Alma der Jüngere weiter zu seinem Sohn Helaman: „Nun siehe, ich sage dir: Wäre ich nicht aus Gott geboren, so wüsste ich dies nicht; aber Gott hat mir dies durch den Mund seines heiligen Engels kundgetan, nicht weil ich aus mir selbst dessen würdig gewesen wäre; 6 denn ich ging mit den Söhnen Mosias umher und trachtete danach, die Kirche Gottes zu vernichten; aber siehe, Gott sandte seinen heiligen Engel, um uns auf dem Weg anzuhalten.“ (Alma 36:5-6).
Wäre ich nicht aus Gott geboren. Wie ist diese Aussage nun wieder zu verstehen, wie kann Alma aus Gott geboren sein? Schon Nikodemus stellte dem Herrn diese Frage, als dieser davon redete, dass niemand das Reich Gottes sehen könne, „... Wenn jemand nicht von neuem geboren wird ...“ (Johannes 3:3-4). Viele, die einen schweren Unfall überlebt haben, oder vor dem sicheren Tod durch jemanden bewahrt wurden - z. B. bei einem Kletterunfall in den Bergen - , empfinden diesen Tag der Rettung als einen zweiten Geburtstag, als wären sie nochmals geboren. Sie sind vor dem sicheren irdischen Tod durch Retter verschont worden.
Der Apostel Petrus erklärt uns das mit dem `aus Gott geboren sein´ folgendermaßen: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: „Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben“ (1. Petrus 1:3). Wir alle, die wir hier über diese Erde gehen dürfen, müssen einen irdischen Tod erleiden, aber Christus hat uns durch sein Sühnopfer von diesem Tod erlöst, gerettet. Wir werden nach diesem Tod `neu geboren´ zu ewigem Leben. Diese Neugeburt beginnt mit unserer Taufe (1. Petrus 1:23; Lehre und Bündnisse 5:16), einhergehend mit einer durch den Geist des Herrn verursachten mächtigen Herzenswandlung, verbunden damit, dass wir kein Verlangen mehr haben Böses zu tun, sondern nur noch Gutes, und wird fortgesetzt durch die Auferstehung (1. Korinther 15:54). Ich erkenne also: Wenn ich das Himmelreich ererben möchte, muss ich `von neuem geboren werden´; wie dies geschieht, fasst ein Vers der Köstlichen Perle wunderbar zusammen, und zwar Mose 6:59. Was ist dein Verständnis von `aus Gott geboren werden´?
Alma der Jüngere weiter zu seinem Sohn Helaman: „Und ich möchte nicht, dass du denkst, ich hätte dieses Wissen aus mir selbst—nicht aus dem Zeitlichen, sondern aus dem Geistigen, nicht aus dem fleischlichen Sinn, sondern von Gott.“ (Alma 36:4).
Ich möchte nicht, dass du denkst, ich hätte dieses Wissen aus mir selbst. Wilhelm Liebknecht (1826–1900; Gründervater der SPD) griff bei einem Vortrag die Formulierung des englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) auf und formulierte mit einer Umkehrung erweitert: „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“. Dieses geflügelte Wort ist dir sicherlich schon mal begegnet. Auch in den Sprüchen findet sich ein ähnlicher Ausspruch: „Der Weise ist dem Starken überlegen, ein verständiger Mensch dem robusten.“ (Sprichwörter 24:5). Wissen zu haben, bedeutet Kenntnis zu besitzen, sich über Wahrheit sicher zu sein.
Alma teilt seinem Sohn mit, dass er sein Wissen über den Plan der Erlösung nicht selber ersonnen hat, sondern es ihm von Gott übermittelt wurde, der ein wissender Gott ist (1. Samuel 2:3). Francis Bacons Ausspruch `Wissen ist Macht´, spiegelt sich auch in einer von Joseph Smith gegebenen Belehrung wieder. Sie besagt, dass diejenigen die sich in diesem Leben eifrig mehr Wissen aneignen, später einmal denjenigen gegenüber im Vorteil sind, die sich hier auf Erden weniger um das Erlangen von Wissen bemühen (Lehre und Bündnisse 130:19). Dadurch werde ich ermuntert, mit dem eifrigen Aneignen von Wissen nie aufzuhören. Meine Vorvordern haben schon immer folgende Redensart auf den Lippen gehabt, wenn sie auch noch im hohen Alter etwas Neues erkannt hatten: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu“. Wie gehst du mit `lebenslangem Lernen´ um?
Das Zitat stammt vom britischen Komponisten Benjamin Britten (1913–7196) (Bild: Quelle)
Alma der Jüngere: „Und nun, o mein Sohn Helaman, siehe, du bist in deiner Jugend, und darum flehe ich dich an, du wollest meine Worte hören und von mir lernen; denn ich weiß sicher, wer auch immer sein Vertrauen in Gott setzt, der wird in seinen Prüfungen und seinen Mühen und seinen Bedrängnissen gestärkt und wird am letzten Tag emporgehoben werden.“ (Alma 36:3).
Der wird ... am letzten Tag emporgehoben werden. Was ist wohl mit dem `letzten Tag´ gemeint? Aus der Fußballszene kennst du vielleicht den Begriff `Deadline Day´. Das ist für Vereine der Zeitpunkt, bis zu dem sie sämtliche Registrierungen von Spielern, Anträge auf Erteilung der Spielberechtigung sowie Transfers über ein Onlinesystem eingerichtet haben müssen. Danach geht nichts mehr. Im Berufsleben gehört das Einhalten von `Deadlines´ (Stichtagen) zum professionellen Arbeiten.
In der Heiligen Schrift finden wir eine Erklärung, was der Herr mit dem `letzten Tag´ meint. Auf seinem Weg zum letzten Osterfest in Jerusalem sprach Jesus u. a.: „Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag.“ (Johannes 12:48); und auf die Aussage Jesu bezüglich ihres verstorbenen Bruders Lazarus: „Dein Bruder wird auferstehen.“ antwortet ihm Marta: „Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.“ (Johannes 11:23-24). Der `letzte Tag´ hat also etwas mit Auferstehung und Gericht, dem endgültigen Gericht, zu tun. An diesem Tag wird sich jedes Knie vor ihm beugen und jede Zunge ihn, unser aller Erlöser, bekennen und von ihm gerichtet werden (Mosia 27:31). Und wie Alma der Jüngere seinem Sohn Helaman erklärt: „... wer auch immer sein Vertrauen in Gott setzt, ... der wird ... am letzten Tag emporgehoben werden.“, was so viel bedeutet wie „... im immerwährenden Reich des Lammes errettet ...“ zu werden (1. Nephi 13:37). Es ist überlebenswichtig, dass wir unser Vertrauen schon vor diesem `letzten Tag´, dem `großen und schrecklichen Tag´ (Lehre und Bündnisse 110:16), in den Herrn setzen, ansonsten ist die Deadline erreicht und nichts geht mehr. Wie sieht dein Vertrauen in den Herrn aus?
Alma der Jüngere: „Und nun, o mein Sohn Helaman, siehe, du bist in deiner Jugend, und darum flehe ich dich an, du wollest meine Worte hören und von mir lernen; denn ich weiß sicher, wer auch immer sein Vertrauen in Gott setzt, der wird in seinen Prüfungen und seinen Mühen und seinen Bedrängnissen gestärkt und wird am letzten Tag emporgehoben werden.“ (Alma 36:3).
Mormon, der die Berichte seiner Vorfahren zusammenfasste (Worte Mormons 1:1,9), schiebt jetzt einige Kapitel ein, in denen die Belehrungen Alma des Jüngeren an seine Söhne Helaman, Schiblon und Korianton in dessen eigenen Worten wiedergegeben sind.
Darum flehe ich dich an, du wollest meine Worte hören und von mir lernen. Wer hat nicht von seinen Eltern gelernt. Sie haben etwas vorgelebt und wir haben es in unser Handeln übernommen. Wir haben z. B. erlebt, dass sie darauf bedacht waren liebevoll miteinander, mit ihren Kindern und mit den Mitmenschen umzugehen. Wir haben evtl. erlebt, dass sie sich täglich zu einer bestimmten Zeit in die Heiligen Schriften vertieft und darüber nachgedacht und gesprochen haben, wie sie das Gelesene in Taten umsetzen können. Eventuell haben sie uns vorgelebt, dass man morgens und abends und zu den Mahlzeiten mit dem Vater im Himmel spricht ... Wir haben diese Handlungen höchstwahrscheinlich übernommen. Genauso passiert es meist auch mit Negativerlebnissen. Aber wir haben eine Person, die wir kennenlernen können und von der wir nur das Gute vorgelebt bekommen haben und dies nachahmen können: Jesus Christus. Er sagt uns: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; ...“ (Matthäus 11:29). Für mich bedeutet `sein Joch auf mich zu nehmen´, mich seinem Willen zu unterwerfen - seine Gebote zu halten - und mich von ihm führen und leiten zu lassen. Ich nehme lieber das Joch des Herrn auf mich und lerne von ihm und seinen berufenen Dienern, als `die Last der Welt´ und das Vorbild Satans nachzuahmen. Wessen Worte hörst und von wem lernst du?
Das barmherzige Verhalten des Volkes Ammon gegenüber den vertriebenen Zoramiten, die das Wort Gottes angenommen hatten, stachelte „... die Zoramiten zum Zorn gegen das Volk Ammon auf, und sie fingen an, sich mit den Lamaniten zusammenzutun und auch diese zum Zorn gegen sie aufzustacheln. 11 Und so fingen die Zoramiten und die Lamaniten an, Kriegsvorbereitungen gegen das Volk Ammon zu treffen, ebenso gegen die Nephiten.“ (Alma 35:10-11).
So fingen die Zoramiten und die Lamaniten an, Kriegsvorbereitungen gegen das Volk Ammon zu treffen. Weil die angeseheneren Zoramiten auf das Wort Gottes zornig waren, es zerstörte nämlich ihre `Priesterlist´ (Alma 35:3), wollten sie die Verbreitung unter ihrem Volk vermeiden. Sie fanden also heraus, wer von den ärmeren das Wort annahm und vertrieben diese aus ihrer Heimat (Alma 35:6). Nachdem sie aufgrund dessen bei den Ammoniten eine neue Heimat fanden und sogar eigenes Land bekamen, setzten sie die Ammoniten unter Druck, die Einwanderer auch aus ihrem Land zu vertreiben. Doch die Ammoniten ließen sich nicht einschüchtern (Alma 35:8-9), was die Führer der Zoramiten noch wütender machte und dazu führte, dass sie sich mit den Lamaniten gegen diese verbündeten, um Krieg zu führen (Alma 35:10-11).
In diesem Kapitel erfahren wir, worin die lang andauernden Kriege zwischen den Nephiten und Lamaniten ihren Ursprung hatten, die in den Kapiteln Alma 43 bis 62 beschrieben werden. Die Herzen der `angeseheneren Zoramiten´ wurden von Satan zum Zorn gegen ihre Brüder aufgestachelt (2. Nephi 28:20). So in Rage, beeinflussten sie ihrerseits die Lamaniten und andere abgefallene Nephiten. Auch diese wurden wütend auf die Nephiten und zusammen zettelten sie einen Krieg gegen den rechtschaffeneren Teil der Zoramiten und Nephiten an. Ich lerne daraus, dass ich mich durch andere nicht gegen jemanden durch Worte, die bewirken sollen, dass ich sehr aggressiv gegen jemanden werde, aufhetzen lassen darf. Etliche radikale Kräfte sind auch heute dabei, die dies ständig versuchen. Populisten, ja sogar Staatspräsidenten sind mit von der Partie. Die elektronischen sozialen Medien werden von diesen in schamloser Weise benutzt. Ich weiß, dass hinter solchen Machenschaften Satan steckt, der mich von rechtschaffenem Leben allzu gerne abbringen möchte. Ihm muss und kann ich widerstehen (Jakobus 4:7). Wie gehst du mit Hetztiraden um?
Das barmherzige Verhalten des Volkes Ammon gegenüber den vertriebenen Zoramiten, die das Wort Gottes angenommen hatten, stachelte „... die Zoramiten zum Zorn gegen das Volk Ammon auf, und sie fingen an, sich mit den Lamaniten zusammenzutun und auch diese zum Zorn gegen sie aufzustacheln. 11 Und so fingen die Zoramiten und die Lamaniten an, Kriegsvorbereitungen gegen das Volk Ammon zu treffen, ebenso gegen die Nephiten.“ (Alma 35:10-11).
So fingen die Zoramiten und die Lamaniten an, Kriegsvorbereitungen gegen das Volk Ammon zu treffen. Weil die angeseheneren Zoramiten auf das Wort Gottes zornig waren, es zerstörte nämlich ihre `Priesterlist´ (Alma 35:3), wollten sie die Verbreitung unter ihrem Volk vermeiden. Sie fanden also heraus, wer von den ärmeren das Wort annahm und vertrieben diese aus ihrer Heimat (Alma 35:6). Nachdem sie aufgrund dessen bei den Ammoniten eine neue Heimat fanden und sogar eigenes Land bekamen, setzten sie die Ammoniten unter Druck, die Einwanderer auch aus ihrem Land zu vertreiben. Doch die Ammoniten ließen sich nicht einschüchtern (Alma 35:8-9), was die Führer der Zoramiten noch wütender machte und dazu führte, dass sie sich mit den Lamaniten gegen diese verbündeten, um Krieg zu führen (Alma 35:10-11).
In diesem Kapitel erfahren wir, worin die lang andauernden Kriege zwischen den Nephiten und Lamaniten ihren Ursprung hatten, die in den Kapiteln Alma 43 bis 62 beschrieben werden. Die Herzen der `angeseheneren Zoramiten´ wurden von Satan zum Zorn gegen ihre Brüder aufgestachelt (2. Nephi 28:20). So in Rage, beeinflussten sie ihrerseits die Lamaniten und andere abgefallene Nephiten. Auch diese wurden wütend auf die Nephiten und zusammen zettelten sie einen Krieg gegen den rechtschaffeneren Teil der Zoramiten und Nephiten an. Ich lerne daraus, dass ich mich durch andere nicht gegen jemanden durch Worte, die bewirken sollen, dass ich sehr aggressiv gegen jemanden werde, aufhetzen lassen darf. Etliche radikale Kräfte sind auch heute dabei, die dies ständig versuchen. Populisten, ja sogar Staatspräsidenten sind mit von der Partie. Die elektronischen sozialen Medien werden von diesen in schamloser Weise benutzt. Ich weiß, dass hinter solchen Machenschaften Satan steckt, der mich von rechtschaffenem Leben allzu gerne abbringen möchte. Ihm muss und kann ich widerstehen (Jakobus 4:7). Wie gehst du mit Hetztiraden um?
Nachdem die armen Zoramiten, die das Wort Gottes angenommen hatten, von den angeseheneren aus ihrem Heimatland ausgestoßen waren, bekamen sie Asyl bei dem Volk Ammon, das ihnen hierfür das Land Jerschon räumte (Alma 35:6). Das wiederum passte den restlichen Zoramiten gar nicht. Sie waren „... zornig auf das Volk Ammon, das in Jerschon war, und der oberste Herrscher der Zoramiten, der ein sehr schlechter Mensch war, sandte hinüber zum Volk Ammon und wünschte von ihnen, sie sollten aus ihrem Land alle diejenigen ausstoßen, die von ihnen in ihr Land hinübergekommen waren. 9 Und er stieß viele Drohungen gegen sie aus. Und nun fürchtete das Volk Ammon ihre Worte nicht; darum stießen sie sie nicht aus, sondern sie nahmen alle Armen der Zoramiten auf, die zu ihnen herüberkamen; und sie gaben ihnen Nahrung und kleideten sie und gaben ihnen Land als ihr Erbteil; und sie nahmen sich ihrer gemäß ihren Bedürfnissen an.“ (Alma 35:8-9).
Sie nahmen sich ihrer gemäß ihren Bedürfnissen an. Das Volk Anti-Nephi-Lehi - bekehrte Lamaniten aus dem Ländern Ischmael, Middoni, Schimlom, Schemlon, und den Städten Nephi, Lemuel und Schimlinom (Alma 23:8-12) - die jetzt das Volk Ammon genannt wurden, nahmen die Flüchtlinge aus dem Land Antionum, östlich von Zarahemla (Alma 31:3), auf und „... nahmen sich ihrer gemäß ihren Bedürfnissen an.“
Auch hier haben wir ein Beispiel aus dem Buch Mormon, wie schon zuzeiten vor Christus, Volksgruppen auf dem amerikanischen Kontinent aufgrund ihres Glaubens an Christus, vertrieben wurden und Unterschlupf bei mutigen gläubigen Christen, dem Volk Ammon, erhielten. War doch das aufnehmende Volk Ammon vor kurzer Zeit erst selber von den Nephiten als Flüchtlinge aufgenommen worden und bekamen sogar Land zugeteilt (Alma 27:25-26), wie diese es jetzt auch mit den Ammoniten handhabten: „... und gaben ihnen Land als ihr Erbteil; ...“ Erleben wir nicht genau dasselbe heutzutage in unvorstellbarem Ausmaß auch wieder? Wie verhalten wir uns gegenüber solch aus ihrer Heimat geflüchteten. Nehmen auch wir uns ihrer „... gemäß ihren Bedürfnissen an.“? Viele positive Beispiele wurden in TV-Dokumentationen veröffentlicht. Jeder kann im Kleinen etwas zur Verbesserung ihrer Situation beitragen, insbesondere im Gedenken dessen, dass doch eigentlich jeder von uns im Grunde genommen Flüchtling war oder ist. Unsere Gemeinde hat als ein Beispiel, unsere Mehrzweckhalle der Kirche, für Schulsport zur Verfügung gestellt, als Flüchtlinge in die Sporthalle der Schule einquartiert wurden und die Schüler nun hätten keinen Sportunterricht haben können. Dieses Jahr stellen wir sie wieder zur Verfügung, weil die Turnhalle der Schule renoviert werden muss. Unsere Klassenräume haben wir für Deutschunterricht für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. So stehen den vielen Negativbeispiele auch viele positive gegenüber. Wie hältst du es mit der Unterstützung aus ihrer Heimat vertriebener?
Mögliche Lage der Städte zueinander; oben beschriebene Städte sind eingekreist (Bild: Quelle)
Nachdem die Zoramiten, die die Worte der Missionare annahmen, nun von der Oberschicht aus ihrem Land ausgestoßen worden waren, kümmerten sich Alma und seine Mitarbeiter um sie im Land Jerschon, in das sie auswanderten (Alma 35:6): „Und es begab sich: Alma und seine Brüder dienten ihnen.“ (Alma 35:7).
Ich habe es schon erlebt, dass der eine oder andere sich an dem Begriff `Dienen´ stört. Er hätte so etwas mit Unterordnung, Unterwürfigkeit zu tun, ein Bediensteter zu sein, gehorchen zu müssen, für andere zu arbeiten. Ein Beamter steht z. B. gegenüber seinem Dienstherren in einem `öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis´. Aus diesem Verhältnis heraus obliegen ihm Dienstpflichten gegenüber seinem Dienstherren. Verletzt er diese, hat er mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Auf der anderen Seite hat der Dienstherr aber auch gegenüber dem Beamten eine Fürsorgepflicht. Er hat die Pflicht, für sein Wohlergehen Sorge zu tragen.
Alma und seine Brüder dienten ihnen. Im Lichte des Evangeliums betrachtet, hat das `Dienen´ einen ganz anderen Stellenwert. Es geht zwar auch um Fürsorge anderen oder Arbeit für Mitmenschen gegenüber, aber der oberste `Dienstherr´ ist keine weltliche Institution, sondern Gott, denn: „... wenn ihr im Dienste eurer Mitmenschen seid, ihr nur im Dienste eures Gottes seid.“ (Mosia 2:17). Für mich ist es eine Ehre, ein Vorzug, dadurch im Dienste meines Gottes zu stehen, indem ich meinen Mitmenschen `diene´. Ich nehme mir gerne die Einstellung des Nachfolgers in der Führung des Volkes Israel, Mose, Josua, zu Herzen: „... Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.“ (Josua 24:15). Dabei orientiere ich mich an Matthäus 25:35-45. Nicht nur im Rahmen meiner kirchlichen Aufgaben `kümmere´ ich mich gerne um Bedürftige und lasse ihnen Hilfe zukommen, die ich in der Lage bin zu leisten, ich `diene´ ihnen. Wie ist deine Einstellung zum Dienen?
Die Herrscher der Zoramiten, natürlich zu den Angeseheneren gehörend, versammelten Ihresgleichen im ganzen Land, um über die von Alma und Amulek gesprochenen Worte zu beraten (Alma 35:4). „Nun ließen ihre Herrscher und ihre Priester und ihre Lehrer das Volk über ihre Wünsche in Unkenntnis; darum erforschten sie im geheimen den Sinn des ganzen Volkes. 6 Und es begab sich: Nachdem sie den Sinn des ganzen Volkes erforscht hatten, wurden diejenigen, die die Worte günstig aufnahmen, die von Alma und seinen Brüdern gesprochen worden waren, aus dem Land ausgestoßen, und es waren ihrer viele; und sie begaben sich auch ins Land Jerschon hinüber.“ (Alma 35:5-6)
Darum erforschten sie im geheimen den Sinn des ganzen Volkes. Auch in unserer Zeit gab und gibt es solche Bespitzelungen. In der früheren DDR wurde dafür die Stasi, das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), auch Staatssicherheitsdienst, breit aufgestellt. Es fungierte zugleich als Nachrichtendienst und Geheimpolizei und war somit Machtinstrument der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED). Im Hitlerregime wurde eine »Nacht-und-Nebel-Aktion« durchgeführt, eine Aktion, die nach außen hin nicht publiziert wurde, also auch im Geheimen stattfand. Auf Hitlers Weisung vom 7. Dezember 1941 wurden Widerstandskämpfer in besetzten Gebieten (besonders in Frankreich, Belgien und den Niederlanden) „ins Reich überführt“ und ohne jede Mitteilung hingerichtet oder in Konzentrationslager eingewiesen wurden. Bei den Zoramiten wurden die Andersdenkenden aus dem Land vertrieben.
Auch heute wird der `Sinn des Volkes´ erforscht (Meinungsumfragen). Sie verlaufen meist nicht im Geheimen, aber im Marketing werden Käuferverhalten im Geheimen erforscht, ausgewertet und aus den Ergebnissen Maßnahmen zur Absatzsteigerung abgeleitet. Der Kunde wird manipuliert. In ihm wird die Sehnsucht nach einem Produkt geweckt, obwohl es u. U. ungesund ist oder er es gar nicht benötigt. In Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft wird auch vieles im Geheimen abgesprochen, was für das Volk nicht unbedingt zum Vorteil ist (Abgasskandal, Kartellabsprachen ...). Ich lerne aus der Schrift, dass der Herr nicht möchte, dass wir Pläne im Geheimen schmieden (Jesaja 29:15). Jesus ist wieder unser Vorbild: „... Nichts habe ich im Geheimen gesprochen.“ (Johannes 18:20). Sicherlich gibt es in bestimmten Bereichen die Notwendigkeit der Geheimhaltung, um z. B. Massenpanik zu verhindern oder die Sicherheit des Volkes nicht aufs Spiel zu setzen. Wie überall im Leben gibt es auch hier immer zwei Seiten einer Medaille und es gehört abgewogen, was ist in welcher Situation sinnvoll, richtig und notwendig. Bei diesem Abwägen kann ich, wenn ich alleine nicht weiterkomme, vom Herrn die Hilfe des Heiligen Geistes erbitten, der uns in alle Wahrheit führt (siehe auch die Ansprache von Elder Ronald A. Rasband: „Wenn der Heilge Geist dich führt“).
Alma der Jüngere und die anderen Missionare beendeten ihre Belehrungen bei den Zoramiten und zogen in das Land Jerschon, welches die Nephiten ihren Brüdern, die sie nach ihrer Bekehrung das Volk Ammon nannten (Alma 27:12,25-26). Unter den Zoramiten gab es aber noch eine Nachlese: „Und es begab sich: Nachdem sich die Angeseheneren unter den Zoramiten miteinander über die Worte beraten hatten, die ihnen gepredigt worden waren, da waren sie wegen des Wortes zornig, denn es zerstörte ihre Machenschaften; darum wollten sie auf die Worte nicht hören.“ (Alma 35:3).
Da waren sie wegen des Wortes zornig, denn es zerstörte ihre Machenschaften. Auch Friedrich Schiller erlebte am eigenen Leib `Machenschaften´ des durch und durch absolutistischen württembergischen Herrschers, Herzog Carl Eugen (*1728), und rächte sich dafür mit einem bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe“ (um 1782 verfasst), wobei Kabale ein heute ungebräuchlicher Ausdruck für Intrigen, bzw. Machenschaften, ist. In diesem Stück greift er den Absolutismus an und kritisiert die Machenschaften des Adels, die völlige Rechtlosigkeit der Untertanen, des Bürgertums, am Beispiel der Vereitelung der Liebe zwischen der Tochter eines bürgerlichen Stadtmusikanten und Ferdinand von Walter, dem Sohn des adligen Präsidenten von Walter, aufgrund niederträchtiger Intrigen (Kabalen).
Diejenigen, die sich Machenschaften bedienen, um andere zu unterdrücken, bzw. zu schädigen, sind natürlicherweise nicht darüber erfreut, wenn diese aufgedeckt und angeprangert werden. So auch die angeseheneren Zoramiten. Auch unsere Bosse der Automobilindustrie sind sicherlich nicht erfreut darüber, dass ihre Machenschaften ans Tageslicht gekommen sind, oder die der Pharmaindustrie oder der Lebensmittelindustrie, der Politik ... Wir haben heute, ganz genauso wie unsere Vorfahren, unter `Machenschaften´ einflussreicher, machtbesessener Kräfte zu leiden, die nur auf Gewinnmaximierung und Machtausübung fixiert sind. Das hat doch was mit `Priesterlist´ zu tun. Darunter sind Menschen zu verstehen, die sich der Welt als `Licht´, als Vorbild hinstellen, um von der Welt Gewinn und Lob zu ernten. Dabei trachten sie nicht nach dem Wohlergehen ihrer `Untertanen´ (2. Nephi 26:29). Solche Leute dürfen wir uns nicht als Vorbild nehmen und doch sind sie in der Wirtschaft oder Politik sehr gefragt. Ich versuche mich an solchen Menschen zu orientieren, die nicht aus Gewinnsucht handeln (1. Petrus 5:2), denn „... sollte sich Priesterlist unter diesem Volk durchsetzen, so würde dies seine gänzliche Vernichtung bewirken.“ (Alma 1:12). Nach welchen Kriterien suchst du deine Vorbilder aus?
Die Schlussworte Amuleks an die gedemütigten Zoramiten: „sondern dass ihr Geduld habt und diese Bedrängnisse ertragt mit der festen Hoffnung, dass ihr eines Tages von all euren Bedrängnissen ausruhen werdet.“ (Alma 34:41).
Bei dem Thema Geduld kommt mir doch gleich die zentrale Gestalt des Buches Ijob in den Sinn, eines vorbildlichen, frommen und gerechten Mannes. In seinem unerträglichen Los wünschte er sich als Trost, dass Gott ihn doch zermalmen würde, und fragt dann: „Was ist meine Kraft, dass ich aushalten könnte, wann kommt mein Ende, dass ich mich gedulde?“ (Ijob 6:11). Ein französisches Sprichwort sagt: „Hab´ Geduld, alle Dinge sind schwierig, bevor sie leicht werden.“ Das ist allerdings wohl auch wieder `leichter gesagt als getan´.
Unter Geduld ist ruhiges Ausharren zu verstehen, die Fähigkeit, Leid in jeglicher Form ohne Klage oder Vergeltungswunsch zu ertragen. Ein allzu triviales Beispiel für Ungeduld meinerseits könntest du erleben, wenn du mich vor meinem Notebook sehen könntest, wenn es wiedermal eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis eine Internetseite im Browser aufgebaut wird, oder eine Anwendung auf meine Wünsche reagiert. Ich könnte da in die Luft gehen, insbesondere, wenn ich terminlich gebunden ein Ergebnis erwarte. Da erkenne ich, dass ich in einigen Dingen doch äußerst ungeduldig bin. Ich erkenne, dass ich auch in solchen Dingen Geduld lernen muss. Ein anderes Sprichwort hilft mir dabei: „Es ist leicht, geduldig zu sein, wenn man ein Schaf ist.“ Ich bin doch ein Schaf aus der Herde von Jesus Christus, also warum fällt es mir dann nicht leicht? In anderen Situationen fällt es mir leichter Geduld zu üben, nämlich, wenn ich etwas Kompliziertes mit nur zwei Händen reparieren will, wo ich doch mindestens eine mehr gebrauchen würde, denn ich weiß: „Geduld ist die Stütze der Schwäche, Ungeduld der Ruin der Stärke.“ (Charles Caleb Colton, englischer Geistlicher, 1780–1832). Hillary Olsen meint in ihrem Liahona-Artikel vom August 2015 mit dem sinnvollen Titel „Geduld: Mehr als Abwarten“ (Seite 42-45): „Geduld zu lernen ist nicht einfach. Aber es lohnt sich.“ Ihre Auffassung kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Wie ergeht es dir mit Geduld?