einer visionären Manifestation Moses, Elias und Elija, um Schlüssel des Priestertums zu übertragen, ja sogar der Herr selbst erschien (vgl. Lehre und Bündnisse 110). Dies war ein direkter Lohn für den Gehorsam der Heiligen gegenüber der in Abschnitt 95 erteilten Weisung. 

Geistige Reinigung und persönliche Heiligung 

Ein weiterer Schwerpunkt der Offenbarung ist die persönliche Heiligung der Heiligen. Der Tempelbau war nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern ein geistiger Prozess. Wer ein Haus des Herrn bauen will, muss selbst ein Tempel des Heiligen Geistes sein – ein Prinzip, das Paulus bereits im 1. Korintherbrief betonte (vgl. 1. Korinther 3:16–17). Der Herr forderte seine Heiligen daher nicht nur auf, Steine zu bewegen und Fundamente zu gießen, sondern sich auch geistig vorzubereiten, um in seinem Haus empfangen zu werden. Dies betraf sowohl moralisches Verhalten als auch das Studium göttlicher Wahrheit. 

Diese Kombination aus individueller Heiligung und kollektiver Anstrengung für das Reich Gottes ist charakteristisch für viele Offenbarungen der Wiederherstellung. Der Herr ruft sein Volk nicht nur zum individuellen Fortschritt auf, sondern auch zu einer gemeinsamen Vorbereitung auf das Kommen des Herrn und die Errichtung Zions. Abschnitt 95 zeigt exemplarisch, wie sehr diese beiden Ebenen – persönlich und gemeinschaftlich – miteinander verwoben sind. 

Verbindung zu anderen Offenbarungen und heutigen Anwendungen 

Die Aufforderung in Lehre und Bündnisse 95 steht in engem Zusammenhang mit anderen Offenbarungen über den Tempelbau. In Lehre und Bündnisse 88 hatte der Herr bereits Weisung zum Bau eines Hauses gegeben, „das dem Herrn geweiht ist“. In Abschnitt 94 wurden konkrete Pläne für den Bau zweier Häuser offenbart – eines für die Erste Präsidentschaft und ein weiteres als Versammlungs- und Unterrichtsgebäude. Abschnitt 95 wiederum macht deutlich, dass es sich bei diesen Plänen nicht um bloße Empfehlungen handelte, sondern um göttliche Gebote mit ernsten Konsequenzen bei Vernachlässigung. 

Die heutige Relevanz dieser Offenbarung ist deutlich: Auch heute lädt der Herr seine Heiligen ein, sich auf den Tempel vorzubereiten – sei es durch persönliche Würdigkeit, durch den Dienst an den Verstorbenen oder durch Unterstützung beim Bau neuer Tempel. Präsident Russell M. Nelson hat in unserer Zeit immer wieder betont, dass der Tempel das Zentrum geistiger Stärke und Offenbarung ist. Die Mahnung des Herrn in Abschnitt 95 – nicht zu zaudern, sondern mutig voranzugehen – ist daher auch heute aktuell. 

Fazit 

Lehre und Bündnisse 95 ist eine kraftvolle Mahnung zur Umkehr, zum Gehorsam und zur aktiven Mitwirkung am Aufbau des Reiches Gottes. Die Heiligen in Kirtland hatten eine große Vision empfangen, aber sie hatten gezögert, sie umzusetzen. Der Herr rief sie zur Ordnung – nicht aus Zorn, sondern aus Liebe. Er wollte sie segnen, aber der Segen war an Bedingungen geknüpft. Dieser Abschnitt erinnert uns daran, dass der Herr unsere Mitarbeit erwartet, dass er uns aber auch mit Macht und Herrlichkeit begegnet, wenn wir seine Gebote befolgen. Der Bau des Kirtland-Tempels wurde zur Erfüllung dieser Verheißung – und ist bis heute ein Symbol für die Segnungen, die dem Gehorsam folgen. 

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Aber wenn etwas Unreines hineingelangt

2. September 2025, 05:10am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Heilig dem Herrn
(Bild: Quelle)

“Aber wenn etwas Unreines hineingelangt, so wird meine Herrlichkeit nicht da sein, und meine Gegenwart wird nicht hineingelangen.” (Lehre und Bündnisse 94:9). 

Lehre und Bündnisse 94 – Zeitlose Prinzipien geistiger Ordnung und Heiligkeit 

Die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 94 ist mehr als ein historisches Baukonzept. Sie offenbart ewige Muster göttlicher Organisation, die nicht nur auf physische Gebäude anwendbar sind, sondern auf jede Form von geistigem Aufbau – sei es in der Familie, in der Gemeinde oder im persönlichen Leben. Jeder Vers enthält Prinzipien, die in der heutigen Zeit tiefgreifende Bedeutung haben. 

Geistige Verantwortung und die Rolle der Führung (Verse 1–2) 

Der Abschnitt beginnt mit einem klaren Auftrag an Sidney Rigdon und andere Mitglieder der Ersten Präsidentschaft. Dabei wird betont, dass die Führung ein Werk der Weisheit ist – etwas, das nicht nur inspiriert, sondern auch klug organisiert sein muss. Weisheit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur geistige Erkenntnis, sondern auch praktische Umsicht und göttlich gelenkte Entscheidungsfähigkeit. In einer Zeit, in der die Kirche weltweit organisiert ist, ist diese Verbindung von geistiger und organisatorischer Leitung zentral. 

Für heutige Mitglieder ist das eine Einladung, die Berufungen und Aufgaben von Führungsbeamten nicht nur als funktionale Rollen zu sehen, sondern als heilige Verwaltung im Dienst Gottes. Dies fordert auf Gemeindeebene sowohl Unterstützung als auch eigenes Mitwirken – mit Weisheit und dem Wunsch, das Werk des Herrn zu fördern. 

Geplante Heiligkeit und geistige Vorbereitung (Verse 3–5) 

Die detaillierte Beschreibung des Hauses für die Erste Präsidentschaft – in seinen Maßen, Ausrichtungen und Fenstern – erinnert stark an frühere göttliche Bauanweisungen, etwa an Noah beim Bau der Arche (Genesis 6) oder an Mose mit der Stiftshütte (Exodus 25:9,40). Dies zeigt: Gott ist ein Gott der Ordnung, und wo Heiliges entstehen soll, ist nichts dem Zufall überlassen. 

Übertragen auf unser Leben bedeutet das: Wenn wir wollen, dass das Wirken Gottes in unserem Zuhause, in unseren Gemeinden oder in unserem Herzen stattfindet, müssen wir ebenfalls bereit sein, nach „seinem Muster“ zu bauen. Das schließt geistige Vorbereitung ein: Wie gestalte ich meine Zeit, meine Umgebung und meine Prioritäten? Habe ich „Fenster“ geöffnet für göttliches Licht – etwa durch regelmäßiges Gebet, Schriftstudium oder Sabbatheiligung? 

Priestertum, Bevollmächtigung und Heiligung (Verse 6–9) 

In diesen Versen wird die Voraussetzung genannt, unter der das Haus wirklich ein heiliger Ort sein kann: Es müssen dazu vom Priestertum berufene Männer eingesetzt sein, und das Haus muss dem Herrn geweiht werden. Hier schwingt ein tiefes Prinzip mit – nämlich, dass heilige Berufungen nicht durch menschliche Initiative allein entstehen, sondern durch göttliche Bevollmächtigung und durch ein würdiges Umfeld. 

Heiligung ist dabei keine abstrakte Idee, sondern eine konkrete Handlung. Heute können wir daraus ableiten, dass jeder Ort, an dem göttliches Werk verrichtet werden soll – ob Gemeindehaus, Tempel, Missionszentrum oder Zuhause – aktiv dem Herrn gewidmet werden muss. Das kann durch eine Gebetsatmosphäre, würdiges Verhalten oder bewusste Gestaltung geistiger Räume geschehen. 

Zugleich ist die Mahnung, dass niemand unberufen im Haus des Herrn tätig sein soll, eine Einladung zur Demut und Ehrfurcht vor Berufungen. Wer ein Amt empfängt, soll dies mit Dankbarkeit und Heiligkeit tun; wer nicht berufen ist, soll die Ordnung des Herrn respektieren und unterstützen. 

Das Haus des Druckens – Heilige Kommunikation (Verse 10–13) 

Das zweite geplante Gebäude war für das Druckwesen bestimmt – ein Ort, an dem die Lehren der Kirche verbreitet werden sollten. In einer Zeit ohne Internet, Fernsehen oder Radiosender war der Druck von Schriften eine der wichtigsten Mittel, das Evangelium zu verbreiten. Aber auch heute ist das Prinzip aktuell: Die Verbreitung heiliger Lehre ist ein heiliger Auftrag und bedarf ebenso geordneter Strukturen. 

Ob es heute der Social-Media-Beitrag, der General-Konferenz-Talk oder das Institutshandbuch ist – alles, was im Namen der Kirche verbreitet wird, soll nach den gleichen Prinzipien aufgebaut sein: geplant, geweiht, inspiriert und im Einklang mit Gottes Willen. Für jeden, der Inhalte erstellt oder teilt – sei es als Lehrer, Missionar, Elternteil oder Online-Schreiber – stellt sich die Frage: Fördere ich mit meinen Worten und Beiträgen die Heiligkeit des Wortes Gottes? 

Die Mahnung, dass das Druckhaus dem Herrn geweiht und von würdigen Priestertumsträgern genutzt werden soll, hebt die geistige Verantwortung hervor, die mit dem Kommunizieren heiliger Dinge verbunden ist. Das erinnert an Jakobus 3:1: „Drängt euch nicht zum Lehrerberuf*), meine Brüder! Bedenkt wohl, daß wir (Lehrer) ein um so strengeres Urteil (oder: Gericht) empfangen werden (= zu erwarten haben).“ 

Zeitrahmen, Vorbereitung und Genauigkeit (Verse 14–17) 

Die abschließenden Verse setzen einen klaren Zeitrahmen: Innerhalb eines Jahres soll der Bau begonnen werden. Das erinnert an die Dringlichkeit, die auch in anderen Offenbarungen zum Ausdruck kommt, etwa Lehre und Bündnisse 88:119 („Organisiert euch; bereitet alles vor…“). Der Aufbau Zions duldet keinen Aufschub – weder damals noch heute. 

Die Verpflichtung zur Genauigkeit – dass alles „nach dem Muster“ gebaut werden soll – ist ein Aufruf zur geistigen Präzision. Gott erwartet nicht nur gutes Wollen, sondern auch Gehorsam in der Umsetzung. Auch wenn die damaligen Pläne nicht vollständig verwirklicht wurden, bleibt das Prinzip bestehen: Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, erwartet er Einsatz, Planung und Ausführung im Geist der Heiligkeit. 

Für uns heute heißt das: Wenn wir Eingebungen erhalten – ob zur Familienorganisation, zum Dienst im Amt oder zum Aufbau eines geistigen Projekts – sollen wir sie nicht nur geistig annehmen, sondern auch praktisch und pünktlich umsetzen. Aufschub und Unordnung hindern das Werk des Herrn. 

Schlussgedanke 

Lehre und Bündnisse 94 lehrt uns in bemerkenswerter Klarheit, dass geistige Dinge Raum brauchen, strukturell wie auch geistig. Ob es sich um ein Verwaltungsgebäude in Kirtland oder um unser eigenes Zuhause handelt – der Herr fordert uns auf, Räume der Heiligkeit zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um Architektur, sondern um die geistige Architektur des Lebens: Verantwortung, Ordnung, Berufung, Kommunikation und Heiligung. 

Das wahre „Bauen nach dem Muster“ geschieht nicht nur mit Mörtel und Holz, sondern mit Glauben, Disziplin, Zeit, Ehrfurcht und Hingabe. Wer bereit ist, das eigene Leben nach diesen Prinzipien zu gestalten, wird erleben, wie der Herr seinen Geist auf „Haus und Werk“ ausgießt – heute ebenso wie 1833. 

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Gemäß dem Muster, das ich euch gegeben habe

1. September 2025, 05:07am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

Und siehe, es muss gemäß dem Muster geschehen, das ich euch gegeben habe.” (Lehre und Bündnisse 94:2). 

Lehre und Bündnisse 94 – Historischer Hintergrund und Entstehung 

Die Offenbarung, die heute als Lehre und Bündnisse 94 bekannt ist, wurde am 2. August 1833 in Kirtland, Ohio empfangen. Sie steht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Bauvorbereitungen für wichtige Gebäude in Kirtland – insbesondere eines Tempels und eines Hauses für die Erste Präsidentschaft, das auch als „Haus des Druckens“ bezeichnet wurde. Doch der historische Hintergrund dieses Abschnitts ist vielschichtig und eng mit den Herausforderungen und Entwicklungen der Kirche in den frühen 1830er-Jahren verknüpft. 

Der zeitliche Kontext: Eine ungewöhnliche Reihenfolge 

Obwohl Lehre und Bündnisse 94 direkt vor Abschnitt 95 im Buch abgedruckt ist, wurde Abschnitt 94 tatsächlich nach Abschnitt 97 empfangen. Diese Reihenfolge entspricht also nicht der chronologischen Abfolge der Offenbarungen. Abschnitt 97 stammt vom 2. August 1833, also demselben Tag wie Abschnitt 94, wurde aber historisch betrachtet zuerst niedergeschrieben und betrifft die Heiligen in Zion (Jackson County, Missouri). Abschnitt 94 dagegen richtet sich an die Heiligen in Kirtland, Ohio. Die parallele zeitliche Nähe der beiden Offenbarungen ist bemerkenswert und spiegelt die übergreifenden Bemühungen wider, sowohl in Zion als auch in Kirtland geistige und physische Strukturen aufzubauen. 

Diese Tatsache ist besonders interessant, da Abschnitt 97 bereits genaue Anweisungen zum Bau eines Tempels in Missouri enthält, obwohl die äußeren Umstände dort – insbesondere der sich zuspitzende Konflikt mit den Bewohnern von Jackson County – den Bau zunehmend unwahrscheinlich machten. Gleichzeitig war in Kirtland der Tempelbau ebenfalls in Planung, und Abschnitt 94 trug wesentlich zur Organisation und Vorbereitung dieses Vorhabens bei. 

Die Offenbarung in Kirtland: Pläne für zwei zentrale Gebäude 

Im Zentrum von Lehre und Bündnisse 94 stehen konkrete Bauanweisungen für zwei Gebäude: 

  1. Ein Haus für die Erste Präsidentschaft – ein Verwaltungsgebäude für die Präsidentschaft der Kirche. 

  1. Ein Druckhaus – gedacht für den Druck heiliger Schriften und anderer Materialien der Kirche. 

Vers 3 spricht ausdrücklich von einem „Haus für die Erste Präsidentschaft“, das in einem rechtwinkligen Grundriss von etwa 18 × 27 Metern gebaut werden sollte. Das Gebäude sollte an der Straße liegen und „nach Osten, nach Süden und nach Norden“ Fenster haben (Vers 4). In diesem Haus sollten die Angelegenheiten der Kirche unter der Leitung von Joseph Smith und seiner Ratgeber geleitet werden. 

Vers 10 nennt dann ein zweites Gebäude, das speziell für Druck- und Veröffentlichungszwecke errichtet werden sollte. Auch hier war ein ähnlicher Grundriss vorgesehen, um die Arbeit der Kirche zu unterstützen – insbesondere durch die Veröffentlichung von Offenbarungen, Lehren und Glaubensbekenntnissen. 

Diese Offenbarung zeigt, wie eng geistige und praktische Aufgaben miteinander verbunden waren: Die Kirche sollte nicht nur ein geistiges Zentrum errichten, sondern auch konkrete logistische Strukturen schaffen, um ihre Lehren zu verbreiten und ihre Verwaltung zu organisieren. 

Die Bedeutung des Bauens als geistiger Auftrag 

Ein auffälliges Merkmal dieser Offenbarung ist die wiederholte Betonung, dass alles „nach dem Muster“ errichtet werden soll, „das ich euch gezeigt habe“ (Vers 2, vgl. auch Verse 5 und 9). Diese Formulierung erinnert an biblische Bauaufträge – insbesondere den Bau der Stiftshütte durch Mose (vgl. 2. Mose 25:9, 40) oder den Bau des Tempels durch Salomo – und macht deutlich, dass hier heilige Gebäude entstehen sollten, die nach göttlichem Vorbild geplant werden mussten. 

Diese „Muster“ waren dabei nicht nur architektonische Baupläne im physischen Sinn, sondern auch geistige Prinzipien, die in der Planung, Durchführung und Nutzung dieser Gebäude eingehalten werden sollten. Die Bauwerke sollten der Verherrlichung Gottes dienen, wie auch der Sammlung und Heiligung seines Volkes. 

Die Rolle des Hohepriestertums und die Weihe zur Heiligkeit 

Die Offenbarung enthält auch eine klare theologische Dimension: In Vers 6 heißt es, dass diejenigen, die im Haus der Ersten Präsidentschaft wirken, „vom Priestertum ordnungsgemäß eingesetzt“ sein müssen und dass das Gebäude selbst „dem Herrn geweiht“ sein soll, damit es als ein Ort seiner „Heiligkeit“ betrachtet werden könne. Daraus wird deutlich: Nicht nur die Funktion eines Gebäudes, sondern auch die Weihe und geistige Vorbereitung der Menschen, die darin wirken, ist entscheidend für die Erfüllung des göttlichen Willens. 

Auch das Druckhaus sollte gemäß Vers 12 „dem Herrn geweiht“ werden. Beide Gebäude waren also nicht profane Bauwerke, sondern verstanden sich als geistige Zentren – Orte, an denen Heiliges geschieht, die unter göttlichem Schutz und Anspruch stehen. 

Das Grundstück der Kirche in Kirtland 

Die Baupläne bezogen sich auf ein konkretes Gelände, das der Kirche bereits gehörte: das sogenannte Kirtland Temple Lot, auf dem später der Kirtland-Tempel errichtet wurde. Auf demselben Grundstück sollten also nicht nur der Tempel, sondern auch die zwei weiteren Gebäude entstehen. Diese Zentralisierung der wichtigsten Bauwerke war strategisch und symbolisch zugleich: Sie spiegelte das Anliegen wider, geistige Führung, Publikation und Tempeldienst am selben Ort zu bündeln – ein geistiges Zentrum inmitten der Streuung der Gläubigen. 

Der weitere Verlauf: Verzögerungen und Umsetzung 

Trotz der klaren Anweisungen aus Abschnitt 94 wurde der tatsächliche Bau der beiden genannten Gebäude nicht sofort umgesetzt. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass sich die Pläne aus verschiedenen Gründen verzögerten. Die Gemeinde war mit großen finanziellen, organisatorischen und personellen Herausforderungen konfrontiert. Die höchsten Prioritäten lagen ab 1833 auf dem Bau des Kirtland-Tempels, der schließlich 1836 geweiht wurde. 

Erst später wurden Bemühungen unternommen, auch die anderen geplanten Gebäude zu realisieren, doch viele der ursprünglichen Vorstellungen blieben unvollendet. Trotzdem hatte die Offenbarung langfristigen Einfluss: Sie verankerte den Gedanken, dass geistige Führung und Kommunikation (Veröffentlichungen) strukturell verankert und räumlich organisiert sein sollten – ein Prinzip, das sich in der späteren Geschichte der Kirche (etwa mit der Etablierung von Verwaltungsgebäuden und Druckereien in Nauvoo und Salt Lake City) wiederholt zeigt. 

Zeitgenössische Reaktionen und heutige Bedeutung 

Die Offenbarung aus Lehre und Bündnisse 94 wurde von den damaligen Heiligen als Teil einer ganzen Reihe von Instruktionen verstanden, die dem Aufbau Zions dienen sollten – in Missouri wie auch in Ohio. Auch wenn die konkreten Bauwerke nicht alle realisiert wurden, so blieb der Grundgedanke eines geordneten, geweihten Gemeindeaufbaus bestehen. 

Heute zeigt dieser Abschnitt exemplarisch, wie sehr die frühe Kirche bestrebt war, geistige Grundsätze in konkrete Strukturen zu übersetzen. Dabei ging es nicht nur um Tempel im engeren Sinne, sondern auch um Verwaltungs- und Kommunikationszentren, die der Verbreitung des Evangeliums dienten. Die wiederholte Aufforderung, alles „nach dem Muster“ zu bauen, bleibt auch heute bedeutsam – sowohl im physischen als auch im geistigen Sinne: In unseren Häusern, Gemeinden und im persönlichen Leben sollen wir Gottes Muster erkennen und ihm folgen. 

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Du musst dein eigenes Haus in Ordnung bringen

30. August 2025, 05:19am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und nun, ein Gebot gebe ich dir: Wenn du befreit sein willst, musst du dein eigenes Haus in Ordnung bringen; denn es gibt vieles, was in deinem Haus nicht recht ist.” (Lehre und Bündnisse 93:43). 

Lehre und Bündnisse 93:41–53 – Zurechtweisung, Hausordnung und der Weg zu geistiger Reifung 

Im abschließenden Abschnitt von Lehre und Bündnisse 93 wenden sich die Offenbarungsworte sehr konkret an führende Persönlichkeiten der jungen Kirche: Frederick G. Williams, Sidney Rigdon, Joseph Smith Jr. und Newel K. Whitney. Die Verse bilden nicht nur eine scharfe persönliche Zurechtweisung, sondern enthalten auch Prinzipien von bleibender Bedeutung – über geistige Führung, Familienverantwortung und die Notwendigkeit, das Haus Gottes (im wörtlichen wie übertragenen Sinn) in Ordnung zu bringen. 

Geistliche Führer stehen unter besonderer Verantwortung (Verse 41–44) 

Der erste Aufruf richtet sich an Frederick G. Williams, damals Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft. Ihm wird vorgeworfen, seinen Kindern nicht Licht und Wahrheit gemäß den Geboten Gottes vermittelt zu haben. Daraus ergibt sich eine bedrückende Konsequenz: „Und jener Schlechte hat noch immer Macht über dich, und das ist die Ursache deiner Bedrängnis“ (Vers 42). Dieses Muster erinnert an L&B 68:25, wo es heißt, dass Eltern, die ihre Kinder nicht im Glauben an Umkehr, Taufe und das Gesetz Gottes unterweisen, in Sünde vor dem Herrn verbleiben. 

Im Lichte dieser Verse wird klar: Geistige Führerschaft beginnt im eigenen Zuhause. Es genügt nicht, öffentlich geistige Autorität auszuüben, wenn im persönlichen Umfeld Unordnung herrscht. Präsident Ezra Taft Benson betonte: „Niemand kann Erfolg in der Kirche haben, wenn er im eigenen Zuhause versagt.“ (Conference Report, April 1984). 

Auch Sidney Rigdon wird gemahnt, zunächst sein Haus in Ordnung zu bringen. Die Offenbarung stellt klar: Geistliche Autorität erfordert Integrität und Treue in den grundlegenden Lebensbereichen – insbesondere in Bezug auf Familie und Erziehung. 

Eine Freundschaft mit Christus – verbunden mit Verpflichtung (Verse 45–48) 

Mit überraschender Wärme wendet sich der Herr an Joseph Smith: „Ich werde euch Freunde nennen, denn ihr seid meine Freunde, und ihr werdet ein Erbteil mit mir haben“ (Vers 45). Diese Formulierung erinnert stark an die Worte Jesu an seine Jünger in Johannes 15:14–15: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. [...] Ich nenne euch nicht mehr Knechte [...] sondern Freunde.“ Diese Freundschaft ist nicht oberflächlich – sie bringt Vertrautheit, aber auch Verantwortung. 

Trotz dieser Ehre muss Joseph Smith hören, dass er die Gebote nicht gehalten habe und „notwendigerweise zurechtgewiesen vor dem Herrn dastehen“ müsse (Vers 47). Seine Familie müsse umkehren und auf seine Worte ernster achten, sonst drohe ihnen der Verlust ihres „Platzes“ (Vers 48). Dies ist ein wiederkehrendes Motiv in dieser Offenbarung: die Vorstellung, dass geistige Segnungen nicht garantiert, sondern abhängig vom Gehorsam sind. Der „Platz“ kann symbolisch als Stellung in der Kirche oder als Anteil am Reich Gottes verstanden werden. 

Ein universelles Prinzip: Was ich zu einem sage, das sage ich zu allen (Verse 49–50) 

Vers 49 weitet die bisher persönlichen Ermahnungen auf alle Gläubigen aus: „Was ich zu einem sage, das sage ich zu allen.“ Dieser Grundsatz zieht sich durch viele Offenbarungen der Letzten Tage (vgl. L&B 1:2, 61:36, 82:5) und betont, dass das Evangelium keine Privatauffassung ist. Auch wenn die Worte sich zunächst an bestimmte Personen richten, gelten sie uns allen. 

Insbesondere wird dazu aufgerufen, „immer zu beten, damit jener Schlechte nicht Macht in euch habe“. Dieses Gebot deckt sich mit Jesu Lehre in Lukas 21:36: „Darum wacht jederzeit und betet.“ Auch 2 Nephi 32:9 ruft zum Gebet auf, „in allem, was ihr tut“. Es ist durch ständiges Gebet, dass Menschen in Licht und Wahrheit bleiben und sich vor dem Einfluss des Bösen schützen. 

Auch Bischof Newel K. Whitney wird gemahnt, sein Haus zu ordnen. Die Formulierung „zu Hause eifriger und besorgter sein und immer beten“ (Vers 50) lässt sich als Appell zu gelebtem Familienglauben deuten – zur Schaffung eines geistigen Zuhauses, in dem das Evangelium im Alltag verankert ist. Präsident Henry B. Eyring erinnerte: „Der Glaube zu Hause wird durch kleine tägliche Entscheidungen aufgebaut – Gebet, Schriftstudium, gegenseitige Rücksicht.“ (General Conference, April 2019) 

Eiliges Handeln und Wachstumsauftrag (Verse 51–53) 

Die Verse 51–53 enthalten nun konkrete Aufträge: Sidney Rigdon soll sich beeilen, das Evangelium zu verkündigen. Joseph Smith und Frederick G. Williams sollen sich ebenfalls beeilen – nicht nur im Dienst, sondern insbesondere bei der Übersetzung der Schriften. Der letzte Vers, Vers 53, ist bemerkenswert in seiner Weite: 

„Es ist mein Wille, dass ihr euch beeilt, meine Schriften zu übersetzen und Kenntnis von der Geschichte und von Ländern und von Reichen, von den Gesetzen Gottes und der Menschen zu erlangen, und das alles für die Errettung Zions.“ 

Hier verknüpft der Herr geistige und weltliche Bildung mit einem hohen Ziel: der „Errettung Zions“. Diese Aufforderung deckt sich mit L&B 88:78–80, wo Wissen über „Staaten, Königreiche, Sprachen, Völker“ als Teil der Vorbereitung auf geistige Aufgaben beschrieben wird. Der Auftrag zu forschen, zu übersetzen, zu lernen, zeigt: Die Wiederherstellung ist nicht nur eine geistige Bewegung – sie ist auch eine Bildungsbewegung, eine Vorbereitung auf das Reich Gottes in all seinen Dimensionen. 

Joseph Smith sagte einmal: „Ein Mensch ist nur insoweit gerettet, wie er Wissen erlangt hat.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, S. 344) In dieser Perspektive wird Bildung – insbesondere über Gottes Gesetz und die Geschichte seiner Handlungen mit den Menschen – zu einem geistigen Dienst. 

Fazit: Ordnung im Haus Gottes – ein Auftrag an uns alle 

L&B 93:41–53 führt uns eindrücklich vor Augen, dass geistige Autorität immer mit persönlicher Verantwortung beginnt – insbesondere in der Familie. Die Offenbarung warnt, dass Nachlässigkeit im Glaubensleben und in der Unterweisung der Kinder dem Widersacher Raum gibt, dass aber durch Umkehr, Gebet und tatkräftige Umordnung wieder Hoffnung besteht. Der Herr ist ein Gott der Gnade – aber auch ein Gott der Ordnung. 

Der Schluss ruft zur Eile und zur geistigen sowie intellektuellen Rüstung auf. Zion wird nicht zufällig errichtet. Es braucht Hausordnung, Bildung, Opfer und Gebet. Diese Verse laden uns ein, heute zu prüfen: Ist mein Haus in Ordnung? Bin ich meiner Verantwortung gegenüber Kindern, Familie und geistiger Vorbereitung gerecht geworden? Und bin ich bereit, mit Eifer an der Errettung Zions mitzuwirken? 

Der Abschnitt 93 offenbart tiefgreifende Lehren über die Natur Christi und des Menschen: Jesus empfing Herrlichkeit, Gnade und Wahrheit Stufe um Stufe, und ebenso können auch wir zur Fülle gelangen. Jeder Mensch besitzt den göttlichen Lichtkern, der „Licht und Wahrheit“ genannt wird – der Geist Christi. Sünde bedeutet, von diesem Licht abzuweichen. Familien tragen die heilige Pflicht, Kinder in Wahrheit und Gebet zu erziehen. Führer und Heilige sind aufgerufen, ihr eigenes Haus zu ordnen, wachsam zu sein und sich geistig wie intellektuell für Zion zu rüsten. Wer Gottes Wahrheit lebt, wird nicht zuschanden werden – weder in dieser noch in der zukünftigen Welt. 

findechristus.org

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