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Glaubensansichten
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Gegeben als Grundsatz mit einer Verheißung

19. August 2025, 05:32am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Das Wort der Weisheit wurde gegeben
(Bild: Quelle)

“gegeben als Grundsatz mit einer Verheißung, angepasst der Fähigkeit der Schwachen und der Schwächsten unter allen Heiligen, die Heilige sind oder so genannt werden können.” (Lehre und Bündnisse 89:3). 

Lehre und Bündnisse 89:1–4 – Vom freundlichen Gruß zum verbindlichen Gebot: Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des Wortes der Weisheit 

Die ersten vier Verse von Lehre und Bündnisse 89 bilden die Einleitung zur sogenannten „Offenbarung über das Gesundheitsgesetz“ oder dem „Wort der Weisheit“. Sie markieren nicht nur den Ausgangspunkt einer der bekanntesten Offenbarungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, sondern auch ein faszinierendes Beispiel dafür, wie göttliche Weisung sich in ihrer Anwendung im Lauf der Zeit vertiefen und konkretisieren kann. Ursprünglich als „Gruß, nicht als Gebot oder Nötigung“ formuliert (Vers 2), wurde das Wort der Weisheit im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dennoch zur verbindlichen Norm des heiligen Lebenswandels. Diese Entwicklung ist sowohl theologisch als auch kirchengeschichtlich bemerkenswert. 

1. Ursprung und Zweck der Offenbarung (Vers 1) 

Die Offenbarung beginnt mit dem Hinweis, dass sie „zum Nutzen des Rates der Hohen Priester, die in Kirtland versammelt sind, und der Kirche und auch der Heiligen in Zion“ gegeben wurde. Das deutet auf ihren unmittelbaren historischen Kontext hin: die „Schule der Propheten“, ein Ort intensiven geistigen Austauschs und theologischer Schulung im Haus von Newel K. Whitney Anfang 1833. Joseph Smith leitete diese Versammlungen und empfing die Offenbarung am 27. Februar desselben Jahres. 

Die Motivation zu dieser Offenbarung hatte praktische Wurzeln: In der Schule der Propheten wurde reichlich Tabak gekaut und geraucht, Kaffee getrunken und Alkohol konsumiert. Emma Smith soll sich über den Schmutz und Geruch beklagt haben – sie musste schließlich den Raum immer wieder säubern. In Reaktion darauf wandte sich Joseph Smith im Gebet an den Herrn, was zur Offenbarung führte. 

Doch über den Anlass hinaus offenbart Vers 1 einen tieferen Sinn: Die Weisung galt nicht nur einem kleinen Kreis, sondern der gesamten Kirche – „und auch der Heiligen in Zion“. Damit wurde sie von Beginn an als allgemein relevant gekennzeichnet, auch wenn sie nicht als verpflichtendes Gebot formuliert war. 

2. „Nicht als Gebot oder Nötigung“ – der freiwillige Charakter der Weisung (Vers 2) 

Vers 2 ist der Schlüssel zum ursprünglichen Verständnis des Wortes der Weisheit: „auszusenden als Gruß, nicht als Gebot oder Nötigung, sondern als Offenbarung und als Wort der Weisheit“. Joseph Smith selbst bezeichnete diese Formulierung als „eine Gnadenweise des Herrn“. Präsident Joseph F. Smith erklärte später in einer Generalkonferenz (Oktober 1913), dass das Wort der Weisheit bewusst nicht als bindendes Gebot gegeben wurde, um den Heiligen Zeit zur Umkehr zu geben. Hätte der Herr es sofort als verbindlich erklärt, wären alle, die an diesen Gewohnheiten hingen, unter Verdammnis geraten. Stattdessen zeigte sich Gottes Barmherzigkeit in der Formulierung als Rat, nicht Zwang. 

Diese differenzierte Haltung zur göttlichen Führung zeigt sich auch in früheren Dispensationen. Der Herr passt seine Weisungen der Fähigkeit und Reife seiner Kinder an. So wie Gesetz des Mose für Israel einst ein „Zuchtmeister“ war (vgl. Galater 3:24), war auch das Wort der Weisheit zunächst ein pädagogischer Impuls – eine Einladung zur Selbstheiligung. 

3. Ein Grundsatz mit Verheißung – angepasst den Schwachen (Vers 3) 

Ein besonders zärtlicher Ton erklingt in Vers 3: Das Wort der Weisheit wird als „Grundsatz mit einer Verheißung“ beschrieben, „angepasst der Fähigkeit der Schwachen und der Schwächsten unter allen Heiligen“. Dieser Vers verdeutlicht, dass Gottes Gebote nicht zur Überforderung gegeben werden, sondern zur Stärkung und zum Schutz. Selbst die Schwächsten – also auch jene, die abhängig, gebunden oder noch unentschlossen sind – sollen durch diese Weisung nicht verdammt, sondern aufgebaut werden. 

Die Formulierung „Grundsatz mit Verheißung“ stellt eine Struktur bereit, die später in Lehre und Bündnisse 130:20–21 wiederkehrt: Segnungen sind an Gesetzestreue gebunden. Das Wort der Weisheit war also von Beginn an mehr als bloßer Rat – es war ein Schlüssel zu geistigem Schutz und physischem Segen, wenn auch ohne unmittelbare Disziplinarmaßnahmen. 

4. Warnung vor den Listen verschwörerischer Menschen (Vers 4) 

In Vers 4 wird der Grund für die Offenbarung explizit genannt: „Infolge der Schlechtigkeit und der bösen Absichten, die im Herzen von verschwörerischen Menschen in den letzten Tagen vorhanden sind und sein werden, habe ich euch gewarnt.“ Der Herr weist auf die spezifische Notwendigkeit dieser Weisung für die Letzten Tage hin. Das unterscheidet sie von früheren göttlichen Gesundheitsgeboten wie etwa den Speisegesetzen im Alten Testament (beispielhaft: 3. Mose 11:46–47; 5. Mose 14:3–21; 3. Mose 17:10–14; Apostelgeschichte 15:28–29). 

Casey Paul Griffiths kommentiert dazu, dass sich diese Warnung auf Kräfte bezieht, die im 19. und 20. Jahrhundert noch kaum verstanden wurden: Tabakindustrie, Alkoholmissbrauch, moderne Drogenprobleme, sogar die Lebensmittelchemie. Die „bösen Absichten“ verschwörerischer Menschen äußern sich in der gezielten Herstellung und Vermarktung gesundheitsschädlicher Produkte – aus Profitgier und ohne Rücksicht auf den menschlichen Körper als Tempel Gottes. 

Die Warnung ist prophetisch: Vieles, was Joseph Smiths Zeitgenossen als harmlos betrachteten, ist heute als extrem gesundheitsschädlich bekannt. Damit erweist sich die Offenbarung als bemerkenswert vorausschauend und spezifisch für unsere Zeit. 

Vom Rat zum Gebot – die historische Entwicklung 

Trotz der klaren Sprache der Freiwilligkeit in den ersten Versen entwickelte sich das Wort der Weisheit im kirchlichen Leben allmählich zur verbindlichen Norm. Brigham Young forderte 1851 erstmals öffentlich die Mitglieder auf, sich zur Einhaltung zu verpflichten. Dennoch wurde über Jahrzehnte hinweg niemand wegen Missachtung ausgeschlossen – erst bei übermäßiger Trunkenheit drohten Disziplinarmaßnahmen. In Predigten der 1860er Jahre sprach Brigham Young wiederholt von der gesundheitlichen und geistigen Bedeutung des Gesetzes: „Wer das Wort der Weisheit nicht halten kann, zeigt, dass er nicht in der Lage ist, das Evangelium zu leben“ (vgl. Woodruff Journals, 1870). 

Die Wende kam im frühen 20. Jahrhundert. 1908 verkündete die Erste Präsidentschaft, dass Führungsämter nur noch mit der Einhaltung des Wortes der Weisheit vereinbar seien. 1913 wurde die Regel auf Missionare ausgedehnt. Unter Präsident Heber J. Grant (1918–1945) wurde 1921 die Einhaltung des Wortes der Weisheit zur Voraussetzung für einen Tempelschein erklärt – eine Richtlinie, die bis heute gilt. Grant schrieb: „Das Wort der Weisheit ist der Wille des Herrn.“ 

Fazit: Weisheit für unsere Zeit 

Lehre und Bündnisse 89:1–4 verankert das Wort der Weisheit in einem Kontext göttlicher Fürsorge, prophetischer Weitsicht und geistiger Entwicklung. Es beginnt als freundliche Einladung, als „Gruß“, doch die Verheißung darin und die Warnung vor künftigen Gefahren verleihen ihm von Anfang an Gewicht. Die schrittweise Umwandlung in ein verbindliches Gebot ist Ausdruck göttlicher Pädagogik: zuerst Geduld, dann Einladung zur Umkehr, schließlich Heiligung durch Gehorsam. 

So ist das Wort der Weisheit heute nicht nur ein Maßstab für körperliche Gesundheit, sondern auch ein Symbol des Bundesgehorsams – ein Zeichen, dass wir den Rat des Herrn annehmen, auch wenn er anfangs nur als freundliche Weisung erscheint. 

findechristus.org

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Ein Wort der Weisheit

18. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Ein Wort der Weisheit zum Nutzen des Rates der Hohen Priester, die in Kirtland versammelt sind, und der Kirche und auch der Heiligen in Zion” (Lehere und Bündnisse 89:1). 

Lehre und Bündnisse 89 – Das Gesundheitsgesetz: Historischer Hintergrund und geistliche Bedeutung 

Die Offenbarung, die heute als Abschnitt 89 des Buches Lehre und Bündnisse bekannt ist, wurde dem Propheten Joseph Smith am 27. Februar 1833 in Kirtland, Ohio, gegeben. Sie ist als das „Wort der Weisheit“ bekannt und bildet den Grundstein für das Gesundheitsgesetz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Obwohl dieses Gesetz heute für alle getauften Mitglieder verbindlich ist, wurde es ursprünglich „nicht durch Gebot oder Zwang“ gegeben, sondern „durch Offenbarung und das Wort der Weisheit, gezeigt in Verbindung mit dem Ordnungsprinzip“ (Vers 2). Die Entwicklung der Auslegung und Anwendung dieses Grundsatzes spiegelt eine bemerkenswerte Wechselwirkung zwischen göttlicher Führung, prophetischer Weisung und dem allmählichen Reifungsprozess einer jungen Kirche wider. 

Ursprung und Umfeld der Offenbarung 

Die frühen 1830er Jahre waren eine Zeit intensiven geistlichen und gemeinschaftlichen Aufbaus in Kirtland. Die Mitglieder der Kirche versammelten sich oft in kleinen Räumen – insbesondere in der sogenannten „Schule der Propheten“, einer Art theologischen Diskussionsgruppe im Haus von Newel K. Whitney. Diese Sitzungen waren begleitet von Gebet, Studium und geistigen Gaben. Viele Teilnehmer rauchten oder kauten Tabak, tranken Kaffee oder Tee. Dabei herrschten schlechte hygienische Zustände – Berichte sprechen davon, dass der Boden des Raumes mit Tabaksaft verschmutzt war und der Geruch von Rauch in der Luft hing. 

Emma Smith, die Frau des Propheten, war mit der Reinigung dieser Räume beauftragt und äußerte sich über den Zustand der Umgebung. Ihre Bedenken könnten Joseph Smith dazu bewegt haben, ernsthaft im Gebet über diese Dinge nachzudenken. Daraufhin empfing er die Offenbarung, die als „Wort der Weisheit“ bekannt wurde. 

Die Offenbarung steht jedoch nicht allein im Kontext von Emmas Sorge. Historiker wie Steven C. Harper und Quellen von Doctrine and Covenants Central weisen darauf hin, dass das frühe 19. Jahrhundert eine Zeit der intensiven Reformbewegungen war – darunter auch die sogenannte „Temperenzbewegung“, die den übermäßigen Konsum von Alkohol anprangerte. Joseph Smith kannte viele dieser Bewegungen, nahm jedoch mit dem „Wort der Weisheit“ eine deutlich göttlichere Perspektive ein, indem er nicht einfach auf gesellschaftliche Trends reagierte, sondern eine weisheitsbasierte göttliche Ordnung offenbarte, die weit über zeitgenössische Reformen hinausging. 

Inhalt und Aufbau der Offenbarung 

Die Offenbarung ist in verschiedene Abschnitte gegliedert: 

  1. Einleitung und Zweck (Verse 1–3): Hier wird die Offenbarung als „nicht durch Gebot oder Zwang“ gegeben beschrieben. Sie dient dazu, „die Ordnung und den Willen Gottes im zeitlichen Heil des Menschen“ zu offenbaren. 

  1. Warnung vor schädlichen Substanzen (Verse 4–9): Der Herr warnt vor „listigen und arglistigen Entwürfen böser und gerissener Menschen in den letzten Tagen“ (Vers 4) und nennt speziell „starken Trank“ (also Alkohol) als etwas, das „nicht gut“ sei. Ferner werden Tabak sowie „heißer Trank“ (gemeint sind Kaffee und Tee) untersagt. 

  1. Empfohlene Speisen (Verse 10–17): Diese Verse betonen den Wert von pflanzlicher Nahrung – „Kräuter“ und „Früchte“ – sowie von Fleisch, das „mit Danksagung gegessen“ werden soll, jedoch eher „sparsam“ und vorzugsweise „zur Zeit des Winters oder der Kälte oder Hungers“. Getreide, insbesondere Weizen, wird als besonders geeignet gepriesen. 

  1. Verheißungen (Verse 18–21): Denjenigen, die dieses Gesetz befolgen, werden Gesundheit, körperliche Kraft, geistige Klarheit und Schutz vor feindlichen Kräften versprochen – sie „werden laufen und nicht müde werden und wandeln und nicht matt werden“ (Vers 20). 

Die schrittweise Umsetzung in der Kirchengeschichte 

Ursprünglich war das Wort der Weisheit kein verbindliches Gebot. Viele Heilige, auch Führer der Kirche, hielten sich nicht streng daran – so tranken etwa Brigham Young und andere gelegentlich noch Kaffee oder Wein. Brigham Young sprach 1867 über die Notwendigkeit, das Wort der Weisheit ernst zu nehmen, und forderte die Heiligen auf, sich ihm zu verpflichten, jedoch mit Geduld und Verständnis. 

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Wort der Weisheit schrittweise zu einem verbindlichen Standard der Kirchenmitgliedschaft. Präsident Heber J. Grant machte während seiner Amtszeit (1918–1945) deutlich, dass die Einhaltung des Gesundheitsgesetzes eine Voraussetzung für den Tempelschein sei. In dieser Phase entwickelte sich die Interpretation hin zur heute bekannten Anwendung: vollständiger Verzicht auf Alkohol, Tabak, Tee und Kaffee sowie jeglicher abhängigmachender Substanzen. 

Äußerungen moderner Führer zur geistigen Bedeutung 

Präsident Boyd K. Packer erklärte: „Das Wort der Weisheit ist ein Schlüssel zur Offenbarung. Gehorsam in diesem Bereich öffnet die Tür für geistige Einsichten und Schutz“ (Generalkonferenz, Oktober 1996). 

Präsident Russell M. Nelson sagte 2019: „Das Wort der Weisheit ist mehr als nur eine Liste von Do’s and Don’ts – es ist ein göttliches Prinzip, das körperliches Wohlbefinden und geistige Empfänglichkeit vereint.“ 

Auch Elder David A. Bednar betonte in einer Ansprache 2013, dass das Wort der Weisheit „nicht nur unsere physische Gesundheit, sondern unsere Fähigkeit stärkt, den Heiligen Geist zu empfangen und geistige Offenbarung zu verstehen.“ 

Geistliche Lehren und heutige Anwendung 

Die zentrale Idee des Wortes der Weisheit ist nicht bloß eine Gesundheitsvorschrift, sondern ein Ausdruck göttlicher Weisheit, die körperliche und geistige Dimensionen des Menschseins vereint. Es steht in einer Linie mit biblischen Gesundheitsgeboten (z. B. Daniel 1:8–16) und erinnert an das Prinzip der Heiligkeit des Leibes als „Tempel Gottes“ (1. Korinther 3:16–17). 

Die Warnung vor „listigen und arglistigen Entwürfen böser und gerissener Menschen“ hat angesichts moderner Suchtmittel, manipulativer Lebensmittelindustrie und Medikamentenmissbrauchs besondere Relevanz. Die Verheißungen an die Gehorsamen – körperliche Gesundheit, geistige Stärke und Schutz – sind in einer Welt wachsender physischer und emotionaler Belastungen eine machtvolle Verheißung. 

Schlussgedanken 

Lehre und Bündnisse 89 offenbart weit mehr als nur Ernährungsempfehlungen. Es ist ein göttlich inspirierter Lebensstil, der sowohl dem physischen als auch dem geistigen Wohl des Menschen dient. In einer Zeit zunehmender gesundheitlicher Herausforderungen ist das Wort der Weisheit ein Zeichen für Gottes Fürsorge und ein Prüfstein für unseren Gehorsam. Die Offenbarung lädt uns ein, unseren Körper als Geschenk Gottes zu ehren und unseren Geist für göttliche Führung offen zu halten. 

findechristus.org

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Bekleidet euch mit dem Band der Nächstenliebe

16. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Und vor allem: Bekleidet euch mit dem Band der Nächstenliebe wie mit einem Mantel, denn es ist dies das Band der Vollkommenheit und des Friedens.” (Lehre und Bündnisse 88:125). 

Lehre und Bündnisse 88:108–141 – Die große Offenbarung, die Ordnung der Letzten Dinge und die Schule der Propheten 

Diese Verse setzen die gewaltige eschatologische Vision fort, die Joseph Smith als „Olivenblatt“ offenbarte. Sie eröffnen mit einer kosmischen Enthüllung des Gerichts und münden in konkrete Anweisungen für die Vorbereitung der Heiligen durch geistige Bildung und heilige Ordnung. 

Verse 108–116: Das große Buch des Gerichts 

Diese Verse beschreiben die Posaunen von sieben Engeln, die nacheinander die geheimen Taten der Menschen und die großen Werke Gottes aus den sieben Jahrtausenden offenbaren. Der Höhepunkt ist der Schwur des siebenten Engels, dass „es Zeit nicht länger geben wird“ (V. 110), ein deutlicher Verweis auf Offenbarung 10:6. Die symbolische Darstellung, dass Michael (V. 112) – identifiziert mit Adam (vgl. LuB 27:11) – gegen Satan kämpft, erinnert an die apokalyptischen Visionen der Johannesoffenbarung (vgl. Offb 12:7–9) und zeigt die endgültige Reinigung und den Triumph Gottes über das Böse. Vers 114 verkündet das Ende jeder dämonischen Macht über die Heiligen. Das Motiv der endgültigen Verherrlichung der Geheiligten (V. 116) steht im Einklang mit der Verheißung ewigen Lebens und der endgültigen Überwindung des Todes (vgl. 1 Korinther 15:26). 

Heute bietet dieser Abschnitt eine kraftvolle Perspektive auf Gerechtigkeit und Wahrheit. Jede Handlung zählt. Nichts bleibt verborgen (vgl. Lukas 12:2–3). Unsere Entscheidungen haben ewige Bedeutung. Die Frage für uns: Bereiten wir uns so vor, dass unser Lebensbuch mit Licht erfüllt ist? 

Verse 117–126: Bildung und Heiligung der Heiligen 

Ab Vers 117 wendet sich der Text von den letzten Dingen zur Gegenwart. Die Gläubigen sollen sich auf die kommende Herrlichkeit vorbereiten, indem sie sich organisieren und belehren. Der Befehl, eine „feierliche Versammlung“ einzuberufen, erinnert an die biblischen heiligen Zusammenkünfte (vgl. Levitikus 23:36) und spiegelt den Ernst der Endzeitvorbereitung wider. 

Besonders bemerkenswert ist der Aufruf zur Bildung: „Sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern“ (V. 118) – ein bahnbrechendes Prinzip bei den Heiligen, das geistiges und säkulares Lernen vereint. Hier wird das Studium – nicht nur durch Glauben, sondern auch durch Vernunft – zum Gebot. Dies erinnert an das biblische Ideal: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Verstand“ (Markus 12:30). 

Vers 119 beschreibt ein ideales Haus Gottes – ein Raum des Gebets, des Lernens, der Ordnung und der Heiligkeit. Es verweist auf das geplante „Haus des Herrn“ in Kirtland, das nicht nur Tempel, sondern auch Schule und Versammlungsort sein sollte. Der Aufbau eines solchen Hauses, innerlich wie äußerlich, bleibt auch heute eine Herausforderung: Haben unsere Häuser diese geistige Qualität? Erheben wir unsere Begrüßungen, unsere Arbeit, unseren Alltag „im Namen des Herrn“? 

Verse 121–126: Praktische Heiligung des täglichen Lebens 

Diese Verse geben eindrückliche Richtlinien für ein geheiligtes Leben. „Lasst ab von all euren leichten Reden, von allem Gelächter“ (V. 121) mag übertrieben streng erscheinen, doch im damaligen Kontext zielte dies auf eine würdige Vorbereitung für heilige Räume und heiliges Wissen. Die Schule der Propheten war kein Ort für Spott oder Ablenkung, sondern für das heilige Erlernen von Gottes Wort. Die Mahnung zur Selbstdisziplin (V. 124) – früh zu Bett, früh aufzustehen, nicht müßig oder unrein zu sein – erinnert an Sprüche 6:9–11, wo der Faule gewarnt wird. 

Der wichtigste Vers dieser Gruppe ist wohl Vers 125: „Bekleidet euch mit dem Band der Nächstenliebe wie mit einem Mantel“. Diese Metapher findet ihr biblisches Pendant in Kolosser 3:14: „Über alles aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ Diese Liebe ist nicht nur Gefühl, sondern verbindliches Tun, das die Gemeinschaft im Glauben zusammenhält – ein Gebot, das im Alltag oft unsere größte Herausforderung darstellt. 

Verse 127–141: Die Ordnung der Schule der Propheten 

Die letzten Verse geben konkrete Anweisungen für die Organisation der Schule der Propheten – eine geistige Ausbildungsstätte für Führer der Kirche. In Vers 127 wird die „Präsidentschaft der Schule“ eingeführt, bestehend aus Hohen Priestern bis hin zu Diakonen. Die Ordnung, mit der sie das Haus betreten, beten, lehren und einander begrüßen sollen, zeugt von tiefem Respekt vor der Heiligkeit des Ortes. Der Präsident soll „als Erster im Haus“ sein (V. 130) – ein symbolischer Akt, der Führung durch Vorbild betont. 

Die Begrüßung in Vers 133 ist besonders bemerkenswert: „Ich begrüße euch im Namen des Herrn Jesus Christus … in den Banden der Liebe euer Freund und Bruder zu sein“. Diese brüderliche, feierliche Formel verweist auf das Wesen der Kirche als Bundesgemeinschaft. Sie verbindet die Heiligen mit Christus und untereinander – eine Vision von Gemeinschaft, die viele heutige Gemeinden neu entdecken könnten. 

Ebenso bemerkenswert ist die Wiedereinsetzung der Fußwaschung (V. 139–141) – ein deutliches Zeichen der Demut und Heiligung. Sie erinnert an Johannes 13, wo Jesus selbst den Jüngern die Füße wusch. Diese Handlung steht exemplarisch für Dienstbereitschaft und Reinheit – sowohl symbolisch als auch buchstäblich. Die Lehre ist klar: Wer Christus dienen will, muss dienen wie Christus. 

Heutige Anwendung und Herausforderung 

Für unsere Zeit stellt besonders Vers 125 eine Herausforderung dar: die Nächstenliebe nicht nur zu fühlen, sondern als verbindliches Band zu tragen. Auch der Aufruf in Vers 119, unsere Häuser als heilige Räume zu gestalten – als „Haus des Gebets … des Lernens … der Ordnung“ – trifft mitten in eine Kultur der Ablenkung. Bildung, geistige Ordnung, brüderliche Liebe und würdiges Verhalten – diese Themen durchziehen die ganze Passage. Sie fordern uns heraus, das Evangelium nicht nur zu studieren, sondern es in die Struktur unseres Alltags einzubetten – persönlich, familiär, gemeinschaftlich. 

Parallelen zu anderen Schriften 

Die prophetische Vision in den Versen 108–116 knüpft direkt an die Johannesoffenbarung (Kapitel 8–10) an, besonders in der Struktur der sieben Engel mit Posaunen. Der Kampf Michaels mit Satan erinnert an Offenbarung 12 und an Daniel 12. Der Aufruf zu Bildung und Weisheit (V. 118) verweist auf Sprüche 4:7: „Erwirb Weisheit, und mit allem, was du hast, erwirb Verstand.“ 

Die Ausgestaltung des Hauses Gottes (V. 119) findet Parallelen im mosaischen Tempel (vgl. 2 Mose 25–30) und in der neutestamentlichen Gemeindeordnung (z. B. 1 Korinther 14:40: „Alles geschehe in Anstand und Ordnung“). Die Begrüßungsformel (V. 133) erinnert an Paulus’ Appelle zur brüderlichen Liebe (vgl. Römer 12:10). Schließlich steht die Fußwaschung in direkter Verbindung mit Johannes 13, wo Jesus sagte: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt“ (Joh 13:15). 

Diese Verse laden ein, nicht nur auf das Ende vorbereitet zu sein, sondern jetzt schon in Ordnung, Erkenntnis und Liebe zu leben. Sie zeigen, dass geistige Bildung, heilige Gemeinschaft und persönliche Heiligung nicht voneinander zu trennen sind. Die Vorbereitung auf Christus beginnt in unseren Häusern, unseren Beziehungen und unserem inneren Bund mit Gott. 

findechristus.org

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Ich habe euch ausgesandt, die Menschen zu warnen

15. August 2025, 05:07am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Siehe, ich habe euch ausgesandt, Zeugnis zu geben und die Menschen zu warnen; und einem jeden, der gewarnt worden ist, kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen.” (Lehre und Bündnisse 88:81). 

Lehre und Bündnisse 88:81–107 

Die Warnung an die Welt (Verse 81–85) 
Der Abschnitt beginnt mit einem feierlichen Auftrag: „Ich habe euch ausgesandt, Zeugnis zu geben und die Menschen zu warnen“ (V. 81). Jeder, der die Warnung erhalten hat, ist verpflichtet, sie weiterzugeben. Das ist ein göttliches Prinzip der Verantwortung – wer Licht empfangen hat, soll es nicht unter den Scheffel stellen (vgl. Matthäus 5:15–16). Die Weigerung, dieses Licht weiterzugeben, führt dazu, dass die Sünden auf das eigene Haupt zurückfallen (V. 82). 

In der heutigen Zeit, in der Wahrheit oft relativiert wird, ist diese Mahnung aktueller denn je. Christus lädt uns ein, ihn „frühe“ zu suchen (V. 83), ein Ausdruck, der geistige Wachsamkeit beschreibt (vgl. Sprüche 8:17). Eifriges Arbeiten an unserer geistlichen Vervollkommnung (V. 84) und die Vorbereitung auf das Gericht gehören zu den beständigen Herausforderungen eines gläubigen Lebens. 

Die Formulierung „das Gesetz zuzubinden und das Zeugnis zu versiegeln“ erinnert an Jesaja 8:16 und betont, dass die letzte Evangeliumsbotschaft nicht nur verkündigt, sondern auch besiegelt wird – mit heiligem Ernst. Die Warnung vor dem „Grimm Gottes“ (V. 85) ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. 

Aufruf zur geistigen Reinheit und Warnung vor apokalyptischen Zeichen (Verse 86–91) 
In Vers 86 wird die Gemeinde erneut aufgerufen, „in der Freiheit zu verbleiben“, nicht in Sünde verstrickt zu sein und reine Hände zu bewahren – eine eindringliche Mahnung zur Heiligkeit (vgl. Psalm 24:3–4). Die Zeichen der Endzeit folgen unmittelbar: Erschütterung der Erde, Dunkelheit der Sonne, Blut am Mond, fallende Sterne (V. 87). Diese Beschreibungen erinnern deutlich an Offenbarung 6:12–14. 

Die Reihenfolge ist bedeutsam: Erst das Zeugnis der Heiligen, dann das Zeugnis der Naturgewalten (V. 88–90). Gott spricht auf mehreren Ebenen zu seinen Kindern – durch seine Diener, durch das Gewissen und schließlich durch das Universum selbst. Die Reaktion der Menschen – Furcht, Verzweiflung, Aufruhr – zeigt die geistige Vorbereitungslosigkeit vieler (V. 91). 

Engel, Posaunen und die Vorbereitung auf das Gericht (Verse 92–98) 
Mit gewaltiger Symbolik treten nun Engel auf, die mit der Posaune Gottes warnen. In Vers 92 wird ausgerufen: „Macht euch bereit, o ihr Bewohner der Erde!“ Dies erinnert an das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Matthäus 25), in dem der Ruf „Siehe, der Bräutigam kommt“ dieselbe Dringlichkeit trägt. 

Ein sichtbares Zeichen am Himmel (V. 93) kennzeichnet die letzte Phase – möglicherweise ein Hinweis auf die Wiederkunft Christi, wie in Matthäus 24:30 beschrieben. In Vers 94 wird die große Hure der Erde genannt, die „Mutter der Gräuel“, wie sie auch in Offenbarung 17:5 beschrieben wird. Sie wird zum Verbrennen gebündelt – ein Symbol für das endgültige Gericht über das gottlose System der Welt. 

Der dramatische Moment des „entfalteten Himmels“ (V. 95), der Vorhang, der wie eine Schriftrolle zurückgerollt wird, steht für die Offenbarung der göttlichen Wirklichkeit. Es ist der Moment, in dem die Heiligen entrückt werden (V. 96–97), wie auch in 1. Thessalonicher 4:16–17 beschrieben. Diese Entrückung umfasst sowohl die Lebenden als auch die Verstorbenen, die dem Herrn in der „Mitte der Himmelssäule“ begegnen – ein eindrucksvolles Bild der Zusammenführung der Gerechten. 

Die Posaunen des Gerichts (Verse 99–107) 
Die nächsten Verse beschreiben sieben Engel, die nacheinander ihre Posaunen erschallen lassen. Diese Posaunen kündigen verschiedene Etappen des göttlichen Gerichts an: 

  • Vierte Posaune (V. 102): Die endgültige Bestimmung der Unreinen – ein Hinweis darauf, dass nicht alle letztlich gereinigt werden wollen (vgl. Daniel 12:10). 

  • Fünfte Posaune (V. 103–104): Verkündigung des Evangeliums an alle Nationen, das universale Bekenntnis vor Christus. Dieser Vers bezieht sich deutlich auf Offenbarung 14:6–7 („Fürchtet Gott, und gebt ihm die Ehre...“). 

  • Sechste Posaune (V. 105): Der Fall der großen Hure wird erneut betont – es ist eine Bestätigung des Untergangs babylonischer Systeme. 

  • Siebte Posaune (V. 106–107): Der große Triumph: „Es ist vollbracht!“ Das Lamm hat die Weinkelter des Zorns Gottes allein getreten. Hier wird deutlich, dass Christus das Gericht trägt, aber auch durch es hindurch triumphiert – eine Parallele zur Passion Christi und zu Jesaja 63:3. 

Zum Abschluss wird gesagt, dass die Engel mit Herrlichkeit gekrönt werden und die Heiligen Christus gleichgemacht werden (V. 107; vgl. 1. Johannes 3:2). Dies ist der Höhepunkt der Verheißung: Teilhabe an göttlicher Herrlichkeit, nicht nur symbolisch, sondern real und ewig. 

Lehren für heute 
Dieser Abschnitt ist nicht nur ein prophetisches Panorama der Letzten Tage, sondern auch ein persönlicher Weckruf. Die Verse 81–85 betonen unsere Verantwortung als Zeugen Christi – ein Thema, das heute genauso relevant ist wie zu Joseph Smiths Zeiten. Die Einladung, Christus früh zu suchen und rein zu bleiben, trifft unsere Zeit der moralischen Verwirrung direkt ins Herz. 

Die Posaunenbilder erinnern uns, dass Gott nicht schweigt – er spricht in Macht. Und jede Seele wird sich letztlich vor ihm beugen (Philipper 2:10–11). Die Reihenfolge der Entrückung, Auferstehung, und des Gerichts ist nicht nur eine Chronologie, sondern auch ein Ausdruck der göttlichen Ordnung. 

Fazit 
Lehre und Bündnisse 88:81–107 entfaltet einen großen heilsgeschichtlichen Bogen: von der persönlichen Berufung zum Zeugnis über kosmische Erschütterungen bis hin zur endgültigen Herrlichkeit der Heiligen. Die wiederkehrenden Bilder aus Offenbarung, Jesaja, Daniel und den Evangelien zeigen, dass das Wiederhergestellte Evangelium im Zentrum eines göttlichen Plans steht, der alt und ewig zugleich ist. Es lädt uns ein, „uns bereit zu machen“ – durch Glauben, Umkehr, Reinheit und Zeugnis. Denn der Bräutigam kommt. 

findechristus.org

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Darum heiligt euch

14. August 2025, 04:58am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum heiligt euch, damit euer Sinn nur auf Gott gerichtet sei, dann werden die Tage kommen, da ihr ihn sehen werdet; denn er wird für euch den Schleier von seinem Angesicht nehmen, und es wird zu seiner eigenen Zeit sein und auf seine eigene Weise und gemäß seinem eigenen Willen.” (Lehre und Bündnisse 88:68). 

Lehre und Bündnisse 88:46-80 – Inhaltsbesprechung 

Diese Verse bilden einen zentralen Abschnitt der Offenbarung, der sowohl kosmische Zusammenhänge als auch ganz persönliche Einladungen enthält. In ihnen entfaltet sich ein weites Panorama göttlicher Ordnung – vom Licht der Welten bis zur Einrichtung heiliger Gemeinschaft. Dabei wird deutlich: Gott ist nicht fern, sondern begegnet seinen Kindern auf Augenhöhe, wenn sie sich vorbereiten. 

Ab Vers 46 beschreibt der Herr, wie diejenigen, die sein Reich empfangen, anfangen, Gottes „Angesicht zu sehen“, weil sie von seiner Herrlichkeit erfüllt werden. Das ist keine bloß symbolische Aussage: Wer sich dem Reich Gottes öffnet – also Christus nachfolgt – wird mehr und mehr fähig, geistige Wirklichkeiten wahrzunehmen. Dies erinnert an das Wort Jesu an die zwölf Apostel, die mit ihm beim letzten Abendmahl zusammen sind in Johannes 14:21. Auch im Buch Mormon begegnet uns diese Wahrheit wiederholt, etwa in Ether 4:12–15, wo das Sehen des Herrn an den Glauben und die Heiligung geknüpft ist. Heute bedeutet das für uns: Wenn wir geistig wachsen, werden wir zunehmend befähigt, Gottes Hand in unserem Leben zu erkennen. Geistige Klarheit ist keine bloße Gabe – sie ist Frucht der Treue. 

In Vers 47 heißt es, dass derjenige, der die Herrlichkeit des Herrn gesehen hat, „wie sie ist, in Wahrheit“, auch versteht, dass dies das Werk Gottes ist. Hier geht es um geistige Erkenntnis, nicht um intellektuelles Wissen. Die Offenbarung Gottes lässt uns seine Absichten erkennen. Auch wenn wir den Herrn (noch) nicht in einer Vision sehen, können wir durch das Wirken des Geistes seine Herrlichkeit begreifen. Diese Unterscheidung zwischen äußerem Sehen und innerem Erkennen findet sich auch in Mosia 27:25–26, wo Alma erklärt, dass man „aus Gott geboren“ sein muss, um geistig zu leben. So spricht dieser Abschnitt auch heute: Wer sich Gott nähert, wird mit geistigem Licht erfüllt und erkennt seine göttliche Ordnung in der Welt. 

Die Verse 48 bis 50 betonen weiter, dass diejenigen, die Christus begegnet sind, seine Stimme kennen und verstehen. Selbst wenn sie ihn „nicht mehr sehen“, bleibt ihnen sein Licht – und sie wissen, dass er da ist. Diese Zusage stärkt besonders in Glaubenszeiten, in denen man Gott nicht klar spürt. Wie auch in 2 Korinther 5:7 („Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“) vertrauen wir, dass Christus präsent ist, auch wenn wir ihn nicht unmittelbar erfahren. Gerade in schwierigen Lebensphasen gibt dieser Gedanke Trost: Wer sich im Licht Christi bewegt, ist nie allein, auch wenn das Licht manchmal schwach scheint. 

Ab Vers 51 beginnt der Herr mit einer Parabel: Ein Mann (sinngemäß: Christus) reist in ein fernes Land, während seine Diener (die Menschheit) mit Aufgaben betraut werden. Diese erhalten jeder zur bestimmten Stunde Besuch – so, wie Gott jeden Menschen zur rechten Zeit ruft. Die Parabel beschreibt geistige Führung als individuell abgestimmt. In Vers 58 heißt es, der Herr käme „zur ersten, zur zweiten und zur dritten Stunde“ – was daran erinnert, dass Gott in unserem persönlichen Zeitplan wirkt. Manche erleben ihren geistigen Durchbruch früh im Leben, andere später. Doch alle erhalten ihre „Stunde“ – ein Gedanke, der sich mit Matthäus 20 (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg) vergleichen lässt: Jeder wird zum rechten Zeitpunkt gerufen. Die heutige Anwendung liegt auf der Hand: Wir dürfen weder über andere urteilen noch entmutigt sein – Gottes Zeitplan ist individuell, aber zuverlässig. 

In den Versen 62 bis 63 folgt eine innige Einladung: „Ruft mich an, während ich nahe bin; naht euch mir, und ich werde mich euch nahen.“ Hier öffnet sich die Parabel zur persönlichen Anwendung. Gott wartet nicht passiv, sondern lädt uns aktiv ein, seine Nähe zu suchen. Er verspricht: Wer Ihn sucht, wird Ihn finden. Das erinnert stark an Jakobus 4:8 („Naht euch Gott, so naht er sich euch“) und an die Zusicherung aus 3 Nephi 27:29: „Was ihr den Vater in meinem Namen bittet… das wird euch gegeben werden, wenn es für euch gut ist.“ 

Die Verse 64 bis 66: Wer Gott im Namen Christi bittet, erhält Antwort – sofern es ratsam ist (V. 64). Doch Bitten ohne geistige Reife können sich gegen uns wenden (V. 65). Die göttliche Stimme kommt „in der Wildnis“ – sie ist geistig, still und für das natürliche Auge unsichtbar (V. 66). Der Geist ist Wahrheit, und wer sie in sich trägt, wird reich gesegnet. 

Für heute bedeutet das: Wir sollen lernen, mit Einsicht und Wahrheitsliebe zu beten. So bereiten wir uns innerlich auf den Herrn vor – nicht mit Angst, sondern mit Licht. 

Ab Vers 67 wird das Ziel dieser Vorbereitung klar: Heiligung. Die Aufforderung, „den Herrn zu sehen“, klingt nicht nur mystisch – sie meint eine tiefe Verbindung, wie sie in Tempelsiegelungen oder in reinen Gemeinschaften angestrebt wird. In Vers 68 fordert der Herr: „Heiligt euch, damit eure Gedanken einträchtig auf Gott gerichtet sind.“ In einer Welt, die Zerstreuung fördert, ist das eine zentrale Einladung. Wer sein Herz und seinen Sinn regelmäßig auf Gott ausrichtet, wird verändert – wie auch Römer 12:2 sagt: „Verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.“ 

Die Verse 70 bis 73 führen zum nächsten Schritt: Lehrgemeinschaft. Heiligung ist keine Privatsache – sie geschieht auch durch das gemeinsame Lehren. In Vers 72 stehen „Herden“ für die Gemeinde, die oft zerstreut, schwach oder führungslos ist. Der Herr verspricht, Älteste zu erwecken – also Priestertumsträger mit göttlicher Berufung – um sie zu stärken, zu führen und auf das Kommen Christi vorzubereiten. 

Für uns heute bedeutet das: Der Herr sieht unsere geistigen Bedürfnisse, und er sendet rechtzeitig Führer, Lehrer und Missionare, um uns zu unterweisen und zu schützen. Es liegt an uns, diese Führung anzunehmen und selbst zu geistlichen Hirten für andere zu werden (vgl. LuB 33:8–9; Matthäus 9:36–38). 

In Vers 74 wird das Ziel dieser Schule konkret: „Um euch für ein höheres Gesetz bereit zu machen… und geheilt zu werden.“ Heiligung und Bildung führen zu innerer Heilung. Dieser Gedanke findet sich auch in 3 Nephi 17:7–9, wo Christus die Menschen heilt – nicht nur körperlich, sondern geistlich. In einem tiefen Sinn meint Heilung die Wiederherstellung des göttlichen Bildes im Menschen. Das Evangelium ist ein Heilungsweg für Geist und Seele. 

Ab Vers 77 wird betont, dass wir einander „alles lehren sollen, was zum Reich Gottes gehört.“ Es ist bemerkenswert, dass dies nicht auf bestimmte Personen beschränkt ist – jeder kann lehren, jeder kann lernen. Die Kirche ist kein Ort für Zuschauer, sondern für Lernende und Handelnde. Die Vielfalt der Themen („Himmel, Erde, Sterne, Sprachen“) zeigt, dass alles Wissen in geistige Erkenntnis eingebettet werden kann. Alles Wahre gehört zu Gott – das ist die Grundlage eines umfassenden Lernbegriffs im wiederhergestellten Evangelium. 

In Vers 80 schließlich fasst der Herr das Ziel der ganzen Vorbereitung zusammen: „… damit ihr in allem bereit seiet, …“ Dies ist eine starke Verheißung: Wer sich belehren lässt, geistig vorbereitet ist und nach dem Licht lebt, wird nicht untergehen – auch nicht in dunklen Zeiten. Die Prüfungen mögen kommen, aber der Herr rüstet seine Jünger, standzuhalten. Wie Paulus in 2 Timotheus 3:16–17 lehrt, ist jede göttliche Belehrung „nützlich zur Unterweisung… damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei.“ 

Fazit: L&B 88:46–80 eröffnet ein geistiges Programm: Vom Erkennen Gottes über die persönliche Einladung bis zur gemeinschaftlichen Heiligung und Bildung entfaltet sich hier ein vollständiger Weg geistiger Erhöhung. Die Verse fordern uns auf, bewusst zu leben, uns vorzubereiten, einander zu belehren und in Prüfungen treu zu bleiben. Wie Christus durch alle Dinge wirkt (Vers 41), so sollen auch wir „durch ihn“ leben – in Licht, Wahrheit, Tugend und Erkenntnis. 

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Intelligenz hält fest an Intelligenz

13. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

"Beginne dort, wo du bist, nutze, was du hast, und tue, was du kannst." (Arthur Ashe)
(Bild: Quelle)

“Denn Intelligenz hält fest an Intelligenz; Weisheit empfängt Weisheit; Wahrheit nimmt Wahrheit an; Tugend liebt Tugend; Licht hält fest an Licht; Barmherzigkeit hat Mitleid mit Barmherzigkeit und beansprucht die Ihren; Gerechtigkeit nimmt weiter ihren Lauf und beansprucht die Ihren; Richterspruch geht vor dem Angesicht dessen her, der auf dem Thron sitzt und alles regiert und vollbringt.” (Lehre und Bündnisse 88:40). 

Lehre und Bündnisse 88:27–45 – Himmlische Ordnung, Gesetz und Licht 

Die Verse 27–45 führen die Offenbarung über die Ordnung des Himmels und die Herrlichkeiten fort. Sie beschreiben eine kosmische Gesetzmäßigkeit, die nicht nur das Universum strukturiert, sondern auch den Weg des Menschen zu Gott definiert. Es ist ein Abschnitt voller Theologie, Naturgesetze und göttlicher Zielsetzung – mit großer Relevanz für heutige Jünger Christi. 

Verse 27–31: Auferstehung gemäß Gesetz und Herrlichkeit 

Hier führt der Herr das Prinzip der Auferstehung gemäß Gesetz ein. Die Vorstellung ist einfach, aber tiefgreifend: Jede Seele wird nach ihrer geistigen Verfassung – ihrem „Wesen“ – auferstehen. Diese Verfassung ist nicht willkürlich, sondern entspricht dem Gesetz, das jemand im irdischen Leben angenommen oder abgelehnt hat. 

Heute lernen wir daraus: Der Zustand unseres Herzens, unseres Gehorsams und unserer Beziehung zu Christus formt bereits jetzt, welche Art von Auferstehung uns erwartet (siehe auch Mosia 2:36–37; Alma 41:3–6). In Mormon 9:14 sehen wir: Der Zustand des Herzens bleibt nach der Auferstehung bestehen – Gerechtigkeit bleibt Gerechtigkeit, Unreinheit bleibt Unreinheit. Dieses Prinzip findet eine klare Parallele in LuB 88:28–31, wo jede Seele gemäß ihrer geistigen Ordnung und Bereitschaft aufersteht.. 

Parallele: Paulus formuliert in 1. Korinther 15:40–42, dass es himmlische und irdische Körper gibt, „eine andere Herrlichkeit der Sonne, eine andere der Sterne“ – dieselbe Dreiteilung, die Joseph Smith durch Offenbarung präzisiert bekommt. 

Vers 32: Wer kein Gesetz empfängt… 

Dies ist ein schwieriger, aber bedeutender Vers. Er stellt klar, dass Verantwortung mit Erkenntnis kommt. Wer kein Gesetz (keine Offenbarung, keine Gelegenheit) empfängt, ist nicht imstande, nach diesem gerechtfertigt zu werden – wird aber dennoch nach dem Maß an Licht gerichtet, das ihm gegeben wurde. 

Für uns heute: Das bedeutet Verantwortung für die Erkenntnis, die wir haben. Wer das Evangelium kennt, wird nach höherem Maßstab beurteilt (vgl. Lukas 12:47–48). Gleichzeitig offenbart dieser Vers Gottes Gerechtigkeit – niemand wird unfair gerichtet. 

Verse 33–35: Gesetz und Reaktion – eine Frage des Wesens 

Der Herr erklärt hier ein ewiges Prinzip: Heiligung erfolgt durch Gesetz und Gehorsam. Wer sich dem Gesetz Gottes nicht unterwirft, verändert sein Wesen nicht – er bleibt, was er war, und empfängt nur das, was seinem Zustand entspricht. 

Parallele: Alma 12:9–11 lehrt, dass Gottes Geheimnisse nur jenen gegeben werden, die sich dafür öffnen. Wer sein Herz verhärtet, dem wird selbst das Licht, das er hat, genommen. 

Vers 36–37: Die Erde gehorcht – und wird verherrlicht 

Eine kraftvolle Aussage: Die gesamte Schöpfung unterwirft sich dem göttlichen Gesetz – nur der Mensch rebelliert oft. Die Erde, obwohl gefallen, bleibt dem göttlichen Gesetz treu und wird daher gereinigt und verherrlicht werden (vgl. Offenbarung 21:1; Lehre und Bündnisse 88:25–26). 

Heute: Wir sind eingeladen, wie die Erde dem Gesetz zu gehorchen – damit auch wir verherrlicht werden können. „Die Erde erfüllt das Maß ihrer Schöpfung“ (sinngemäß D&C 88:25), und genau dazu sind auch wir berufen: das göttliche Maß unseres Daseins in Treue und Heiligung zu erfüllen (vgl. D&C 93:30–32; Mose 1:39). 

Verse 38–39: Alle Dinge wirken durch Gesetz 

Hier beschreibt der Herr eine fundamentale Wahrheit: Geistige Ordnung existiert durch Gesetz. Ohne göttliches Gesetz zerfällt nicht nur die Materie – sondern auch das geistige Wachstum. Alles, was lebt, wirkt und besteht, tut dies unter göttlichem Gesetz – sei es das Atom oder ein Engel. 

Heutige Anwendung: In einer Zeit moralischer Relativität erinnert uns dieser Vers: Wahres Wachstum – auch persönlicher Fortschritt – kommt nicht durch Beliebigkeit, sondern durch Gehorsam gegenüber ewigen Prinzipien. 

Verse 40–41: Die Gesetze des Himmels und der Erde 

Diese Verse verweisen auf das ewige Wesen der Intelligenz (vgl. LuB 93:29). Die Gesetze des Kosmos – und der Intelligenz – gehen allem zeitlichen Dasein voraus. Die Sonne, der Mond, die Sterne – alle gehorchen Gottes Gesetz, weil sie ewige Intelligenz und Ordnung verkörpern. 

Parallele: In Kolosser 1:16–17 heißt es über Christus, dass durch ihn alles erschaffen wurde und alles „in ihm Bestand hat“. LuB 88 erweitert Kolosser 1, indem es zeigt, wie diese „Erhaltung“ konkret geschieht: durch geistige Resonanz, durch das Anziehen gleichartiger Eigenschaften. Diese Ordnung ist kein mechanisches Gesetz, sondern eine geistige Realität, in der Gott „über allem und in allem“ ist (Vers 41) 

Verse 42–43: Der Herr hat alles durch Gesetz geordnet 

Hier wird Christus als der Urheber göttlicher Ordnung dargestellt. Das Universum gehorcht nicht zufällig – es ist ein Ausdruck göttlicher Vernunft und Ordnung. Diese Aussage ist nicht nur theologisch, sondern auch naturphilosophisch radikal: Das Universum ist nicht chaotisch, sondern durchdrungen von Gesetzmäßigkeit – und der Mensch steht nicht außerhalb davon. 

Für uns heute: Wenn selbst Sterne und Galaxien dem göttlichen Gesetz gehorchen, sind auch wir dazu aufgerufen, unser Leben in Einklang mit Gottes Wort zu bringen – sonst droht geistige Desintegration (vgl. LuB 132:5). 

Vers 44–45: Christus als Licht – durch Gesetz in allem 

Diese abschließenden Verse offenbaren ein majestätisches Bild: Christus ist das Licht der Welt – nicht nur metaphorisch, sondern buchstäblich. Sein Licht ist das Gesetz, das Materie, Intelligenz und Leben ordnet. 

Parallelen: 

  • Johannes 1:4–9: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen … das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet…“ 

  • Mosia 16:9: „Er ist das Licht und das Leben der Welt.“ 

  • LuB 88:6–13: Beschreibt Christus als das Licht, das „alles durchdringt“, das „Licht der Sonne“, der Quelle allen Wissens und Lebens. 

Lehren für heute: Wir leben in einer Welt, die Christus oft nur als moralischen Lehrer sieht. Doch diese Verse bezeugen ihn als kosmischen Herrscher, durch dessen Licht selbst der Tagesablauf der Sonne gesteuert wird. Wer sich also vom Licht Christi entfernt, entfernt sich nicht nur geistig, sondern existenziell vom Ursprung allen Lebens. 

Fazit 

L&B 88:27–45 ist eine majestätische Passage über Gesetz, Ordnung und Herrlichkeit. Sie offenbart eine Welt, in der nicht Chaos, sondern göttliche Gesetzmäßigkeit herrscht – eine Ordnung, in die auch der Mensch eingebunden ist. Wer das göttliche Gesetz annimmt, wird erhoben, gereinigt und erhält eine „Herrlichkeit“. Wer sich verweigert, bleibt auf der Stufe, die seinem Zustand entspricht. 

Für uns heute bedeutet das: 

  • Gehorsam ist kein Zwang, sondern der Weg zur inneren Verwandlung und Erhöhung. 

  • Licht, Gesetz und Wahrheit sind eins – in Christus. 

  • Das Universum selbst lädt uns ein, in dieselbe Harmonie mit Gott einzutreten wie Sonne, Erde und Sterne. 

Diese Offenbarung erinnert uns daran: Die kosmische Ordnung ist nicht abstrakt, sondern die Bühne unseres persönlichen Heilswegs. 

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In einer celestialen Herrlichkeit leben

12. August 2025, 05:22am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

Vergleich der drei Grade der Herrlichkeit
(Bild: Quelle)

“Denn wer nicht imstande ist, sich an das Gesetz eines celestialen Reiches zu halten, kann nicht in einer celestialen Herrlichkeit leben.” (Lehre und Bündnisse 88:22). 

Lehre und Bündnisse 1-26 – Vers-für-Vers-Kommentarzusammenfassung 

Verse 1–2: Ein Lobpreis der Gebetsgemeinschaft 

Vers 1 beginnt mit einem direkten Anruf an die Versammelten: „Ihr, die ihr euch versammelt habt, um seinen Willen zu empfangen…“. Historisch sind das Joseph Smith und neun Hohepriester, die sich im Dezember 1832 in Kirtland trafen, um in Einheit und Gebet Offenbarung zu empfangen. Vers 2 folgt mit Zuspruch: Ihre Gebete seien dem Herrn wohlgefällig und würden im Buch der Heiliggesprochenen verzeichnet. Der Titel „Herr der Heerscharen“ verweist auf göttliches Autoritätsbewusstsein, das sowohl in Versöhnung als auch in Führung mündet gospeldoctrine.com. 

Heute: Wir lernen, wie wertvoll gemeinschaftliches Suchen und Gebet sind – nicht nur für persönliche Führung, sondern auch für gemeinsames Wachstum und göttliche Bestätigung unserer Versuche. 

Parallelen: 

Vers 3–5: Verheißung des „anderen Trösters“ 

Vers 3 spricht von einem „anderen Tröster“, identisch mit dem Heiligen Geist der uns alles lehrt, den Jesus den Jüngern in Johannes 14:26 versprach – jedoch mit erweiterter Mission, ein geistiger „Ratgeber“ mit Tiefe und Kontinuität, mit siegelnder Vollmacht (Epheser 1:13; Lehre und Bündnisse 76:53). 

Vers 4–5 definieren, was dieser Tröster bringt: Verheißung des ewigen Lebens und der Herrlichkeit des Celestialen Reiches („Kirche des Erstgeborenen“). Der Tröster ist also nicht nur Beistand, sondern Garant für Gnade, Versiegelung und zukünftige Erhöhung– klare Andeutung auf das kontemporäre kirchliche Verständnis von Endowment und Siegelung. 

Heute: Diese Verse erinnern uns, das Wirken des Heiligen Geistes nicht passiv zu sehen, sondern lernend und empfangend mit ihm zu interagieren – auf dem Weg zur größeren Nähe zu Gott. 

Parallelen: 

  • Im Buch Mormon (3 Nephi 19:31) ist der Tröster präsent, wenn Christus unter dem Volk weilt (Jesus betet hier nicht für sich, sondern für seine Jünger, damit sie den Heiligen Geist vollständig empfangen; V. 20–22 und 28). 

Vers 6–13: Das Licht Christi als universelle Gesetzesquelle 

Die Verse 6–13 erklären, dass Christus „hinaufgestiegen und hinabgestiegen ist“, alles umfasst, und als „Licht der Wahrheit“ in Sonne, Mond, Sterne, Erde und Raum wirkt. Casey Paul Griffiths betont, dass hier das „Licht Christi“ (allgemeines Gewissen) beschrieben wird, das dem gesamten Universum Leben und Ordnung verleiht. 

Das erinnert an das Johannesevangelium: „Im Anfang war das Wort … das Licht der Menschen“ (Johannes 1:1–4). Auch Paulus spricht von Christus als Erhalter und Gesetzgeber (Kolosser 1:16–17). 

Heute: Wir erkennen, dass Gott nicht nur im Sakralen wirkt – sein Licht durchdringt Alltag, Wissenschaft, Natur und Kultur. Wir sind eingeladen, das Göttliche überall und immer zu suchen. 

Parallelen: 

  • Die paulinische „Logos“-Theologie (die „paulinische Logos-Theologie“ ist eher eine Schnittmenge aus paulinischer Schöpfungschristologie und der Logos-Lehre des Johannes): Christus als Schöpfer und Erhalter. 

  • Das Buch Mormon betont: „Alles ist ein Zeugnis“ (Alma 30:44). 

Vers 12–13: Das Licht, das alles erfüllt 

Diese Verse bekräftigen, dass Gottes Licht den gesamten Raum erfüllt – es ist das göttliche Gesetz, das alle Dinge regiert. Joseph F. Smith nennt es „die umfassendste Aussage über die Macht Christi“ Doctrine and Covenants Central. Der Ausdruck erinnert stark an „Urim und Thummim“-Vorstellungen – Gott bringt Offenbarung aus Licht und Klarheit. 

Heute: Wir sollten uns nicht nur auf Kirche oder Gemeinde als einziger Offenbarungsort verlassen, sondern Gottes Wirken überall entdecken – in Kunst, Natur, Wissenschaft und Herz. 

Vers 14–16: Erlösung und Auferstehung 

Vers 14 erklärt, dass es durch Erlösung zur Auferstehung kommt. Vers 15‑16 definieren die „Seele“ als Körper + Geist, die durch Christus wieder vereint wird – eine der "klaren und kostbaren" Wahrheiten, die in dieser Evangeliumszeit der Fülle wiederhergestellt wurden YouTube+9Doctrine and Covenants Central+9Doctrine and Covenants Central+9. 

Die Reintegration des Körpers feiert den physischen Leib als göttlich relevant – ein im Christentum selten betontes Thema. Heinz Holland zitiert Jeffrey R. Holland für die Bedeutung dieser Wahrheit . 

Heute: Diese Verse bestärken uns, unseren Körper als Teil der Seele zu ehren. Gesundheit, Reinheit und körperliche Integrität sind Bestandteile unseres Glaubensweges. 

Parallelen: 

  • 1 Korinther 15 erklärt den Leib als unsterbliches Gefäß. Durch die Auferstehung Jesu wird er verwandelt. 

  • Alma 11:43–44 (Buch Mormon) spricht direkt von der Auferstehung von Körper und Geist. 

Verse 17–19: Gesetzeskategorien und geistliches Wachstum 

Für die folgenden Verse (17–31) wird in der späteren Offenbarung in Vers 25–26 erklärt, dass die Erde selbst nach dem Gesetz des celestialen Reiches regiert und schließlich rein werden wird Doctrine and Covenants Central+2Doctrine and Covenants Central+2Heilige der Letzten Tage+2. Damit stellt die Schriftwelt ein Ordnungssystem dar: je nach Lebensweise empfangen Menschen entsprechend unterschiedliche Grade der Herrlichkeit. 

Heute: Wir verstehen, dass Gesetzgebung in Gottes Reich keine engstirnige Repression ist, sondern Wegweiser zu Progression und Heiligkeit – ebenso für unsere körperliche und geistliche Entwicklung. 

Parallelen: 

  • In Matthäus 5 legt Jesus das alttestamentliche Gesetz neu aus und ruft seine Jünger zu einem höheren Maß an Gerechtigkeit auf – mit dem Ziel, vollkommen zu werden wie der Vater im Himmel. 

  • Paulus zeigt in Römer 8, dass Menschen, die nur nach äußeren Regeln („dem Gesetz“) leben, geistlich tot bleiben. Wer aber vom Heiligen Geist geleitet wird, lebt in Christus – und erfährt Freiheit, Leben und inneren Frieden. 

Vers 20–24: Gesetzestreue und geistliche Konsequenzen 

Diese Verse zeigen: Wer nach dem göttlichen Gesetz lebt, wächst geistlich und kommt Gott näher. Wer aber das Gesetz ablehnt und bewusst dagegen handelt, läuft Gefahr, zu den „Söhnen des Verderbens“ zu gehören – Menschen, die sich endgültig von Gott abwenden. 

Heute: Es ist Ermutigung zur ernsthaften Bindung an göttliche Gebote – nicht aus Pflicht, sondern aus Sehnsucht nach Fortschritt und Nähe zu Gott. 

Parallelen: 

  • Paulus in Galater 5 spricht von Gesetzestreue versus Gesetzlosigkeit. 

  • Buch Mormon (2 Nephi 9) unterscheidet geistlich Erwählte versus Abtrünnige. 

Vers 25–26: Die Erde als göttliche Institution 

Diese beiden Verse beschreiben die Erde als Wesen mit eigener Bestimmung: sie wird „geheiligt“ und lebendig gemacht – ein Teil der göttlichen Wiederherstellung aller Dinge . Joseph Smith bezeichnete sogar die Erde in ihrer glorifizierten Form als Tempelportal („Urim und Thummim“) Because the earth fills the measure of its creation, it will eventually die and be resurrected as a glorified celestial world. Joseph Smith taught, 

Heute: Es ist eine Einladung, die Erde zu achten – im Umweltschutz, in Nachhaltigkeit und im dankbaren Lebensstil. Wir leben auf einem heiligen Planeten mit göttlicher Intention. 

Parallelen: 

  • Im Buch Mose, Kapitel 7, sieht Enoch in einer gewaltigen Vision, wie die Erde unter der Last der Sünde stöhnt und weint, bis sie durch Gerechtigkeit, Gericht und das Kommen Christi gereinigt und erneuert wird. 

Zusammenfassung und heutige Schlüssel-Lehren 

  1. Gemeinsames Suchen schafft Offenbarung – vereinte Gebete führen zu göttlicher Klarheit. 

  1. Der Heilige Geist ist ständiger Begleiter auf dem Weg zur Erhöhung. 

  1. Licht und Wahrheit durchdringen alles – nicht beschränkt auf Tempel oder Kirche. 

  1. Körper sind Teil der Seele, mit Würde und Wert bis in die Ewigkeit. 

  1. Gesetz ist Progression, nicht Einschränkung – durch Gesetz wächst die Seele. 

  1. Die Erde ist heilig, Teil von Gottes großem Plan – Umwelt und Lebensschöpfung erhalten einen Sakralcharakter. 

Diese Verse 1–26 von L&B 88 legen eine theologisch tiefgründige Basis: Sie verbinden Gebet, göttliche Begleitung, Licht, Erlösung, Körperlichkeit, Gesetzlichkeit und kosmische Reinigung – eingebettet in eine christlich heilige Tradition und ergänzt um moderne Offenbarung. Für uns heute sind sie Anleitung und Ermutigung für persönliches Wachstum und globale Verantwortung – geistlich, moralisch und ökologisch. 

findechristus.org

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Um seinen Willen in Bezug auf euch zu empfangen

11. August 2025, 05:32am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

In diesem Raum wurde Lehre und Bündnisse 88 empfangen
(Bild: Quelle)

“Wahrlich, so spricht der Herr zu euch, die ihr euch versammelt habt, um seinen Willen in Bezug auf euch zu empfangen:” (Lehre und Bündnisse 88:1). 

Lehre und Bündnisse 88:1-141 – Geschichtlicher Hintergrund 

1. Zeitlicher und situativer Rahmen 

Die Offenbarung von L&B 88 wurde am 27. und 28. Dezember 1832 in Kirtland, Ohio, empfangen – zwei Tage nach der düsteren Prophezeiung über Krieg (L&B 87). Joseph Smith versammelte sich mit neun anderen hohen Priestern (darunter Sidney Rigdon, Orson Hyde, die Brüder Smith u. a.) in einem sogenannten „Translation Room“, einem Raum in Newel K. Whitneys Laden. Ziel des Treffens war, durch Gebet und Einigkeit Wort und Willen des Herrn über den Wiederaufbau Zions und die Verpflichtung der Ältesten zu empfangen LDS Magazine+7Die Kirche Jesu Christi+7gospeldoctrine.com+7. 

Joseph leitete die Versammlung, indem er darauf hinwies, dass die Herzen im Einklang auf Gott ausgerichtet sein müssten. Jeder der Anwesenden betete einzeln, dann begann der Prophet, die Offenbarung zu diktieren. Dieser Prozess dauerte zwei Tage – bis etwa neun Uhr abends am 28. Dezember – Danach nahmen sie Abstand, setzten die Arbeit eine Woche später am 3. Januar 1833 fort und schlossen Vers 127–141 ab, die Anweisungen für die Schule der Ältesten und für die „Fußwaschung“ enthalten Doctrine and Covenants Central. 

2. Struktur und Inhalt der Offenbarung 

L&B 88 ist die längste Offenbarung in diesem Buch (141 Verse) und reich strukturiert: 

  1. Einführung und Verheißung des „anderen Trösters“ (Vers 1–5): Zusicherung der Ausgießung des Heiligen Geistes und der persönlichen Gemeinschaft mit Christus. 

  1. Kosmologie und Lichtmetaphorik (Vers 6–61): Darstellung von Licht, Wahrheit, göttlicher Ordnung und göttlicher Gesetze, darunter Parabeln (z. B. das „Feld und die Diener“ Vers 51 ff.). 

  1. Eschatologie (Vers 85–116): Ausführliche Schilderung der Zeichen der Zeit, dem zweiten Kommen, der Trompeten der Engel, der Auferstehung und dem letzten Kampf („die Schlacht des großen Gottes“). 

  1. Anweisungen zur zeitlichen Aktivität der Kirche (Vers 117–126): Aufforderung, sich zu bilden („Sucht eifrig Weisheit durch Studium und auch durch Glauben.“), den Tempel zu bauen, und ein mitfühlendes Leben zu führen. 

  1. Lehre über die Gemeinde und Hierarchie (Vers 127–141): Festlegung der Ordnung der Ältestenschule und Durchführung von Fußwaschungen Doctrine and Covenants CentralDie Kirche Jesu ChristiDie Kirche Jesu Christi+1gospeldoctrine.com+1. 

Historiker wie Richard Bushman sehen die Offenbarung als umfassende Verbindung von Kosmologie, Gesetz und Gemeindeorganisation, die zum Tempelaufbau und zu geistlicher Einigung führt. 

3. Bezüglich Tempel, Schule der Propheten und Endowment 

Eine zentrale Rolle spielt L&B 88 beim Tempelbau in Kirtland, der kurz danach in Angriff genommen wurde. Tempel-Wissenschaftlerin Margaret Barker hebt hervor, dass in der Offenbarung „Licht und Leben“ aus der Gegenwart Gottes stammen – Kernelemente der Tempelsymbolik Doctrine and Covenants Central+1LDS Magazine+1. 

Die Offenbarung trägt entscheidend zur Gründung der Schule der Propheten bei – Joseph Smith machte diese 1833 zur Realität, mit Lehre in Theorie und Praxis (z. B. Vers 77–80). Zentrum war sowohl geistige als auch praktische Vorbereitung auf das Erwartete Endowment, einschließlich der Fußwaschung scripturecentral.org+1Church News+1. 

Als der Kirtland-Tempel 1836 errichtet und geweiht wurde, berief der Prophet eine „ feierliche Versammlung “ ein, die zur ersten Endowment-Versammlung der modernen Kirche wurde, wie sie schon in L&B 88 („große und letzte Verheißung,“) angekündigt wurde Church News+6Doctrine and Covenants Central+6gospeldoctrine.com+6. 

4. Warum „Olivenblatt“ – Symbolik und Funktion 

4.1 Friedenssymbolik 

Die Metapher des Olivenblatts ist tief in religiös-kulturellen Traditionen verwurzelt: Schon im Alten Testament bringt die Taube nach der Sintflut ein Olivenblatt – Zeichen, dass die Flut zu Ende ist. In antiken Kulturen wie Griechisch-Rom wurde der Olivenzweig zum universellen Symbol des Friedens und der Versöhnung. 

Joseph Smith nutzte diese Symbolik bewusst: In einem Brief vom 14. Januar 1833 an William W. Phelps in Missouri bezeichnete er die Offenbarung als „„Olivenblatt … vom Baum des Paradieses gepflückt, die Friedensbotschaft des Herrn an uns“. “ scripturecentral.org+6Die Kirche Jesu Christi+6gospeldoctrine.com+6. 

4.2 Friedensbotschaft zur rechten Zeit 

Kurz zuvor hatte Joseph Smith in L&B 87 düstere Prognosen geoffenbart – nun folgte L&B 88 als tröstendes Gegenstück. Phelps und andere in Missouri hatten Joseph in Briefen attackiert. Die Offenbarung sah Joseph als göttliche Bestätigung und Friedensbotschaft – er bekräftigte, dass die Gebete und Bemühungen der Heiligen in Kirtland wohlgefällig vor Gott seien („Almosen eurer Gebete … eingetragen, …“ Vers 2) . 

4.3 Versöhnung zwischen Gemeinden 

Die „Friedensbotschaft“ adressierte auch innerkirchliche Spannungen: Joseph sandte L&B 88 nach Missouri, um die dortigen Brüder zur Umkehr und Wiederherstellung des Bündnisses zu bewegen. Er betonte, Gott habe die Brüder in Kirtland gebilligt, auch wenn widersprüchliche Meinungen in Zion laut geworden waren. 

5. Historische Außenwirkung und Weitergabe 

  • Am 21. Juni 1997 reflektierte Church News den Brief Joseph Fielding Smiths, der erläuterte, wie die Offenbarung zu dem Missouri-Brief kam. Sie solle den dortigen Brüdern als symbolischer Olivenzweig dienen und zugleich ermahnen, sich von Streit abzuwenden und rein zu bleiben Church News. 

6. Fazit – Warum der Titel und die Friedensbotschaft 

  • Kontext: Kurz nach einer düsteren Kriegsoffenbarung bot L&B 88 Hoffnung und göttliche Bestätigung. 

  • Gemeinschaftsbezug: Die Offenbarung wendet sich ausdrücklich an Konflikte zwischen Zion (Missouri) und Kirtland – als göttliches Angebot zur Versöhnung. 

  • Theologie und Praxis: Sie öffnet eine Perspektive auf göttliche Nähe („anderen Tröster“), persönliche Heiligung (“heiligt euch”) und Vorbereitung auf Tempel und Endowment. 

  • Nachhaltige Wirkung: Sie prägte Aufbau und Ausrichtung der Schule der Propheten, des Tempels und der sakralen Ordnung – bis heute fundamental für die Kirche. 

Mit dieser Betrachtung erhält L&B 88 eine tiefe historische, theologische und pastorale Einbettung – als Offenbarung der Hoffnung, Versöhnung, göttlichen Gemeinschaft und als Anstoß zur geistlichen Vorbereitung und Tempelarbeit. 

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Darum steht an heiligen Stätten und wankt nicht

9. August 2025, 05:17am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum steht an heiligen Stätten und wankt nicht, bis der Tag des Herrn kommt; denn siehe, er kommt schnell, spricht der Herr. Amen.” (Lehre und Bündnisse 87:8). 

Lehre und Bündnisse 87 – Prophetische Warnung vor Krieg und Gericht – Historischer Kontext, Verskommentar und heutige Anwendung 

Dieser Abschnitt enthält eine bemerkenswerte Prophezeiung über Kriege, die vom Propheten Joseph Smith am 25. Dezember 1832 empfangen wurde. Diese Offenbarung wird oft als die „Prophezeiung über den Bürgerkrieg“ bezeichnet, hat jedoch einen viel weiteren Umfang als nur den amerikanischen Konflikt der 1860er Jahre. Sie beschreibt eine Kette kriegerischer und gesellschaftlicher Umwälzungen, die sich in den letzten Tagen entfalten sollen – mit einer klaren Mahnung an das Volk Gottes, sich geistig zu rüsten. In diesem Beitrag betrachten wir den historischen Hintergrund der Offenbarung, analysieren die einzelnen Verse, ziehen geistige Lehren für unsere Zeit und stellen Parallelen zu anderen heiligen Schriften her. 

Historischer Hintergrund 

Die Offenbarung wurde am 25. Dezember 1832 in Kirtland, Ohio, empfangen – in einer Zeit zunehmender Spannungen in den Vereinigten Staaten. Der Kontext dieser Prophezeiung ist besonders bemerkenswert: Bereits 1832 erkannte Joseph Smith durch Offenbarung, dass die Sklaverei die USA zerreißen würde. Dies geschah fast 30 Jahre vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs. 

In Süd-Carolina war es bereits im November 1832 zur sogenannten „Nullifikationskrise“ gekommen: Der Bundesstaat erklärte bestimmte Bundeszölle für null und nichtig und drohte mit Sezession. Präsident Andrew Jackson antwortete mit der Drohung militärischer Gewalt. Obwohl die Krise vorübergehend friedlich gelöst wurde, war die Spaltung zwischen Nord und Süd zunehmend offensichtlich. Joseph Smith erkannte in diesem politischen Konflikt ein prophetisches Zeichen für einen umfassenderen göttlichen Plan, der Gericht und Reinigung über die Völker bringen würde. 

Doctrine and Covenants Central betont, dass diese Prophezeiung „außergewöhnlich genau“ die Eskalation eines Konflikts beschreibt, der mit South Carolina beginnt – und sich dann weltweit ausbreitet. Der Text stellt aber auch klar, dass dies nicht nur historische Ereignisse betrifft, sondern Teil eines göttlichen Musters des Gerichts ist, das sich über Jahrhunderte erstrecken kann und in der Wiederkunft Christi gipfelt. 

Vers-für-Vers-Kommentar 

Vers 1 – Beginn der Prophezeiung 

Der erste Vers ist eine Einleitung im Stil klassischer prophetischer Ankündigungen: „So spricht der Herr“. Die Offenbarung kündigt eine globale Entwicklung an – Kriege, die „über alle Nationen“ kommen werden. Die Pluralform „Kriege“ signalisiert, dass es sich nicht nur um ein einzelnes Ereignis handelt (z. B. den amerikanischen Bürgerkrieg), sondern um eine Abfolge von Konflikten. 

Parallele: Offenbarung 6 spricht von einem feuerroten Pferd, das „den Frieden von der Erde“ nimmt – ein Bild, das ebenfalls auf weltweite kriegerische Zustände verweist. 

Vers 2 – Ausgangspunkt South Carolina 

Diese Vorhersage ist bemerkenswert präzise. Tatsächlich war es South Carolina, das sich 1860 als erster Bundesstaat von der Union abspaltete und so den Bürgerkrieg auslöste. Der Ausdruck „Saatkorn des Krieges“ legt nahe, dass hier nicht nur ein regionaler, sondern ein weltweiter Konflikt seinen Ursprung nimmt – ein Prozess, der letztlich zu globalen Unruhen führen wird. 

Doctrine and Covenants Central vermerkt dazu: „Joseph Smiths Vorhersage wurde jahrzehntelang verspottet, bis sie sich exakt so erfüllte.“ 

Vers 3 – Ausbreitung des Krieges und weltweite Verwicklungen 

Hier wird konkret von einem „Krieg zwischen dem Norden und dem Süden“ gesprochen – eine präzise Beschreibung des amerikanischen Bürgerkriegs. Auch die Erwähnung Großbritanniens ist prophetisch bemerkenswert: Obwohl das Vereinigte Königreich offiziell neutral blieb, war es wirtschaftlich stark involviert, insbesondere durch seine Abhängigkeit von Baumwolle aus dem Süden. Der Süden hoffte auf militärischen Beistand, und in der britischen Öffentlichkeit wurde dies kontrovers diskutiert. 

Parallele: In Jesaja 8:9–10 wird beschrieben, wie Nationen sich verbünden, aber dennoch scheitern, wenn sie sich gegen Gottes Willen stellen. 

Vers 4 – Reaktionen anderer Nationen 

Hier wird deutlich: Der Konflikt dehnt sich aus. Nationen schließen sich zu Allianzen zusammen, was an die Entwicklung der Bündnissysteme vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erinnert. Das Bild der eskalierenden Gewalt beschreibt ein Muster zunehmender globaler Verwicklung. 

Heute erkennen wir in diesem Vers eine Mahnung vor ideologischen und politischen Blöcken, die zu großflächigen Zerstörungen führen können – ein Muster, das sich auch im 21. Jahrhundert fortsetzt. 

Vers 5 – Gerichte Gottes und Verwüstung 

Dieser Vers deutet auf soziale Spannungen hin – Volksgruppen, die gegeneinander aufgebracht sind. Das kann sich auf innerstaatliche Unruhen, Revolutionen, Völkermord oder ethnische Konflikte beziehen. Der Ausdruck „Überreste“ (im Englischen: remnants) lässt auch an überlebende Völker und zerstreute Gruppen denken, wie die Überreste Israels. 

Lehre: Das Gericht des Herrn betrifft nicht nur Nationen als Ganzes, sondern auch das Herz des Einzelnen. Zorn, Hass und Konflikt beginnen in den Herzen der Menschen. 

Vers 6 – Der Herr bringt Gericht 

Dies ist der zentrale theologische Rahmen der Prophezeiung: Die Kriege sind nicht bloß politische Ereignisse, sondern Ausdruck göttlichen Gerichts. Der Herr lässt Verwüstung zu, um das Böse zu bestrafen und sein Volk zur Umkehr zu bewegen. 

Parallele: In Offenbarung 14:19 wird das Bild einer Kelter verwendet, in die Gottes Zorn getreten wird – ein starkes Symbol für göttliches Gericht über die Welt. 

Vers 7 – Die Zeit des Gerichts ist nahe 

Dieser Vers betont: Gottes Gericht hat ein Ziel – Erkenntnis, Umkehr, Läuterung. Wenn das Volk erkennt, dass Gott die Kontrolle hat und seine Hand im Weltgeschehen sichtbar wird, wird das Gericht ein Ende finden. Das Wort „genug“ ist ein tröstlicher Abschluss – Gott ist nicht rachsüchtig, sondern gerecht und barmherzig. 

Vers 8 – Aufforderung an die Heiligen 

Dieser Schlussvers enthält eine doppelte Aufforderung: geistige Vorbereitung („steht an heiligen Stätten“) und Hoffnung auf die Wiederkunft Christi („bis der Tag des Herrn kommt“). Die Heiligen sollen nicht passiv auf Katastrophen blicken, sondern aktiv ihren Glauben leben, Reinheit anstreben und vorbereitet sein wie die klugen Jungfrauen in Matthäus 25. 

Heutige Anwendung 

Diese Prophezeiung erinnert uns, dass politische Unruhen, Kriege und gesellschaftliche Umwälzungen nicht einfach „Zufall“ sind, sondern Teil eines größeren göttlichen Plans. Sie laden uns ein, folgende geistliche Prinzipien zu beherzigen: 

  • Vorausschauender Glaube: Wie Joseph Smith inmitten scheinbarer Ruhe prophetisch warnte, sind wir eingeladen, geistig wachsam zu sein. 

  • Zuflucht in Christus: Der „Bräutigam“ kommt – daher sollen wir uns vorbereiten, indem wir persönliche Umkehr, Heiligung und das Halten von Bündnissen suchen. 

  • Globale Verantwortung: Die Offenbarung zeigt, dass göttliches Gericht alle Nationen betrifft. Wir sind aufgerufen, Frieden zu stiften und das Evangelium als Heilmittel für Streit und Spaltung zu verbreiten. 

Fazit 

Lehre und Bündnisse 87 ist eine weitreichende prophetische Schau über Kriege, göttliches Gericht und die Notwendigkeit geistiger Vorbereitung. Sie beginnt mit einem historischen Ereignis – der Spaltung Amerikas – und endet mit einer universellen Einladung zur Umkehr und zur Erwartung des Bräutigams. In einer Welt, die weiterhin von Konflikten geprägt ist, ruft uns diese Offenbarung dazu auf, fest im Glauben zu stehen, Frieden zu suchen und vorbereitet zu sein für das Kommen Christi. 

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Darum lasst den Weizen und das Unkraut miteinander wachsen

8. August 2025, 05:12am

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Veröffentlicht von Manfred Lobstein

(Bild: Quelle)

“Darum lasst den Weizen und das Unkraut miteinander wachsen, bis die Ernte ganz reif ist; dann sammelt zuerst den Weizen aus dem Unkraut, und wenn ihr den Weizen gesammelt habt, siehe, ja siehe, wird das Unkraut in Bündel gebunden, und dann bleibt noch übrig, das Feld abzubrennen.” (Lehre und Bündnisse 86:7). 

Lehre und Bündnisse 86:1–11 – Historischer Kontext und geistliche Lehren

Dieser Abschnitt enthält eine inspirierte Auslegung des Gleichnisses vom Weizen und dem Unkraut (auch „Sauergras“ oder „Lolch“) aus Matthäus 13. Diese Auslegung wurde Joseph Smith am 6. Dezember 1832 offenbart. In einer Zeit intensiver Offenbarung und Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi erklärt der Herr in diesen Versen, wie sich das Evangelium im Lauf der Heilsgeschichte entwickelt hat – von der Zeit der Apostel, über den Abfall bis hin zur Wiederherstellung und den letzten Tagen. Diese Verse beleuchten die Geschichte des Reiches Gottes aus der Perspektive des Herrn selbst. 

Die Parabel vom Weizen und vom Unkraut – Verse 1–3 

Der Herr beginnt mit einer Bestätigung, dass das Gleichnis aus Matthäus 13 eine tiefere, prophetische Bedeutung hat. Zur Zeit des Wirkens Christi waren die „Felder bereit“ – die Welt war geistig vorbereitet auf die Aussaat des Evangeliums. Christus selbst und seine Apostel waren die „Sämänner“, die den guten Samen – das Wort Gottes – in die Herzen der Menschen streuten (vgl. Matthäus 13:3–9, 18–23). 

In Vers 3 erklärt der Herr, dass nach dem Tod der Apostel – „nachdem sie entschlafen waren“ – der große Verfolger, Satan selbst, das Unkraut säte. Diese Formulierung beschreibt den großen Abfall (Apostasie), der in der frühchristlichen Kirche stattfand. Elder Neal A. Maxwell erinnerte daran, wie umfassend diese Apostasie war. Paulus sprach bereits von einer kommenden „Abkehr“ (2 Thessalonicher 2:3), und warnte, dass „grimmige Wölfe“ die Herde nicht verschonen würden (Apostelgeschichte 20:29). Die Verfälschung von Lehre, die Einführung falscher Apostel (2 Korinther 11:13) und der moralische Verfall (vgl. Epheser 5:3) waren unübersehbare Zeichen dieser Entwicklung. 

Stephen E. Robinson beschreibt diese Phase als eine geistige Dunkelheit, in der das wahre Christentum durch eine „hellenisierte“ Religion ersetzt wurde – eine Mischung aus menschlicher Philosophie und biblischer Sprache. Der wahre Glaube wurde aus dem öffentlichen Raum gedrängt und „in die Wildnis“ verbannt (vgl. Offenbarung 12:6). 

Die Zeit der Trennung – Verse 4–7 

Vers 4 markiert einen Wendepunkt: Die Wiederherstellung des Evangeliums in den Letzten Tagen ist eine zweite Aussaat. Joseph Fielding Smith erklärte, dass diese Unterscheidung in Matthäus nicht explizit gemacht wird, aber durch diese Offenbarung deutlich wird. In der Fülle der Zeiten sät der Herr erneut „gute Samen“ – das Evangelium Jesu Christi durch Propheten, beginnend mit Joseph Smith. Aber auch diesmal folgt der Widersacher mit seinen Taktiken. Falsche Lehren, Verwirrung, Gleichgültigkeit – moderne Formen des Unkrauts – wachsen gleichzeitig mit dem Weizen. 

In Vers 5 heißt es, dass Engel Tag und Nacht zum Herrn rufen, bereit, die Ernte durchzuführen. Wilford Woodruff sprach 1876 eindringlich über die Dringlichkeit dieses Werkes. Die Engel warten, aber sie handeln nur auf göttliches Geheiß, wenn die Welt „voll ausgereift“ in ihrer Bosheit ist (Vers 7). Elder Maxwell ergänzte, dass diese Wartehaltung nicht Ausdruck von Ungeduld sei, sondern von Mitgefühl inmitten eines leidenden und sich selbst zerstörenden Planeten. 

Vers 7 macht deutlich, dass das Unkraut – die Gesetzlosen – zu Bündeln gebunden wird. Joseph Smith erklärte dies als Symbol dafür, dass die Menschen durch ihre falschen Glaubensbekenntnisse und Sünden „gebunden“ werden, bereit für das kommende Gericht. Der „Tag der Verbrennung“ ist ein Bild für das gerechte Gericht Gottes über eine reuelose Welt. Doch während die Gesetzlosen sich selbst binden, wird der Weizen – die Rechtschaffenen – in die „Scheunen“ gesammelt, ein Hinweis auf die Sammlung Zions (siehe Matthäus 13:30). 

Das Priestertum und das Erbe der Gerechten – Verse 8–11 

Vers 8 bringt ein neues Element in das Gleichnis: das Priestertum. Der Herr spricht direkt zu Joseph Smith und bestätigt, dass das Priestertum durch die „Linie eurer Väter“ fortgeführt wurde. Das bedeutet nicht, dass alle Priestertumsträger direkte Nachkommen der alttestamentlichen Patriarchen sind. Vielmehr, wie Elder Theodore M. Burton erklärte, geht es hier um ein geistiges Erbe – eine prämortal bestimmte Bereitschaft, die Wahrheit zu erkennen und das Priestertum zu empfangen. Solche Seelen sind „rechtmäßige Erben“, „nach dem Fleisch“, und wurden in Gott „mit Christus vor der Welt verborgen“ (Vers 9). 

Diese Formulierung erinnert an Lehren über Vorherordination: dass bestimmte Geistkinder Gottes in dieser letzten Evangeliumszeit geboren werden sollten, um das Werk Gottes auf Erden zu erfüllen. Sie sind das „Restvolk“, das für diese Zeit bewahrt wurde (Vers 10). Der Herr bezeichnet sie als „Teilhaber des Segens Abrahams“ – ein direkter Bezug auf die Abrahamische Verheißung, durch die alle Völker der Erde gesegnet werden sollten (vgl. 1. Mose 12:3; Abraham 2:9–11). 

In Vers 11 erklärt der Herr, dass dieses Volk in der letzten Zeit „die Erde beerben“ wird. Diese Aussage verweist auf die endgültige Erfüllung der Verheißungen an Abraham, Isaak und Jakob. Die Sanftmütigen – also jene, die sich durch das Priestertum, durch Glauben, Gehorsam und Hingabe auszeichnen – werden das Reich Gottes in der Fülle erben (vgl. Matthäus 5:5). 

Fazit: Hoffnung, Warnung und Berufung 

Lehre und Bündnisse 86 ist sowohl eine ernste Warnung als auch eine große Verheißung. Es zeigt, dass der Herr in allen Zeitaltern aktiv am Werk war. Die Saat wurde gesät, das Unkraut ist gewachsen – aber die Ernte wird kommen. In der Zwischenzeit wird das Evangelium erneut ausgesät, diesmal in Vorbereitung auf das Kommen des Herrn in Herrlichkeit. 

Diese Offenbarung erinnert uns, dass der Kampf zwischen Wahrheit und Täuschung real ist. Die Gnade und Führung des Herrn aber ist noch realer. Der Aufruf gilt allen, die „Teilhaber des Segens Abrahams“ sein wollen: Seid wachsam, lasst euch nicht vom Unkraut verdrängen, sondern bleibt im Glauben, auf dass ihr mit den Sanftmütigen die Erde erbt. 

Durch diese Verse erhalten wir ein besseres Verständnis von der göttlichen Chronologie, in der wir leben. Die Wiederherstellung ist kein Zufallsereignis, sondern der Beginn der letzten Phase der göttlichen Ernte. Und wir sind eingeladen, als Getreue am Werk des Herrn mitzuarbeiten – mit der festen Hoffnung, dass der Weizen schließlich gesammelt und verherrlicht wird. 

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