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Glaubensansichten

Ohne sie können wir nicht vollkommen gemacht werden

8. November 2025, 06:36am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Wir bei ihnen und sie bei uns, Darstellung von Caitlin Connolly
(Bild: Quelle)

„… Denn ohne sie können wir nicht vollkommen gemacht werden, und auch sie können nicht ohne uns vollkommen gemacht werden. ...“ (Lehre und Bündnisse 128:18). 

Dieser Vers bringt den Kern des Erlösungswerks auf den Punkt: die gegenseitige Abhängigkeit der Lebenden und der Toten im Heilsplan. 

Lehre und Bündnisse 128:15–25 – Ein großes und herrliches Werk 

In diesen Versen schließt Joseph Smith seinen Brief über die Taufe für die Toten mit machtvollen Lehren, Schlüsselaussagen und einem feierlichen Aufruf. Er verbindet praktische Anweisungen mit tiefen theologischen Wahrheiten. Die Verse 15–25 fassen zusammen, warum die Arbeit für die Verstorbenen kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Element des Evangeliums ist — fest verankert in der Ordnung Gottes von Anfang an. 

Die Verbindung der Generationen (V. 15–18) 

Joseph Smith erklärt, dass diese heiligen Handlungen nicht nur für Verstorbene notwendig sind, sondern auch für uns Lebende (V. 15). Der Prophet verweist auf die Prophezeiung Maleachis: „Er wird das Herz der Väter den Kindern zuwenden und das Herz der Kinder ihren Vätern“ (vgl. Maleachi 3:23–24Lukas 1:17). Durch stellvertretende Taufen wird dieser Bund buchstäblich erfüllt. 

Vers 18 führt diese Idee aus: `Ihre Erlösung ist notwendig und unabdingbar für unsere Erlösung, wie Paulus sagt, dass sie ohne uns nicht vollkommen gemacht werden können, auch wir ohne unsere Toten nicht vollkommen gemacht werden können´. Joseph verweist hier direkt auf Hebräer 11:39–40, wo Paulus betont, dass die Glaubenshelden vergangener Zeiten „nicht ohne uns zur Vollendung gelangen“. Damit wird das Werk für die Toten Teil der gemeinsamen Heilsgeschichte aller Generationen. 

Zeugnisse aus der Schrift (V. 17–18) 

Joseph Smith stützt seine Lehre auf eine Kette biblischer Zeugnisse: Er nennt Maleachi, Hesekiel, Paulus, Hebräerbrief und Johannes in der Offenbarung. Er legt besonderen Wert auf Johannes 5:28–29, wo Jesus die Auferstehung der Toten und das Gericht beschreibt, und auf Offenbarung 20:12, wo „die Toten gerichtet wurden nach dem, was in den Büchern geschrieben stand“. Diese „Bücher“ sind sowohl himmlische Aufzeichnungen als auch die Berichte, die auf der Erde geführt werden (vgl. V. 7–8). Joseph stellt klar: Was auf Erden rechtmäßig festgehalten wird, wird im Himmel bestätigt. 

Ein freudiger Aufruf zum Handeln (V. 19–21) 

In diesen Versen beschreibt Joseph Smith mit kraftvollen, freudigen Bildern die Verkündigung des Evangeliums für Lebende und Tote. Er spricht von einer „Stimme der Freude“, einer „Stimme der Barmherzigkeit vom Himmel“ und einer „Stimme der Wahrheit aus der Erde“ (V. 19), die frohe Nachrichten für die Toten und die Lebenden bringen. Die Sprache ist lebendig und feierlich und betont die Freude, die mit der Offenbarung der Erlösung verbunden ist. 

Er bezieht sich dabei auch auf die himmlischen Boten, die das Werk der Wiederherstellung begleiten. In Vers 21 nennt er die Schlüssel des Reiches, die durch Johannes den Täufer, Petrus, Jakobus und Johannes übergeben wurden, sowie weitere Engelsstimmen, die zu verschiedenen Zeiten die Rechte, Schlüssel und Macht des Priestertums bezeugen. Diese Schlüssel ermöglichen, dass heilige Handlungen sowohl auf Erden als auch im Himmel Gültigkeit haben (vgl. Matthäus 16:19). Sie stellen sicher, dass die göttliche Ordnung wiederhergestellt ist und dass die Vollmacht des Priestertums heute ordnungsgemäß ausgeübt wird. 

Symbolik und Bedeutung des Untertauchens (V. 22) 

Joseph Smith erinnert an die zentrale Symbolik der Taufe: „Untertauchen in Wasser und wieder Hervorkommen aus dem Wasser“ ist ein kraftvolles Bild für Tod, Begräbnis und Auferstehung. Dies entspricht Paulus’ Lehre in Römer 6:3–5, dass wir „mit Christus begraben“ und „zu einem neuen Leben auferweckt“ werden. Die Taufe für die Toten bezieht Verstorbene in dieses Symbol des ewigen Lebens ein. 

Joseph greift auch die Aussage auf: „Nicht das Geistige war zuerst, sondern das Natürliche, und danach das Geistige“ (vgl. 1. Korinther 15:46). Die irdische Handlung (Taufe im Wasser) kommt zuerst, dann folgt ihre geistige und himmlische Bestätigung. Damit wird ein Prinzip betont: Göttliche Ordnung erfordert, dass geistige Realitäten durch irdische Handlungen vorbereitet werden. 

Ein machtvolles Zeugnis (V. 23–25) 

Joseph Smith ruft die Gläubigen auf, mit Freude und Engagement an der Arbeit für die Toten teilzunehmen. Er malt Bilder von kosmischem Jubel, in dem Engel, Menschen und Verstorbene ein gemeinsames Zeugnis des Evangeliums geben (V. 23–24). Die Erde und der Himmel sollen die Herrlichkeit Gottes verkünden, und die Gläubigen werden ermutigt, mutig voranzugehen und ihre Verantwortung in dieser großen Sache wahrzunehmen. 

Vers 25 schließt die Lehre persönlich und demütig ab: Joseph Smith betont, dass er noch viel mehr zu sagen hätte, aber für heute das Thema ruhen lässt. Er unterstreicht seine Verbundenheit mit den Mitgliedern der Kirche: „Ich bin, wie immer, euer demütiger Diener und unentwegter Freund.“ Damit wird klar, dass das Thema fortlaufend studiert und gelebt werden soll, und dass der Prophet selbst eng mit der Kirche verbunden ist. 

Geistliche Anwendung für heute 

Diese Verse machen deutlich: Das Werk für die Verstorbenen ist nicht optional. Es ist ein göttlich festgesetzter Bestandteil des Heilsplans — vorbereitet „vor Grundlegung der Welt“. Wenn wir heute an Familienforschung teilnehmen, Namen einreichen und stellvertretende heilige Handlungen im Tempel vollziehen, sind wir Teil dieser prophetischen Kette. 

Wir stehen nicht am Anfang, sondern mitten in einem Werk, das Generationen vor uns ersehnt haben. Wir halten die „Bücher“ offen, von denen Johannes spricht. Durch unsere Handlungen wird die Verbindung zwischen Erde und Himmel aktiv hergestellt. 

Wie können wir persönlich dazu beitragen, dass die „Bücher“ für unsere Familie vollständig werden und dieses große Werk weitergeht? 

findechristus.org

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Was auch immer ihr auf Erden aufzeichnet

7. November 2025, 05:58am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Verordnungskarten für Angehörige
(Bild: Quelle)

„Was auch immer ihr auf Erden aufzeichnet, wird im Himmel aufgezeichnet sein, und was auch immer ihr auf Erden nicht aufzeichnet, wird im Himmel nicht aufgezeichnet sein“ (Lehre und Bündnisse 128:8). 

Lehre und Bündnisse 128:1–14 – Was auch immer ihr auf Erden aufzeichnet, wird im Himmel aufgezeichnet sein 

1. Sorgfältige Organisation für ein ewiges Werk (Verse 1–4) 

Joseph Smith beginnt diesen Brief mit dem Hinweis, dass das Thema der Taufe für die Toten seine Gedanken seit einiger Zeit intensiv beschäftige (Vers 1). In dieser Einleitung spiegelt sich die Dringlichkeit, mit der er dieses Werk der Erlösung der Verstorbenen betrachtet. Er greift dabei organisatorische Fragen auf, die unmittelbar aus der praktischen Erfahrung der Heiligen in Nauvoo erwachsen waren. Seit 1840 wurden stellvertretende Taufen für Verstorbene durchgeführt – zunächst im Mississippi –, doch fehlte es an einer klaren Struktur zur Dokumentation. Joseph Smith legt nun fest, dass es in jeder Gemeinde örtliche Berichtführer geben solle, die als Augen- und Ohrenzeugen die vollzogenen Handlungen detailliert aufzeichnen. Diese Berichte sollen Datum, Namen der Getauften und Täufer, den Ablauf der Handlung und die Namen von Zeugen enthalten (Verse 2–3). 

Zusätzlich wird ein allgemeiner Berichtführer für die Kirche bestimmt, der die lokalen Berichte in das „Generalbuch der Kirche“ einträgt. Erst durch diese geordnete Übertragung und Beglaubigung werden die Aufzeichnungen „heilig“ und „der Verordnung entsprechend“ (Vers 4). Diese klare Organisation zeigt, dass das Werk der Erlösung für die Toten nicht improvisiert, sondern in geregelten Bahnen ablaufen soll. Der Herr selbst ist ein Gott der Ordnung (vgl. 1 Korinther 14:33), und dieses Prinzip wird hier konkret auf die Verwaltung heiliger Handlungen angewandt. 

Für unser Heute bedeutet das: Heilige Handlungen sind nicht nur spirituelle Ereignisse, sondern auch administrative Aufgaben, die mit Sorgfalt, Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein verbunden sind. Wenn wir Familienforschung betreiben, Namen einreichen und Tempelarbeit vollziehen, stehen wir in derselben Linie: wir sind Teil eines organisierten Werkes, dessen Grundlage bereits in Nauvoo gelegt wurde. 

2. Himmlische und irdische Bücher – ein ewiger Grundsatz (Verse 5–9) 

In diesen Versen erklärt Joseph Smith den geistigen Grund für diese strenge Berichtführung. Sie ist „nur dem Willen Gottes entsprechend“, weil sie einer Ordnung folgt, „die der Herr vor der Grundlegung der Welt für die Errettung der Toten … verordnet und bereitet hat“ (Vers 5). 

Joseph verweist auf Offenbarung 20:12, wo Johannes der Offenbarer von Büchern spricht, die geöffnet werden, „und noch ein Buch wurde aufgeschlagen, das ist das Buch des Lebens“. Die Toten werden „nach dem gerichtet, was in den Büchern geschrieben steht, gemäß ihren Werken“ (Vers 6). Joseph deutet diese Bücher: Die auf der Erde geführten Berichte sind die Bücher, die die Werke der Menschen enthalten; das Buch des Lebens ist die himmlische Aufzeichnung. Folglich müssen irdische und himmlische Berichte übereinstimmen. Was auf Erden aufgezeichnet wird, ist im Himmel aufgezeichnet – und umgekehrt (Vers 7–8). 

Dieser Gedanke hat weitreichende Bedeutung: Wenn Handlungen nicht ordnungsgemäß aufgezeichnet werden, haben sie auch im Himmel keine Gültigkeit. Das Priestertum übt die „Macht, zu binden und zu lösen“ aus (vgl. Matthäus 16:19), und ein Teil dieser Macht besteht in der autorisierten, getreuen Dokumentation. Joseph betont: „Was auch immer jene Männer mit Vollmacht und im Namen des Herrn getan haben, und es voll Wahrhaftigkeit und Treue getan haben, und worüber sie einen ordnungsgemäßen und getreuen Bericht geführt haben, das ist demnach auf Erden und im Himmel zu einem Gesetz geworden“ (Vers 9). 

Heute spiegelt sich dieses Prinzip in der sorgfältigen Führung von Mitgliedslisten, Tempelaufzeichnungen und genealogischen Datenbanken wider. Digitale Systeme wie FamilySearch erfüllen heute dieselbe Funktion wie die „Generalbücher“ der Kirche in Nauvoo. Jede stellvertretende Taufe, jede Siegelung wird dokumentiert und bestätigt. Dies ist keine bloße Verwaltung – es ist Teil eines ewigen Gesetzes, das der Herr „vor Grundlegung der Welt“ festgelegt hat. 

3. Schlüssel des Himmelreichs und die Macht zu binden (Verse 10–11) 

In Vers 10 zitiert Joseph die Worte Jesu an Petrus: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben, und was auch immer du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein.“ Diese Schlüssel sind das Symbol und die Realität göttlicher Vollmacht. In allen Evangeliumszeiten wurden Priestertumsschlüssel gegeben, um Handlungen gültig zu machen – nicht nur vor Menschen, sondern auch vor Gott. 

Joseph erklärt: „Wem diese Schlüssel gegeben sind, für den ist es nicht schwierig, eine Kenntnis von den Tatsachen hinsichtlich der Errettung der Menschenkinder zu erlangen, und zwar sowohl für die Toten als auch für die Lebenden“ (Vers 11). Damit stellt er klar, dass diese Macht heute durch die Schlüsselträger in der Kirche Jesu Christi wiederhergestellt ist. Die Organisation der Berichtführung und die Gültigkeit der Handlungen beruhen letztlich auf diesen Schlüsseln. 

4. Symbolik des Taufbeckens – Das Natürliche vor dem Geistigen (Verse 12–14) 

Hier erläutert Joseph Smith die tiefgründige Symbolik der Taufe und ihrer stellvertretenden Vollzüge. Die Taufe durch vollständiges Untertauchen ist ein Gleichnis des Todes und der Auferstehung: „wenn man im Wasser untergetaucht wird und aus dem Wasser hervorkommt, so ist das ein Gleichnis der Auferstehung der Toten“ (Vers 12). 

Deshalb wurde das Taufbecken für die Toten „als Sinnbild des Grabes eingerichtet“ und muss „unterhalb des Ortes sein, wo sich die Lebenden gewöhnlich versammeln“ (Vers 13). Diese bauliche Anordnung war nicht zufällig, sondern theologisch begründet: Der Tempel in Nauvoo hatte das Taufbecken im Untergeschoss, getragen von zwölf Ochsen – ein Sinnbild für die zwölf Stämme Israels. Die Lebenden befinden sich über dem Becken, die Handlung geschieht unter ihnen: Dies stellt die Beziehung zwischen Lebenden und Toten, Erde und Himmel, Tod und Auferstehung dar. 

Joseph zitiert in Vers 14 den Apostel Paulus: „Aber nicht das Geistige war zuerst, sondern das Natürliche, und danach das Geistige“ (1 Korinther 15:46–48). Damit betont er ein Grundgesetz: Zuerst kommt das Natürliche – die irdische Handlung – dann folgt das Geistige – die himmlische Bestätigung und Auferstehung. Die irdischen Rituale, so schlicht sie scheinen mögen, sind der notwendige Rahmen, in dem himmlische Wirklichkeiten wirksam werden. 

Für unser Heute bedeutet das: Unsere Beteiligung an Tempelverordnungen, unsere Dokumentation und unser Handeln sind die „natürlichen“ Schritte, durch die der Herr „geistige“ Wirkungen hervorbringt – für uns und für unsere Verstorbenen. Ohne irdische Handlung keine himmlische Bindung. 

5. Bedeutung für unser Heute 

L&B 128:1–14 zeigt, wie sehr Verordnungen, Aufzeichnungen und Symbole ineinandergreifen. Für die Heiligen in Nauvoo war es eine neue, aber freudige Aufgabe, das Werk für die Toten geordnet aufzubauen. Für uns heute bedeutet es, dass wir mit ebenso großer Genauigkeit und Ehrfurcht an Familienforschung, Namenseinreichung, Tempelverordnungen und Aufzeichnungssystemen mitwirken. 

Wir stehen in einer Linie, die bis in die Ewigkeit reicht. Indem wir die „natürlichen“ Handlungen treu vollziehen und sorgfältig dokumentieren, wirkt der Herr das „Geistige“ – die ewige Bindung von Familien über den Tod hinaus. 

👉 Wie können wir heute durch unsere sorgfältige Mitarbeit im Werk für die Toten dazu beitragen, dass himmlische Bücher vollständig und freudig geöffnet werden? 

findechristus.org

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So nehme ich nun das Thema der Taufe für die Toten wieder auf

6. November 2025, 06:44am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Tempelarbeit und Familienforschung
(Bild: Quelle)

“Wie ich in meinem Brief, den ich euch vor meinem Weggang schrieb, erwähnte, dass ich euch von Zeit zu Zeit schreiben und euch Mitteilung über viele Themen machen würde, so nehme ich nun das Thema der Taufe für die Toten wieder auf, denn dieses Thema scheint meine Gedanken zu beanspruchen und meine Gefühle am stärksten zu beeindrucken, seit ich von meinen Feinden verfolgt werde.” (Lehre und Bündnisse 128:1). 

Lehre und Bündnisse 128 – Historie 

L&B 128 gehört zu den markantesten Dokumenten der Nauvoo-Zeit, einer Periode in der Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die zwischen 1839 und 1846 liegt. In dieser Zeit entwickelte sich Nauvoo, Illinois, zu einem geistigen und organisatorischen Zentrum der jungen Kirche. Die Jahre waren geprägt von intensiver Offenbarung, aber auch von politischer Verfolgung, persönlichen Gefahren für Joseph Smith und den Herausforderungen, eine wachsende Gemeinschaft zu organisieren. Abschnitt 128 ist nicht in der Form einer traditionellen Offenbarung diktiert, wie viele andere Teile des Buches, sondern stellt einen persönlichen Brief Joseph Smiths an die Heiligen dar, datiert auf den 6. September 1842. Inhaltlich setzt er die Gedanken aus L&B 127 fort und entfaltet in besonderer Weise die Lehre von der Taufe für die Verstorbenen, die zu diesem Zeitpunkt zu einer der zentralen Glaubenspraxen in Nauvoo wurde. 

Die historische Entstehungssituation dieses Abschnitts ist eng mit der Bedrohung Joseph Smiths durch erneute Auslieferungsversuche in den Bundesstaat Missouri verbunden. Nachdem im Jahr 1838 der sogenannte „Missouri-Mormon-Krieg“ zu schweren Verlusten geführt hatte und Joseph Smith mit anderen Führern inhaftiert gewesen war, blieb Missouri ein permanentes Risiko für seine Sicherheit. Im Sommer 1842 wurde er durch Anschuldigungen in Verbindung mit dem Attentat auf den ehemaligen Gouverneur von Missouri, Lilburn W. Boggs, belastet. Obwohl keinerlei Beweise seine Verwicklung bestätigten, nutzten die Feinde der Kirche diese Gelegenheit, um seine Auslieferung zu fordern. Joseph Smith musste sich deshalb zeitweise im Verborgenen aufhalten, teils in Häusern von Freunden, etwa bei Edward Hunter oder in Montrose, Iowa, gegenüber von Nauvoo. Gerade in dieser Phase, in der er von öffentlichem Auftreten weitgehend abgeschnitten war, schrieb er mehrere Briefe an die Kirche, die heute in den Abschnitten 127 und 128 überliefert sind. 

Abschnitt 127, datiert auf den 1. September 1842, war Josephs erste ausführliche schriftliche Instruktion über die Taufe für die Verstorbenen, die seit 1840 praktiziert wurde. In diesem Brief legte er die Notwendigkeit schriftlicher Aufzeichnungen dar und betonte, dass jede Handlung ordnungsgemäß bezeugt und dokumentiert sein müsse. Abschnitt 128, nur wenige Tage später verfasst, vertieft diese Gedanken erheblich und führt sie systematisch weiter. Dass Joseph in Briefen schrieb und nicht in öffentlichen Predigten lehrte, hing unmittelbar mit seiner prekären Situation zusammen. Diese Briefe wurden in Nauvoo gesammelt, an die Mitglieder weitergegeben und später im „Times and Seasons“, der Kirchenzeitung, veröffentlicht. Auf diese Weise erhielten sie bald kanonische Autorität und fanden schließlich Eingang in das Buch Lehre und Bündnisse. 

Die in Abschnitt 128 behandelte Thematik spiegelt eine theologische Entwicklung wider, die für die Nauvoo-Phase kennzeichnend ist. Während die frühe Kirtland-Zeit stark durch Visionen, die Wiederherstellung des Priestertums und die ersten Tempelerfahrungen geprägt war, rückte in Nauvoo die Heilsordnung für die Toten, die Tempelarbeit und das Verständnis ewiger Bündnisse in den Vordergrund. Joseph Smith lehrte, dass die Erlösung nicht nur die Lebenden betrifft, sondern dass durch die „Schlüssel der Siegelung“ auch den Toten die Möglichkeit eröffnet werde, durch stellvertretende Handlungen in den Genuss der Verordnungen zu kommen. Bereits in einer Predigt in Nauvoo im August 1840 hatte Joseph zum ersten Mal öffentlich die Lehre von der Taufe für die Verstorbenen eingeführt, angeregt durch den Tod von Seymour Brunson. Bald darauf begannen Mitglieder, Taufen für ihre verstorbenen Angehörigen im Mississippi durchzuführen. Doch rasch wurde klar, dass eine ordnungsgemäße Aufzeichnung und ein heiliger Rahmen notwendig waren, damit die Handlungen Gültigkeit vor Gott erlangen konnten. Daraus erwuchs die Notwendigkeit, die Prinzipien systematisch niederzulegen, wie sie in Abschnitt 128 entfaltet werden. 

Ein wesentlicher Aspekt der Historie ist also, dass Abschnitt 128 nicht im luftleeren Raum entstand, sondern als Antwort auf die praktische Erfahrung der Heiligen, die dieses neue Gebot eifrig umsetzten. Anfangs wurden Taufen für die Verstorbenen in Flüssen oder Seen durchgeführt, ohne dass ein geordnetes Verfahren bestand, wie die Namen der Verstorbenen festgehalten und bestätigt werden sollten. Joseph Smith, der die göttliche Ordnung und die Verbindlichkeit solcher Handlungen betonte, stellte klar, dass Berichterstattung, Zeugenschaft und Niederschrift untrennbar mit der Wirksamkeit dieser Verordnungen verbunden seien. Nur so könnten die Handlungen sowohl auf Erden als auch im Himmel gültig sein, ein Gedanke, den er in Abschnitt 128 mit großer Eindringlichkeit formulierte. Hier tritt auch der Gedanke hervor, dass irdische und himmlische Bücher korrespondieren: Was die Heiligen auf Erden ordnungsgemäß aufzeichnen, wird auch im Himmel festgehalten. 

Historisch betrachtet, ist der Brief ein bemerkenswertes Dokument, das theologische Lehre, biblische Bezüge und persönliche Begeisterung miteinander verbindet. Joseph Smith verwendete eine rhetorisch aufgeladene Sprache, die sowohl lehrend als auch hymnisch ist. Vor allem im letzten Teil des Abschnitts entfaltet er eine poetische Vision von der Freude der Lebenden und Verstorbenen, die gemeinsam an der Erlösung teilhaben. Viele Historiker haben darauf hingewiesen, dass dieser Brief in seiner stilistischen Kraft einer Predigt gleicht, obwohl er in schriftlicher Form vorliegt. Die Nauvoo-Gemeinde empfand ihn als geistige Erhebung in einer Zeit großer äußerer Unsicherheit. 

Ein weiterer historischer Schlüssel liegt in der Verbindung zu den wiederhergestellten Priestertumsschlüsseln. Joseph Smith verweist in Abschnitt 128 auf die verschiedenen Engelserscheinungen und Offenbarungen, die die Kirche seit 1829 begleitet hatten: Moroni, Johannes der Täufer, Petrus, Jakobus und Johannes, Michael, Gabriel und andere. Diese Verweise verankern die Lehre der Taufe für die Verstorbenen in einem umfassenden heilsgeschichtlichen Kontext. Die Botschaft lautet: Die Kirche Jesu Christi ist nicht einfach eine neue Bewegung im 19. Jahrhundert, sondern sie ist die „Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten“, in der alle früheren Schlüssel und Vollmachten wiederhergestellt sind. Der Brief nimmt damit eine zentrale Stellung im Selbstverständnis der Kirche ein: Er verbindet die konkrete Praxis der Tempelarbeit mit der großen Vision einer umfassenden Heilsordnung, die Himmel und Erde, Lebende und Verstorbene, Vergangenheit und Gegenwart verbindet. 

Die Rezeption von Abschnitt 128 war in Nauvoo unmittelbar spürbar. Schon bald begann der Bau des Nauvoo-Tempels, dessen Taufbecken im Keller ganz bewusst als Sinnbild des Grabes errichtet wurde. Joseph Smith selbst wies darauf hin, dass das Becken unterhalb des Versammlungssaales der Lebenden liegen müsse, um das Symbol der Lebenden und Verstorbenen zu verdeutlichen. Diese bauliche Anordnung setzte die Lehren von Abschnitt 128 praktisch um und machte sie im Tempelbau sichtbar. Damit wurde der Tempelbau in Nauvoo nicht nur ein organisatorisches, sondern ein zutiefst theologisches Projekt, dessen Wurzeln in den Briefen Joseph Smiths liegen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass L&B 128 ein Dokument ist, das aus einer Zeit persönlicher Bedrohung hervorging, gleichzeitig aber eine der freudigsten und visionärsten Darstellungen der Nauvoo-Theologie bietet. Historisch spiegelt es die Situation eines Propheten wider, der im Verborgenen lebte und dennoch kraftvolle Anweisungen an seine Gemeinde gab. Es greift praktische Probleme der Kirchenorganisation auf, verbindet diese mit tiefen geistlichen Lehren und entfaltet eine Vision, die bis heute das Verständnis der Tempelarbeit prägt. Gerade weil es als Brief geschrieben wurde, vermittelt es eine persönliche Note: Joseph Smith spricht die Heiligen als „meine vielgeliebten Brüder und Schwestern“ an und lässt sie teilhaben an seiner eigenen Begeisterung für die Größe des Werkes. In einer Zeit äußerer Unsicherheit schenkte dieser Brief innere Gewissheit: dass Gottes Werk unaufhaltsam voranschreitet, dass die Lebenden und Verstorbenen miteinander verbunden sind und dass die wiederhergestellten Schlüssel eine ewige Gültigkeit besitzen. 

findechristus.org  

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Damit alles, was ihr aufzeichnet, im Himmel aufgezeichnet werde

5. November 2025, 06:21am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Tempelarbeit und Familienforschung
(Bild: Quelle)

„damit alles, was ihr aufzeichnet, im Himmel aufgezeichnet werde, was auch immer ihr auf Erden bindet, im Himmel gebunden sei, was auch immer ihr auf Erden löst, im Himmel gelöst sei.“ (Lehre und Bündnisse 127:7). 

Lehre und Bündnisse 127 – Historischer Kontext und geistliche Lehren 

Der Abschnitt 127 ist in einer besonderen Situation entstanden: Joseph Smith befand sich im Jahr 1842 in Nauvoo in großer Bedrängnis. Während die Kirche rasch wuchs und die Heiligen sich am Aufbau der Stadt und am Tempelbau beteiligten, stand Joseph erneut im Fokus der Feinde aus Missouri, die versuchten, ihn ausliefern zu lassen. In dieser Zeit schrieb Joseph mehrere Briefe an die Heiligen. Zwei davon – Abschnitt 127 und 128 – sind bis heute überliefert und zählen zu den wichtigsten Quellen zur Lehre von der Taufe für die Toten, einer einzigartigen und zentralen Praxis im Wiederherstellungsevangelium. 

Verfolgung und göttliche Zuversicht (Verse 1–4) 

Joseph beginnt den Brief mit einer persönlichen Erklärung: „Da der Herr mir offenbart hat, dass meine Feinde sowohl in Missouri als auch in diesem Staat mir wieder nachstellen … habe ich es für ratsam und weise gehalten, den Ort für eine kurze Zeit zu verlassen“ (V. 1). Er war gezwungen, sich vor seinen Feinden verborgen zu halten, doch er stellte klar, dass dies keine Flucht aus Pflicht oder Berufung war, sondern der Sicherheit des Volkes diente. Joseph zeigt damit einen bemerkenswerten Balanceakt zwischen persönlicher Vorsicht und Vertrauen in Gott. 

Die Formulierung in Vers 2 ist von tiefer persönlicher Ehrlichkeit geprägt: „Wie auch immer, ich bin gewohnt, in tiefem Wasser zu schwimmen. Das ist mir alles zur zweiten Natur geworden, und es geht mir so wie Paulus, dass ich mich der Drangsal rühme.“ Dieser Vergleich mit Paulus erinnert an 2. Korinther 11, wo Paulus seine Leiden und Gefangenschaften aufzählt. Joseph sah in seinen Drangsalen nicht nur persönliches Leid, sondern einen Beweis, dass er in einer Reihe mit den Propheten und Aposteln der Antike stand. 

Für heutige Leser birgt dies eine wichtige Lehre: Schwierigkeiten und Anfeindungen sind nicht Zeichen von göttlicher Abwesenheit, sondern können vielmehr ein Hinweis darauf sein, dass man dem Weg Christi folgt. Josephs Gewissheit, „ich werde über alle meine Feinde triumphieren, denn Gott, der Herr, hat es gesagt“ (V. 2), ist eine Einladung, auch im eigenen Leben Schwierigkeiten im Vertrauen auf Gottes Zusagen zu begegnen. 

In Vers 4 betont Joseph schließlich, dass trotz aller Widerstände die Arbeit des Herrn nicht stillstehen dürfe: „Lasst die Arbeit an meinem Tempel … weitergehen und nicht aufhören.“ Der Tempel war damals im Bau, und die Arbeit an ihm war eng mit der neuen Lehre der Taufe für die Toten verbunden. Schon hier zeigt sich die zentrale Botschaft: Das Werk Gottes ist größer als die Umstände einzelner Menschen. 

Die Ordnung der Taufe für die Toten (Verse 5–9) 

Der Hauptteil des Briefes widmet sich der Taufe für die Toten. Joseph führt hier ein zentrales Prinzip ein: Jede heilige Handlung muss geordnet aufgezeichnet werden. „Wenn jemand von euch für eure Toten getauft wird, so soll es einen Berichtführer geben … damit er der Wahrheit gemäß bezeugen kann“ (V. 6). Dieses Gebot war nicht nur ein praktisches, sondern auch ein theologisch tief verankertes Prinzip. 

Joseph verbindet die Aufzeichnung irdischer Handlungen direkt mit dem himmlischen Gesetz: „damit alles, was ihr aufzeichnet, im Himmel aufgezeichnet werde, was auch immer ihr auf Erden bindet, im Himmel gebunden sei“ (V. 7). Damit knüpft er an Matthäus 16,19 und Matthäus 18,18 an, wo Christus den Aposteln die Schlüssel des Himmelreichs gab. Die Verknüpfung von Erde und Himmel durch ordnungsgemäße Aufzeichnungen zeigt, dass der Herr ein Gott der Ordnung ist (1. Korinther 14,40). 

Besonders bemerkenswert ist Vers 8: „denn ich bin im Begriff, auf Erden vieles wiederherzustellen, was das Priestertum betrifft.“ Hier wird klar, dass die Wiederherstellung nicht nur die Kirche im Allgemeinen betrifft, sondern auch die konkrete Organisation heiliger Handlungen. Mit der Einführung schriftlicher Aufzeichnungen wurde die Taufe für die Toten als Teil der Priestertumsvollmacht dauerhaft verankert. 

In Vers 9 wird betont, dass diese Aufzeichnungen in die „Archive meines heiligen Tempels“ gelegt werden sollen. Damit wird die Verbindung von Taufe für die Toten und Tempel unauflöslich hergestellt. Zwar fanden in Nauvoo damals erste stellvertretende Taufen im Mississippi statt, aber Joseph machte klar: Der bleibende Ort für diese heiligen Handlungen ist der Tempel. Bis heute zeigt sich darin eine wichtige Linie: Familienforschung und Tempelarbeit gehören untrennbar zusammen. 

Sehnsucht nach Unterweisung und Beständigkeit im Werk (Verse 10–12) 

Josephs Worte in Vers 10 sind von tiefer Sehnsucht geprägt: „Ich möchte allen Heiligen sagen, dass ich mir mit überaus großem Wunsch gewünscht hätte, … über das Thema der Taufe für die Toten zu sprechen.“ Doch da er sich verborgen halten musste, konnte er nicht öffentlich lehren. Stattdessen wählte er den Weg schriftlicher Mitteilungen. Für uns heute ist das ein Segen, denn durch diese Briefe sind die Lehren bewahrt worden. 

Die Situation erinnert an Paulus, der viele seiner Briefe aus Gefangenschaft schrieb. Auch Josephs Brief gewinnt gerade durch die Umstände an Gewicht: Er hätte schweigen oder sich nur mit seinen eigenen Sorgen befassen können, aber stattdessen widmete er sich dem Aufbau der Kirche. 

Vers 11 zeigt erneut seine Glaubenshaltung: „Der Fürst dieser Welt kommt, aber er hat keine Macht über mich.“ Diese Worte lehnen sich an Johannes 14,30 an, wo Christus selbst im Angesicht seines Leidens erklärte, dass Satan keine Macht über ihn habe. Joseph verstand sein Amt in dieser Nachfolge: Die Mächte der Welt konnten ihn bedrohen, aber sie konnten das Werk Gottes nicht aufhalten. 

Am Ende schließt er seinen Brief in Demut: „Siehe, ich bete zu Gott, dass ihr alle errettet werden mögt“ (V. 12). Er unterzeichnet nicht mit Machtanspruch, sondern als „euer Diener im Herrn“. Gerade darin liegt die geistliche Autorität: Ein wahrer Prophet ist immer zugleich Diener. 

Anwendung für unsere Zeit 

Abschnitt 127 ist auf zweierlei Weise bedeutungsvoll. Erstens zeigt er, wie Joseph in einer Zeit äußerster Bedrängnis den Blick auf das Werk Gottes lenkte. Er könnte als Beispiel für jede Zeit gelten, in der Gläubige Bedrohungen oder Schwierigkeiten erfahren. Die Botschaft lautet: Das Werk des Herrn geht weiter, unabhängig von menschlichem Widerstand. 

Zweitens ist er ein Schlüsseldokument zur Lehre der Taufe für die Toten. Die Betonung auf Aufzeichnungen und Ordnung lehrt uns, dass Gottes Werk mit Verantwortung und Sorgfalt geschieht. So wie die damaligen Schreiber ordnungsgemäß Zeugnis ablegen sollten, sind heute genealogische Forschungen, digitale Datenbanken und Tempelarchive ein moderner Ausdruck derselben Grundidee: Was auf Erden festgehalten wird, ist im Himmel gültig. 

Darüber hinaus lädt der Abschnitt dazu ein, über die persönliche Rolle im Werk des Herrn nachzudenken. Joseph forderte die Heiligen auf, ihre „Ausdauer und Anstrengungen zu verdoppeln“ (V. 4). Auch heute gilt diese Aufforderung, sei es im familiären, beruflichen oder kirchlichen Umfeld: Ausdauer und Hingabe sind der Weg, wie Gottes Werk sichtbar wird. 

Fazit 

L&B 127 ist mehr als ein Brief in bedrängter Zeit. Er ist ein Zeugnis dafür, dass Gottes Werk durch nichts aufgehalten werden kann, weder durch politische Verfolgung noch durch persönliche Drangsale. Joseph Smith verband sein persönliches Leiden mit der großen Vision einer ewigen Ordnung, in der Tempel, Priestertum und Erlösung für die Toten eine zentrale Rolle spielen. 

Für heutige Gläubige ist dieser Abschnitt sowohl Ermutigung als auch Auftrag: in Bedrängnis Gott zu vertrauen, in Geduld und Eifer fortzufahren und sich aktiv an der Heilsarbeit für die Lebenden und die Verstorbenen zu beteiligen. Josephs Worte, dass er „in tiefem Wasser zu schwimmen“ gewohnt sei, sind ein Bild für das Leben jedes Jüngers Christi. Auch wir sind eingeladen, im Vertrauen auf Gottes Zusage standzuhalten und uns der Drangsale zu rühmen – in dem Wissen, dass Gottes Werk siegreich ist und dass wir Teil dieses Werkes sein dürfen. 

findechristus.org

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Sorge von dieser Zeit an, fortan und für immer, besonders für deine Familie

4. November 2025, 06:21am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Ministry of Brigham Young: A Faithful Missionary
(Bild: Quelle)

“Darum gebiete ich dir, sende mein Wort hinaus, und sorge von dieser Zeit an, fortan und für immer, besonders für deine Familie. Amen.” (Lehre und Bündnisse 126:3). 

Lehre und Bündnisse 126 – Historischer Kontext und geistliche Lehren 

Die Offenbarung in Abschnitt 126 wurde am 9. Juli 1841 in Nauvoo, Illinois, durch Joseph Smith empfangen. Sie richtet sich an Brigham Young, den Präsidenten des Kollegiums der Zwölf Apostel, und umfasst nur drei Verse. Trotz ihrer Kürze ist sie eine Schlüsselszene für das Verständnis der Lasten und Segnungen apostolischen Dienstes in der Frühzeit der Kirche und für das Verhältnis von geistlicher Berufung und Familie. 

Historischer Hintergrund 

Die Jahre um 1841 waren für die Kirche Jesu Christi eine Zeit intensiver Herausforderungen. Nauvoo war gerade dabei, nach den Verfolgungen in Missouri zu einer Zufluchtsstadt aufzublühen. Zugleich erlebte die Kirche durch Missionen in England ein bemerkenswertes Wachstum. Brigham Young spielte darin eine zentrale Rolle. 

Zusammen mit den anderen Aposteln führte er ab 1839 eine erfolgreiche Missionsreise nach Großbritannien durch. Es ist berichtet, dass Brigham Young seine kranke Frau und seine Kinder in verzweifelten Verhältnissen zurückgelassen hatte, um den Befehl des Herrn, in Großbritannien zu dienen, zu erfüllen. Seine Opfer brachten eine Ernte von Bekehrten hervor. Die Mission führte zur Taufe von Tausenden, die später nach Amerika auswanderten und Nauvoo stärkten (mehr lies hier). 

Doch dieser Erfolg hatte einen hohen persönlichen Preis. Brigham Youngs Frau Miriam war schwer krank, als er die Mission antrat. Er verließ seine Familie unter sehr schwierigen Umständen, seine Frau war dem Tode nahe und wusste nicht, ob er sie je wiedersehen würde. Die Last, Familie und Berufung zugleich gerecht zu werden, war übermächtig. 

Als Brigham Young 1841 nach Nauvoo zurückkehrte, war er erschöpft, aber gestärkt durch die Erfahrungen. Im Haus Brigham Youngs empfing Joseph Smith nun diese Offenbarung, die ein Ende langer Missionsreisen markierte und den Beginn einer neuen Phase in Youngs Führungsaufgaben einleitete. 

Inhalt der Offenbarung 

Die Worte der Offenbarung sind bemerkenswert liebevoll: 

  1. „Teurer und vielgeliebter Bruder Brigham Young … es wird von deiner Hand nicht mehr gefordert, dass du … deine Familie verlässt, denn dein Opfer ist für mich annehmbar.“ Der Herr bestätigte, dass Youngs jahrelange Opfer nicht unbemerkt geblieben waren. 

  1. „Ich habe deine Arbeit und Mühe gesehen, als du um meines Namens willen gereist bist.“ Hier klingt die Zusicherung an, dass Gott jede Mühe und jedes Opfer kennt und würdigt. 

  1. „Darum gebiete ich dir, sende mein Wort hinaus, und sorge … besonders für deine Familie.“ Der Auftrag blieb, das Evangelium zu verbreiten, doch die Form änderte sich: von weiten Reisen hin zu Leitung und Unterweisung von Nauvoo aus. Gleichzeitig erhielt Young den klaren Befehl, seiner Familie nun Vorrang einzuräumen. 

Steven C. Harper fasst diesen Wendepunkt so: Der Herr erkannte Brighams Opfer an und befreite ihn von den ständigen Anforderungen langer Auslandsmissionen. Sein Missionsgebiet sollte nun sein Zuhause, seine Familie und Nauvoo sein (Harper, Doctrine and Covenants Contexts, zu Abschnitt 126). 

Geistliche Lehren für uns heute 

Aus dieser kurzen Offenbarung leuchten zeitlose Prinzipien: 

1. Gott erkennt jedes Opfer. 
Brigham Young hatte „alles gegeben, um das Reich aufzubauen“ (scripturecentral.org, Section 126). Der Herr ließ ihn wissen, dass sein Opfer „annehmbar“ sei. Auch heute gilt: Selbst wenn unsere Beiträge klein erscheinen, sind sie Gott wichtig, wenn sie mit aufrichtigem Herzen gebracht werden. 

2. Berufung und Familie müssen im Gleichgewicht stehen. 
Der Auftrag, nun „besonders für [seine] Familie“ zu sorgen, zeigt, dass Gott keine Konkurrenz zwischen geistlichem Dienst und familiärer Verantwortung sieht. Gospeldoctrine.com kommentiert dazu: Der Herr hatte nie die Absicht, dass der Missionsdienst oder die Berufung in der Kirche die göttliche Verantwortung für die Familie dauerhaft überschatten sollten. Dieses Prinzip ist gerade heute bedeutsam, wo viele Aufgaben miteinander konkurrieren. 

3. Gottes Werk verändert sich in Phasen. 
Brigham Youngs Rolle wandelte sich von reisendem Missionar zum Führer, der vor Ort leitete. Doctrine and Covenants Central erklärt: Der Herr richtete Brighams Dienst von Reisen ins Ausland auf die Führung im Inland um (doctrineandcovenantscentral.org). Auch in unserem Leben führt der Herr uns durch unterschiedliche Aufgaben und erwartet, dass wir bereit sind, Schwerpunkte zu wechseln. 

4. Der Herr spricht liebevoll und persönlich. 
Die Worte „teurer und vielgeliebter Bruder“ sind Ausdruck göttlicher Nähe. Sie bezeugen, dass Offenbarung keine kalte Instruktion ist, sondern Ausdruck einer persönlichen Beziehung. Auch wir dürfen sicher sein, dass Gott unsere Mühen sieht und uns in Liebe führt. 

Parallelen in den Schriften 

Diese Prinzipien finden Echo in anderen heiligen Schriften. Paulus schrieb: „Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er euer Werk vergäße und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt“ (Hebräer 6:10). Ebenso mahnte er: „Wenn aber jemand die Seinen … nicht versorgt, so hat er den Glauben verleugnet“ (1. Timotheus 5:8). 

Das Buch Mormon betont, dass die Gläubigen „in der Liebe zu Gott und in der Liebe zueinander“ vereint sein sollen (Mosia 18:21). Familie ist dabei der erste Ort gelebter Liebe. 

Schlussbetrachtung 

L&B 126 ist trotz seiner Kürze ein tiefgreifendes Dokument. Es bestätigt Brigham Youngs Opfer, beendet eine Phase rastloser Missionsreisen und leitet seine Vorbereitung auf noch größere Führungsverantwortungen ein. Vor allem aber offenbart es einen Gott, der Opfer anerkennt, der Familie in den Mittelpunkt stellt und der seine Diener mit Liebe anspricht. 

Für uns heute bleibt die Botschaft: Der Herr sieht jedes Opfer, er möchte, dass wir ein gesundes Gleichgewicht zwischen Dienst und Familie finden, und er führt uns durch unterschiedliche Lebensphasen. Opfer werden nicht endlos gefordert, sondern anerkannt, gesegnet und schließlich durch Frieden und Ausgleich belohnt. 

So wird Abschnitt 126 zu einem Zeugnis dafür, dass der Herr nicht nur sein Werk lenkt, sondern auch für die Menschen sorgt, die es tragen – und für ihre Familien. 

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Dann sollen sie sich an den Orten sammeln, die ich ihnen bestimmen werde

3. November 2025, 06:10am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Geographische Parallelen Zarahemlas
(Bild: Quelle)

“Wahrlich, so spricht der Herr: Ich sage euch: Wenn diejenigen, die sich nach meinem Namen nennen und sich bestreben, meine Heiligen zu sein – wenn sie meinen Willen tun und meine in Bezug auf sie gegebenen Gebote halten wollen, dann sollen sie sich an den Orten sammeln, die ich ihnen durch meinen Diener Joseph bestimmen werde, und meinem Namen Städte bauen, damit sie bereit seien für das, was die Zukunft bringen wird.” (Lehre und Bündnisse 125:2). 

Lehre & Bündnisse 125:1–4 – Historischer Kontext und geistliche Lehren 

Im März 1841, als die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sich in Nauvoo (Illinois) sammelte und ihre Strukturen festigte, stellte sich eine konkrete Frage: Was sollten die Gläubigen tun, die nicht in Illinois, sondern im Territorium Iowa lebten? Joseph Smith suchte den Willen des Herrn, und die Antwort ist in Abschnitt 125 überliefert. 

Die Offenbarung – Vers 1–4 

Die Verse beginnen mit einer Frage: „Was ist der Wille des Herrn in Bezug auf die Heiligen im Territorium Iowa?“ (V. 1). Die Antwort ist klar: Wer nach Gottes Namen genannt wird und seinen Willen tun möchte, soll sich „an den Orten sammeln, die ich … bestimmen werde, und meinem Namen Städte bauen“ (V. 2). Diese Sammlung hat ein Ziel – „damit sie bereit seien für das, was die Zukunft bringen wird“. 

Konkret befiehlt der Herr, „auf dem Land gegenüber der Stadt Nauvoo“ eine Stadt zu errichten und sie Zarahemla zu nennen (V. 3). Alle, die aus allen Himmelsrichtungen kommen und den Wunsch haben, dort zu wohnen, sollen in Zarahemla, in Nashville, in Nauvoo oder in anderen von Gott bestimmten Pfählen ihr Erbteil empfangen (V. 4). 

Damit verbindet diese kurze Offenbarung drei Kerngedanken: Sammlung der Gläubigen, Aufbau heiliger Städte und Namensgebung mit tiefer Symbolkraft. 

Historischer Hintergrund – Iowa und Nauvoo 

Zur Zeit dieser Offenbarung war Nauvoo eine schnell wachsende Stadt am Mississippi. Viele Heilige hatten sich nach den Vertreibungen aus Missouri hier gesammelt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, im noch jungen Iowa-Territorium, hatten bereits einige Mitglieder Land gekauft und sich angesiedelt. Die Frage stand im Raum: Sollen sie nach Nauvoo übersiedeln oder eine eigene Stadt errichten? 

Die Offenbarung gab Klarheit: Sie durften eine eigenständige Stadt bauen, Zarahemla, und diese offiziell als Pfahl Zions etablieren. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass schon im Sommer 1841 ein „Zarahemla Pfahl“ organisiert wurde, der über 300 Mitglieder zählte. Dieser Bestand war jedoch nur von kurzer Dauer – Anfang 1842 wurde der Pfahl wieder aufgelöst, die meisten Mitglieder orientierten sich zurück nach Nauvoo oder bereiteten sich auf die spätere große Auswanderung in den Westen vor. Heute ist vom Ort Zarahemla in Iowa kaum mehr etwas sichtbar, doch seine Bedeutung als Teil der Nauvoo-Phase bleibt bestehen. 

Geistliche Bedeutung der Verse 

1. Sammlung der Heiligen 
Die Offenbarung betont das zentrale Prinzip der „Sammlung“. Schon seit den Anfängen der Kirche war das Sammeln an heiligen Orten ein Gebot, um Glauben zu stärken, Ressourcen zu bündeln und geistige Gemeinschaft zu schaffen. Iowa-Zarahemla war ein solcher Sammelpunkt. 

2. Städte im Namen Gottes bauen 
Nicht nur Häuser, sondern „Städte im Namen des Herrn“ sollten entstehen. Damit ist gemeint, dass jede Gemeinde geistlich ausgerichtet sein sollte – Orte, die Gottes Reich sichtbar machen, Orte mit klarer Identität und Zweck. 

3. Vorbereitung auf die Zukunft 
Die Heiligen sollten „bereit sein für das, was die Zukunft bringen wird“. In der damaligen Situation bedeutete dies Schutz vor Verfolgung, Aufbau einer tragfähigen Infrastruktur und geistige Stärkung für kommende Prüfungen. Rückblickend sehen wir, dass wenige Jahre später die große Wanderung nach Westen anstand. 

4. Pfähle Zions 
Die Offenbarung spricht nicht nur von Zarahemla, sondern auch von Nauvoo, Nashville und „allen Pfählen, die ich bestimmt habe“. Zion besteht nicht nur aus einem Ort, sondern aus einem Netz heiliger Zentren. Diese Flexibilität ermöglichte es der Kirche, sich in wechselnden Umständen zu behaupten. 

Warum der Name Zarahemla? 

Die Wahl des Namens Zarahemla ist besonders aufschlussreich. Im Buch Mormon ist Zarahemla eine zentrale Stadt, Hauptstadt des nephitischen Reiches, Sammelpunkt verschiedener Völker und Zentrum politischer wie geistlicher Entwicklungen. Sie war Ort von Umkehr, Reformen, aber auch von Konflikten. 

Indem der Herr Joseph Smith für diesen Iowa-Ort diesen Namen nannte, knüpfte er die neue Siedlung an diese Tradition. Die Botschaft an die Gläubigen lautete: Auch ihr seid Teil des großen Sammelwerks, so wie einst die Nephiten und Mulekiten in Zarahemla zusammenkamen. Ihr baut eine Stadt, die geistlich mit der Geschichte des Buches Mormon verbunden ist. 

Gleichzeitig war es in jener Zeit üblich, Siedlungen nach heiligen Namen zu benennen – Orte wie Manti, Nephi oder Gideon zeugen davon. Solche Namen gaben den Pionieren Identität und Orientierung: Sie sahen sich als Fortsetzung des Volkes Gottes in alter Zeit. 

Parallelen und Unterschiede zum Buch-Mormon-Zarahemla 

Es liegt nahe, Iowa-Zarahemla mit der alten Stadt im Buch Mormon zu vergleichen (lies auch hier). Einige Parallelen sind deutlich: 

  • Sammelpunkt: In beiden Fällen ist Zarahemla ein Ort, an dem sich Gläubige aus verschiedenen Regionen versammeln. 

  • Zentrum: Beide dienen als zentrale Stützpunkte für Organisation und Lehre. 

  • Symbol für Gemeinschaft: Zarahemla steht für das Zusammenbringen verschiedener Gruppen in eine neue, geeinte Gemeinschaft. 

Das Buch-Mormon-Zarahemla war über Jahrhunderte Zentrum einer Zivilisation, während Iowa-Zarahemla nur kurze Zeit existierte. Im Buch Mormon war Zarahemla oft Schauplatz von Kriegen und politischen Umwälzungen, während Iowa-Zarahemla eher ein kleines, friedliches Siedlungsprojekt war. Bemerkenswert, beide Orte lagen jeweils westlich eines Flusses, im Buch Mormon westlich des Flusses Sidon (Alma 2:15), in Iowa westlich des Mississippi gegenüber Nauvoo. 

Eine Lehre für heute 

Obwohl Iowa-Zarahemla als Siedlung keine Dauer hatte, lebt die Botschaft fort. Sie erinnert daran, dass das Reich Gottes nicht an geografische Beständigkeit gebunden ist. Eine Stadt kann verschwinden, aber das Prinzip der Sammlung bleibt. 

Auch heute werden Gläubige eingeladen, sich in „Pfählen Zions“ zu versammeln, sei es in wachsenden Gemeinden weltweit oder im eigenen Zuhause. Der Auftrag, „Städte im Namen des Herrn“ zu bauen, gilt weiter – überall dort, wo Heilige Gemeinschaft leben, Tempel errichten und den Namen Christi tragen. 

Zarahemla, ob im Buch Mormon oder in Iowa, bleibt damit ein Symbol für das Sammeln, für Einheit und für die Vorbereitung auf Gottes zukünftiges Werk. 

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Die Ämter habe ich euch gegeben als Hilfsmittel und zur Regierung

1. November 2025, 06:36am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

„Die obigen Ämter habe ich euch gegeben, auch deren Schlüssel, als Hilfsmittel und zur Regierung, für das Werk des geistlichen Dienstes und die Vervollkommnung meiner Heiligen.“ (Lehre und Bündnisse 124:143

Lehre und Bündnisse 124:97-145„Zur Regierung und Vervollkommnung meiner Heiligen“ 

Der Aufbau der Kirche als göttliche Ordnung 

Die Verse 97–145 zeigen in einzigartiger Weise, wie präzise der Herr den Aufbau und die Organisation seiner Kirche führt. In einer Zeit, in der die Heiligen in Nauvoo einen Neuanfang wagten, offenbarte der Herr nicht nur, dass ein Tempel und das Nauvoo-Haus gebaut werden sollten, sondern auch, wie die Führung und Verwaltung der Kirche zu ordnen war. Die Berufung einzelner Männer mit namentlicher Erwähnung, die Beschreibung ihrer Aufgaben und die Betonung der Schlüssel und Vollmachten offenbaren, dass die Kirche Jesu Christi nicht ein menschliches Projekt, sondern eine göttlich geordnete Institution ist. 

Die Verheißungen an William Law (Verse 97–101) 

William Law wird in diesen Versen besondere Segnungen zugesprochen: Er soll, wenn er demütig bleibt und ohne Falschheit dient, den Geist des Trösters empfangen, Wunder wirken und sogar Macht haben, Tote aufzuerwecken, wenn der Herr es will. Diese Zusagen erinnern an die Verheißungen, die Jesus seinen Aposteln gab: „Diese Zeichen aber werden die begleiten, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.“ (Markus 16:17–18). 

Hier zeigt sich, dass dieselben geistigen Gaben, die die Urkirche begleiteten, auch in der wiederhergestellten Kirche gegenwärtig sein sollten. Doch die Bedingung bleibt dieselbe: Demut, Reinheit und Treue gegenüber Christus. Tragisch ist, dass William Law sich später vom Propheten abwandte und sogar an den Ereignissen beteiligt war, die zum Märtyrertod Joseph Smiths führten. Das macht diese Verse zugleich zu einer Mahnung: große Verheißungen erfordern große Treue. 

Sidney Rigdon und die Mahnung zur Treue (Verse 103–110) 

Sidney Rigdon wird als Ratgeber Joseph Smiths wieder in seine Berufung gerufen. Der Herr verlangt von ihm, dass er sich demütigt, an seinem Platz bleibt und seine Stimme erhebt wie eine Posaune, um die Menschen zu warnen. Damit wird ein wichtiges Prinzip sichtbar: In der Kirche des Herrn ist nicht nur die Berufung entscheidend, sondern auch das treue Ausharren in dieser Berufung. 

Die Mahnung an Sidney erinnert an die Lehre Almas im Buch Mormon, die im Gegensatz zu Nehors falscher Lehre steht: Priester und Lehrer sollten „das Wort Gottes lehren, ohne Geld und ohne Lohn“ (vgl. Alma 1:20; siehe auch Alma 1:3). Geistliche Führer sind nicht dazu berufen, eigene Wege zu suchen oder persönliche Sicherheiten zu bevorzugen, sondern im Glauben dort zu dienen, wo der Herr sie hingestellt hat. 

Praktische Anweisungen für Nauvoo (Verse 111–122) 

Ein Teil der Offenbarung betrifft sehr praktische Fragen: den Bau des Nauvoo-Hauses, die Finanzierung durch Anteilscheine, die Entlohnung der Arbeiter und die Bedingung, dass nur Gläubige Anteile erwerben sollen. Das zeigt, dass der Herr nicht nur über geistige Prinzipien spricht, sondern auch über die konkrete Organisation des Gemeindelebens. 

Das Nauvoo-Haus sollte ein Gästehaus werden, in dem Würdenträger und Reisende die Heiligen besuchen konnten. Damit verbunden war die Erwartung, dass die Mitglieder treu ihren Teil beitrugen. Das Prinzip der Mitverantwortung zeigt sich auch in Mosia 18:27, wo Alma gebot, dass jeder „nach dem, was er hatte“, zum Wohl der Gemeinschaft beitragen solle. 

Die Erste Präsidentschaft und das Priestertum (Verse 123–126) 

Hier wird die Leitung der Kirche klar festgelegt: Joseph Smith als Präsident, Seher und Offenbarer, mit Sidney Rigdon und William Law als Ratgeber. Diese Berufung wird als Erste Präsidentschaft bezeichnet – das höchste Kollegium in der Kirche, das die „Aussprüche Gottes“ für die ganze Kirche empfangen soll. 

Damit wird ein zentrales Prinzip deutlich: In der Kirche Jesu Christi gibt es eine sichtbare, geordnete Führung, die vom Herrn eingesetzt ist. „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (1 Korinther 14:33). Die Erste Präsidentschaft ist seitdem das oberste leitende Kollegium der Kirche geblieben. 

Das Kollegium der Zwölf und die weltweite Mission (Verse 127–130) 

Brigham Young wird als Präsident der Zwölf Apostel genannt. Ihre Aufgabe ist es, „die Vollmacht meines Reiches für die vier Ecken der Erde zu erschließen und danach jedem Geschöpf mein Wort zu senden“. Damit wird der Missionsauftrag Jesu wiederholt: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ (Matthäus 28:19). 

Die Zwölf tragen also die Verantwortung, das Evangelium in die ganze Welt zu tragen. Heute sehen wir die Erfüllung dieser Verheißung, da Apostel in allen Erdteilen reisen und die Kirche wirklich weltumspannend geworden ist. 

Weitere Kollegien und Ämter (Verse 131–142) 

Die Offenbarung listet weitere Führungsämter auf: den Hoherat von Zion, die Hohen Priester, die Ältesten, die Siebziger, die Bischofschaft sowie die Präsidenten der Aaronischen Priestertumsämter. Diese detaillierte Strukturierung macht sichtbar, dass das Priestertum nicht nur individuelle Vollmacht, sondern auch kollegiale Ordnung und Zusammenarbeit bedeutet. 

Jedes Kollegium hat seine besondere Aufgabe – reisend oder ortsständig, verkündigend oder leitend. Dieses Zusammenspiel erinnert an die Worte des Paulus: „Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus.“ (Römer 12:4–5). 

Der Zweck aller Ämter: Vervollkommnung der Heiligen (Verse 143–145) 

Der Höhepunkt dieser langen Aufzählung findet sich in den Versen 143–145. Dort erklärt der Herr, dass all diese Ämter und Schlüssel „als Hilfsmittel und zur Regierung, für das Werk des geistlichen Dienstes und die Vervollkommnung meiner Heiligen“ gegeben sind. 

Das erinnert direkt an Epheser 4:11–13: „Und er setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,[1] 12 um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi, 13 bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht.“ 

Damit ist klar: Die Kirche ist nicht Selbstzweck. Sie ist die vom Herrn eingesetzte Organisation, um Menschen zu Christus zu führen, sie zu heiligen und sie auf die Erhöhung vorzubereiten. 

Anwendung für heute 

Auch heute gilt dieses Prinzip: Berufungen, Kollegien und Ämter dienen nicht der persönlichen Ehre, sondern dem Aufbau des Reiches Gottes. Ob jemand Bischof, Lehrer, Missionar oder Primarlehrerin ist – das Ziel ist dasselbe: den Heiligen helfen, Christus ähnlicher zu werden. 

Die Frage an uns lautet: Bin ich bereit, in meiner Berufung treu zu dienen, auch wenn sie unscheinbar wirkt? Verstehe ich, dass meine Aufgabe Teil eines großen Ganzen ist, das der Herr selbst geordnet hat? 

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In deinen Nachkommen werden die Geschlechter der Erde gesegnet sein

31. Oktober 2025, 06:11am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und wie ich zu Abraham in Bezug auf die Geschlechter der Erde gesagt habe, so sage ich auch zu meinem Diener Joseph: In dir und in deinen Nachkommen werden die Geschlechter der Erde gesegnet sein.” (Lehre und Bündnisse 124:58). 

Lehre und Bündnisse 124:56-96 – Ein Haus für die Generationen und eine Ordnung für die Schlüssel 

Bauwerke und Berufungen als Zeichen des Bundes 

Die Verse 56–96 stellen eine faszinierende Mischung dar: Auf der einen Seite geht es um sehr konkrete Bauanweisungen für das Nauvoo-Haus – ein Gästehaus, das Pilgern, Reisenden und Führern als Begegnungsort dienen sollte. Auf der anderen Seite werden hohe geistliche Berufungen übertragen, besonders an Hyrum Smith, der mit Schlüsseln, Vollmacht und einer klaren Rolle in der Kirche ausgestattet wird. So verbindet der Herr das Sichtbare und das Unsichtbare: Gebäude, die für Generationen Bestand haben sollen, und geistliche Ämter, deren Wirkung ebenfalls auf Generationen ausgelegt ist. 

Das Nauvoo-Haus: Ein Bund über Generationen (Verse 56–63) 

Der Herr erklärt zunächst, dass das Nauvoo-Haus „meinem Namen gebaut“ und ein Ort für Joseph Smith und seine Nachkommen „von Generation zu Generation“ sein soll (V. 56–57). Diese Verheißung erinnert unmittelbar an den Bund mit Abraham: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1 Mose 12:3). Ebenso wie Abraham ein Segensträger für seine Nachkommen wurde, sollte Josephs Linie einen bleibenden Platz in diesem Haus haben. 

Verse 60-61 drücken aus, dass das Nauvoo-Haus nicht nur eine Herberge für müde Reisende sein sollte, sondern auch ein geistiges Begegnungszentrum, ein Ort für Beratung, Lehre und geistliche Bestätigung. Menschen, die von Gott „als Pflanzung des Ruhmes“ (also bewährte, gottesfürchtige Führer oder Zeugen) gesetzt waren, sowie „Wächter auf den Mauern Zions“ (die Propheten, Seher und geistigen Wächter des Volkes), sollten sich dort mit Besuchern austauschen. 

Regeln der Rechtschaffenheit im Umgang mit Anteilen (Verse 64–72) 

Besondere Sorgfalt widmet der Herr den finanziellen Regeln für den Bau: kein Anteil unter 50 Dollar, kein Anteil über 15.000 Dollar, und jeder musste bei der Übergabe bar bezahlen (V. 64–69). Zudem wird eine strenge Strafe ausgesprochen: Wer Mittel zweckentfremdet, ohne den vierfachen Ersatz zu leisten, „wird verflucht sein“ (V. 71). 

Diese strikten Vorgaben zeigen, wie wichtig Transparenz und Treue im Umgang mit heiligen Geldern sind. Schon im Neuen Testament war es Hananias und Saphira, die durch Unaufrichtigkeit beim Gemeindevermögen gerichtet wurden (Apostelgeschichte 5:1–11). Hier verdeutlicht der Herr erneut, dass das Werk Zion nicht durch Betrug oder Eigennutz entweiht werden darf. 

Individuelle Aufrufe und Verheißungen (Verse 73–83) 

Mehrere Einzelpersonen werden direkt angesprochen. Vinson Knight soll „die Stimme erheben für die Sache der Armen“ (V. 75). Hyrum Smith, Isaac Galland, William Marks, Henry G. Sherwood und William Law sollen Anteile erwerben (V. 77–82). 

Die Segnungen sind bemerkenswert: Isaac Galland wird ausdrücklich gelobt und seine Sünden vergeben wegen seines Dienstes (V. 78). Vinson Knight wird als Anwalt der Armen eingesetzt – ein Hinweis darauf, dass wahre Religion nicht ohne Nächstenliebe besteht (vgl. Jakobus 1:27). 

Gleichzeitig wird Almon Babbitt getadelt, weil er „sein eigenes goldenes Kalb“ aufrichtet (V. 84). Damit wird die alte Versuchung sichtbar: anstelle des Rates der Propheten den eigenen Weg zu suchen. 

Treue am Ort Zion (Verse 85–87) 

Der Herr mahnt: „Lasst niemand von diesem Ort weggehen, der mit dem Bestreben, meine Gebote zu halten, hierhergekommen ist.“ (V. 85). Diese Worte sind eine direkte Einladung, in Nauvoo zu bleiben und dort Zion zu bauen. 

Der Gedanke erinnert an Jeremia 29:7, wo die Verschleppten in Babylon aufgefordert werden: „Suchet der Stadt Bestes … denn wenn es ihr wohlgeht, so geht es auch euch wohl.“ In einer schwierigen Zeit sollen die Heiligen also nicht nach Sicherheit in der Ferne suchen, sondern am Ort ihres Berufens bleiben, dort arbeiten, leiden und gesegnet werden. 

William Law und der Ruf zur Verkündigung (Verse 88–90) 

William Law wird erneut erwähnt: Er soll das Evangelium in umliegenden Städten predigen (Warsaw, Carthage, Burlington, Madison), auf den Rat Josephs hören und seine Mittel zur Unterstützung der Armen und zur Veröffentlichung der neuen Bibelübersetzung einsetzen. 

Besonders auffällig ist die Verheißung in Vers 90: „so werde ich ihn mit einer Vielfalt von Segnungen segnen, sodass er nicht verlassen sein wird, noch seine Nachkommen um Brot betteln müssen.“ Das verweist auf Jesu Worte: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden.“ (Matthäus 6:33). 

Tragischerweise erfüllte William Law diesen Ruf nicht dauerhaft – doch die Verheißung bleibt als Grundsatz gültig: Wer seine Ressourcen für das Reich Gottes einsetzt, empfängt reiche geistliche und zeitliche Segnungen. 

Die Übertragung der patriarchalischen Schlüssel an Hyrum (Verse 91–96) 

Der Höhepunkt dieser Verse ist die Neuberufung Hyrum Smiths: Joseph soll William Law als Ratgeber einsetzen, „damit mein Diener Hyrum das Amt im Priestertum und als Patriarch übernehmen kann“ (V. 91). 

Hyrum erhält die Schlüssel der patriarchalischen Segnungen (V. 92), die Macht zu binden und zu lösen (V. 93), und wird selbst als Prophet, Seher und Offenbarer eingesetzt, „gleichwie mein Diener Joseph“ (V. 94). 

Hier geschieht eine machtvolle Ausweitung der Führung der Kirche. Hyrum wird nicht nur Josephs engster Unterstützer, sondern ein zweites prophetisches Zeugnis. Zwei Zeugen – wie in 2 Korinther 13:1 („Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll jede Sache bestätigt werden“) – bestätigen die göttliche Führung der Kirche. 

Diese Berufung war auch eine göttliche Vorbereitung: Da Joseph 1844 in Carthage ermordet werden sollte, war es nötig, dass Hyrum bereits in Schlüsselfunktionen ordiniert war. Auch wenn er im Märtyrertod an Josephs Seite starb, zeigt sich, dass der Herr sein Werk absichert, indem er Vollmachten überträgt und bestätigt. 

Anwendung für heute 

Die Verse 56–96 lehren uns mehrere Prinzipien für die Gegenwart: 

  1. Treue im Umgang mit heiligen Geldern: Alles, was wir dem Herrn weihen, muss mit Ehrlichkeit behandelt werden. 

  1. Nächstenliebe als Prüfstein: Wie Vinson Knight sind auch wir aufgerufen, für die Armen einzutreten. 

  1. Bleiben, wo der Herr uns pflanzt: Zion wird dort gebaut, wo wir treu dienen – nicht durch Flucht in bequemere Umstände. 

  1. Familien-Segen über Generationen: Wer den Bund mit Gott hält, bereitet seinen Nachkommen bleibenden geistlichen Reichtum. 

  1. Die Schlüssel des Priestertums sichern das Werk: So wie Hyrum Schlüssel empfing, bleibt auch heute die Führung der Kirche durch lebende Propheten gesichert. 

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Lasst dieses Haus meinem Namen gebaut werden

30. Oktober 2025, 06:37am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und wahrlich, ich sage euch: Lasst dieses Haus meinem Namen gebaut werden, damit ich darin meinem Volk meine Verordnungen offenbaren kann; “ (Lehre und Bündnisse 124:40). 

Lehre und Bündnisse 124:37-55 – Haus des Herrn, Ort der Offenbarung und des Bundes 

Die Verse 37–55 von Lehre und Bündnisse 124 führen uns tief hinein in das Verständnis des Tempels als zentralen Ort göttlicher Offenbarung, als Stätte heiliger Verordnungen und als Prüfstein für die Treue derer, die zum Bau berufen sind. Während die vorhergehenden Verse (22–36) den Ruf nach Sammlung, Gastfreundschaft und dem Bau eines Hauses für Gäste skizzierten, verschiebt dieser Abschnitt den Fokus auf das theologisch unumgängliche: bestimmte heilige Handlungen und die Fülle des Priestertums sind an ein Haus des Herrn gebunden. Damit verankert die Offenbarung das geistliche Leben der Kirche dauerhaft an heilige Orte — ein Gedanke, der historische, praktische und theologische Konsequenzen hat. 

Zunächst betonen die Verse 37–41 die Notwendigkeit, dass Waschungen, Salbungen und die Taufe für die Verstorbenen in einem dem Herrn geweihten Haus vollzogen werden. Die Frage, wie Waschungen annehmbar sein können, wenn sie nicht in einem Haus des Herrn geschehen (V. 37), verknüpft Ritual und Raum untrennbar. Diese Verbindung hat biblische Resonanzen: Mose wurde angewiesen, ein Offenbarungszelt zu bauen (vgl. Exodus 2540), und erst nachdem Zelt und Stiftshütte in Rechtsgestalt waren, offenbarte sich die Herrlichkeit Gottes. Ebenso ist in Jesaja und späteren Schriften die Idee präsent, dass Gott in geheiligten Räumen wohnt und sich dort besonders offenbart (vgl. Jesaja 6; Exodus 40,34–35). Der Tempel ist demnach nicht nur Kulisse, sondern Sakrament: Ort, an dem Gottes heilige Ordnung sichtbar und wirksam wird. 

Die Offenbarung macht klar, dass es eine zeitliche Dimension gibt: die Verordnungen „gehören“ in das Haus Gottes, und während einer Übergangszeit nimmt der Herr Taufen außerhalb an, solange die Heiligen nicht imstande sind, ein Haus zu bauen (V. 30–31). Diese Barmherzigkeit offenbart Gottes Gerechtigkeit und Milde gleichermaßen: Er erkennt äußere Beschränkungen an, aber er setzt auch eine Frist und einen Maßstab. Wird die Gelegenheit fortwährend versäumt, droht der Verlust der Annahme — nicht als willkürliche Strafe, sondern weil die Struktur, durch die die Fülle der Segnungen gegeben werden soll, nicht errichtet ist (V. 32–35). Hierin liegt eine ernste Mahnung: Gottes Werke haben einen Rahmen — sowohl einen geistlichen als auch einen zeitlichen. Die Verheißungen sind an Bedingungen gekoppelt; die Einladung ist groß, doch der Ruf zur Treue ebenso deutlich. 

Theologisch weist die Passage auf das Ziel der Tempelordnung hin: die Offenbarung verborgener Dinge „von vor der Grundlegung der Welt“ und die Zuteilung der „Fülle des Priestertums“ (V. 34,41). Das Tempelhaus ist demnach kein rein symbolischer Raum, sondern der Ort, an dem die Vollmacht und die göttliche Ordnung ihrer vollen Wirksamkeit nachkommen. Parallelen findet man in den neutestamentlichen Vorstellungen über Priestertum und Heiligkeit (vgl. Hebräer 7 über die höhere Ordnung des Priestertums) sowie in Paulus’ Bild vom Leib Christi und dem „Tempel Gottes“ in uns (1 Kor 3:16–17): Gemeinschaft und Heiligtum sind miteinander verflochten. Die Offenbarung stellt das Haus Gottes in den Mittelpunkt des Heilsplans, nicht zuletzt durch die Betonung, dass bestimmte Erinnerungs- und Gedenkhandlungen sowie richterliche Satzungen an „höchst heiligen Stätten“ gehören (V. 39). 

Gleichzeitig enthalten die Verse 49–51 und 52–53 eine doppelte Gerechtigkeitsbotschaft: Gott nimmt das Opfer der Treuen an, wenn äußere Feinde sie hindern, das Werk auszuführen; doch Übertretung und Widerstand gegen seine Gebote ziehen Gericht nach sich (V. 49–52). Die Erwähnung von Jackson County, Missouri, als Beispiel (V. 51) verankert die Lehre in der konkreten Geschichte der Kirche: jene, die wirklich gehindert wurden, wurden nicht ungerecht behandelt; ihr Opfer wurde anerkannt. Das theologische Prinzip lautet also: Gott bemisst nach Herz und Umstand. Das ist tröstlich für Verfolgte und zugleich fordernd für jene, die in Zeiten des Wohlstandes und der Möglichkeit zur Vollendung des Werkes nachlässig werden. 

Weiterhin rückt der Text die soziale Dimension des Tempels in den Blick: der Bau ist ein Werk der Gemeinschaft, das Materialien, Talent und Opfer aller erfordert. Wer an ihm teilnimmt, wird Teil eines kollektiven Heilswerks, in dem die Ewigkeit mit der Gegenwart verbunden wird. Die Verheißung, dass die, die treu sind, mit „Ehre, Unsterblichkeit und ewigem Leben“ gekrönt werden (V. 55), weist auf die ewige Perspektive: Tempelarbeit ordnet nicht nur das gegenwärtige Gemeindeleben, sie entfaltet Segnungen, die über den Tod hinausreichen. 

Für die Praxis heute folgen daraus klare Anwendungen: Erstens muss die Kirche und der einzelne Gläubige das Tempelgebot ernstnehmen — nicht als veraltete Vorschrift, sondern als zentrales Mittel göttlicher Bündniserfüllung. Zweitens fordert der Text eine Haltung der Opferbereitschaft: ein würdiges Haus entsteht aus Hingabe, nicht aus halben Maßnahmen. Drittens bietet der Abschnitt Trost für jene, die durch äußere Umstände gehindert sind; Gottes Maß ist gerecht und er berücksichtigt Hindernisse. Und viertens erinnert er uns daran, dass geistliche Räume nicht nur gebaut, sondern auch geheiligt werden müssen — durch Reinheit, Gehorsam und das bewusste Streben nach heiligem Leben. 

Abschließend bleibt zu sagen: Lehre und Bündnisse 124:37–55 macht uns bewusst, dass Gott auf Räume achtet, in denen er wohnen will — und dass die Errichtung solcher Räume eine zentrale Aufgabe seines Volkes ist. Ein Haus für den Herrn ist mehr als Stein und Holz; es ist eine gekennzeichnete Stätte, an der die Tiefe göttlicher Offenbarung, die Ordnung des Priestertums und das ewige Wohl der Menschen zusammenkommen. Wer diese Lehre annimmt, erkennt, dass der Bau heiliger Orte zugleich der Bau heiliger Herzen ist. 

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Baut meinem Namen ein Haus

29. Oktober 2025, 06:24am

Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden
(Bild: Quelle)

“Kommt mit Eisen, mit Kupfer und mit Messing und mit Zink und mit all euren Kostbarkeiten der Erde, und baut meinem Namen ein Haus, dass der Allerhöchste darin wohnen kann.“ (Lehre und Bündnisse 124:27). 

Lehre und Bündnisse 124:22–36 – Baut meinem Namen ein Haus, dass der Allerhöchste darin wohnen kann 

In den Versen 22–36 ruft der Herr die Heiligen von Nauvoo auf, ein besonderes Haus zu bauen – ein „Nauvoo House“, in dem Reisende aufgenommen werden sollten, und vor allem ein Tempel, in dem die Fülle des Priestertums offenbart und heilige Verordnungen wie die Taufe für die Toten vollzogen werden konnten. Diese Worte markieren einen entscheidenden Moment: Hier wird die Tempelarbeit, wie wir sie heute kennen, in ihrer Notwendigkeit und Heiligkeit zum ersten Mal ausdrücklich mit dem Bau eines Hauses des Herrn verbunden. 

Die Verse lassen sich in mehrere Gedanken gliedern: die Gastfreundschaft für Fremde (22–24), der Ruf zur Sammlung und zum Opfer (25–27), die Einzigartigkeit des Tempels als Ort der heiligen Verordnungen (28–31), die zeitliche Dringlichkeit (32–35) und die Verheißung von Zion als Ort der Zuflucht (36). 

Verse 22–24: Ein Haus für Gäste und für den Herrn 

„Mein Diener George und mein Diener Lyman und mein Diener John Snider und andere sollen meinem Namen ein Haus bauen, und zwar eines, wie mein Diener Joseph es ihnen zeigen wird … Und es soll eine Herberge sein, ein Haus, worin Fremde aus der Ferne unterkommen können.“ 

Der Herr beginnt mit einem Auftrag, der zugleich praktisch und geistlich ist: Die Heiligen sollen ein „Nauvoo House“ errichten, in dem Reisende Unterkunft finden. Dieses Haus war als eine Art repräsentatives Gästehaus gedacht, in dem auch Besucher aus aller Welt von der Gastfreundschaft der Heiligen Zeugnis ablegen konnten. In dieser Verbindung von praktischer Nächstenliebe und geistlicher Ausrichtung liegt eine bleibende Lehre: Jeder heilige Ort soll nicht nur Gott, sondern auch dem Menschen dienen. 

Heute erinnert uns dieser Auftrag daran, dass wahre Heiligkeit immer mit Offenheit einhergeht. Auch unsere Kirchengebäude, Tempel und Häuser sind Orte, an denen Fremde willkommen geheißen werden sollen. 

Verse 25–27: Sammlung und Opferbereitschaft 

„Lass alle meine Heiligen von ferne hierherkommen. Und sendet Eilboten aus … kommt mit all eurem Gold und eurem Silber … und baut meinem Namen ein Haus, dass der Allerhöchste darin wohnen kann.“ 

Der Herr ruft die Heiligen auf, ihre Schätze, Fähigkeiten und Materialien einzubringen, um ein würdiges Haus zu errichten. Die Liste ist eindrucksvoll: Metalle, Hölzer, Edelsteine – all das soll in den Bau eingebracht werden. Das Prinzip ist klar: Für den Herrn ist nur das Beste gut genug. 

Dieser Ruf zeigt zwei Dinge: Erstens, dass die Sammlung Zions nicht nur spirituell, sondern auch materiell geschieht. Zweitens, dass wahre Opferbereitschaft erfordert, etwas von Wert zu geben. Heute zeigt sich das in unserem Zehnten, in unseren Spenden, aber auch im Einbringen von Zeit und Talenten in den Aufbau des Reiches Gottes. 

Verse 28–31: Der Tempel als einzig würdiger Ort für heilige Verordnungen 

„Denn kein Taufbecken gibt es auf der Erde, wo sie, meine Heiligen, für diejenigen getauft werden können, die tot sind … denn diese Verordnung gehört in mein Haus.“ 

Hier wird zum ersten Mal in der Offenbarungsgeschichte der Kirche die Taufe für die Toten ausdrücklich mit dem Tempelbau verbunden. In Kirtland hatte es bereits Waschungen und Salbungen gegeben, doch die Fülle des Priestertums und die Verordnungen für Verstorbene konnten erst im Nauvoo-Tempel eingeführt werden. 

Der Herr stellt klar: Nur im Tempel – dem „Haus des Herrn“ – sind diese Verordnungen gültig und annehmbar. Vorübergehend nahm er auch Taufen außerhalb an, solange kein Tempel zur Verfügung stand. Doch dies war nur eine Ausnahmezeit. Der Grundsatz lautet: heilige Verordnungen gehören in heilige Räume

Diese Worte sind bis heute von größter Bedeutung. Sie erklären, warum Tempelarbeit für die Lebenden und die Verstorbenen nicht irgendwo stattfinden kann, sondern ausschließlich in Häusern, die vom Herrn geweiht sind. 

Verse 32–35: Dringlichkeit und Verantwortung 

„Aber siehe, wenn diese bestimmte Zeit zu Ende ist, werden eure Taufen für eure Toten für mich nicht mehr annehmbar sein … und wenn ihr dies nicht tut, werdet ihr nach Ablauf der bestimmten Zeit als Kirche samt euren Toten verworfen werden, spricht der Herr.“ 

Diese Verse sind von erstaunlicher Schärfe. Der Herr gewährt den Heiligen „genügend Zeit“, aber er macht auch deutlich: die Zeit ist begrenzt. Die Errichtung des Tempels ist nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Bedingung für die Annahme der Kirche als Ganzes. 

Das lehrt uns heute zweierlei: Erstens, dass Gottes Werke nach einem göttlichen Zeitplan verlaufen und unser Gehorsam entscheidend ist. Zweitens, dass es Konsequenzen hat, wenn wir den Bau des Reiches Gottes vernachlässigen. Auch wir leben in einer Zeit der Dringlichkeit – sei es im persönlichen geistlichen Wachstum oder im Engagement für das Werk des Herrn. 

Vers 36: Zion als Ort der Zuflucht 

„Denn es ist verordnet, dass in Zion und in seinen Pfählen und in Jerusalem, jenen Orten, die ich als Zuflucht bestimmt habe, die Stätten für eure Taufen für eure Toten sein sollen.“ 

Hier weitet der Herr den Blick: Der Tempelbau ist nicht nur auf Nauvoo begrenzt, sondern Teil eines größeren Plans. Zion und seine Pfähle sind jene Orte, die Gott als Zuflucht bestimmt hat. Tempel sind geistige Zufluchtsstätten in einer Welt voller Unsicherheit. 

Heute erfüllt sich diese Verheißung in der weltweiten Verbreitung der Tempel. Jeder neu geweihte Tempel ist ein weiterer Beweis dafür, dass Gott sein Volk sammelt und Orte der Sicherheit und Errettung bereitet. 

Schlussgedanken 

Die Verse 22–36 stellen die Weichen für das Verständnis der Tempelarbeit in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie verbinden praktische Gastfreundschaft, Opferbereitschaft, heilige Verordnungen, zeitliche Dringlichkeit und die Verheißung von Zion

Der Auftrag, ein Haus für den Herrn zu bauen, ist mehr als ein historisches Detail der Nauvoo-Zeit. Er ist ein immerwährender Ruf an die Heiligen aller Zeiten: Schafft Orte der Heiligkeit, in denen Gott unter euch wohnen kann. Hier findest du eine Liste der heutigen Tempel

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