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Glaubensansichten
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Darum steht an heiligen Stätten und wankt nicht

9. August 2025, 05:17am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum steht an heiligen Stätten und wankt nicht, bis der Tag des Herrn kommt; denn siehe, er kommt schnell, spricht der Herr. Amen.” (Lehre und Bündnisse 87:8). 

Lehre und Bündnisse 87 – Prophetische Warnung vor Krieg und Gericht – Historischer Kontext, Verskommentar und heutige Anwendung 

Dieser Abschnitt enthält eine bemerkenswerte Prophezeiung über Kriege, die vom Propheten Joseph Smith am 25. Dezember 1832 empfangen wurde. Diese Offenbarung wird oft als die „Prophezeiung über den Bürgerkrieg“ bezeichnet, hat jedoch einen viel weiteren Umfang als nur den amerikanischen Konflikt der 1860er Jahre. Sie beschreibt eine Kette kriegerischer und gesellschaftlicher Umwälzungen, die sich in den letzten Tagen entfalten sollen – mit einer klaren Mahnung an das Volk Gottes, sich geistig zu rüsten. In diesem Beitrag betrachten wir den historischen Hintergrund der Offenbarung, analysieren die einzelnen Verse, ziehen geistige Lehren für unsere Zeit und stellen Parallelen zu anderen heiligen Schriften her. 

Historischer Hintergrund 

Die Offenbarung wurde am 25. Dezember 1832 in Kirtland, Ohio, empfangen – in einer Zeit zunehmender Spannungen in den Vereinigten Staaten. Der Kontext dieser Prophezeiung ist besonders bemerkenswert: Bereits 1832 erkannte Joseph Smith durch Offenbarung, dass die Sklaverei die USA zerreißen würde. Dies geschah fast 30 Jahre vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs. 

In Süd-Carolina war es bereits im November 1832 zur sogenannten „Nullifikationskrise“ gekommen: Der Bundesstaat erklärte bestimmte Bundeszölle für null und nichtig und drohte mit Sezession. Präsident Andrew Jackson antwortete mit der Drohung militärischer Gewalt. Obwohl die Krise vorübergehend friedlich gelöst wurde, war die Spaltung zwischen Nord und Süd zunehmend offensichtlich. Joseph Smith erkannte in diesem politischen Konflikt ein prophetisches Zeichen für einen umfassenderen göttlichen Plan, der Gericht und Reinigung über die Völker bringen würde. 

Doctrine and Covenants Central betont, dass diese Prophezeiung „außergewöhnlich genau“ die Eskalation eines Konflikts beschreibt, der mit South Carolina beginnt – und sich dann weltweit ausbreitet. Der Text stellt aber auch klar, dass dies nicht nur historische Ereignisse betrifft, sondern Teil eines göttlichen Musters des Gerichts ist, das sich über Jahrhunderte erstrecken kann und in der Wiederkunft Christi gipfelt. 

Vers-für-Vers-Kommentar 

Vers 1 – Beginn der Prophezeiung 

Der erste Vers ist eine Einleitung im Stil klassischer prophetischer Ankündigungen: „So spricht der Herr“. Die Offenbarung kündigt eine globale Entwicklung an – Kriege, die „über alle Nationen“ kommen werden. Die Pluralform „Kriege“ signalisiert, dass es sich nicht nur um ein einzelnes Ereignis handelt (z. B. den amerikanischen Bürgerkrieg), sondern um eine Abfolge von Konflikten. 

Parallele: Offenbarung 6 spricht von einem feuerroten Pferd, das „den Frieden von der Erde“ nimmt – ein Bild, das ebenfalls auf weltweite kriegerische Zustände verweist. 

Vers 2 – Ausgangspunkt South Carolina 

Diese Vorhersage ist bemerkenswert präzise. Tatsächlich war es South Carolina, das sich 1860 als erster Bundesstaat von der Union abspaltete und so den Bürgerkrieg auslöste. Der Ausdruck „Saatkorn des Krieges“ legt nahe, dass hier nicht nur ein regionaler, sondern ein weltweiter Konflikt seinen Ursprung nimmt – ein Prozess, der letztlich zu globalen Unruhen führen wird. 

Doctrine and Covenants Central vermerkt dazu: „Joseph Smiths Vorhersage wurde jahrzehntelang verspottet, bis sie sich exakt so erfüllte.“ 

Vers 3 – Ausbreitung des Krieges und weltweite Verwicklungen 

Hier wird konkret von einem „Krieg zwischen dem Norden und dem Süden“ gesprochen – eine präzise Beschreibung des amerikanischen Bürgerkriegs. Auch die Erwähnung Großbritanniens ist prophetisch bemerkenswert: Obwohl das Vereinigte Königreich offiziell neutral blieb, war es wirtschaftlich stark involviert, insbesondere durch seine Abhängigkeit von Baumwolle aus dem Süden. Der Süden hoffte auf militärischen Beistand, und in der britischen Öffentlichkeit wurde dies kontrovers diskutiert. 

Parallele: In Jesaja 8:9–10 wird beschrieben, wie Nationen sich verbünden, aber dennoch scheitern, wenn sie sich gegen Gottes Willen stellen. 

Vers 4 – Reaktionen anderer Nationen 

Hier wird deutlich: Der Konflikt dehnt sich aus. Nationen schließen sich zu Allianzen zusammen, was an die Entwicklung der Bündnissysteme vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erinnert. Das Bild der eskalierenden Gewalt beschreibt ein Muster zunehmender globaler Verwicklung. 

Heute erkennen wir in diesem Vers eine Mahnung vor ideologischen und politischen Blöcken, die zu großflächigen Zerstörungen führen können – ein Muster, das sich auch im 21. Jahrhundert fortsetzt. 

Vers 5 – Gerichte Gottes und Verwüstung 

Dieser Vers deutet auf soziale Spannungen hin – Volksgruppen, die gegeneinander aufgebracht sind. Das kann sich auf innerstaatliche Unruhen, Revolutionen, Völkermord oder ethnische Konflikte beziehen. Der Ausdruck „Überreste“ (im Englischen: remnants) lässt auch an überlebende Völker und zerstreute Gruppen denken, wie die Überreste Israels. 

Lehre: Das Gericht des Herrn betrifft nicht nur Nationen als Ganzes, sondern auch das Herz des Einzelnen. Zorn, Hass und Konflikt beginnen in den Herzen der Menschen. 

Vers 6 – Der Herr bringt Gericht 

Dies ist der zentrale theologische Rahmen der Prophezeiung: Die Kriege sind nicht bloß politische Ereignisse, sondern Ausdruck göttlichen Gerichts. Der Herr lässt Verwüstung zu, um das Böse zu bestrafen und sein Volk zur Umkehr zu bewegen. 

Parallele: In Offenbarung 14:19 wird das Bild einer Kelter verwendet, in die Gottes Zorn getreten wird – ein starkes Symbol für göttliches Gericht über die Welt. 

Vers 7 – Die Zeit des Gerichts ist nahe 

Dieser Vers betont: Gottes Gericht hat ein Ziel – Erkenntnis, Umkehr, Läuterung. Wenn das Volk erkennt, dass Gott die Kontrolle hat und seine Hand im Weltgeschehen sichtbar wird, wird das Gericht ein Ende finden. Das Wort „genug“ ist ein tröstlicher Abschluss – Gott ist nicht rachsüchtig, sondern gerecht und barmherzig. 

Vers 8 – Aufforderung an die Heiligen 

Dieser Schlussvers enthält eine doppelte Aufforderung: geistige Vorbereitung („steht an heiligen Stätten“) und Hoffnung auf die Wiederkunft Christi („bis der Tag des Herrn kommt“). Die Heiligen sollen nicht passiv auf Katastrophen blicken, sondern aktiv ihren Glauben leben, Reinheit anstreben und vorbereitet sein wie die klugen Jungfrauen in Matthäus 25. 

Heutige Anwendung 

Diese Prophezeiung erinnert uns, dass politische Unruhen, Kriege und gesellschaftliche Umwälzungen nicht einfach „Zufall“ sind, sondern Teil eines größeren göttlichen Plans. Sie laden uns ein, folgende geistliche Prinzipien zu beherzigen: 

  • Vorausschauender Glaube: Wie Joseph Smith inmitten scheinbarer Ruhe prophetisch warnte, sind wir eingeladen, geistig wachsam zu sein. 

  • Zuflucht in Christus: Der „Bräutigam“ kommt – daher sollen wir uns vorbereiten, indem wir persönliche Umkehr, Heiligung und das Halten von Bündnissen suchen. 

  • Globale Verantwortung: Die Offenbarung zeigt, dass göttliches Gericht alle Nationen betrifft. Wir sind aufgerufen, Frieden zu stiften und das Evangelium als Heilmittel für Streit und Spaltung zu verbreiten. 

Fazit 

Lehre und Bündnisse 87 ist eine weitreichende prophetische Schau über Kriege, göttliches Gericht und die Notwendigkeit geistiger Vorbereitung. Sie beginnt mit einem historischen Ereignis – der Spaltung Amerikas – und endet mit einer universellen Einladung zur Umkehr und zur Erwartung des Bräutigams. In einer Welt, die weiterhin von Konflikten geprägt ist, ruft uns diese Offenbarung dazu auf, fest im Glauben zu stehen, Frieden zu suchen und vorbereitet zu sein für das Kommen Christi. 

findechristus.org

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Darum lasst den Weizen und das Unkraut miteinander wachsen

8. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum lasst den Weizen und das Unkraut miteinander wachsen, bis die Ernte ganz reif ist; dann sammelt zuerst den Weizen aus dem Unkraut, und wenn ihr den Weizen gesammelt habt, siehe, ja siehe, wird das Unkraut in Bündel gebunden, und dann bleibt noch übrig, das Feld abzubrennen.” (Lehre und Bündnisse 86:7). 

Lehre und Bündnisse 86:1–11 – Historischer Kontext und geistliche Lehren

Dieser Abschnitt enthält eine inspirierte Auslegung des Gleichnisses vom Weizen und dem Unkraut (auch „Sauergras“ oder „Lolch“) aus Matthäus 13. Diese Auslegung wurde Joseph Smith am 6. Dezember 1832 offenbart. In einer Zeit intensiver Offenbarung und Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi erklärt der Herr in diesen Versen, wie sich das Evangelium im Lauf der Heilsgeschichte entwickelt hat – von der Zeit der Apostel, über den Abfall bis hin zur Wiederherstellung und den letzten Tagen. Diese Verse beleuchten die Geschichte des Reiches Gottes aus der Perspektive des Herrn selbst. 

Die Parabel vom Weizen und vom Unkraut – Verse 1–3 

Der Herr beginnt mit einer Bestätigung, dass das Gleichnis aus Matthäus 13 eine tiefere, prophetische Bedeutung hat. Zur Zeit des Wirkens Christi waren die „Felder bereit“ – die Welt war geistig vorbereitet auf die Aussaat des Evangeliums. Christus selbst und seine Apostel waren die „Sämänner“, die den guten Samen – das Wort Gottes – in die Herzen der Menschen streuten (vgl. Matthäus 13:3–9, 18–23). 

In Vers 3 erklärt der Herr, dass nach dem Tod der Apostel – „nachdem sie entschlafen waren“ – der große Verfolger, Satan selbst, das Unkraut säte. Diese Formulierung beschreibt den großen Abfall (Apostasie), der in der frühchristlichen Kirche stattfand. Elder Neal A. Maxwell erinnerte daran, wie umfassend diese Apostasie war. Paulus sprach bereits von einer kommenden „Abkehr“ (2 Thessalonicher 2:3), und warnte, dass „grimmige Wölfe“ die Herde nicht verschonen würden (Apostelgeschichte 20:29). Die Verfälschung von Lehre, die Einführung falscher Apostel (2 Korinther 11:13) und der moralische Verfall (vgl. Epheser 5:3) waren unübersehbare Zeichen dieser Entwicklung. 

Stephen E. Robinson beschreibt diese Phase als eine geistige Dunkelheit, in der das wahre Christentum durch eine „hellenisierte“ Religion ersetzt wurde – eine Mischung aus menschlicher Philosophie und biblischer Sprache. Der wahre Glaube wurde aus dem öffentlichen Raum gedrängt und „in die Wildnis“ verbannt (vgl. Offenbarung 12:6). 

Die Zeit der Trennung – Verse 4–7 

Vers 4 markiert einen Wendepunkt: Die Wiederherstellung des Evangeliums in den Letzten Tagen ist eine zweite Aussaat. Joseph Fielding Smith erklärte, dass diese Unterscheidung in Matthäus nicht explizit gemacht wird, aber durch diese Offenbarung deutlich wird. In der Fülle der Zeiten sät der Herr erneut „gute Samen“ – das Evangelium Jesu Christi durch Propheten, beginnend mit Joseph Smith. Aber auch diesmal folgt der Widersacher mit seinen Taktiken. Falsche Lehren, Verwirrung, Gleichgültigkeit – moderne Formen des Unkrauts – wachsen gleichzeitig mit dem Weizen. 

In Vers 5 heißt es, dass Engel Tag und Nacht zum Herrn rufen, bereit, die Ernte durchzuführen. Wilford Woodruff sprach 1876 eindringlich über die Dringlichkeit dieses Werkes. Die Engel warten, aber sie handeln nur auf göttliches Geheiß, wenn die Welt „voll ausgereift“ in ihrer Bosheit ist (Vers 7). Elder Maxwell ergänzte, dass diese Wartehaltung nicht Ausdruck von Ungeduld sei, sondern von Mitgefühl inmitten eines leidenden und sich selbst zerstörenden Planeten. 

Vers 7 macht deutlich, dass das Unkraut – die Gesetzlosen – zu Bündeln gebunden wird. Joseph Smith erklärte dies als Symbol dafür, dass die Menschen durch ihre falschen Glaubensbekenntnisse und Sünden „gebunden“ werden, bereit für das kommende Gericht. Der „Tag der Verbrennung“ ist ein Bild für das gerechte Gericht Gottes über eine reuelose Welt. Doch während die Gesetzlosen sich selbst binden, wird der Weizen – die Rechtschaffenen – in die „Scheunen“ gesammelt, ein Hinweis auf die Sammlung Zions (siehe Matthäus 13:30). 

Das Priestertum und das Erbe der Gerechten – Verse 8–11 

Vers 8 bringt ein neues Element in das Gleichnis: das Priestertum. Der Herr spricht direkt zu Joseph Smith und bestätigt, dass das Priestertum durch die „Linie eurer Väter“ fortgeführt wurde. Das bedeutet nicht, dass alle Priestertumsträger direkte Nachkommen der alttestamentlichen Patriarchen sind. Vielmehr, wie Elder Theodore M. Burton erklärte, geht es hier um ein geistiges Erbe – eine prämortal bestimmte Bereitschaft, die Wahrheit zu erkennen und das Priestertum zu empfangen. Solche Seelen sind „rechtmäßige Erben“, „nach dem Fleisch“, und wurden in Gott „mit Christus vor der Welt verborgen“ (Vers 9). 

Diese Formulierung erinnert an Lehren über Vorherordination: dass bestimmte Geistkinder Gottes in dieser letzten Evangeliumszeit geboren werden sollten, um das Werk Gottes auf Erden zu erfüllen. Sie sind das „Restvolk“, das für diese Zeit bewahrt wurde (Vers 10). Der Herr bezeichnet sie als „Teilhaber des Segens Abrahams“ – ein direkter Bezug auf die Abrahamische Verheißung, durch die alle Völker der Erde gesegnet werden sollten (vgl. 1. Mose 12:3; Abraham 2:9–11). 

In Vers 11 erklärt der Herr, dass dieses Volk in der letzten Zeit „die Erde beerben“ wird. Diese Aussage verweist auf die endgültige Erfüllung der Verheißungen an Abraham, Isaak und Jakob. Die Sanftmütigen – also jene, die sich durch das Priestertum, durch Glauben, Gehorsam und Hingabe auszeichnen – werden das Reich Gottes in der Fülle erben (vgl. Matthäus 5:5). 

Fazit: Hoffnung, Warnung und Berufung 

Lehre und Bündnisse 86 ist sowohl eine ernste Warnung als auch eine große Verheißung. Es zeigt, dass der Herr in allen Zeitaltern aktiv am Werk war. Die Saat wurde gesät, das Unkraut ist gewachsen – aber die Ernte wird kommen. In der Zwischenzeit wird das Evangelium erneut ausgesät, diesmal in Vorbereitung auf das Kommen des Herrn in Herrlichkeit. 

Diese Offenbarung erinnert uns, dass der Kampf zwischen Wahrheit und Täuschung real ist. Die Gnade und Führung des Herrn aber ist noch realer. Der Aufruf gilt allen, die „Teilhaber des Segens Abrahams“ sein wollen: Seid wachsam, lasst euch nicht vom Unkraut verdrängen, sondern bleibt im Glauben, auf dass ihr mit den Sanftmütigen die Erde erbt. 

Durch diese Verse erhalten wir ein besseres Verständnis von der göttlichen Chronologie, in der wir leben. Die Wiederherstellung ist kein Zufallsereignis, sondern der Beginn der letzten Phase der göttlichen Ernte. Und wir sind eingeladen, als Getreue am Werk des Herrn mitzuarbeiten – mit der festen Hoffnung, dass der Weizen schließlich gesammelt und verherrlicht wird. 

findechristus.org

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Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut

7. August 2025, 05:41am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Wahrlich, so spricht der Herr zu euch, meine Diener, über das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut:” (Lehre und Bündnisse 86:1). 

Lehre und Bündnisse 86 – Geschichtlicher Hintergrund und Einordnung der Offenbarung vom 6. Dezember 1832 

Am 6. Dezember 1832 empfing Joseph Smith in Kirtland, Ohio, eine Offenbarung, die heute als Abschnitt 86 bekannt ist. Diese Offenbarung entstand im Kontext der fortlaufenden Arbeit an der „Neuen Übersetzung“ der Bibel (heute als Joseph-Smith-Übersetzung bekannt). Sie ist ein markantes Beispiel dafür, wie der Prophet nicht nur versuchte, den Text der Bibel besser zu verstehen, sondern diesen durch Offenbarung richtigzustellen wo er versehentlich oder absichtlich abgeändert wurde oder wichtige Teile entfernt wurden. Der unmittelbare Anlass war die erneute Beschäftigung mit dem Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut aus Matthäus 13, ein Gleichnis, das in der Offenbarung eine tiefere, heilsgeschichtliche Bedeutung erhält. 

1. Der Entstehungskontext: Bibelübersetzung als Offenbarungsquelle 

Seit Sommer 1830 arbeitete Joseph Smith an der Übersetzung der Bibel durch Inspiration. Diese Arbeit war keineswegs eine rein sprachliche, sondern eine theologisch-prophetische Auseinandersetzung mit dem Text, bei der er göttliche Einsichten empfing, die weit über bloße Textkorrekturen hinausgingen. Im Frühjahr 1831 hatte Joseph bereits Matthäus 13 überarbeitet, aber bei der Stelle über das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut (Verse 24–30) zunächst keine wesentlichen Änderungen vorgenommen. 

Im Dezember 1832 kehrte er jedoch zu dieser Passage zurück. Laut seinem Tagebucheintrag vom 6. Dezember verbrachte er den Tag mit „Übersetzen“ und empfing „eine Offenbarung, die das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut erklärt“. Dies legt nahe, dass er gerade diesen Abschnitt überarbeitete oder darüber meditierte, als die Offenbarung kam. Die Interpretation des Gleichnisses wurde nun nicht mehr bloß auf die damaligen Zuhörer Jesu bezogen, sondern erhielt eine heilsgeschichtliche Neudeutung für die Zeit der Großen Apostasie, der Wiederherstellung und der Letzten Tage. 

2. Die theologische Bedeutung des Gleichnisses im Lichte der Offenbarung 

Das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut in Matthäus 13 beschreibt, wie ein Mann guten Samen auf seinen Acker sät, doch während die Menschen schlafen, kommt der Feind und sät Unkraut dazwischen. Als das Getreide wächst, erscheint auch das Unkraut. Der Hausvater ordnet an, beides wachsen zu lassen, bis zur Ernte. Dann sollen zuerst das Unkraut gebunden und verbrannt, und danach der Weizen in die Scheune gebracht werden. 

In L&B 86 wird dieses Gleichnis jedoch umgedeutet und mit neuer Symbolik versehen. Der Herr erklärt, dass das „gute Saatgut“ die ursprünglichen Apostel sind, die das Evangelium gesät haben. Doch bald nach ihrer Zeit kam Satan und säte Unkraut –  falsche Lehren, abweichende Praktiken und letztlich den Abfall vom Glauben. Die Kirche wurde „in die Wildnis getrieben“, wie es auch in Offenbarung 12 dargestellt wird. Der Prozess der Apostasie wird hier nicht als plötzliches Ereignis, sondern als schleichender Verlust der Vollmacht und Wahrheit beschrieben. 

Ein zentraler theologischer Punkt dieser Offenbarung ist die Umkehrung der Ernteordnung. Während im biblischen Gleichnis zuerst das Unkraut gesammelt wird, lässt die Offenbarung in Vers 7 erklären: „dann sammelt zuerst den Weizen aus dem Unkraut,“. Dies reflektiert eine bereits in früheren Offenbarungen (z. B. L&b 64:24; 133:12–14) betonte Wahrheit: In den Letzten Tagen sollen die Rechtschaffenen zuerst gesammelt werden – etwa durch die Sammlung nach Zion – bevor das Gericht über die Schlechten hereinbricht. 

3. Die Wiederherstellung des Priestertums und das Erbe der „gesetzlichen Erben“ 

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Offenbarung liegt in der Betonung des Priestertums. In Vers 8 heißt es, dass der Herr seine „gesetzlichen Erben“ in den Letzten Tagen beruft, um das Werk der Sammlung fortzusetzen. Damit ist gemeint, dass das Priestertum trotz der Apostasie nicht völlig von der Erde verschwunden war, sondern durch göttliche Berufung wiederhergestellt wurde – an jene, die durch ihren Glauben, ihre Abstammung und ihre Berufung dazu bestimmt sind. 

Dieser Gedanke wird durch die Anrede „bei denen das Priestertum durch die Linie eurer Väter fortbestanden hat“ (Vers 8) verstärkt. Diese Formulierung ist bemerkenswert, weil sie sowohl eine geistige als auch genealogische Linie anspricht: Die Priestertumsvollmacht wurde den Heiligen der Letzten Tage nicht willkürlich verliehen, sondern sie ist Teil eines göttlichen Plans, der mit den Patriarchen begann und durch Offenbarung wieder aufgerichtet wurde. Die Berufung an die „Erben“ ist eine Beauftragung, Licht für die Nationen und „Erretter“ für Israel zu sein (Vers 11) – ein Verweis auf die messianische Rolle des Kollektivs Israels. 

4. Der Zusammenhang mit früheren und späteren Offenbarungen 

Die Offenbarung vom 6. Dezember 1832 steht in einem dichten Netz theologischer Verknüpfungen mit anderen Offenbarungen Joseph Smiths. Besonders auffällig ist die Verbindung zur Offenbarung vom 3. November 1831 (L&B 133), in der die Sammlung der Rechtschaffenen vor der Vernichtung der Schlechten betont wird. Auch L&B 1, das Vorwort des Buches, spricht von einer Welt, die sich von Gott abgewendet hat, und vom Auftrag der Heiligen, das Evangelium wiederherzustellen. 

Im Kontext dieser prophetischen Sichtweise ist L&b 86 nicht bloß eine exegetische Deutung eines neutestamentlichen Gleichnisses, sondern eine heilsgeschichtliche Standortbestimmung: Die Kirche Christi ist das Werkzeug zur Sammlung des Weizens, zur Wiederherstellung dessen, was durch Abfall und Irrlehren verloren ging, und zur Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi. 

5. Redaktionelle Geschichte und Veröffentlichung 

Das Originalmanuskript der Offenbarung ist nicht mehr erhalten. Doch Frederick G. Williams, ein enger Mitarbeiter Josephs und sein damaliger Schreiber, übertrug die Offenbarung zwischen Januar und Februar 1833 in das zweite Offenbarungsbuch. Sidney Rigdon, der möglicherweise auch an diesem Tag als Schreiber oder Übersetzer fungierte, könnte beim Bibelübersetzungsprozess beteiligt gewesen sein. Interessant ist, dass Rigdon nur ein einziges Mal als Schreiber bei der Alten-Testament-Revision eingesetzt wurde, nämlich für die Kapitel Jeremia 18–24 – ein Abschnitt, der ebenfalls das Thema Sammlung Israels behandelt. 

Als die Offenbarung 1835 in der ersten offiziellen Ausgabe des Buches Doctrine and Covenants veröffentlicht wurde, wurde sie mit der Überschrift „Über das Priestertum“ versehen. Das deutet darauf hin, dass man den theologischen Kern nicht in der Deutung des Gleichnisses selbst, sondern in der damit verbundenen Lehre über das Priestertum und die göttliche Berufung sah. 

Fazit: Die Bedeutung von L&B 86 im Rahmen der Wiederherstellung 

L&B 86 ist eine theologische Schlüsseloffenbarung im Kontext der Bibelübersetzung und der fortschreitenden Wiederherstellung in den frühen 1830er-Jahren. Sie zeigt beispielhaft, wie Joseph Smith nicht nur Bibelstellen überarbeitete, sondern durch Offenbarung die tiefere Bedeutung und Anwendung für die Letzten Tage erschloss. Das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut wird dabei zum Bild für die Geschichte des Evangeliums von der Zeit der Apostel über die Apostasie bis hin zur Sammlung des Volkes Gottes in den Letzten Tagen. 

Die Offenbarung unterstreicht die zentrale Rolle des Priestertums, das nicht nur wiederhergestellt, sondern durch die gesetzlichen Erben getragen wird. Diese Berufenen sollen das Licht zu den Nationen bringen und Israel zur Rückkehr zu Gott führen. L&B 86 steht damit exemplarisch für den prophetischen Anspruch der Wiederherstellung: die Bibel zu „entsiegeln“, die Geschichte der Menschheit im Licht des Evangeliums zu deuten und die Berufung der Heiligen im großen Plan Gottes zu bekräftigen. 

findechristus.org

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Deren Name nicht im Buch des Gesetzes verzeichnet gefunden wird

6. August 2025, 05:48am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und diejenigen, die vom Hohen Priestertum sind, deren Name nicht im Buch des Gesetzes verzeichnet gefunden wird oder von denen man findet, dass sie abgefallen sind oder aus der Kirche ausgeschlossen worden sind, ebenso diejenigen vom geringeren Priestertum oder von den Mitgliedern, werden an jenem Tag kein Erbteil unter den Heiligen des Allerhöchsten finden;” (Lehre und Bündnisse 85:11). 

Lehren aus Lehre und Bündnisse 85:7-12 

Die prophetische Warnung an Zion – Verse 7–8 

L&B 85:7 

Dieser Vers ist eingebettet in ein Schreiben, das Joseph Smith am 27. November 1832 an W. W. Phelps sandte, und es nimmt Bezug auf die wachsende Unordnung unter den Heiligen in Missouri. Besonders hervorzuheben ist dabei die Andeutung, dass Gott – sollte die bereits berufene Führung scheitern – einen neuen Diener senden werde, „mächtig und stark“, ausgestattet mit überirdischen Eigenschaften und befähigt, das Haus Gottes in Ordnung zu bringen. 

Diese Beschreibung hat in der Kirchengeschichte immer wieder Spekulationen ausgelöst, insbesondere die Frage, wer dieser „Mächtige und Starke“ sei. Zahlreiche selbsternannte Propheten haben sich im Laufe der Jahre als dieser Mann ausgegeben, was die Erste Präsidentschaft 1905 zu einer offiziellen Klarstellung veranlasste: Die Stelle bezog sich konkret auf die damalige Situation in Missouri, insbesondere auf Bischof Edward Partridge, der zeitweise seiner Berufung nicht in vollem Maße gerecht wurde. Joseph F. Smith erklärte dazu, dass es nicht um einen zukünftigen Reformer gehe, der die Kirche von Grund auf neu organisieren müsse, sondern um eine damalige drohende Ersetzung Partridges, sollte dieser seine Berufung nicht erfüllen. 

Tatsächlich war Partridge laut D&C 58:14–15 vom Herrn gewarnt worden: „Wenn er nicht umkehrt ..., so nehme er sich in Acht, dass er nicht falle.“ Offenbar gab es Spannungen zwischen ihm und Joseph Smith, die aus Unsicherheiten und Unerfahrenheit mit der neu offenbarten Ordnung des Priestertums resultierten. Joseph F. Smith und die Erste Präsidentschaft betonten, dass Partridge zwar vom Herrn gerügt wurde, später jedoch durch Umkehr und treuen Dienst die göttliche Vergebung erlangte (vgl. HC 2:302–303, D&C 124:19). 

In diesem Zusammenhang wird auch die Metapher in Vers 8 verständlich: „Während jener Mann, der von Gott berufen und bestimmt war, der seine Hand ausstreckt, um die Lade Gottes zu stützen, durch den Todespfeil fallen wird wie ein Baum, den der grelle Blitzstrahl fällt.“ Diese Formulierung greift ein alttestamentliches Bild auf – den Tod Usas (vgl. 2. Samuel 6:6–7), der unbefugt die Bundeslade berührte, um sie zu „stützen“. Die Botschaft ist klar: Wer sich in göttlich geordnete Angelegenheiten einmischt, ohne dazu berufen zu sein, der begibt sich in große geistige Gefahr. 

Lehren aus Vers 7: Göttliche Berufung, Ordnung und Demut 

 Vers 7 betont, dass wahre geistliche Macht mit göttlicher Berufung, Licht und Wahrheit einhergeht. Der „Mächtige und Starke“ wird beschrieben als jemand, der das „Zepter der Macht“ trägt, in Licht gehüllt ist, mit einem Mund, der ewige Worte spricht, und einem Innersten, das eine Quelle der Wahrheit ist. Diese Symbolik verweist auf Christusähnliche Eigenschaften – Wahrheit, Licht, Berufung und Reinheit. Es ist nicht überraschend, dass sich über die Jahrhunderte hinweg selbsternannte Propheten auf diesen Vers beriefen, um sich Autorität anzumaßen. Doch die Erste Präsidentschaft machte klar: Jeder, der wirklich von Gott gesandt ist, wird auf ordentliche Weise durch Offenbarung an die Führer der Kirche und mit Zustimmung der Heiligen berufen werden – so wie es heute im Verfahren der Berufungen durch den Propheten geschieht. 

Ein bedeutsamer Bezug findet sich in L&B 112:30, wo die „Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten“ erwähnt wird. Diese Formulierung erinnert an Epheser 1:10, wo es heißt, dass „in der Fülle der Zeiten alles unter einem Haupt, nämlich Christus, zusammenzufassen“ sei – sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist. In dieser heilsgeschichtlichen Fülle ist die Kirche Christi dauerhaft aufgerichtet, und es braucht keinen Umsturz, keine neue Gründung. Der Herr wirkt durch bestehende Kanäle. 

Heute ist dieser Vers ein Mahnmal gegen Stolz, Eigenmächtigkeit und geistlichen Machtanspruch. Er fordert uns auf, die göttliche Ordnung zu respektieren und geistige Autorität nur dort anzuerkennen, wo sie von Gott selbst durch geoffenbarte Kanäle gegeben wird. Gleichzeitig lehrt er, dass Gott selbst eingreift, wenn sich Berufene nicht als würdig erweisen – das Werk wird fortschreiten. 

Die Konsequenzen des Ungehorsams – Verse 9–12 

In den folgenden Versen (V. 9–12) wird die Mahnung weiter ausgeführt: „Und alle, die nicht ihre Werke und ihre Namen mit reinem Herzen aufschreiben lassen, sollen nicht als heilige Menschen gezählt werden.“ (V. 9) Die Betonung liegt hier auf geistlicher Integrität: Nicht nur die Äußerlichkeit des Mitgliedseins zählt, sondern der innere Zustand des Herzens. Wer nicht in Aufrichtigkeit handelt, wird „nicht unter denen gefunden werden, die das Erbteil des Herrn empfangen“ (V. 10). 

Vers 11 erklärt, dass solche Menschen „nicht unter den Heiligen des Allerhöchsten ein Erbteil finden“ werden. Dies ist eine ernste Warnung. Das himmlische Erbteil – symbolisch für die Erhöhung – ist an geistige Reinheit und Bundesloyalität gebunden. Hier finden wir eine direkte Parallele zu Matthäus 7:21–23, wo der Herr sagt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich eingehen … Ich habe euch nie gekannt.“ (in der revideirten Übersetzung von JS lautet der Vers: “... Ihr habt mich nicht gekannt” 

Schließlich verkündet Vers 12: „Und alle, die dieses Priestertum verachten und seine Segnungen nicht annehmen, werden es nicht halten dürfen.“ Diese Aussage erinnert stark an Hebräer 10:29, wo derjenige, der das Blut des Bundes für unrein hält, als besonders schwer schuldig angesehen wird. Auch L&B 121:37 greift diese Thematik auf: Wer durch Stolz oder Machtausübung sein Priestertum verliert, verliert auch den Geist des Herrn. 

Diese Verse unterstreichen, dass sich die Verheißungen Gottes nicht automatisch erfüllen. Sie sind an Treue, Gehorsam und Demut gebunden. Der „Mächtige und Starke“ aus Vers 7 war nie als Symbol für Revolution oder institutionellen Umsturz gemeint, sondern vielmehr als ernste Erinnerung daran, dass Gott sein Haus in Ordnung bringt – zur Not auch durch Ersatz. 

Heutige Anwendung: Glaubenstreue und Demut 

Erstens: Wir sollten wachsam gegenüber jeglichem geistigen Anspruch sein, der außerhalb des geordneten Priestertumskanals kommt – besonders, wenn jemand die Führung der Kirche untergräbt. Viele Sekten oder abtrünnige Gruppen haben genau das versucht, oft mit Berufung auf diesen Vers. 

Zweitens: Wir sind eingeladen, unsere Namen nicht nur im Kirchenregister, sondern durch unseren Lebenswandel im „Buch des Lammes“ einschreiben zu lassen (vgl. Offenbarung 20:12). Die Erbschaft im Reich Gottes hängt von unserem inneren Zustand ab – nicht nur von unserer Kirchenzugehörigkeit. 

Drittens: Dieser Abschnitt ruft uns zu einer Haltung der Demut, Umkehr und Ordnung. Wie Edward Partridge trotz früherer Fehler zu einem Mann wurde, mit dem der Herr „wohlgefällig“ war, so ist auch für uns Umkehr immer möglich. 

findechristus.org

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Diejenigen, die ihr Erbteil nicht durch Weihung empfangen

5. August 2025, 05:30am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Melchizedeks Vorratshaus
(Bild: Quelle)

“Es ist gegen den Willen und das Gebot Gottes, dass diejenigen, die ihr Erbteil nicht durch Weihung empfangen, in Übereinstimmung mit seinem Gesetz, das er gegeben hat, um sein Volk zu zehnten und es auf den Tag der Vergeltung und des Brennens vorzubereiten, beim Volk Gottes namentlich verzeichnet sind.” (Lehre und Bündnisse 85:3). 

Lehren aus Lehre und Bündnisse 85:1-6  

Einleitung 

Der Brief, den Joseph Smith am 27. November 1832 an William W. Phelps diktierte, beginnt mit den sechs Versen, die heute den Auftakt von L&B 85 bilden. Sie sind zugleich ein Spiegel der entstehenden Kirche: Verwaltung, Theologie und persönliches Jüngerschafts‑Ethos verschmelzen zu einem einzigen Auftrag. 

Vers 1 

Historischer Kern. Bereits bei der Kirchenorganisation am 6. April 1830 hatte der Herr geboten: „ein Bericht soll unter euch geführt werden,“ (L & B 21:1). John Whitmer erhielt später die ausdrückliche Berufung als Historiograf (L & B 47:1). Vers 1 erweitert diesen Auftrag: Das Kirchenbuch soll nicht nur Sitzungsprotokolle enthalten, sondern gleichsam das pulsierende Herz Zions abbilden – Glauben, Alltag, ja selbst Besitz‑Transfers. 

Parallelen. In Offenbarung 20:12 sieht Johannes die Menschheit „gerichtet nach den Büchern“. Auch 3 Nephi 27:25 spricht von Aufzeichnungen, die im Himmel mit irdischen Listen übereinstimmen müssen. Das Buch, das Whitmer führen soll, ist also Sakrament und Verwaltungsakte zugleich. 

Lehre für heute. Digitale Tools erleichtern uns nie gekannte Dokumentation. Die Frage bleibt: Schreibe ich in mein Tagebuch nur Selfies und Termine, oder auch Zeugnisse, Bündnisse, Opfer? Solche „Heilsgeschichten“ verleihen dem eigenen Glaubensweg Gewicht und bieten künftigen Generationen Orientierung. 

Vers 2 

Historischer Kern. Die junge Gemeinde hatte schmerzhaft erlebt, wie einzelne nach der Landzuteilung das Weihe‑Gelübde lösten und mit Grundstücken spekulierten. In Whitmers Chronik sollte deshalb nicht nur die „Sonntagsseite“ stehen; auch Versagen gehörte ins Protokoll. 

Parallelen. Mosia 26:35-36 beschreibt eine ähnliche Situation: Alma wird geboten, jene, „die den Bund brechen“, aus den Kirchenbüchern zu löschen, jene, die ihn halten sollten festgehalten bleiben. Schrift verwahrt sowohl Ruhm als auch Warnung. 

Lehre für heute. Kein Social‑Media‑Profil ist so ehrlich wie Gottes Buch. Wer Fehler ausblendet, beraubt sich der Gnade. Die Offenheit, eigenes Scheitern zu benennen, öffnet Räume für Umkehr – in Familie, Tagebuch, Gemeinde. 

Vers 3 

Historischer Kern. Die Gemeinde in Missouri sollte eine gerechte Güterordnung leben; doch etliche übersprangen den Bischof und kauften einfach Land. Vers 3 verknüpft Rechtsstatus (Weihungs‑Urkunde) und Kirchenmitgliedschaft: Ohne gelebte Hingabe kein namentlicher Platz in Zion. 

Parallelen. Maleachi 3:10 fordert, den ganzen Zehnten in das Vorratshaus zu bringen; L & B 119:5 legt fest, dass wer den Zehnten nicht zahlt, „nicht würdig [ist], unter den Bewohnern des Landes Zion zu bleiben“. Das Prinzip bleibt: Materielle Loyalität spiegelt geistige Loyalität. 

Lehre für heute. Unser „Erbteil“ ist selten Ackerboden, wohl aber Zeit, Talente und Einkommen. Ein ehrlich berechneter Zehnter und großzügiges Fastopfer zeigen dem Herrn, dass er Herr über alle Bereiche unseres Lebens ist – nicht nur über den Sonntag. 

Vers 4 

Historischer Kern. In einer Kultur, die Familienregister hochschätzte, war der Ausschluss aus genealogischen Listen drastisch. Zugleich kündigt der Vers an, dass Heilsgeschichte familiär gedacht wird: Wer seinen Bund hält, verankert seine Ahnen und Nachkommen im Gesetzbuch des Herrn. 

Parallelen. Im Alten Testament wird jemand „ausgerottet aus dem Volk“ (z. B. Ex 32:33), wenn er Bundesbruch begeht. 3 Nephi 24:16 beschreibt das Gegenstück: „Ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben … für die, die seinen Namen fürchten.“ 

Lehre für heute. Tempel‑ und Familienforschung sind modernes Echo dieses Verses. Jede erlöste Person setzt geistige Ankerpunkte für ihre Linie. Wer seine Bündnisse verwirft, reißt Lücken in die Kette; wer sie hält, schließt Generationen zusammen. 

Vers 5 

Historischer Kern. Die Formulierung steigert den Ernst: Nicht nur der Einzelne, sondern ganze Familien verlieren den Zion‑Anspruch. In einer Agrarkultur, in der Erbrecht Identität stiftete, war das gleichbedeutend mit sozialer Heimatlosigkeit. 

Parallelen. Alma 5:58 warnt: „Die Namen der Bösen werden nicht im Buch des Lebens eingeschrieben sein.“ Offb 3:5 verheißt, dass der Überwinder „nicht ausgelöscht wird aus dem Buch des Lebens“. Himmlische Listen sind somit dynamisch – sie reagieren auf unsere Treue. 

Lehre für heute. Kirchenregister mögen äußerlich formal sein; innerlich erinnern sie uns, dass Zugehörigkeit nicht Kuschel‑Versprechen, sondern Bundes‑Realität ist. Wer aktiv im Kirchenleben steht, hält seinen Namen lebendig; wer passiv wird, riskiert geistige Anonymität. 

Vers 6 

Historischer Kern. Joseph Smith beschreibt hier sein eigenes Offenbarungserlebnis: Keine Donnerschau, sondern ein vibrierendes inneres Beben leitete die Antwort auf Phelps’ Frage ein. Damit legitimiert er zugleich den Brief als Wort Gottes. 

Parallelen. 1 Könige 19:12 schildert, wie Elija den Herrn nicht im Sturm, sondern im „hauchdünnen Säuseln“ findet. 3 Nephi 11:3 berichtet, dass die Nephiten die Stimme Christi „hörten, aber sie verstanden sie nicht, denn sie war nicht laut, sondern eine sanfte Stimme“. 

Lehre für heute. Präsident Boyd K. Packer betonte, Offenbarung werde „mehr gefühlt als gehört“. Fasten, Demut und ein ruhiges Herz schaffen Resonanzräume für diese „geistige Akustik“. In einer Welt permanenter Benachrichtigungen bleibt die Stille ein geistiges Trainingsfeld. 

Schlussgedanken 

Die Verse 1–6 von L & B 85 zeigen ein faszinierendes Geflecht aus Geschichtsschreibung, Ökonomie und Spiritualität. Sie lehren: 

  1. Schreiben ist heilig. Persönliche und kirchliche Chronik verbindet Erde mit Himmel. 

  1. Weihen statt horten. Besitz wird zum Bundeszeichen, wenn er Gott übergeben wird. 

  1. Zugehörigkeit hat Konsequenzen. Namen im Buch des Lebens sind keine Deko, sondern Ergebnis gelebter Treue. 

  1. Familiengeschichte ist Bundesgeschichte. Unsere Entscheidungen wirken genealogisch. 

  1. Offenbarung ist leise. Die leise sanfte Stimme fordert täglich geistige Achtsamkeit. 

Wer diese Prinzipien heute anwendet, baut schon jetzt an Zion – nicht durch Zwang, sondern durch schriftlich bezeugte Hingabe, gelebte Großzügigkeit und achtsames Hören auf Gottes flüsternde Stimme. 

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Es ist die Pflicht des Schriftführers, den der Herr bestimmt hat

4. August 2025, 05:55am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)“

Es ist die Pflicht des Schriftführers, den der Herr bestimmt hat, einen Geschichtsbericht und allgemeine Aufzeichnungen der Kirche über alles, was in Zion vorgeht, zu führen und über alle diejenigen, die Eigentum weihen und vom Bischof rechtsgültig Erbteile empfangen;” (Lehre und Bündnisse 85:1). 

Historischer Hintergrund von Lehre und Bündnisse 85  – „Ein Brief aus Kirtland, der Zion ordnen sollte“ 

Am 27. November 1832 griff Joseph Smith in Kirtland, Ohio, zur Feder, um eine ausführliche Antwort an William W. Phelps in Independence, Missouri, zu diktieren. Teile dieses Briefes bilden heute L & B 85. Anlass waren dringende Fragen, wie man in Zion (so nannten die Heiligen Jackson County) mit Zuwanderern umgehen solle, die das Gesetz der Weihung ignorierten – etwa William E. McLellin, der zwei Innenstadtgrundstücke einfach auf eigenen Namen gekauft hatte. Phelps und Bischof Edward Partridge fürchteten soziale Spannungen zwischen konsekrationsbereiten und eigenmächtig zugezogenen Mitgliedern, zugleich bangten sie um die geistige Reinheit der „Stadt der Heiligen“ churchofjesuschrist.org. 

Josephs Antwort stellte klar, dass Zion nicht mit Zwang, sondern mit sauber geführten Aufzeichnungen regiert werden solle. Der „Schreiber des Herrn“ müsse Buch führen über alle, „die ihr Eigentum weihen und ihr Erbteil gesetzmäßig vom Bischof empfangen“ – und ebenso über jene, die es nicht tun. Diese Listen werden im Text als „Buch des Gesetzes Gottes“ bezeichnet; wer dort fehlt, hat später keinen Anspruch auf Boden in Zion churchofjesuschrist.org. Hinter dieser Verwaltungsanweisung steckt eine Theologie: Schon Johannes der Offenbarer sah die Menschheit einst „nach den Büchern“ gerichtet (Offb 20, 12). Joseph Smith verknüpfte himmlisches Gericht und irdische Kirchenbücher zu einer Einheit. 

Besonders berühmt wurde Vers 7, der warnt, der Herr werde „einen Mächtigen und Starken“ senden, falls der amtierende Bischof seine Aufgabe verfehle. Die Formulierung bezog sich konkret auf Edward Partridge, der, wie Joseph schrieb, gelegentlich „die Lade stützen“ wolle, also außerhalb seiner Zuständigkeit handelte. Eine Erklärung der Ersten Präsidentschaft von 1905 stellte klar, die Prophezeiung sei bereits erfüllt, weil Partridge sich demütigte – wer sie trotzdem in die Zukunft verlege, müsse ihn als künftigen Zion‑Bischof verstehen, nicht als neuen Messias en.wikipedia.org. 

Der Tag des Briefes markiert einen Wendepunkt auch für Joseph persönlich: Genau am 27. November 1832 kaufte er ein kleines Heft, eröffnete den Eintrag „Joseph Smith Jrs Book for Record“ und gelobte, „eine genaue Aufzeichnung aller Dinge“ zu führen. Dieses erste Tagebuch verdeutlicht, dass L & B 85 nicht nur Verwaltungsregeln, sondern eine umfassende Spiritualität der Erinnerung begründete josephsmithpapers.orgjosephsmithpapers.org. 

Der gleiche Gedanke trug fast zehn Jahre später Früchte. 1841 ließ Joseph in Nauvoo ein voluminöses Register anlegen, das er bewusst „Book of the Law of the Lord“ nannte. Willard Richards, später William Clayton, notierten hier Tempelspenden, persönliche Würdigungen (u. a. für Emma Smith und Hyrum Smith) und allgemeine Tagesereignisse – ganz im Sinn der Offenbarung von 1832 josephsmithpapers.org. 

Während Kirtland also mit Papieren rang, eskalierte in Missouri die Lage. Phelps war seit Juni 1832 Chefredakteur der ersten Kirchenzeitung The Evening and the Morning Star. Sie erhob aufrüttelnde Moral‑ und Freiheitsforderungen – und provozierte damit Sklavereibefürworter. Am 20. Juli 1833 zertrümmerte ein Mob die Druckerei, verbrannte fast alle schon gesetzten Exemplare des Book of Commandments und zwang die Heiligen zum Exodus aus Jackson County en.wikipedia.orginterpreterfoundation.org. Genau in dieser Atmosphäre suchten Partridge und Phelps nach Leitlinien; Josephs Brief kam deshalb buchstäblich zwischen Rauchschwaden in Zion an. 

Schließlich nahm Orson Pratt die einschlägigen Passagen 1876 in die Doctrine and Covenants auf. Dass ein privater Brief zur kanonischen Schrift wurde, zeigt, wie sehr die junge Kirche institutionelles Handeln und Offenbarung verschmolz. Heute erinnert L & B 85 daran, dass Zion weder durch Landkauf noch durch moralische Überheblichkeit wächst, sondern durch freiwillige Hingabe, dokumentierte Rechtschaffenheit und gottgeführte Ordnung. 

Kurzbiografie William Wines Phelps (1792 – 1872) 

William W. Phelps wurde am 17. Februar 1792 in Dover, New Jersey, geboren. Früh erlernte er das Druckerhandwerk und stieg zum streitbaren Chefredakteur mehrerer Zeitungen im Bundesstaat New York auf. 1827 schloss er sich der Anti‑Masonry-Bewegung an und leitete die Ontario Phoenix in Canandaigua rsc.byu.edu. 

Sein Weg zur Migliedschaft in der Kirche des Herrn begann, als er am 9. April 1830 ein Exemplar des Buches Mormon erwarb. Die nächtliche Lektüre überzeugte ihn so sehr, dass er noch 1831 nach Kirtland zog, wo Joseph Smith durch Offenbarung (L & B 55) bestimmte, Phelps solle als „Drucker der Kirche“ nach Missouri gehen rsc.byu.edu. In Independence gründete er die Kirchenpresse, redigierte ab Juni 1832 die Evening and Morning Star und begann den Druck des Book of Commandments – bis der Mob das Werk zerstörte en.wikipedia.org. 

Nach der Vertreibung wirkte Phelps zeitweise in Kirtland, half 1835/36 bei der ersten Ausgabe der Lehre und Bündnisse, erstellte gemeinsam mit Emma Smith das erste Gesangbuch und schrieb die Hymne „The Spirit of God like a Fire Is Burning“, die bei der Kirtland‑Tempelweihe am 27. März 1836 erklang churchofjesuschrist.orgrsc.byu.edu. 

Wirtschaftliche Unregelmäßigkeiten beim Landerwerb in Far West führten 1838 zu seiner Exkommunikation. Tief zerknirscht bat er jedoch 1840 in einem Brief an Joseph Smith um Vergebung – und erhielt sie. Die beiden Männer versöhnten sich vollständig, wie Josephs berühmter Satz „Freunde am Anfang, Freunde wieder am Ende“ bezeugt josephsmithpapers.org. 

In Nauvoo diente Phelps anschließend als Stadtrat, Ghostwriter für politische Manifeste des Propheten und Mitverfasser der History of the Church. Nach dem Martyrium 1844 trat er öffentlich für die Zwölf Apostel ein und zog 1846/47 mit den Heiligen in den Westen. Im Territorium Utah war er Delegierter der Verfassungsversammlung, Sprecher des Repräsentantenhauses und Kurator der University of Deseret rsc.byu.edu. 

Sein Tod am 7. März 1872 in Salt Lake City beendete ein bewegtes Leben voller Licht und Schatten. Dennoch bleibt William W. Phelps bis heute vor allem als Poeta laureatus der Wiederherstellung in Erinnerung – seine Texte wie „Der Geist des Herrn“ oder „Now Let Us Rejoice“ prägen den Gottesdienst der Kirche noch immer und machen deutlich, dass Umkehr und schöpferische Begabung einander nicht ausschließen, sondern verwandeln können. 

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Vor der Verwüstung und gänzlichen Vernichtung warnen

2. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Doch soll der Bischof in die Stadt New York gehen, ebenso in die Stadt Albany und auch in die Stadt Boston, und die Menschen in jenen Städten mit dem Schall des Evangeliums, mit lauter Stimme, vor der Verwüstung und gänzlichen Vernichtung warnen, die sie erwartet, wenn sie dies alles verwerfen.” (Lehre und Bündnisse 84:114). 

Lehre und Bündnisse 84:111-120 – Historischer Kontext, geistliche Lehren und biblische Parallelen 

1.  Rollenverteilung in einer wandernden Kirche (Verse 111–113) 

Unmittelbar nach der „Körper‑Gleichnis“‑Mahnung (V. 109‑110) weist der Herr den Ämtern konkrete Aufgaben zu: Hohepriester, Älteste und Priester sollen weiterhin reisen und das Evangelium verkünden, während Lehrer und Diakone „stehende Diener“ in den Zweiggemeinden bleiben (V. 111). Damit wird ein frühes Dual‑Modell festgelegt: mobile Missionare und stationäre Hirten. Die Bibel liefert das Muster in Apostelgeschichte 14, wo Paulus umherzieht, aber Älteste in den Städten zurücklässt. 

Bischof Newel K. Whitney erhält zugleich eine Doppelfunktion: Er soll durch die Gemeinden reisen, „die Armen aufsuchen“ und den Reichen Demut lehren (V. 112). Im frühen Kirtland strömten Hilfegesuche von verarmten Heiligen herein; Whitneys Auftrag spiegelt 5. Mose 15,7‑11, wo Israel angewiesen wird, die Hand für Bedürftige zu öffnen. Die Offenbarung befiehlt ihm weiter, einen Beauftragten einzusetzen (V. 113) – Frühform heutiger Führungssekretäre –, damit geistliche und zeitliche Belange getrennt, aber koordiniert bleiben. 

2 .  Prophetische Warnkampagne: New York, Albany, Boston (Verse  114–116) 

Vers 114 ruft Whitney – mit Joseph Smith als Begleiter – zu einer Missions‑ und Warnreise in drei „große und bemerkenswerte Städte“. New York war damals Amerikas Handelsmetropole, Boston ihr intellektuelles Zentrum, Albany ein aufstrebender Binnenhafen; alle drei standen für wirtschaftliche Macht und kulturelle Selbstsicherheit. Wie Jona für Ninive soll Whitney „mit lauter Stimme vor der Verwüstung warnen“. Die Formulierung „Haus wird ihnen wüst gelassen“ (V. 115) greift Jesu Wort über Jerusalem (Mt 23,38) auf. 

Josephs Brief an Emma aus Manhattan (Okt. 1832) zeigt seinen inneren Zwiespalt: Bewunderung für Architektur und Erfindungsreichtum, zugleich Trauer über menschliche Eitelkeit. Er erkennt, dass Gott nicht die Werke verurteilt, sondern die Selbstbezogenheit, die „ihm nicht die Ehre“ gibt. Diese Empfindung spiegelt Paulus’ Kritik an „Götzendienst an Geschöpfen statt an den Schöpfer“ (Röm 1,25). 

Der Verheißung folgt Zusicherung: „Kein Haar soll unbemerkt fallen“ (V. 116) – dieselbe Redewendung Jesu an die Jünger, die ohne Beutel ausziehen (Lk 21,18). 

3.  Generalbefehl an alle Diener (Verse  117–118) 

Vers 117 weitet den Auftrag: Je nach persönlicher Lage sollen alle Berufenen – Frauen wie Männer in ihren jeweiligen Aufgaben – „zu den großen und bemerkenswerten Städten und Dörfern“ gehen und ungerechte Taten aufdecken. Das „Recht, die Welt zu tadeln“ wurzelt in Johannes 16,8, wo der Paraklet die Welt von Sünde überführt; die Heiligen werden hier als verlängerter Arm des Parakleten gedeutet. 

Vers 118 steigert die Rhetorik: Mit den demütigen Predigern wird der Herr „Königreiche zerreißen“, Erde und „sternklare Himmel erzittern lassen“. Das Bild spiegelt Hebräer 12,26‑27 („Noch einmal erschüttere ich nicht nur die Erde, sondern auch den Himmel“) und kündigt eine kosmische Neuordnung an. 

4 .  Apokalyptische Verheißung Christi (Verse  119–120) 

Obwohl die Heiligen „es jetzt nicht sehen“ (V. 119), versichert der Herr, dass seine Hand bereits die „Mächte der Himmel“ einsetzt. Zeitliche Verzögerung ist kein Zeichen göttlicher Untätigkeit, sondern Trainingsraum für Glauben. Diese Spannung zwischen „Noch nicht sehen“ und „Bald schauen“ entspricht 2 Korinther 5,7 („Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen“). 

Die Selbstoffenbarung in Vers 120 – „Ich bin Alpha und Omega“ – schließt die Offenbarung zyklisch mit der gleichen Christusformel, die Johannes auf Patmos hört (Offb 1,8; 22,13). Alpha und Omega umfassen den griechischen Alphabet‑Bogen; Christus beansprucht damit Ursprung, Verlauf und Vollendung der Heilsgeschichte. 

Geistliche Lehren und aktuelle Anwendung 

  1. Diakonat der Fürsorge 
    Whitney soll die Reichen „demütigen“ (V. 112) – nicht durch Rüge, sondern indem er sie für Armenhilfe gewinnt. Auch heute liegt im Bischofsamt (oder christlich gesehen im Gesamtpriestertum) die Herausforderung, Wohlstand in Mitgefühl umzuwandeln. 

  1. Warnen ohne Hochmut 
    Wie Josephs Manhattan‑Brief *) zeigt, gilt es, Gottes Größe in menschlichen Errungenschaften zu erkennen, ohne deren Schöpfer zu verabsolutieren. Die moderne Stadt mit Technik, Social‑Media‑Glanz und Konsumtempeln ist genauso zu warnen – nicht vor Fortschritt, sondern vor letzter Selbstbezogenheit. 
    *) das Schreiben, das der Prophet Joseph Smith am 13. Oktober 1832 aus New York City an seine Frau Emma sandte. Dort beschreibt er seinen Spaziergang durch die „splendid part of the city“ und reflektiert über Gottes Haltung zu menschlichen Errungenschaften, während er zugleich das geistige Elend der Metropole beklagt. 
    Den vollständigen Originaltext samt diplomatischer Abschrift ist im Joseph Smith Papers-Projekt: Letter to Emma Smith, 13 October 1832 zu finden 
    https://www.josephsmithpapers.org/paper-summary/letter-to-emma-smith-13-october-1832 
    „… can the great God of all the Earth … be displeased with man for all these great inventions sought out by them? … only against man is the anger of the Lord kindled because they give him not the glory …“ 
    Dieser Brief wird gelegentlich — nicht offiziell, aber der Sache nach — als „Manhattan letter“ bezeichnet, weil Joseph ihn während seines vom Herrn gebotenen Aufenthalts in New York verfasste (vgl. LuB 84:114–116). 

  1. Mission nach Umständen 
    Vers 117 anerkennt unterschiedliche Lebens­phasen („wie es eure Umstände erlauben“). Für heutige Heilige bedeutet das: digitale Zeugnisse, nachbarschaftliche Tischgemeinschaft, überregionale Hilfe – jeder nach Kraft, aber mit gleichem Auftrag. 

  1. Kosmische Perspektive auf Krisen 
    Erschütterungen der Erde (Pandemien, Klimakatastrophen, politische Instabilität) sind in dieser Theologie nicht Endpunkt, sondern Geburtswehen einer neuen Ordnung (vgl. Mt 24,8 „Wehen“). Vers 118 ermutigt, beim Beben nach Gottes Hand zu fragen, statt in Angst zu erstarren. 

  1. Gewissheit trotz Unsichtbarkeit 
    Die Aussage „Ihr könnt es jetzt nicht sehen, doch bald“ (V. 119) erinnert an die Verzögerungsgleichnisse Jesu (z.B. Matthäus 25,5). Sie lädt zur aktiven Hoffnung ein: Glaube wird zur Brücke zwischen unsichtbarer Vorbereitung und sichtbarer Erfüllung. 

Schlussgedanke 

Die Verse 111‑120 schwingen zwischen diakonischem Alltag und apokalyptischer Vision. Sie lehren, dass dieselbe Hand, die Bettlern Brot reicht, eines Tages Himmel und Erde erschüttern wird – und dass Gott gerade deshalb Brotverteilung, Predigt und kosmische Erneuerung in einem einzigen Heilsplan verbindet. Wer heute als Lehrer im Primarraum wirkt, im Fast‑Opfer spendet oder online Zeugnis gibt, beteiligt sich an einem Prozess, dessen Ende der „Alpha und Omega“ selbst garantiert. 

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Wenn einer unter euch stark im Geist ist

1. August 2025, 05:04am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und wenn einer unter euch stark im Geist ist, so soll er den mit sich nehmen, der schwach ist, damit dieser in aller Sanftmut erbaut werde, damit auch er stark werde.” (Lehre und Bündnisse 84:106). 

Lehre und Bündnisse 84:92-110 – Historischer Kontext, geistliche Lehren und biblische Parallelen 

1. Verse   92–97 – Warnen, abschütteln, reinigen 

Nach dem großen Missionsabschnitt (Vv. 62–91) richtet der Herr den Blick auf den Ernst der Ablehnung. Wer die Gesandten verwirft, soll nicht mit endlosen Diskussionen bedrängt werden; der Apostel zieht sich „allein … zurück“ und wäscht seine Füße mit reinem Wasser (V. 92–93). Das Motiv greift Jesu Auftrag an die Zwölf auf, „den Staub von euren Füßen zu schütteln“ (Mt 10,14). In Kirtland 1832 hatten erst Joseph Smith und Oliver Cowdery die apostolische Vollmacht; doch die Offenbarung weitet den symbolischen Akt auf alle künftigen Vollzeitzeugen aus. 

Die folgenden „Wehe‑Rufe“ (V. 94–96) erinnern an die prophetische Tradition Jeremias oder Hesekiels: Ablehnung des Evangeliums führt zu Gericht. Hier ist das Gericht kosmisch: der Herr „hat [seine] Hand auf die Nationen gelegt, um sie zu geißeln“ (V. 96). Die anhaltenden „Plagen“ (V. 97) spiegeln Offenbarung 9; zugleich klingen Jesu Endzeitreden an (Mt 24). 

2. Verse  98–102 – Das „neue Lied“ der vollendeten Erlösung 

Kontrastierend ertönt nun eine hymnische Zukunftsvision. Wenn die Gottlosen gesichtet und Satan gebunden ist, werden die Übriggebliebenen – „vom Kleinsten bis zum Größten“ – einstimmig einen neuen Lobgesang anstimmen (V. 98). Der Text des Liedes (V. 99–102) fasst die Heilsgeschichte in Sechszeilern: 

  1. Zions Wiederbringung – Gott führt sein Volk heim (vgl. Jes 52,8). 

  1. Erlösung nach der „Wahl der Gnade“ – Paulus’ Begriff (Röm 11,5) verbindet prämortale Erwählung mit irdischer Bundestreue. 

  1. Endgültiger Sieg – „Satan ist gebunden, und Zeit ist nicht mehr“ (V. 100). Johannes’ Sehervision (Offb 10,6) spiegelt sich; Alma 40,8 ergänzt: „Zeit wird nur den Menschen zugemessen.“ 

  1. „Alles in eins sammeln“ – Paulinische Formel aus Eph 1,10. 

  1. Himmlische und irdische Zion vereint – die Stadt Enoch herab, die irdische Zion hinauf. 

  1. Kosmische Metapher – die Erde, die in Geburtswehen lag (Röm 8,22), ist „bekleidet mit der Herrlichkeit ihres Gottes“ (V. 101). 

Der Refrain (V. 102) preist Attribute, die das ganze Offenbarungsbuch rahmen: Barmherzigkeit – Gerechtigkeit – Gnade – Wahrheit. 

3. Verse 103–105 – Praktische Fürsorge und Pionier‑Verlagswesen 

Nach der eschatologischen Höhekurve holt der Herr seine Diener wieder in den Alltag: Familienunterhalt und Druckkosten. Wer Spenden erhält, soll zuerst Frau und Kinder versorgen (V. 103). Unverheiratete Missionare geben Überschüsse dem Bischof, damit Offenbarungen gedruckt, Zion aufgebaut wird (V. 104). 1832 arbeiteten Oliver Cowdery und W. W. Phelps in Independence an der Book of Commandments‑Druckplatte – dafür waren Münzen aus dem Osten lebenswichtig. 

Vers 105 mahnt zu schlichter Lebensführung: bekommt ein Missionar einen neuen Mantel, geht der alte an Bedürftige. Die Direktive spiegelt Jesu Rat an Johannes den Täufer: „Wer zwei Röcke hat, gebe dem, der keinen hat“ (Lk 3,11). 

4. Verse 106–108 – Mentoring‑Prinzip und Paar‑Mission 

Die jungen Kirche benötigt Ausbildung: Starke nehmen Schwache mit (V. 106). Das erinnert an Paulus und Silas, die Timotheus auf Reisen schulten (Apg 16,1–3). Zudem sollen Träger des höheren Priestertums Lehrer und Diakone voraussenden, um Termine zu vereinbaren (V. 107) – ein frühes Modell von Junior‑Companions, das an Jesu Zweier‑Aussendung (Lk 10,1) anknüpft. 

Vers 108 betont, dass Christus seine Kirche schon in der Urzeit so baute; die Wiederher­stellung folgt dem gleichen Muster. 

5. Verse 109–110 – Der Leib‑Christi‑Diskurs 

Abschluss und Zusammenfassung: Jeder soll „in seinem Amt stehen“ (V. 109). Das Bild des Leibes mit Haupt und Gliedern greift 1 Kor 12 auf. Joseph Smith ist zu dieser Zeit das „Haupt“, die Bischöfe Augen, Hände, Füße; doch keine Gliedmaße darf die andere entwerten. Präsident Dallin H. Oaks formulierte es modern: Im Reich Gottes gibt es kein oben oder unten, nur vorwärts oder rückwärts. 

Die Pointe (V. 110): Jedes Mitglied ist unersetzlich, damit das „System vollkommen“ bleibt – ein göttlicher Hinweis gegen spirituelle Eitelkeiten und gegen das „Hals‑steckt‑Kopf“-Problem (eine absurde, paradoxe Argumentation, bei der Ursache und Folge verwechselt werden – ähnlich wie beim klassischen Zirkelschluss; hinweis auf eine logische Verdrehung oder einen Denkfehler) damaliger Missourier, die Josephs Führung infrage stellten. 

Schlussbetrachtung 

Der Abschnitt 84:92‑110 verbindet drei Ebenen: 

  1. Prophetische Warnung – Ablehnung bringt Gerichte; Annahme führt zur Einheit. Missionarisches Wirken ist daher zugleich Liebe und Pflicht. 

  1. Eschatologische Hoffnung – Das „neue Lied“ feiert den Tag, an dem irdische Zeit endet, Satan gebunden wird und Zion in himmlischer wie irdischer Gestalt verschmilzt. Wer heute am Wiederherstellungswerk mitarbeitet, stimmt sich schon jetzt auf dieses Finale ein. 

  1. Pragmatische Organisation – Familienvorsorge, Druckkosten, Mentoring, Demut in Berufungen. Die Kirche des Lammes ist zugleich himmlische Stadt und funktionierender Organismus; Geistiges und Zeitliches sind unauflöslich verwoben. 

Für uns bedeutet das: 

  • Warnen mit Liebe – Zeugnis geben, ohne Zwang; bei Ablehnung weiterziehen, ohne Groll. 

  • Lobpreis üben – Das „neue Lied“ kann schon jetzt individuell gesungen werden, wenn wir Gottes Gnade in unserem Alltag erkennen. 

  • Einfach leben, großzügig teilen – Mantel‑Logik: Wer Doppeltes hat, gibt ab. 

  • Jüngere stärken – In Familie, Kollegium, Gemeinde Mentor sein; dabei „in aller Sanftmut“ (V. 106). 

  • Rollen annehmen – Haupt, Hände, Füße: Jede Berufung – ob Medienbibliothek oder Präsidentin – erhält kosmische Würde, wenn sie im Bund ausgeübt wird. 

Mit diesen Prinzipien trägt jeder Heilige dazu bei, dass Zion „von unten“ emporwächst, bereit, wenn Zion „von oben“ herabkommt – und dass das neue Lied einst nicht fremd klingt, sondern vertraut. 

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Nicht nur reden, sondern gemäß dem, was ich geschrieben habe, handeln

31. Juli 2025, 04:58am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und sie werden unter diesem Schuldspruch verbleiben, bis sie umkehren und sich an den neuen Bund erinnern, nämlich das Buch Mormon und die bisherigen Gebote, die ich ihnen gegeben habe, und nicht nur reden, sondern gemäß dem, was ich geschrieben habe, handeln” (Lehre und Bündnisse 84:57). 

Lehre und Bündnisse 84:54-91 – Historischer Kontext, geistliche Lehren und biblische Parallelen 

1. Verse 54‑57 – „Verdunkelte Gemüter“ und die neue Bundesurkunde 

Ende September 1832 hatten viele Missionare ihre ersten Einsätze hinter sich; die Euphorie der jungen Kirche war spürbar. Doch der Herr durchschneidet jede Selbstzufriedenheit: „Eure Gemüter sind in der Vergangenheit verfinstert worden … weil ihr den neuen Bund leicht geachtet habt.“ Gemeint ist ausdrücklich das Buch Mormon. Schon Moroni bezeichnete diese Schrift als Siegel der Letzten Tage (Ether 5:1‑4); hier wird sie zur Bundesurkunde zwischen Gott und Zion. Das biblische Echo klingt in Hosea 4:6: „Mein Volk geht zugrunde an Mangel an Erkenntnis.“ 

Historisch reagierte William W. Phelps sofort: In der Evening and Morning Star (Jan. 1833) widmete er dem Buch Mormon mehrere Leitartikel und fragte selbstkritisch, ob die Heiligen „mysteriöse Prophezeiungen jagen“ statt das gegebene Licht zu nutzen. Spätere Propheten haben die Verdammnis‑Diagnose nie aufgehoben. Präsident Ezra Taft Benson mahnte 1986, die Kirche bleibe unter Verdammnis, solange das Buch Mormon nicht Herzstück von Studium, Familie und Mission sei. Damit ist Vers 57 – „nicht nur sagen, sondern tun“ – eine dauerhafte Handlungsanweisung. 

2.  Verse  58‑61 – Früchte bringen statt Theorie hüten 

Der Herr will, dass die neuen Bundes‑Leser „Frucht bringen, die für das Reich des Vaters taugt“ (V. 58). Das erinnert an den Gleichnisbaum in Lukas 13:6‑9: Wer lange unfruchtbar bleibt, riskiert, umgehauen zu werden. Die Apostel McConkie und Holland haben daraus die Forderung abgeleitet, Buch‑Mormon‑Kenntnis in gelebte Barmherzigkeit umzusetzen – persönliches Beten, Handeln, Zeugnisgeben. 

3.  Verse  62‑65 – „Geht in die ganze Welt“: das universale Apostelmandat 

Ohne Quorum der Zwölf (das erst 1835 berufen wurde) nennt der Herr die zurückgekehrten Ältesten dennoch „meine Apostel“ (V. 63) – im ursprünglichen Sinne „Gesandte“ (griech. apostolos). Auf sie wird das Mark 16‑Versprechen übertragen: „Diese Zeichen werden denen folgen, die glauben“ (vgl. Mk 16:17‑18). Wörtlich übernimmt die Offenbarung das Schutz‑Motiv: Schlangenbiss und Gift sollen den Dienern nichts anhaben (V. 72). Für Joseph Smith war das eine persönliche Zusage: Wenige Monate zuvor hatte er in Greenville, Indiana, Gift erbrochen und wurde erst durch eine Segnung gerettet. 

Schon 1832 bestätigte die Praxis das Versprechen. William E. McLellin notierte, wie Brandwunden eines Kleinkinds mithilfe einer Priestertums‑Segnung gar nicht erst Blasen schlugen. Gleichwohl folgt die mahnende Einschränkung: „Ihr sollt dieser Zeichen nicht prahlen“ (V. 73). Das steht in Linie mit Jesu Warnung, Almosen „nicht vor den Leuten auszuposaunen“ (Mt 6:2). 

4.  Verse  66‑76 – Missions­prinzipien: senden, statt selbst stets zu gehen 

„Wohin ihr nicht gehen könnt, dorthin sendet“ (V. 62). Ein Jahr später wurde daraus das Allgemeine Missions­spendenkonto entwickelt – eine frühe Form des heutigen welt­weiten Unterstützungs­fonds. Außerdem verspricht der Herr, dass Heilungen und Dämonen­austreibungen als Bestätigungs­zeichen dienen (V. 67‑70). Allerdings: „Wer nicht glaubt … wird verdammt“ (V. 74) – ein Echo auf Johannes 3:18. Die Offenbarung betont damit den entscheidungs­haften Charakter des Evangeliums: Barm­herzigkeit und Gericht liegen eng beieinander. 

5. Verse  77‑82 – „Ich nenne euch Freunde“ und das Leben ohne Sorge 

Vers 77 verschiebt die Beziehungsebene: Wer gesandt wird, ist nicht nur Diener, sondern Freund des Herrn – ein Motiv aus Johannes 15:15. Daraus folgt der Anspruch auf göttliche Versorgung: „Nehmt keinen Beutel mit … der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (V. 79; vgl. Lk 10:4‑7). Die frühen Missionare gingen „ohne Börse oder Tasche“; seit Mitte des 20. Jh. bringen Familien die Mittel selbst auf, doch bleibt die Kernidee: Vertrauen vor finanzieller Absicherung. 

Der Herr ergänzt: Wer so dient, soll „nicht müde werden an Leib, Glied oder Gelenk“ (V. 80). Präsident Neal A. Maxwell deutete diesen Satz als geistige Erfrischung trotz Jetlag – wahrnehmbar für heutige reisende Autoritäten. 

6.  Verse  83‑85 – Spontane Inspiration statt fertigem Drehbuch 

Wie schon in Matthäus 10:19 verheißt der Herr, die Botschaft werde „in jener Stunde“ eingegeben (V. 85). Elder Dilworth Young nannte dies das „größte Geschenk“ eines Missionars: vorbereitet sein, aber nicht vor­formuliert, offen für das Flüstern des Geistes. 

7.  Verse  86‑91 – Engel­schutz und himmlische Logistik 

Die Schlussverse weben eine Schutz­garantie: „Ich werde vor eurem Angesicht hergehen … Engel werden euch tragen“ (V. 88). Wilford Woodruff bezeugte 1840 in London eine nächtliche Befreiung durch drei himmlische Wesen in Tempel­kleidung – klassisches Beispiel für Vers 88. Gleichermaßen verspricht der Herr, wohltätige Gastgeber würden „Lohn“ empfangen (V. 90) – eine Neu­formulierung von Matthäus 10:41‑42 („… wer einen Propheten aufnimmt, empfängt Lohn eines Propheten“). 

Die logistische Zusicherung „derselbe wird euch speisen, kleiden, Geld geben“ (V. 89) deckt sich mit heutigen Erfahrungen: Ob Spenden­kasse, mit­fühlende Mitglieder oder unverhoffte Weg­gefährten – Mission ist in erster Linie Glaubens­ökonomie. 

8.  Gegenwarts­relevanz 

  • Schriftzentrierung – Die anhaltende Verdammnis mahnt jede Generation, das Buch Mormon nicht nur zu besitzen, sondern zu verkörpern. Familien­abende, TikTok‑Clips oder Instituts­klassen sind erst sinnvoll, wenn sie Herz und Hand bewegen (Jak 1:22). 

  • Demut bei geistigen Gaben – Wunder sollen erbauen, nicht beeindrucken. In einer Selfie‑Kultur gilt Vers 73 als Gegen­programm: keine Wundermarketing‑Shows. 

  • Vertrauen statt Angst – Die Zusage von Engel­schutz (Vers 88) ist kein Freibrief für Leichtsinn, aber ein Gegengewicht zu heutigen Sicherheits‑ und Versorgungs­sorgen. 

Schlussbild 

Vers 90 stellt die Missions­gleichung auf: Wer die Diener unterstützt, berührt den Himmel. Die ganze Passage 54‑91 spannt so einen Bogen: Von der persönlichen Umkehr zum Bundes­buch über die macht­volle Sendung, die Welt zu heilen, bis zur Zusage, dass himmlische Hände untergreifen, wo irdische Hände zu kurz reichen. Der Herr verbindet Schrift‑Treue, Missions­eifer und gelebtes Vertrauen zu einer einheitlichen Agenda: „Bewahrt Licht, tragt Licht, und ich werde euer Licht sein.“ In einer Zeit digitaler Reiz‑Überflutung und globaler Verunsicherung ist das nicht weniger als ein Rettungs‑Fahrplan für Heilige der Letzten Tage – heute. 

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Der Geist erleuchtet jeden Menschen auf der Welt

30. Juli 2025, 05:35am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und der Geist gibt jedem Menschen, der in die Welt kommt, Licht; und der Geist erleuchtet jeden Menschen auf der Welt, der auf die Stimme des Geistes hört.” (Lehre und Bündnisse 84:46). 

Lehre und Bündnisse 84:26–53 – Historischer Kontext, geistliche Lehren und biblische Parallelen 

In L&B 84:26–28 wird das sogenannte „vorbereitende Evangelium“ beschrieben, das mit dem Aaronischen Priestertum verbunden ist. Es umfasst Umkehr, Taufe zur Vergebung der Sünden und das Halten von „fleischlichen Geboten“ (V. 27). Diese Phase göttlicher Anleitung diente als Vorbereitung für die höhere Fülle des Evangeliums, wie sie durch Jesus Christus offenbart wurde. Die biblische Entsprechung findet sich in Galater 3:24, wo Paulus erklärt: „So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin.“ Auch Hebräer 9 reflektiert, dass das levitische Priestertum symbolisch auf das bessere, das vollkommene Opfer Christi hinweist. 

Vers 27 hebt Johannes den Täufer als Schlüsselfigur hervor, der vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt war (Lukas 1:15). Vers 28 erklärt weiter, dass Johannes schon im Kleinkindalter von einem Engel „ordiniert“ wurde, was nicht im modernen Sinne einer Priestertumsordination zu verstehen ist, sondern eher einem segnenden Setzen in eine besondere Berufung gleicht (D&C 25:7). Johannes bereitete durch seine Predigt zur Umkehr und Taufe (Matthäus 3:1–12) das Volk auf das Kommen Jesu Christi vor. Obwohl er nicht die Macht zur Spendung des Heiligen Geistes hatte, war er laut Jesu Worten der größte Prophet unter den von Frauen Geborenen (Lukas 7:28). Joseph Smith nannte drei Gründe für diese Auszeichnung: Er war der Wegbereiter des Herrn, taufte Jesus selbst, und war der einzige rechtmäßige Priestertumsträger zu jener Zeit (vgl. D&C 13; History of the Church 5:260). 

In den Versen 29–32 spricht die Offenbarung von den Ämtern, die den Priestertumsebenen zugeordnet sind. Ältester und Bischof gehören als „notwendige Anhängsel“ zum höheren Melchisedekischen Priestertum, Lehrer und Diakon hingegen zum Aaronischen Priestertum. Der Ausdruck „notwendige Anhängsel“ (engl. appendages) deutet auf organisatorische Strukturen hin, die der Ausübung dieser Macht dienen. Besonders bemerkenswert ist der Verweis auf das Opfer der „Söhne Moses und Aarons“ (V. 31), das im Tempel auf einem geweihten Platz – gemeint ist Jackson County, Missouri – dargebracht werden soll. Hier begegnet uns die alttestamentliche Opfersymbolik neu kontextualisiert: Die Opferhandlungen selbst weisen typologisch auf Christus hin (vgl. Hebräer 10:1–10). Joseph Smith lehrte, dass auch in der letzten Dispensation Opferhandlungen wieder eingeführt würden – nicht zur Sündenvergebung, sondern als Ausdruck der ewigen Ordnung des Priestertums (History of the Church 4:211–212). 

Vers 33–34 führen in den sogenannten Eid und Bund des Priestertums ein. Wer beide Priestertümer „erlangt“ und seine Berufung treu erfüllt, wird „durch den Geist geheiligt zur Erneuerung des Leibes“ – eine Anspielung auf die geistige Wiedergeburt und Auferstehung (vgl. Römer 12:1–2; 2. Korinther 4:16). Solche Personen werden „Söhne Moses und Aarons“, das heißt rechtmäßige Erben der Verheißungen Gottes, unabhängig von biologischer Abstammung. Sie werden zur „Kirche und dem Reich und den Auserwählten Gottes“ gezählt (vgl. 1 Petrus 2:9; Abraham 2:10). Der Bund ist nicht nur ein passiver Status, sondern eine Verpflichtung zur aktiven Priestertumsausübung im Sinne von Dienen, Heiligen und Aufbauen. 

Vers 35–37 entfalten die vertikale Beziehung dieses Bundes: Wer das Priestertum empfängt, empfängt Christus; wer Christus empfängt, empfängt den Vater. Diese Triade erinnert an Jesu Worte in Johannes 13:20: „Wer einen aufnimmt, den ich sende, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Es wird damit deutlich, dass das Empfangen und Annehmen göttlich eingesetzter Vollmachtsträger nicht bloß menschliche Loyalität betrifft, sondern letztlich den Zugang zur Gottheit selbst repräsentiert. 

Verse 38–41 offenbaren den eigentlichen Kern des Eides und Bundes: Wer diesen Bund erfüllt, dem wird „alles, was der Vater hat“ gegeben (V. 38). Das ist die höchste Verheißung des Evangeliums – Miterbe Christi zu werden (Römer 8:17), die Fülle göttlicher Herrlichkeit zu empfangen (vgl. D&C 76:58–60). Doch zugleich folgt eine ernste Warnung: Wer diesen Bund bricht und sich gänzlich davon abwendet, „dem wird keine Vergebung zuteil weder in dieser Welt noch in der zukünftigen“ (V. 41). Diese Formulierung erinnert an die Sünde wider den Heiligen Geist (vgl. Matthäus 12:31–32), also die bewusste und vollständige Abkehr nach völligem Erkenntnisstand. 

Die Verse 42–48 erweitern die göttliche Perspektive: Der Herr selbst bestätigt das Priestertum, das hier an die Anwesenden durch „seine eigene Stimme vom Himmel“ gegeben wird. Diese direkte göttliche Bekräftigung ist Ausdruck der Heiligkeit des Bundes. Gleichzeitig wird betont, dass das Priestertum nicht nur den Priestertumsträgern selbst, sondern „der ganzen Welt“ gilt (V. 48). Die Aussage, dass „die ganze Welt in Sünde liegt“ (V. 49) erinnert an Römer 3:23: „Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“ Es ist ein universeller Aufruf zur Umkehr und zum Empfang des Lichts Christi. 

In den Versen 45–47 wird das Prinzip des göttlichen Lichts entwickelt. Das Wort Gottes ist Wahrheit, Licht und Geist – drei Aspekte einer göttlichen Wirklichkeit, die durch Jesus Christus personifiziert ist (vgl. Johannes 1:1–9; D&C 88:6–13). Jeder Mensch empfängt diese Lichtkraft bei der Geburt (Licht Christi), doch nur wer ihr folgt, wird zum Vater geführt (V. 47). Es entsteht so ein heiliger Kreislauf von Offenbarung, Umkehr, Bundestreue und ewiger Erhöhung – getragen durch das Licht des Evangeliums. 

Vers 49–53 schildern drastisch den Zustand der Welt ohne dieses Licht: Sie „liegt in Finsternis“, ist „gebunden durch Sünde“ und kennt die Stimme Gottes nicht. Das erinnert an Johannes 3:19–20: „Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht.“ Hier wird deutlich, dass das Leugnen oder Ablehnen göttlicher Wahrheit nicht bloß Unkenntnis bedeutet, sondern einen aktiven Zustand der Entfremdung von Gott darstellt. Der Unterschied zwischen Gerechten und Gottlosen (V. 53) besteht also nicht in äußerlicher Zugehörigkeit, sondern im inneren Verhältnis zur göttlichen Stimme – zum lebendigen Christus. 

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